Wie können Anlageberater und ihre Kunden von der digitalen Transformation der Finanzbranche profitieren?

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Von Christian Schmid, Head of Investments, Stableton Financial AG

In einem Umfeld, in dem die Renditeerwartungen für die meisten Anlageklassen erheblich unter denen der Vergangenheit liegen, nutzen viele Investoren die Private Markets zur Optimierung der künftigen Renditeerwartungen ihres Portfolios. Dieser Artikel erläutert, wie durch die jüngsten technologischen Entwicklungen und innovative Fintech-Unternehmen exklusive Chancen für Anlageberater und ihre Kunden entstehen.

Private Markets-Investments haben sich als unumgängliches Instrument institutioneller Investoren etabliert, die inzwischen 10% bis 20% ihres Portfolios in dieser Assetklasse positionieren. Diese Anleger haben ferner erkannt, dass Private Markets-Investments die Performance optimieren können und gleichzeitig eine effiziente Diversifikation ihres gesamtes Portfolio ermöglichen.

Private Investitionen sind in der Regel von kritischer Bedeutung für die Finanzierung von Unternehmen, vor allem von Startups und Gesellschaften, die Wachstumsfinanzierungen suchen. In den vergangenen zehn Jahren haben Banken ihre Kreditvergabe zurückgefahren, was nicht zuletzt auch der globalen Finanzkrise von 2008 geschuldet ist. Gleichzeitig kam es zu einer Abkehr von den öffentlichen Märkten. Einige börsennotierte Unternehmen entschieden sich sogar, ihre Aktien von der Börse zu nehmen, um nicht mehr durch die Kursschwankungen getaktet zu werden.

PwC erwartet von 2021 bis 2025 eine Zunahme des verwalteten Private Markets-Vermögens zwischen USD 4,2 und USD 5,5 Billionen auf USD 13,7 bis USD 15 Billionen. Dies entspricht über 10% des weltweit verwalteten Vermögensvolumens.

Investitionen in Private Markets unterscheiden sich von Anlagen in börsennotierte Aktien oder Anleihen. Während manche Portfoliomanagementkonzepte für traditionelle Anlageklassen durchaus relevant sind, trifft dies auf Private Markets-Portfolios nicht unbedingt zu. Zudem liessen sich diese Investment bis vor kurzem nur schwer in ein klassisches Portfolio integrieren. Depotbanken fragten nach ISIN-Codes, weil sie bisher nur mit Wertpapieren oder Fondsanteilen zu tun hatten. Darüber hinaus können vollkommen unvorhersehbar Kapitalabrufe angefordert werden. Auch wird die Performance nicht in Prozent, sondern anhand obskurer Kennzahlen, den Multiples, gemessen. Hohe Mindestanlagebeträge hatten zur Folge, dass kein vernünftiges Portfolio mit Single-Deal-Private Markets-Investment aufgebaut werden konnte, sofern keine Millionenbeträge auf den Anlagekonten der Kunden verfügbar waren. Selbst Kunden mit dem erforderlichen Cash erhielten keinen Zugang zu den lukrativsten Deals, weil sie nicht zu den „Valley Insidern“ gehörten. Und diese Liste ist bei weitem nicht vollständig.

Diese Rahmenbedingungen haben sich in den letzten zehn Jahren unter dem Einfluss neuer Technologien und Plattformen erheblich verbessert.

Neue Rahmenbedingungen für einen traditionell abgeschotteten Markt

Da Finanzen und Technologie immer stärker ineinandergreifen, wird die Entstehung neuer Anlageklassen die Finanzdienstleistungsbranche grundlegend revolutionieren. Die Technologie ermöglicht die Auflegung und das Angebot neuer alternativer Anlageprodukte. Die Investmentplattformen, die dies möglich machen, haben die globale Investmentlandschaft grundlegend verändert, denn sie ist nunmehr auch Einzelanlegern zugänglich, so dass die Zielgruppe der Private Markets-Investoren immer grösser wird.

Einer der wichtigsten Faktoren für die bessere Zugänglichkeit alternativer Anlagen ist die Fraktionierung, d.h. die digitale Zerlegung eines Vermögenswerts in Bruchteile und die Entwicklung eines virtuellen Marktplatzes für diese Bruchteile. Dadurch entfällt die Erfordernis einer hohen Anfangseinlage und es entstehen liquide digitale Märkte für bislang illiquide Vermögenswerte.

Diese digitalen Marktplätze bieten praktisch jede an den Private Markets verfügbare Anlageklasse an, von Pre-IPO-Aktien bis zu Anlageprodukten, die ESG-Themen besetzen. Infolge des gestiegen Marktinteresses und der stärkeren Transparenz sind mehrere zuvor obskure Anlageformen nunmehr ins Rampenlicht getreten. Die Blockchain- und Distributed Ledger-Technologie, auf denen diese Plattformen beruhen, haben durch die finanzielle Transparenz auch das Vertrauen der Investoren gestärkt. Gleichzeitig haben Automatisierungstechnologien die Bearbeitungszeiten drastisch verkürzt und die Notwendigkeit von Kapitalabrufen abgeschafft.

Fintech, das Schlagwort der Finanzwelt

Die Finanztechnologie hat inzwischen einen gewaltigen Einfluss auf die gesamte 23 Milliarden US-Dollar schwere internationale Finanzdienstleistungsbranche. Immer mehr Kunden nutzen die Smartphone-App ihrer Bank für ihre täglichen Bankgeschäfte und den Kauf von Finanzprodukten. Folglich verzeichnen Branchenakteure, die mit ihrem Kernangebot auf Technologie setzen, ein schnelles Wachstum.

Und die Investoren springen in Scharen auf den Zug auf – die Zahl der Mega-Deals oder Finanzierungsrunden im Volumen von über USD 100 Millionen hat sich 2021 mehr als verdoppelt und ist auf USD 86,5 Milliarden gestiegen. Mittels dieser Investment-Marktplätze können institutionelle Investoren und Privatanleger nunmehr von einem boomenden Sektor profitieren. Sie können sich nahtlos in sorgfältig ausgewählten globalen Fintech-Startups positionieren und ihre Investitionen auf mehrere Unternehmen, Fintech-Sektoren und geografische Zonen diversifizieren. Zudem können sie Co-Investments gemeinsam mit erstklassigen Risikokapitalgesellschaften und Hedgefonds vornehmen.

Stabilitätsanker in turbulenten Zeiten

Paradoxerweise sind Investments in Disruptoren wie Fintechs prinzipiell defensiv, weil ihre Kundenbasis diese neuen und vorhandenen Marktführer bereits weitgehend in ihren Alltag integriert hat. Aufgrund ihrer innovativen und marktbeherrschenden Position sind sie bei der Festlegung ihrer Preise relativ unabhängig. Sie stehen für besonders produktive, auf Innovationen beruhende Assets, deren Wachstum den Markt mit Abstand überholen dürfte. Und ihre Bewertung ist weitgehend immun gegen durch Panikverkäufe oder technische Anpassungen ausgelöste Kursschwankungen an den Börsen. Mit anderen Worten: Private Markets-Investments können ein Stabilitätsanker für das gesamte Portfolio sein.

Fazit

Früher war der Zugang zu Private Markets grösstenteils institutionellen Investoren und vermögenden Privatpersonen mit riesigen Portfolios und Investmentteams vorbehalten. Über die neuen Investmentplattformen können Anlageberater und ihre Kunden mittlerweile methodisch, kohärent und zielführend für ihren Anlagebedarf und ihre Anlageziele an den Private Markets partizipieren. Wer hätte ahnen können, dass Fintech eines Tages die Voraussetzung für Investitionen in andere erfolgreiche Fintech-Unternehmen sein würde?

Christian Schmid ist Head of Investments von Stableton Financial AG, einer Fintech mit Sitz in Zug und Zürich. Die alternative Investment-Fintech-Plattform von Stableton will sich als weltweit führendes Marktnetzwerk für qualifizierte und institutionelle Investoren etablieren, die in liquide alternative Anlagen, Private Equity einschliesslich Risikokapital, Private Debt und Sachwerte investieren wollen. Bereits heute ist Stableton in der Schweiz der führende Anbieter für den Zugang zu Risikokapital und Pre-IPO-Investments. Investitionen mit einem Schweizer ISIN-Code beginnen bei CHF 10.000.

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