Wir entwickeln mit Venture Asset Management eine neue Anlageklasse

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Interview mit Mike Baur, Chairman & CEO, Swiss Ventures Group

Von Andreas Schaffner

Mike Baur gilt als einer der profiliertesten Venture-Investoren der Schweiz. Die von ihm mit gegründete Swiss Ventures Group spielt bei der Finanzierung und Entwicklung von Startups in der Schweiz eine wichtige Rolle. Im Interview erzählt Mike Baur, wie er mit dem Venture Asset Management Arm der Gruppe, die Serpentine Ventures, professionellen Investoren den Zugang zu Venture-Investitionen ermöglicht.

Was steckt hinter dem Begriff Venture Asset Management?
Wir entwickeln hier mit Venture Asset Management eine neue Anlageklasse, die professionellen Investoren risikogerecht den Zugang zu Venture-Investitionen ermöglicht. Wir haben über unsere Tochterfirma Serpentine Ventures, die eine Finma-Lizenz als Verwalterin kollektiver Anlagen hat, exklusiven Zugang zu den besten Startups des Landes. Daran sollten private und institutionelle Investoren teilhaben können.

Der Markt zeichnete sich durch eine gewisse Exklusivität aus bisher.
Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht von direkten Investments in einzelne Startups. Das findet nach wie vor auch statt. Ich spreche von einem Fondsprogramm, das wir aufgelegt haben. Dieses nimmt die Risikoselektion bei der Auswahl der Firmen vor: Das reicht vom Rookie Fund, der in Early Stage Firmen investiert bis hin zum Growth Fund der Wachstumsfinanzierungen tätigt. Ausserdem haben wir mit dem Swiss Diabetes Venture Fund einen Themenfonds aufgelegt, der ausschliesslich in Startups im Bereich von Diabetes investiert.

Wie sieht die Nachfrage aus?
Wir spüren nach wie vor ein hohes Interesse bei Privaten Investoren und Family Offices. Allgemein sind die institutionellen Investoren zurückhaltender obwohl gerade das late stage/growth Segement für sie passen würde und die Preise hier momentan sehr attraktiv sind. Der Grund liegt hier aber darin, dass die Anlageklasse Venture noch zu wenig bekannt ist und in der Schweiz erst in einer Professionalisierungsphase steckt.

Wie nehmen sie dieses regulatorische Umfeld wahr?
Das regulatorische Umfeld wird derzeit stark verbessert. Das sind sehr gute Nachrichten. Wir begrüssen natürlich auch, wenn sich Pensionskassen und Anlagestiftungen dessen bewusstwerden, dass sie im Bereich der Startups nicht nur eine volkswirtschaftliche Aufgabe erfüllen für das ganze Land. Sondern sie in der Tat in eine Anlageklasse vorstossen, die attraktive Renditen bieten kann. Hier sind wir im Vergleich zu den USA, wo die grossen Endowment Funds von Yale und Harvard – aber auch die grossen Pensionskassen in diese Anlageklassen substanziell investieren – immer noch weit im Rückstand.

Wir stehen also hier noch am Anfang.
Auf jeden Fall. Schauen Sie die Grössenordnungen an: Pensionskassen investieren gesamthaft gegen 1000 Milliarden Franken. Wenn wir nur 1 Prozent davon in Startups investieren würden, wären das 10 Milliarden. Im Jahr 2021 wurden erst rund 3,1 Milliarden in Startups investiert in der Schweiz. Das alleine zeigt schon das Potenzial.

Wie sieht es auch mit dem Umfeld aus für Startups in der Schweiz?
Hier hat sich in den vergangenen Jahren unglaublich viel getan – kein Startup kann mir heute noch sagen, dass er nicht zu einer Finanzierung kommt im Bereich Early Stage. Später sieht es anders aus. Die Wachstumsfinanzierungen hinken aber im Vergleich zu den USA noch sehr stark hinterher. Im Europäischen Vergleich holen wir auf.

 

Mike Baur ist ein Schweizer Venture-Investor and Entrepreneur. Er war fast 20 Jahre lang im Private Banking tätig, bevor er 2015 seine unternehmerische Reise begann und zusammen mit Max Meister und Oliver Walzer die Swiss Startup Factory gründete. Daraus ist die Swiss Ventures Group entstanden. Diese umfasst neben der Swiss Startup Factory, den Investmentarm Serpentine Ventures, BV4 als Venture-Itelligence-Boutique, Code Law als Anwaltskanzlei für Startups und Getgoing, die CFO-Dienstleistungen für Startups anbietet.
Mike Baur ist einer der Top 100 “Digital Shapers” in der Schweiz. Er hat einen MBA von der University of Rochester New York sowie einen Executive MBA von der Universität Bern.

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