„Wir sehen uns als digitales Investment-Office für Private Equity“

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Interview mit Steffen Pauls, Gründer und CEO, Moonfare

Von Andreas Schaffner – Fotos: Jürg Kaufmann

Steffen Pauls hat Moonfare gegründet und daraus die weltweit grösste Private-Equity-Plattform für Privatanleger gezimmert. Die Mission des ehemaligen KKR-Managers ist es, die Anlageklasse einer breiteren Basis von Anlegern zugänglich zu machen. Nun eröffnet Moonfare das erste Büro in Zürich. Im Interview spricht er über die Strategie, die dahintersteckt und welche Ziele er in der Schweiz verfolgt.

teffen Pauls. Sie sind mit Moonfare auf einer Mission. Nicht zum Mond, aber zumindest in die Schweiz. Um was geht es?
Steffen Pauls: Schauen Sie doch, was derzeit im Bereich Private Equity passiert. Die grossen privaten Anleger aber auch die weltweit grössten Pensionskassen sowie die renommierten Endowment Funds von Harvard oder Yale, sind stark in diesem Bereich investiert. Zum Teil investieren Sie über die Hälfte ihres Kapitals in diese Anlageklasse. Bei Privatanlegern sind es im Schnitt drei Prozent. Dort dominieren noch die 60:40-Portfolios. Das ist in Zeiten, wie diesen ein Problem. Das wollen wir mit unserem Ansatz ändern.

Derzeit sind die Anleger für neue Ideen nicht so offen. Täusche ich mich da?
Wir erleben es anders. Unsere Industrie wächst ja immer noch um acht Prozent jährlich. Private Equity ist entscheidend, wenn es um das volkswirtschaftliche Wachstum geht, aber auch wenn es um die Energie-Transformation geht. Ein Grund, sich jetzt mit dieser Anlageklasse zu befassen sind auch die tiefen Preise. Historisch gesehen, waren Rezessionsphasen verbunden mit volatilen Aktienmärkten immer sehr gute Zeiten für Private Equity.

Privatanleger haben bisher das Risiko gescheut, oder die Fonds waren für Anleger mit einem Einsatz von unter 10 Millionen US-Dollar – geschlossen. Was ist bei Ihnen anders?
Ja, genau hier setzen wir an. Investieren in Private Equity ist hochkomplex auf Seiten der Administration. Legal und Compliance sind entscheidend. Wir haben einen voll digitalen Prozess aufgesetzt, der ihnen in 15 Minuten eine Akkreditierung ermöglicht und dies bei einem Einsatz von 125’000 US-Dollar. Wir scannen ausserdem für die Anleger ein Universum von 4000 Fonds von welchen es dann jährlich im Schnitt 20 auf die Plattform schaffen. Ein Team von mehr als 15 Mitarbeitern arbeitet an dieser Investment-Auswahl. Das machen wir mittlerweile über die unterschiedlichsten Anlagestrategien, von Buyout, Late-Stage bis hin zu Infrastruktur. Wir kuratieren also praktisch jede grössere Unterklasse in diesem Bereich. Wir ermöglichen Investitionen in Baskets oder auch direkt in die einzelnen Fonds.

Ein «ewiges» Thema beim Thema Private Equity sind die langen Haltefristen, die Nachzahlungen und der Sekundärmarkt. Das hat viele Privatanleger ferngehalten. Wie haben Sie das gelöst?
Wir haben intern einen Sekundärmarkt aufgebaut, auf dem Anleger ihre Fondsanteile anbieten können. Die Tatsache, dass wir ein Sekundärmarkt aufgebaut haben, senkt das Risiko für den Anleger, dass sein Geld für 10 Jahre gebunden ist. Wir stellen den Anleger einen Pfad zur Liquidität zu Verfügung. Zusammen mit der tiefen Volatilität der Assetklasse kommt das den Anlegern in Zeiten wie diesen entgegen, wenn also die Volatilität der kotieren Aktienmärkte tatsächlich ein zentrales Thema ist.

Inflationsschutz ist derzeit in aller Munde. Was bietet da Private Equity als Möglichkeit?
Private Equity, insbesondere das Buy-out und Infrastruktur-Segment, investiert vornehmlich in Sachwerte. Zudem erwirtschafteten die besten Private Equity Fonds in diesem Segment historisch im Schnitt mehr als 20% Rendite jährlich, so dass auch nach Inflation Netto noch ein beachtlicher Return bleibt.

Kommen wir zum Thema Regulierung – auch das beschäftigt nicht nur Privatanleger, sondern viele potentielle B2B-Kunden in der Schweiz derzeit. Was können Sie hierzu sagen?
Regulierung ist ein Riesenthema. Und es ist zentral, dass die Assetklasse reguliert wird. Der Schutz der Anleger soll im Vordergrund stehen. Ich stelle hier insbesondere auch in der Schweiz bei der FINMA eine steile Lernkurve fest. Die Offenheit der Regulatoren ist deutlich spürbar. Der Wille, auch das Thema zu verstehen. Hier sind wir inzwischen meilenweit von der Abneigung, die wir noch vor wenigen Jahren gespürt haben. Klar ist, dass wir alle Akkreditierungs-Prozesse durchlaufen müssen. Anleger müssen qualifiziert sein. Der komplexe Prozess bis hin zum Reporting haben wir digitalisiert und wir bieten ihn entsprechend unseren Kunden an.

Welche Rolle spielt der Schweizer Markt für Moonfare?
Schon heute ist die Schweiz unser drittwichtigster Markt. Zehn Prozent der insgesamt rund 2,5 Milliarden investieren Assets kommen schon heute aus der Schweiz. Kommt hinzu, dass der Markt im Vergleich zu anderen Europäischen Märkten schon ziemlich aufgeklärt ist in Bezug auf Private Equity. Wir wollen mit der Präsenz in der Schweiz aber auch gezielt Vermögensverwalter, Family Offices und Muliti-Family-Offices angehen. Wir bringen mit unserem Konzept ein ganz neues Angebot im Bereich Zugang, Education, Vertrieb und IT. Mit der Grösse, die wir anbieten, können nur die ganz grossen auch in der Schweiz mithalten. Wir sehen uns als digitales Investment-Office für Private Equity.

Das heisst, Sie öffnen auch Ihre Plattform Vermögensverwaltern und Banken?
Ja genau. Wir bieten schon heute gegen 100 Banken, Family Offices und grösseren Vermögensverwaltern weltweit die Möglichkeit an, ihren Kunden in einer White-Label-Lösung unsere Plattform zur Verfügung zu stellen. Diese Lösung eignet sich auch für Vermögensverwalter oder kleinere Privatbanken aber auch Multi-Family-Offices. Eine unseren jüngsten Beispielen in der Schweiz für eine solche Zusammenarbeit ist diejenige mit Bordier & Cie. wo wir zunächst für Schweizer Kunden ein Angebot ermöglicht haben. Seit dem Juni dieses Jahres tun wir dies auch für Bordier-Kunden in Asien. Bordier hat uns in einem gewissen Sinn auch geholfen, den Sprung nach Asien zu schaffen.

Woher kam ihre Begeisterung für das Thema Private Equity eigentlich?
Wie sie wissen, war ich vor Moonfare bei KKR verantwortlich für Deutschland. Ich kenne die Industrie und die Kunden sehr gut. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich es schon damals als unfair empfunden, dass 97 Prozent der Anleger nicht in diese Anlageklasse investieren können. So habe ich 2016 die Firma gegründet und heute sind wir die grösste digitale Plattform für Private-Equity in der Welt. Wir sind aktiv in 24 Ländern, in allen wesentlichen Kontinenten und beschäftigen gut 250 Mitarbeiter.

Wenn Sie die Private-Equity-Welt der Achtziger Jahren mit der heutigen Welt vergleichen, was hat sich am meisten verändert?
In einem Wort: Der Ansatz, mit welchem die Unternehmen auf die Firmen zugehen. Das ist nicht vergleichbar. Heute ist das Financial Engineering, das mit den Worten von Henry Kravis, dem Urvater von Private Equity und Gründer von KKR, nicht mehr im Fokus, sondern es geht darum die Unternehmen strategisch und operationell neu auszurichten und zum Erfolg zu führen. Heute stellen die grossen Player ganze Teams von Spezialisten zu Verfügung. Das reicht von Einkauf, Digitalisierung, Umsatzoptimierung bis hin zur Internationalisierung. Die Investoren sind sich der volkswirtschaftlichen Verantwortung bewusst. Sie wissen, dass es diese kleineren Unternehmen auch sind, die die Arbeitsplätze der Zukunft schaffen. Und sie wissen grosse Investoren im Rücken, Pensionskassen beispielsweise, die sie auf diesem Weg unterstützen.

Welche Rolle spielt spielt Blockchain im Bereich Private Equity?
Blockchain wird auch in Private Equity eine zentrale Rolle spielen. Davon bin ich überzeugt. Ich verbringe derzeit über 30 Prozent meiner Zeit mit dem Thema. Hier passiert etwas Fundamentales – es wird die Industrie noch einmal stark demokratisieren. Lassen Sie mich eine historische Parallele mit dem Aktienmarkt ziehen. Auch der war früher nur einer Handvoll Superreichen vorbehalten. Denken sie etwa an die reichen Familien des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Heute kann jeder mit einem Robin-Hood-Account an den Börsen für relativ wenig Geld handeln. Das gleiche passiert derzeit im Bereich Privatmärkte. Und bei diesem Prozess wird Blockchain entscheidend unterstützen.

In welcher Richtung sehen Sie das passieren?
Ich spreche hier nicht von Firmen, in welchen investiert werden kann. Und ich spreche auch nicht von Krypto-Währungen. Das kommt hinzu. Aber die Tokenisierung etwa von Fonds-Anteilen wird die Liquidität in diesem Segment noch einmal entscheidend erhöhen. Kommen alle anderen Möglichkeiten von Smart-Contracts hinzu, die Transaktionen vereinfachen werden.

Steffen Pauls gründete Moonfare 2016. Das Berliner Startup zählt nach eigenen Angaben über 3000 Kunden, die zusammen bereits mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar über die Plattform investiert haben. In 2022 hat Monfare ein Büro in Zürich eröffnet. Vor 2016 war Steffen Paul bei KKR für den Bereich Private Equity in Deutschland zuständig. Davor war er Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender von firstfive. Steffen Pauls hat einen MBA mit Auszeichnung von
der Universität Mannheim und der Hochschule für Wirtschaftswissenschaften. Ausserdem erwarb er einen Doktortitel an der Universität Trier. Pauls arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Harvard University, wo er auch seine Masterarbeit verfasste.

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