„Wir investieren nur sehr selten als Lead-Investor“

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Interview mit Adam Said, Chief Executive Officer,  ACE & Company

Von Elsa Floret

In dieser neuen Rubrik lädt SPHERE Sie ein, Schweizer Asset Managers zu entdecken, eher Boutiquen, die sich auf private Märkte und nicht kotierter Anlagen konzentrieren.

Laut CEO und Gründer Adam Said erfordert Private Equity mehr Ressourcen und Engagement als für die Verwaltung diversifizierter Portfolios aus börsennotierten Anlagen erforderlich ist. ACE positioniert sich als Partner von VC- und Buyout-Experten, selten als Lead-Investor. Die Strategie von ACE besteht darin, Sektoren zu identifizieren, deren Wert vom Markt noch nicht voll eingepreist ist, statt der Marktdynamik nachzujagen.

Wie wirkt sich der Zinsanstieg auf Direktanlagen an den Private Markets aus?
Risikokapital- und Tech-Investments werden schon jetzt massiv durch die erwartete Wirtschaftskrise und höhere Zinsen belastet. Ich denke, dass die Korrektur bei Tech-Werten grösstenteils ausgestanden ist. Meiner Ansicht nach besteht kein Grund zur Panik, denn viele Unternehmen sind fundamental sehr gut aufgestellt. Von schrumpfendem Wachstum kann keine Rede sein, höchstens von einem verlangsamten Wachstum.
Es bestehen starke Diskrepanzen zwischen den Sektoren, die in der zweiten Jahreshälfte durchschlagen werden. Das erste Halbjahr war eine harte Prüfung, denn die Indizes gaben seit dem Höchststand im November um 30%, viele börsennotierte Unternehmen sogar um 50% nach.

In welchen Sektoren investiert ACE?
Vor allem in das Thema „Energiewende“, das wir seit 2015 mit unseren Portfolios besetzen, insbesondere durch den Bereich E-Mobilität: Chargepoint für die VC-Strategie, Clarios im Rahmen der Buyout-Strategie, Tesla und Eos für Advisory. Wir verkauften viele dieser Beteiligungen 2020 und 2021 aufgrund der Desintermediation im Finanzsektor und des Vormarschs der Fintechs, der seit 2018 ungebrochen ist. Wir haben uns bei Gocardless mit Venture-Capital, bei Paysafe im Zuge eines Buyouts und bei Swissquote via Advisory engagiert. Seit 2020 haben wir umfassende Analysen der medizinischen Digitalisierung vorgenommen, vor allem im Bereich Gesundheitsdienstleistungen für Sophia Genetics (Risikokapital) und Shiftkey (Buyout). Zudem setzen wir auf aktives und kontinuierliches Research, denn wir müssen die Sektoren analysieren, deren richtiger Wert vom Markt nicht voll eingepreist wird. Wir wollen diese Branchen unterstützen und nicht der Marktdynamik nachjagen.

 Wo liegt der Expertise-Schwerpunkt von ACE?
Wir orientieren uns am „Coopetition“-Modell, das Cooperation (Zusammenarbeit) und Competition (Wettbewerb) auf einen Nenner bringt. ACE positioniert sich als Partner von VC- und Buyout-Spezialisten, nicht als Wettbewerber. Mit unseren Due Diligence-Techniken, unseren Bewertungsmethoden und professionellen Abläufen sind wir Teil ihres Konsortiums. Wir treten nur sehr selten als Lead-Investor auf, denn das ist in unseren Geschäftsmodell nicht so vorgesehen. Darüber hinaus arbeiten wir in Bezug auf den Vertrieb unserer Fonds offen mit Institutionen, Banken und anderen Vermögensverwaltern zusammen, kopieren aber nie ihre Aktivitäten. Jeder hat eigene trägt seine eigene Expertise hier hinein! Mit anderen Worten: Wir brauchen ein solides und offenes Ökosystem. Das Global Investment Forum, für das wir eine Stiftung gegründet haben, und das im Juni zum sechsten Mal in Genf stattgefunden hat, ist das perfekte Beispiel für unsere Interaktion mit dem Ökosystem – mit Banken, Fonds und Unternehmern.

Welche Eigenkapitalrendite haben die drei Strategien von ACE – Secondary, Buyout und Venture Capital – erzielt?
2021 lag unser kumulierter IRR bei über 15%.
Für die Sekundärmarktstrategie sind wir bei unserem sechsten 40 Millionen US-Dollar schweren Fonds. Das gesamte verwaltete Vermögen beläuft sich derzeit insgesamt auf mehr als 100 Millionen US-Dollar. Alle zwei Jahre führen wir ein Fundraising . Die Laufzeit eines Sekundärmarktfonds beträgt drei Jahre, um das investierte Kapital zurückzuerhalten. Das ist die kürzeste Laufzeit aller drei Strategien. Wir streben einen 1,4- bis 1,5-fachen Multiple des investierten Kapitals an.
Für die Buyout-Strategie haben wir das Closing unseres Mitte 2021 aufgelegten Fonds bei 250 Millionen US-Dollar vorgenommen. Diese Strategie investiert drei Jahre lang und man erhält das Anlagekapital etwa im fünften Jahr zurück. Unser Ziel ist ein Multiple zwischen 1,6 und 2 für diese Fonds.
Für die Venture-Strategie haben wir 2022 unseren dritten Fonds aufgelegt. Hier legen wir alle drei Jahre einen Fonds auf, der über den gleichen Zeitraum investiert wird. Der Investitionszeitraum ist jedoch deutlich länger und liegt bei einer Fondslaufzeit von ungefähr 7 bis 10 Jahren. Wir streben einen Multiple von über 2,5 für diese Portfolios an.

Wie hoch ist der Anteil der Deals, die nicht die erwartete Rendite erzielen?
Ich würde sagen, dass etwa 5% bis 10% der Buyout- und Secondary-Investments enttäuschen, während bei Risikokapitalinvestments eher mit 20% bis 30% zu rechnen ist. Dies entspricht den Markterwartungen und den Branchenstandards.

Adam Said war im Jahr 2005 einer der Gründer von ACE & Company. Davor war er Finanzanalyst bei Unifund, einem Family Office, wo er an der Entwicklung des Unternehmens in Saudi-Arabien und an der Verwaltung eines mehrere Milliarden US-Dollar schweren Portfolios aus börsennotierten Aktien beteiligt war. Said hat ferner im Rahmen der Einrichtung der Private Equity-Sparte von China International Capital Corporation (CICC) in Peking ein Analysten-Programm bei der Bank absolviert. Adam Said verfügt über einen Bachelor-Abschluss des Babson College und einen MBA der Harvard Business School.

 

Bezeichnung der Gesellschaft: ACE & Company SA
Adresse: Rue du Rhône 30, 1204 Genf
Website: https://www.aceandcompany.com/
Auflegungsdatum: 1.1.2005
Top-Management: Adam Said, Charles Lorenceau, Sally Beh, Sherif El Halwagy, Mazen Daou, John Joseph, Audrey Dumas
Expertise: Private Equity, Direktinvestments
Investments: Aktien, Fonds, nicht-börsennotierte Assets.
Verwaltetes Vermögen: 1.650 Milliarden US-Dollar

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