“Wir werden zwangsläufig strategische Entscheidungen treffen müssen”

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Interview mit Frédéric Toselli, Head of EAM International & Geneva, Union Bancaire Privée

Von  Elsa Floret

In ihren Beziehungen zu unabhängigen Vermögensverwaltern setzt die UBP bei einem ausgereiften Dienstleistungsangebot so weit wie möglich auf ein Miteinander auf Augenhöhe. Weshalb sie bei der Auswahl ihrer Partner wählerisch sein kann. Frédéric Toselli, der diesen Bereich leitet, erläutert dies.

Das EAM-Desk, für das Sie Anfang des Jahres in Genf für die Union Bancaire Privée die Verantwortung übernommen haben, zählt 200 externe Vermögensverwalter. Wie hoch ist das verwaltete Vermögen?
Wir hatten in den letzten Jahren eine Wachstumsphase, vor allem in Genf, und haben für die gesamte EAM-Abteilung etwa 17 Milliarden Franken erreicht.
Wir möchten dieses Wachstum fortsetzen, und zwar ohne Abstriche bei der Qualität unserer Dienstleistungen. Zu diesem Zweck werden wir zwangsläufig strategische Entscheidungen treffen müssen, um die besten Multiplikatoren herauszufinden.
Vor kurzem haben wir eine Person für die Entwicklung von EAM Genf eingestellt. Diese wird für ein gutes Gleichgewicht zwischen organischem Wachstum mit bestehenden Partnern und dem Aufbau neuer Partnerschaften verantwortlich sein.

Was unterscheidet das EAM-Desk der UBP von den Desks anderer Banken?
Der EAM-Desk der UBP stützt sich auf die Grösse und Finanzstärke der Gruppe. Mit über zwanzig Niederlassungen weltweit verfügte die Bank Ende Juni 2022 über verwaltete Vermögenswerte von 148,2 Milliarden Franken. Mit einer Tier-1-Ratio von 25,2 Prozent, also weit über den regulatorischen Anforderungen, gehört sie zu den am besten kapitalisierten Banken am Platz. Im Januar 2019 bewertete die Ratingagentur Moody’s die UBP mit einem langfristigen AA2-Rating mit stabilem Ausblick. Es wurde im Oktober 2021 überprüft und bestätigt.
Wir haben eine stabile Belegschaft aus erfahrenen engagierten Relationship-Managern, die sich besonders um gute Beziehungen zu den unabhängigen Vermögensverwaltern kümmern.
Schliesslich bieten wir den EAMs einen sehr umfassenden Advisory-Service, der sowohl den direkten Zugang zu unseren Anlagespezialisten als auch zu allen erstellten Analysen umfasst. Die UBP hat in der Tat eine lange Tradition der fortschrittlichen Vermögensverwaltung. Die führen wir heute über ein breit diversifiziertes und leistungsstarkes Produktangebot fort.

Begleiten Sie unabhängige Vermögensverwalter über den gesamten Lebenszyklus der Kundenbeziehung hinweg?
Natürlich sind wir dazu in der Lage. Wir möchten die EAMs begleiten, von der Eröffnung der Kundenbeziehung an.
Darüber hinaus können wir ihnen in der Akquisitionsphase unser Fachwissen zu Themen wie ESG, Impact Investing oder auch Wealth Planning zur Verfügung stellen. Letzteres bietet nicht nur einen echten Mehrwert, sondern auch die Möglichkeit, zahlreiche Risiken abzuwehren.

Gibt es bestimmte Kriterien für die Grösse eines Portfolios?
Wir haben Erwartungen beim Profil unserer Kunden. So konzentrieren wir uns beispielsweise in der Vermögensverwaltung auf reale Anlagemöglichkeiten, insbesondere im UBP-Universum. Wir erwarten von unseren EAM-Partnern auch, dass sie Kenntnisse über die verschiedenen geografischen Märkte haben. Die aktuellen und sich ständig verschärfenden Kontroll – und Aufsichtsanforderungen motivieren unsere Selektivität ebenfalls zunehmend.
Wenn wir mit einem neuen EAM zusammenarbeiten, wollen wir einen sehr bedeutenden Teil des verwalteten Vermögens verwahren. Wir streben daher eine echte Partnerschaft an, die ein gutes gegenseitiges Verständnis der verfügbaren Anlagelösungen voraussetzt.

2022 ist ein entscheidendes Jahr für die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter. Welche Marktdynamik sehen Sie für 2023?
Der Erhalt der FINMA-Lizenz ist ein sehr strukturierender Prozess für die EAM-Industrie. Auch wenn wir das noch als Ganzes nicht endgültig einschätzen können, befinden wir uns derzeit in Gesprächen mit unseren EAMs, um zu erfahren, welche Vorkehrungen sie getroffen haben.
In der ersten Hälfte des Jahres 2023 ist es sehr wahrscheinlich, dass der Markt noch die Veränderungen absorbiert, die diese neuen regulatorischen Anforderungen hervorgerufen haben.

Die UBP ist für ihr bedeutsames externes Wachstum bekannt. Wie wirken sich die Übernahmen der Bank auf Ihr EAM-Desk aus?
Die UBP hat in der Tat seit langem ein echtes Know-how bei externen Wachstumstransaktionen entwickelt. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit mit unabhängigen Vermögensverwaltern. Dank der kürzlich erfolgten Integration des EAM-Teams von Millennium Private Banking können wir unser Dispositiv und unsere Expertise in Genf sowie auf bestimmten Märkten wie Portugal und Brasilien verstärken.

Frédéric Toselli ist Head of EAM International & Geneva bei der Union Bancaire Privée. Bevor er im Januar 2022 die Leitung des EAM-Desks der UBP in Genf übernahm, war Frédéric in verschiedenen Funktionen im Bereich Business Development tätig. Zuvor war er als Head of Business Management & Projects Weath Management Europe tätig und leitete das operative Geschäft der UBP Monaco. Toselli verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche. Bevor er 2014 zur UBP kam, arbeitete er für die Lloyds Banking Group und die Crédit Agricole Group.
Frédéric Toselli hat einen Abschluss als Ingenieur mit Schwerpunkt quantitative Finanzen von der Ecole des Mines in Saint-Etienne, Frankreich.

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