„Wir erhalten immer mehr Anfragen von unabhängigen Vermögensverwaltern, die eine geeignete Anschlusslösung suchen“

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Interview mit Vivien Jain, CEO et Markus Angst, Leiter Kunden & Partner, Aquila AG

Die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz sind gefordert. Ende Jahr läuft die Frist zur Einreichung des Bewilligungsgesuchs bei der FINMA ab. Um den neuen regulatorischen Anforderungen zu entsprechen, müssen viele ihr Geschäftsmodell überdenken. Ein Fortbestehen kann sich aus organisatorischen oder finanziellen Gründen schwierig gestalten. Eine Option könnte dann der Anschluss an einen bereits lizenzierten Vermögensverwalter oder die Geschäftsübergabe an einen Nachfolger sein. Im Interview erläutern Vivien Jain, CEO, und Markus Angst, Leiter Kunden und Partner, wie die Aquila AG dabei unterstützt, eine zukunftsorientierte Lösung zu finden.

Alle 86 Partnergesellschaften der Aquila AG sind bereits FINMA-lizenziert. Gemäss der FINMA-Aufsichtsmitteilung vom 11. August 2022 hat die FINMA bis zum 31. Juli 2022 erst von knapp 700 der über 2500 Vermögensverwaltern vollständige Bewilligungsgesuche erhalten.Was sind die Gründe?
Vivien Jain (VJ): Aufgrund der neuen Regulierung muss sich jeder Vermögensverwalter überlegen, ob sich ein Fortbestehen der Gesellschaft unternehmerisch überhaupt noch lohnt und wie er das Geschäftsmodell gegebenenfalls anpassen muss. Insbesondere für kleinere Betriebe können die organisatorischen und finanziellen Herausforderungen unter dem Strich zu gross werden.

Was raten Sie kleineren Vermögensverwaltungen, die noch keine Lizenz beantragt haben.
Markus Angst (MA): Eine interessante Alternative zum Exit kann der Anschluss an eine bereits lizenzierte Vermögensverwaltungsgesellschaft sein. Eine andere Möglichkeit ist die Kundenübergabe an eine solche. In jedem Fall braucht es einen klaren Zeitplan. Auch eine Geschäftsaufgabe muss frühzeitig mit Kunden und Depotbank aufgegleist werden.

Spüren Sie bei Ihren Partnergesellschaften das Bedürfnis, neue Partner aufzunehmen bzw. weiter zu wachsen?
VJ: Besonders in der aktuellen Marktsituation sollte jeder Unternehmer überlegen, wie er die eigene Gesellschaft stärken kann. So sind viele unserer Partnergesellschaften interessiert und offen, neue Geschäftsopportunitäten wie z.B. die Integration eines kleineren Vermögensverwalters zu prüfen.

Alle 86 Partnergesellschaften der Aquila AG sind bereits FINMA-lizenziert. Gemäss der FINMA-Aufsichtsmitteilung vom 11. August 2022 hat die FINMA bis zum 31. Juli 2022 erst von knapp 700 der über 2500 Vermögensverwaltern vollständige Bewilligungsgesuche erhalten.Was sind die Gründe?
Vivien Jain (VJ): Aufgrund der neuen Regulierung muss sich jeder Vermögensverwalter überlegen, ob sich ein Fortbestehen der Gesellschaft unternehmerisch überhaupt noch lohnt und wie er das Geschäftsmodell gegebenenfalls anpassen muss. Insbesondere für kleinere Betriebe können die organisatorischen und finanziellen Herausforderungen unter dem Strich zu gross werden.

Was raten Sie kleineren Vermögensverwaltungen, die noch keine Lizenz beantragt haben.
Markus Angst (MA): Eine interessante Alternative zum Exit kann der Anschluss an eine bereits lizenzierte Vermögensverwaltungsgesellschaft sein. Eine andere Möglichkeit ist die Kundenübergabe an eine solche. In jedem Fall braucht es einen klaren Zeitplan. Auch eine Geschäftsaufgabe muss frühzeitig mit Kunden und Depotbank aufgegleist werden.

Spüren Sie bei Ihren Partnergesellschaften das Bedürfnis, neue Partner aufzunehmen bzw. weiter zu wachsen?
VJ: Besonders in der aktuellen Marktsituation sollte jeder Unternehmer überlegen, wie er die eigene Gesellschaft stärken kann. So sind viele unserer Partnergesellschaften interessiert und offen, neue Geschäftsopportunitäten wie z.B. die Integration eines kleineren Vermögensverwalters zu prüfen.

Was sind die Vorteile einer solchen Integration?
MA: Die bestehende Partnergesellschaft kann ihr Geschäft ausbauen und erhält mit einem neuen Partner zusätzliche Markt-Expertise und damit auch mehr Marktkraft. Dies wirkt sich unter anderem gegenüber der bestehenden wie auch potenziellen Kundschaft positiv aus
Auf der anderen Seite können z.B. Ein-Personen-Gesellschaften dank einer Integration in eine bestehende Gesellschaft unter anderem die Stellvertretung des einzigen Geschäftsführers und Weiterführung des Betriebs gewährleisten. Eine nachhaltige Stellvertretungslösung wird von der FINMA vorausgesetzt und ist deshalb für Ein-Personen-Firmen nebst vielen weiteren Punkten etwas, worüber sie sich Gedanken machen müssen.

Stellen Sie fest, dass sich heute mehr unabhängige Vermögensverwalter bei bestehenden Gesellschaften anschliessen möchten als früher?
VJ: Wir erhalten heute tatsächlich mehr Anfragen von unabhängigen Vermögensverwaltern, die eine geeignete Anschlusslösung suchen. Einer der häufigsten Gründe dafür ist, dass der eintretende Partner im Alleingang die neuen regulatorischen Anforderungen nicht erfüllen könnte bzw. die entsprechenden Kosten dafür nicht im Verhältnis mit seiner Kunden- und Ertragssubstanz stehen würden.

Und wie kommt eine Integration konkret zustande?
MA: Wenn ein Vermögensverwalter an einem Beitritt in eine bestehende Gesellschaft interessiert ist, versuche ich ihm 2-3 passende Partnergesellschaften vorzuschlagen. Hier spielt nebst strategischen Überlegungen vor allem auch die menschliche bzw. kulturelle Komponente eine Rolle. Es ist wichtig, dass man sich von Beginn weg gut versteht und beiden Partnern bewusst ist, dass sich mit dem Beitritt etwas verändert. Der neue Partner sollte seine Persönlichkeit wie auch seine Kunden einbringen können und gleichzeitig offen sein, sich in die Firmenkultur der bestehenden Gesellschaft zu integrieren.

Ein weiteres Thema, das aktuell viele in der Branche beschäftigt, ist, eine Nachfolge fürs eigene Geschäft zu finden.
MA: Das stimmt. Auch wir bzw. unsere Partner werden älter. Das Thema Nachfolgeregelung wird je länger desto mehr ein fixes Traktandum in den Verwaltungsratssitzungen. Wir sehen es als wichtigen Bestandteil unserer Dienstleistungen, unsere Partnergesellschaften für die Zukunft bestmöglich aufzustellen und sie im Prozess dorthin zu begleiten. Ob der Weg über Wachstum, Nachfolge oder sonstige Optimierungen führt, evaluieren wir natürlich zusammen mit ihnen. Dank der Nähe und persönlichen Beziehung zu unseren Partnern kennen wir die jeweiligen Umstände bereits gut. Dies ist eine perfekte Ausgangslage, um die beste Lösung zu finden.

Wie steht die Aquila AG selbst zum Thema Wachstum?
VJ: Natürlich möchten wir die Plattform in vernünftigem Masse weiter ausbauen und stärken. Ich habe jedoch immer betont, dass dies organisch geschehen soll. Unser Fokus liegt bei unseren Partnern bzw. deren Wachstum und Weiterentwicklung. Wir sind derzeit am Evaluieren von verschiedenen Ideen, um sie dabei auch weiterhin bestmöglich zu unterstützen. Z.B. wollen wir bald eine Art «Partner-Vermittlung» anbieten. Auf unserer Webseite sollen unsere Partner einerseits publizieren können, wenn Sie neue Partner an Bord holen möchten und andererseits alle übrigen unabhängigen Vermögensverwalter die Möglichkeit haben, sich über Anschlussangebote unserer Partnergesellschaften zu informieren.


Wachstum, Integration, Nachfolgeregelung – Wie sich die Aquila Partner für die Zukunft rüsten

 

 

Andreas Helfenstein & Urs Wenk

 

Andreas Helfenstein, Partner, Swiss Wealth Consulting AG
„Ursprünglich wollte ich mit Markus Angst meine Nachfolgepläne besprechen, da die Aquila mit ihren Partnern und Beziehungen auf ein grosses Netzwerk von potenziellen Nachfolgern zurückgreifen kann. Daraus ist ein Meeting mit Urs entstanden, der sich als langjähriger Kundenberater einer Privatbank eine unabhängige und selbständige Kundenbetreuung für seine Stammkunden wünschte. Unsere Kundenregionen, Portfolios sowie auch Art der Betreuung ergänzten sich und somit konnten wir uns eine Partnerschaft auf Anhieb prima vorstellen. Mit Urs sind wir breiter aufgestellt und so für die Zukunft noch besser gerüstet. Die gezielte Suche nach einer Nachfolge läuft weiter.“

Wolfgang Lenz, AIZ Aquila Invest Zürich AG*
„Durch die neue regulatorische Situation war ich mit der Frage konfrontiert, ob es sich unternehmerisch lohnt, das eigene, kleine Unternehmen neu zu organisieren und aufzurüsten oder ob ich mich besser einem etablierten, wenn möglich bereits lizenzierten, Unternehmen anschliessen soll. Urs Oberhänsli, ein langjähriger Partner der Aquila, den ich aus früheren Kundenberaterzeiten gut kannte, empfahl mir die umfassenden Service-Dienstleistungen der Aquila. Statt mich als Einzelfirma der Aquila anzuschliessen, entschied ich mich, als Partner bei der AIZ einzusteigen. Ein Schritt, der sich für mich sehr gut anfühlt. Ich arbeite weiterhin selbständig, kann mich auf meine Kunden konzentrieren und mich darauf verlassen, dass sich das Team der Aquila um das ganze Drumherum kümmert.“

 

 

Ben Euving & Patrick Huurdemann

 

Patrick Huurdemann, Verwaltungsratspräsident Aquila Basilea Wealth Management AG
„Ich wusste, dass ich mein Unternehmen wie auch meine Kunden altershalber früher oder später übergeben und mich aus dem operativen Geschäft zurückziehen möchte. Mit Ben Euving, der wesentlich jünger ist und mit dem ich seit vielen Jahren eng zusammenarbeite, hatte ich bereits einen Partner im Unternehmen, den ich als Nachfolger einsetzen wollte. Trotzdem ist die Übergabe ein aufwendiger Prozess, bei dem es auch um sensible Themen wie Geld geht. Wir haben deshalb frühzeitig die Aquila als «neutrale» Partei mit dem nötigen Know-how einbezogen und so innert wenigen Monaten eine gute und faire Lösung gefunden.“

*vorbehältlich FINMA-Bewilligung

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