„Wir bieten UVV ein neues Partnerschaftsmodell: OCIO“

555
0
Share:

Interview mit Charles-Henry Monchau, CIO, Banque Syz

Von Elsa Floret

Das OCIO-Modell (Outsourced Chief Investment Officer) ist im angelsächsischen Raum sehr erfolgreich. Das Modell ist auch auf dem europäischen Kontinent auf dem Vormarsch, weiss Charles-Henry Monchau, CIO von Banque Syz seit Oktober 2021. Die Bank schliesst eine Partnerschaft mit ihren UVV-Kunden, die eigene Ideen für Co-Investitionen einbringen.

Syz hat ein Modell namens ‚Portfoliomanagement 2.0‘ entwickelt. Kann die Finanzbranche mit der ‚Industrie 4.0‘ aus technologischer Sicht überhaupt mithalten?
Der Finanzsektor erfindet sich derzeit in vielerlei Hinsicht neu: Fintech, Insurtech, neue Zahlungsmittel, Blockchain, dezentralisierte Finanzlösungen… dies sind technologische Fortschritte und neue Geschäftsmodelle, die anderen Branchen in nichts nachstehen.
Mit Blick auf das Portfoliomanagement ist festzustellen, dass die meisten Prozesse derzeit auf dem gleichen Paradigma beruhen, und zwar auf einer Kombination aus Aktien und Anleiheninvestments. Doch hier entsteht künftig eine gewaltige Herausforderung: die finanzielle Repression.

Was genau umfasst das Portfoliomanagement 2.0?
Möglich sind mehrere Szenarios.
Die erste Option: Der Kunde nimmt ein höheres Risiko und somit stärke Renditeschwankungen in Kauf nimmt, um eine Performance wie in der Vergangenheit zu erzielen.
Die zweite Option: Der Kunde ersetzt einen Teil seiner Anleihenallokation durch weniger Anlagen mit geringerer oder erheblich niedrigerer Liquidität wie beispielsweise Hedgefonds, Immobilienfonds, Private Debt oder Risikokapital. In diesem Fall kommt für den Kunden eine sogenannte „Endowment“-Verwaltung in Frage, die bei institutionellen Asset-Managern in den USA üblich ist.
Oder aber der Kunde setzt auf eine zu 100 Prozent liquide Allokation ohne Anleihen und steuert diese Allokation auf Aktien und Cash sehr dynamisch, mit dem Ziel, eine Risikoniveau zu erreichen, das mit dem eines ausgewogenen Mandats für Aktien und Anleihen vergleichbar ist, aber ein höheres Renditepotenzial bietet. Dies wird mit dem Symphony-Mandat abgedeckt.

Von den 15 Milliarden Franken, die von Syz verwaltet werden, entfallen 3,5 Milliarden auf UVV. Welche Verwaltungsangebote sind bei ihnen besonders gefragt?
Die meisten UVV-Kunden, die Syz als Depotbank nutzen, verfügen über ihre eigene diskretionäre Verwaltung. Einige nutzen jedoch das Symphony-Mandat in Ergänzung zu ihrem jeweiligen Angebot. Andere UVV wiederum verwendeten in ihrer Asset-Allokation derzeit nur liquide Assets und interessieren sich deshalb für unseren Endowment-Ansatz.

Welche Renditen erzielen Sie mit Ihren diskretionären Verwaltungsprofilen?
Ausgehend von den risikobereinigten Renditen erzielen unsere USD-, EUR- und CHF-Profile bessere Ergebnisse als der ARC Private Client Indices-Composite.

Im angelsächsischen Raum setzt sich das Outsourced CIO-Modell bei Privatbanken durch. Bietet Syz dieses Modell an?
Eine OCIO-Lösung bzw. das ausgelagerte Chief Investment Officer-Modell zielt hauptsächlich darauf ab, einen Teil oder alle Aufgaben des Anlageausschusses oder des CIO unserer Kunden zu übernehmen.
Dazu bieten wir unseren UVV-Kunden ein Instrumentarium an. Es umfasst die Implementierung ihrer Management-Governance, die Erstellung von Fragebögen zu Risikoprofilen, die Gründung und/oder Leitung ihres Anlageausschusses, strategische und taktische Asset-Allokationen sowie Listen mit Anlageempfehlungen und Anlagethemen. Hinzu kommen Aufbau und Überwachung ihres Portfolios oder auch die Strukturierung und Verwaltung kundenspezifischer Produkte. Zu diesem Leistungspaket gehört ferner die Schulung des Anlageausschusses und der Bankmitarbeiter.
Wir nennen dieses modulare und auf die exakten Kundenwünschen zugeschnittene Angebot „SaaS“ (Syz as a Service), wobei das Leistungsspektrum Research, Beratung, Verwaltung, Governance, Risikomanagement und Überwachung umfasst.

Wie sieht das Gebührenmodell für SaaS aus?
Die Konditionen sehen zwei verschiedene Formeln vor: entweder eine Stundenpauschale oder eine eher klassische Formel mit einem Prozentsatz des verwalteten Vermögens und/oder der Performancegebühren.
SaaS-Kunden kommen in den Genuss der gleichen Tools, Beratungsleistungen und Empfehlungen wie unsere Privatkunden. Wir entwickeln eine Partnerschaft mit unseren UVV-Kunden, die ihrerseits häufig Vorschläge und Ideen für Co-Investitionen einbringen.

Welche Rolle spielen AMCs bei diesem Angebot?
Wir schalten AMCs für unsere diskretionäre Verwaltung und unsere Beratungsleistungen ein. Die Anlagethemen beruhen sowohl auf taktischen Bewegungen wie die Überperformance zyklischer Werte in einem gegebenen Zeithorizont, die Zunahme der Volatilität als auch auf langfristigen Überzeugungen wie z.B. Metaverse oder Cybersicherheit. Wir verwenden AMCs für Kapitalwachstum, die Renditegenerierung oder Portfoliodiversifikation.
Mit dem SaaS-Angebot können unsere Kunden gemeinsam mit Banque Syz investieren oder uns mit der Auflegung kundenspezifischer oder White-Label-Produkte beauftragen.

Charles-Henry Monchau kam im Oktober 2021 als CIO zur Syz Bank. Vor seinem Eintritt in die Bank hatte er Führungspositionen bei Dubai Investments (CIO), Deutsche Bank (Leiter der Asset Allocation für die Bank in Europa und dem Nahen Osten), EFG Bank (CIO Europa), Rothschild Bank AG, Lombard Odier und BNP Paribas inne. Zudem war er auch an der Einführung einer digitalen Bank in der Schweiz in den Jahren 2020-2021 beteiligt. Charles-Henry hat einen Executive MBA des Instituto de Empresa und einen MSc in Finance der HEC Genf. Er ist außerdem CFA, CMT, CAIA und CIIA Charter-Halter.

Share: