Wenn Rendite und Impact Hand in Hand gehen

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Von Matthieu Mougeot, Mercer Schweiz

Innerhalb der ESG-Welle, die die Investment-Welt schon seit ein paar Jahren durcheinanderwirbelt, weist die Impact-Kategorie zurzeit eine ansehnliche Dynamik auf. Der Grund für ihren Erfolg sind immer attraktiver werdende Renditen. Dies gilt insbesondere für das Universum der privaten Märkte, wie der Spezialist auf diesem Gebiet Matthieu Mougeot erklärt.

Während sich ESG-Investing bereits zum Mainstream entwickelt hat, machen immer mehr Investoren den nächsten Schritt hin zum Impact Investing. Im weitesten Sinne bezieht sich Impact Investing auf Strategien, bei denen klar definierte, nachweisbare und messbare soziale und ökologische Impact-Ziele mit dem Streben nach einer finanziellen Rendite verbunden werden. Während Impact Investing in seinen Anfängen oft mit der Vorstellung verbunden war, dass die angestrebte Wirkung finanzielle Kosten verursacht – dass heisst geringere erwartete Renditen im Vergleich zu traditionellen Anlagen in ähnlichen Sektoren – und somit eine Form von Philanthropie darstellt, hat sich die Wahrnehmung nun geändert: Impact Investing könnte langfristig überdurchschnittliche Renditen liefern und dabei noch Gutes bewirken.

Ein Ansatz, der geeignet zu sein scheint, sowohl Impact- als auch Renditeziele zu erreichen, ist das Investieren in privaten Märkten. Bei Investitionen in privaten Anlagen (wie Private Equity, Private Debt, private Infrastruktur oder Immobilien) profitieren Investoren von einigen entscheidenden Vorteilen im Vergleich zu Investitionen in öffentlichen Märkten. Die beiden wichtigsten sind Kontrolle und langfristiger Fokus. Beide Faktoren können eine grosse Hilfe sein, wenn es darum geht, Einfluss zu nehmen und robuste finanzielle Erträge zu erzielen. Durch eine erhöhte Kontrolle über die investierten Unternehmen und Assets können sich Anleger darauf konzentrieren, bessere Unternehmen aufzubauen. Nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus sozialer und ökologischer Sicht.

Immer mehr Studien untersuchen, wie eine verbesserte soziale Governance (zum Beispiel durch mehr Diversität und Einbeziehung auf allen Unternehmensebenen, geringere Personalfluktuation etc.) zu einem höheren finanziellen Erfolg von Unternehmen beiträgt. Ebenso haben sich viele Unternehmen dazu verpflichtet, ihren CO2-Fussabdruck zu reduzieren und sich für mehr ökologische Nachhaltigkeit einzusetzen. Während das Ziel Klimaneutralität sich nicht unbedingt sofort auf die Bewertungen auswirkt, wird der Weg zur Energiewende wahrscheinlich «Impact Champions» hervorbringen: Unternehmen, die bei diesem Übergang eine wichtige Rolle spielen, entweder durch die Art und Weise, wie sie ihr Geschäft und ihre Produktion neu ausrichten, oder durch die Technologien, die sie entwickeln, um den Übergang zu fördern. Jedes soziale und ökologische Wirkungsziel erfordert langfristige Investitionen und Geduld, bevor es vollständig umgesetzt wird. Investitionen in Privatmärkte – abseits des kurzfristigen Rentabilitätsdrucks der öffentlichen Märkte – sind wahrscheinlich der geeignetste Weg, um diese Impact-Strategien zu erreichen.

Warum ist es also wichtig? Laut dem Global Impact Investor Network (GIIN) wurden die Impact-Investing-Vermögenswerte im Jahr 2020 auf 715 Milliarden USD geschätzt. Auch wenn dies im Vergleich zum Gesamtwert aller Finanzanlagen immer noch gering klingt, sind die Impact-Investing-Vermögenswerte in den letzten fünf Jahren enorm gewachsen. Diese Vermögensströme decken aber nur einen kleinen Teil der Gesamtnachfrage nach Impact-Investing ab. Eine Studie der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) aus dem Jahr 2014 schätzt, dass sich die Lücke zur Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) allein für die Entwicklungsländer auf 2.5 Billionen USD pro Jahr belaufen würde. Der Investitionsbedarf ist also massiv und erstreckt sich über ein vielfältiges Spektrum von Anlageklassen, Anlagethemen und Risikoprofilen.

Eine Schlüsselkomponente von Impact-Investing-Strategien ist die Fähigkeit, die anfänglich gesetzten sozialen und ökologischen Ziele tatsächlich zu messen. Laut der aktuellen GIIN-Umfrage unter Impact-Investoren gab es in den letzten Jahrzehnten eine Verschiebung von proprietären «Impact Measurement and Management» (IMM) Tools hin zu externen. Die Umfrage zeigt, dass die SDGs nun die am häufigsten genutzten IMM-Ressourcen sind. 73 Prozent der Befragten nannten sie als Instrument, um entweder Ziele zu setzen, die Wirksamkeit zu messen und/oder über den Impact zu berichten. Während die Etablierung der SDGs ein grosser Schritt nach vorne in der Messung und Steuerung von Impact Investing war, sehen einige Investoren noch immer erhebliche Herausforderungen in diesem Bereich. Am häufigsten genannt wird hier das «Impact Washing».

Dies führt zu einigen Schlüsselfragen von neuen Impact-Investoren: Welche Wirkung wollen wir erzielen? Wie soll man sie messen? Was sollen wir vor der Investition berücksichtigen? Die Festlegung von Impact-Zielen sollte gut durchdacht sein und mit den grundlegenden Anlageüberzeugungen der jeweiligen Investoren übereinstimmen. Diejenigen, die Impact Investing in Erwägung ziehen, haben in der Regel bereits ein ESG-Rahmenwerk etabliert – doch Impact geht über die Standard-ESG-Praktiken hinaus. Die Frage, wie man die Auswirkungen messen kann, könnte bei der anfänglichen Festlegung der Impact-Ziele sehr hilfreich sein, um diese überhaupt messbar zu machen. Auch in dieser Hinsicht erscheinen die SDGs als das am häufigsten verwendete Rahmenwerk. Um Investoren bei der Festlegung und Messung ihrer Ziele zu unterstützen, haben die PRI (Principles for Responsible Investment) 2018 ihre «Impact Investing Market Map» veröffentlicht. Dieses umfassende Dokument bietet: «eine gemeinsame Definition eines thematischen Investments […], grundlegende Kriterien, die ein Thema praktisch erklären […], eine Liste von KPIs, die von der Impact-Investing-Community verwendet werden».

Die Market Map bietet zehn Anlagethemen, die sich an einem oder mehr der 17 SDGs orientieren. Am Beispiel von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien, die sich entlang des SDG #7 «Erschwingliche und saubere Energie» und bis zu einem gewissen Grad auch an SDG #9 «Industrie, Innovation und Infrastruktur» orientieren, können wir besser verstehen, welche spezifischen Anlagemöglichkeiten sich auf diese SDGs beziehen und wie die Auswirkungen gemessen werden könnten. Die zugrundeliegenden Themen aus diesem Kernbereich reichen von der Art und Weise, wie Energie produziert, gespeichert und verteilt wird bis hin zu wie diese letztendlich genutzt wird. Entlang dieser Wertschöpfungskette können viele verschiedene Arten von Unternehmen mit unterschiedlichen Auswirkungsarten und -ebenen identifiziert werden. Entlang einiger der sieben Unterziele der SDGs, wie zum Beispiel 7.2 «bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien am globalen Energiemix deutlich erhöhen» oder 7.3 «bis 2030 die globale Rate der Verbesserung der Energieeffizienz verdoppeln», können klare KPIs festgelegt werden, um Energieeinsparungen und/oder den Anteil der produzierten oder genutzten erneuerbaren Energien zu identifizieren.

Sobald die Überzeugungen und Ziele festgelegt sind, gibt es ein paar entscheidende Fragen, die vor der Investition zu berücksichtigen sind. Natürlich müssen die erwartete Rendite und das Risikoprofil von Impact-Strategien fair bewertet werden, und zwar nicht nur auf Einzelbasis, sondern auch in einem breiteren Portfoliokontext. Ähnlich wie bei den Überlegungen zu ESG-Ansätzen werden sich viele Investoren fragen, ob Impact-Strategien über das gesamte Portfolio und über alle möglichen Anlageklassen hinweg implementiert werden sollen oder ob sie thematisch fokussierte Investments bleiben sollen. Wenn es um die tatsächliche Umsetzung geht, werden einige grosse und erfahrene Investoren zwar über die interne Expertise verfügen, um Impact-Opportunitäten ausfindig zu machen und zu strukturieren, die Mehrheit wird jedoch höchstwahrscheinlich auf spezialisierte Vermögensverwalter zurückgreifen. Die Due-Diligence-Prüfung von Impact-fokussierten Strategien wird das Screening des benötigten Manager-Universums um eine weitere Linse erweitern. Neben den traditionellen Due-Diligence-Kriterien muss besonders darauf geachtet werden, dass die Strategie die versprochene(n) Wirkung(en) tatsächlich erzielt. Obwohl das Thema an sich nicht neu ist, erweitert sich das Universum der tatsächlichen Impact-Strategien rapide. Dies wirft Fragen über die Anwendbarkeit von Track Records der Manager auf, insbesondere im Fall von eher «traditionellen» Managern, die Impact-Strategien einführen. Unabhängig davon gibt es bei Impact Investing auch viele Fonds, die zum ersten Mal investieren, möglicherweise mit begrenztem Konzeptnachweis, was ihre Bewertung umso schwieriger macht. Infolgedessen wird eine gründliche fachliche Due Diligence erforderlich sein. Zusätzlich zu den üblichen Ratings werden Impact-Ratings zusammen mit deren Überwachung im Laufe der Zeit notwendig werden. Auf der anderen Seite kann eine Diversifizierung von Impact-Strategien dazu beitragen, wichtige Anlagerisiken wie Ausführung, Liquidität oder Ausstieg zu mindern.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Impact Investing ist es wichtig, dass Investoren, die diese Strategien in Erwägung ziehen, gängige Missverständnisse vermeiden. In der Tat bedeutet Impact Investing nicht zwangsläufig den Verzicht auf potenzielle überdurchschnittliche Renditen. Neue Technologien sind erforderlich, um eine langfristige Wirkung zu erzielen, insbesondere bei Umweltthemen. Die Messung hat sich dank der allgemein verwendeten Rahmenwerke wie den SDGs bereits enorm verbessert.

Aufgrund der langfristigen Ausrichtung, der direkten Kontrolle und der transparenten Ergebnismessung sind Privatmarktstrategien gut positioniert, um zu den Impact-Zielen eines Vermögenseigentümers beizutragen. Von der Festlegung der richtigen Überzeugungen bis hin zur Suche nach geeigneten Opportunitäten und Managern erfordern die tatsächliche Wirkung und der Erfolg dieser Strategien einen stringenten Prozess entlang des ganzen Investitionszyklus.

Matthieu Mougeot ist Investment Solutions Leader bei Mercer in der Schweiz. Zu seinen Aufgaben gehören die Erstellung, Umsetzung und Überwachung strategischer Asset-Allokationen sowie das Research zu spezifischen Anlagestrategien. Matthieu ist auch für spezifische Anlageprojekte verantwortlich. Matthieu hält einen Master in Bank und Finanzwesen von der Universität Lausanne und ist CAIA-zertifiziert.

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