«Wir müssen die Möglichkeiten zur Aggregation und Fusion mit anderen EVV prüfen»

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Interview mit Carlo Pinna

Eineinhalb Jahre nach Einführung des FINIG haben verschiedene Akteure eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie unabhängige Vermögensverwalter sich darauf vorbereitet hatten. Erläuterungen von Carlo Pinna, der diese Umfrage im Auftrag von TeamWork in Zusammenarbeit mit Wecan Group leitet.

Was hat sie dazu veranlasst, diese Umfrage unter EVV durchzuführen?
Carlo Pinna : Nachdem wir uns den Jahresbericht 2020 der FINMA durchgelesen hatten, waren wir erstaunt darüber, dass von über 1400 schweizerischen UVV nur 20 die Bewilligung besassen, die laut Finanzinstitutsgesetz inzwischen erforderlich ist. Zwar hatten alle Akteure des Sektors erwartet, dass nur eine geringe Zahl von Bewilligungen ausgestellt werden, aber niemand hätte gedacht, dass es so wenige sein würden.
Die Regulierungsbehörde hatte den UVV im Rahmen des Voranmeldeprozesses bei der FINMA, dessen Frist am 30. Juni endet, bereits einen Fragebogen zu diesem Thema geschickt.
In dieser obligatorischen Umfrage wurden die UVV gefragt, zu welchem Zeitpunkt innerhalb der drei Jahre (2020-2022), die ihnen dafür zur Verfügung stehen, sie den Versand ihres Bewilligungsantrags vorsehen. 12% (oder 284 UVV) gaben zwar an, 2020 eine Bewilligung beantragen zu wollen, doch die Mehrheit von ihnen hielt sich nicht daran. Die Situation ist daher noch besorgniserregender als die erste Umfrage, die auch kein besonders rosiges Bild zeichnete, vermuten liess.
Diese geringe Zahl, die sogar die grössten Pessimisten unter uns überrascht, kann mehrere Gründe haben, beispielsweise den Wunsch, die Kosten zu begrenzen und auf später zu verschieben, mangelnde Vorbereitung und sogar eine gewisse Unzufriedenheit mit der Reform

Auf welche Fragen konzentrieren Sie sich in dieser Umfrage?
Es gibt zwei Hauptfragen: Bei der ersten geht es darum, was UVV kurzfristig unternehmen müssen, damit ihre Organisation die neuen Bestimmungen einhält. Wir möchten wissen, wie die EVV dieser Verpflichtung nachkommen wollen, welche Strategien sie verfolgen werden und wie ihr Zeitplan aussieht.
Die zweite Frage betrifft die langfristigen Auswirkungen der Reform und deren Beurteilung. Wir möchten von den EVV wissen, welche finanziellen Folgen die neuen Verfahren haben und welchen Nutzen sie sich von diesen Veränderungen erhoffen.

Wie fallen die bisherigen Reaktionen aus?
Wir erhielten mehrere interessante Aufschlüsse, aber das erstaunlichste Ergebnis ist eine eher negative Stimmung in Bezug auf den potenziellen Nutzen, den diese Reform bringt. Die Teilnehmer werden aufgefordert, den Nutzen der Veränderungen im Zusammenhang mit dem FINIG mit 1 bis 7 zu benoten. Die Beurteilung durch die EVV fiel eher zurückhaltend aus. Die Durchschnittsnote war 2,9, was bei weitem nicht ausreicht, um zu bestehen.
Dies scheint die erwähnte tendenzielle Unzufriedenheit zu bestätigen.

Warum befürchten Sie einen erneuten Engpass bei der Umsetzung des FIDLEG/FINIG bis 2022?
Von den 2’403 Vermögensverwaltern und Trustees, die sich gemäss Art. 74 Abs. 2 FINIG bei der Finma gemeldet haben, peilen nur 12% (284) 2020 für ihr Bewilligungsgesuch an, 28% (684) 2021, aber über 60% (1434) 2022.
Wir haben festgestellt, dass im ersten Jahr tatsächlich weniger Bewilligungen erteilt wurden, als gemäss dieser ersten Zahlen zu erwarten war.
Angesichts der Menge und des Timings müssen wir uns darauf gefasst machen, dass die Regulierungsbehörden und die professionellen Berater, die ihre Kunden in der zweiten Jahreshälfte betreuen müssen, überlastet sein werden.

Sie legen den unabhängigen Vermögensberatern einen Fragekatalog vor. Welche wichtigen Fragen sollten sie sich eigentlich selbst stellen?
Es gibt unseres Erachtens mehrere Fragen, die sich die EVV selbst stellen sollten. Dies gilt in erster Linie für die «kleinen». Sie sollten sich fragen, welche Möglichkeiten für eine Aggregation und Fusion mit anderen EVV bestehen, um die Kosten und die zunehmende Verwaltungsbelastung besser steuern und optimieren zu können.
Aber auch die «grossen» sollten diese Frage nicht vernachlässigen: Auch sie können Skaleneffekte erzielen, und die Möglichkeit, sich als «Aggregationspool» für andere, kleinere Akteure zu positionieren, kann sehr interessant sein.
Akteure, die selbstständig weitermachen möchten, müssen ihre Anpassungsprozesse möglichst effizient gestalten und, wenn möglich, so umsetzen, dass es sich dabei nicht nur um einen administrativen Vorgang handelt, sondern um Prozesse, die Mehrwert generieren.

Wozu möchten Sie die Ergebnisse dieser Umfrage nutzen?
Zunächst stellen wir die wichtigsten Ergebnisse heraus, die sich unmittelbar aus der Umfrage ergeben.
Anschliessend setzen wir unsere Kenntnisse im Bereich Data Analytics ein, um Zusammenhänge zwischen den verschiedenen gesammelten Daten aufzuzeigen.
Wir wollen uns nicht mit einer oberflächlichen Analyse begnügen, sondern tiefer gehen, um hoffentlich einen detaillierteren und interessanteren Überblick zu liefern.

Link zur Umfrage:
Formular FINIG-Studie – Teamwork (typeform.com)

 

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