„Wir setzen für die UVV dieselbe Strategie wie für unsere Privatkunden um“

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Interview mit Maryline Stiegler, Managing Director, Head EAM, Banque Gonet

Von Elsa Floret

Acht Monate vor Ablauf der Frist für den Bewilligungsantrag bei der FINMA werden die unabhängigen Vermögensverwalter allmählich aktiv. Zu dieser Feststellung kommt Maryline Stiegler, die diese Dynamik mit ihren zahlreichen Facetten beobachtet. Sie ist zuversichtlich in Bezug auf den Unternehmergeist der Vermögensverwalter, ihre Fähigkeit, sich umzustellen und sich neu zu erfinden.

Die Einhaltung der neuen Vorschriften des FIDLEG und des FINIG steht derzeit ganz oben auf der Agenda der UVV. Können Sie uns Ihre Eindrücke ein Jahr vor Ablauf der Frist schildern ?
Tatsächlich läuft die Frist bereits in acht Monaten ab, denn der wirklich wichtige Termin ist der kommende 30. Juni. Auf der von Sphère im September organisierten Veranstaltung Solutions GFI war noch von 18 Monaten bis Ablauf der Frist am 31. Dezember 2022 die Rede – doch diese Frist hat sich de facto halbiert, denn die Aufsichtsorganisationen haben den 30. Juni 2022 als Enddatum für die Einreichung der Anträge auf der Erhebungs- und Gesuchsplattform festgelegt. Inzwischen verzeichnen wir deshalb erheblich mehr Bewegung. Die UVV werden aktiv, sie haben die Dringlichkeit erkannt und nehmen die Formalitäten in Angriff. Viele haben an ihrem Projekt gefeilt und ein Feintuning ihres Geschäftsmodells vorgenommen. Manche passen sich an. Andere entscheiden sich für eine Plattform. Es wird vermehrt zu pragmatischen Zusammenschlüssen kommen. Die Identität des UVV, seine starke Unternehmerpersönlichkeit, muss auch künftig gewahrt werden. Einen Kompromiss zu finden ist dabei alles andere als einfach. Angesichts einer derart kurzen Frist müssen wir uns mehr denn je zu ihrer Verfügung halten und sie bei Bedarf unterstützen.

Auf Ideen müssen jetzt Taten folgen?
Genau. Bis jetzt haben viele noch nachgedacht, sind aber nicht zur Tat geschritten. Heute müssen Fakten geschaffen werden, denn die Aufsichtsbehörden machen beharrlich Druck und haben bereits eine unmissverständliche Botschaft herausgegeben. Die Vermögensverwalter können das durchaus schaffen. Sie müssen imstande sein, andere Geschäftsmodelle zu finden. Und wir müssen ihnen vertrauen – sie sind Unternehmer. Dies definiert ja das Wesen des unabhängigen Vermögensverwalters und seine Einstellung. Noch mögen die Zeiten schwierig sein, in Zukunft werden sie dafür aber echte Anerkennung finden. Sie müssen den Nachweis für solide organisatorische Grundlagen und eine effiziente Steuerung der Risiken erbringen. Das ist eine grossartige Chance für sie – sie können innerhalb eines Jahres wieder an die Dynamik einer Aktivität anknüpfen, die sich aufgrund der Pandemie ganz klar abgeschwächt hat. Ich bin überzeugt, dass die Auswirkungen letztendlich positiv sein werden.

Die Zusammenarbeit zwischen der Banque Gonet und den UVV reicht lange zurück. Wie hat sich Ihre Strategie geändert?
Unsere Philosophie in Bezug auf die unabhängigen Vermögensverwalter beruht auf langfristigen Partnerschaften. Wie ein Family-Office unterstützen wir sie neben unserer Funktion als Depotbank mit einem massgeschneiderten Ansatz, wir behandeln sie wie unsere Privatkunden. Anders als bei den Grossbanken, die eher für eine institutionelle Vorgehensweise bekannt sind, kann uns diese hochprofessionelle Kundschaft jederzeit erreichen. Da wir sehr unterschiedliche Unternehmensgrössen betreuen, können wir Vergleiche anstellen und effiziente Praxislösungen anbieten. Im Rahmen dieser zahlreichen Interaktionen reifen wir gemeinsam.

Welche Lösungen bietet Gonet den UVV an?
Mit unserer ganzheitlichen Vision suchen wir kontinuierlich die besten internen und externen Kompetenzen. Wir erkennen vielversprechende Aktivitäten für die UVV und unterstützen sie dabei. Die Altersvorsorge ist ein gutes Beispiel für eine Mehrwertdienstleistung, die ein Vermögensverwalter als Wachstumsvektor nutzen kann. Sie ist eine gute Möglichkeit, eine Kundschaft anzusprechen, die von diesem aktuellen Thema betroffen ist. Ein anderes Beispiel: Unsere Tochtergesellschaft Gonet Conseils Finances hat sich gerade mit sehr spezifischer Expertise ausgestattet, insbesondere im Bereich Steuerrecht und internationale Mobilität – eine umfassende Thematik, die sehr unterschiedliche und mitunter sehr komplexe Vermögenslagen umfasst.

Ist Ihr Onboarding von UVV auch weiterhin regelmässig?
Wir begrüssen auch weiterhin regelmässig UVV, die sich einen kundennahen Service statt einer standardisierten Dienstleistung von der Stange wünschen.

Maryline Stiegler wurde 2016 Leiterin der Abteilung für unabhängige Vermögensverwalter der Banque Gonet. Zuvor bekleidete sie bei der Groupe Société Générale in Paris und ab 2008 in Genf mehrere leitende Positionen im Bereich der Geschäftsentwicklung bei internationalen institutionellen Kunden. Maryline Stiegler ist CWMA-Charterholder.

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