„Wir unterscheiden uns grundlegend vom Plattform-Modell“

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Interview mit Maxime de Raemy, CEO, Alias Partners

Von Elsa Floret

Alias Partners feiert mit seinen 20 Mitarbeitern, darunter 10 Vermögensverwalter, sein 50-jähriges Bestehen. Das Unternehmen hat bisher ausschliesslich auf Umsatzwachstum gesetzt. So hat  die in Genf ansässige unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft in nur drei Jahren ihre Mitarbeiterzahl verdoppelt. Ende 2021 stieg das verwaltete Kundenvermögens auf 1,8 Milliarden Franken.

Welche Wachstumsmodelle hat Alias Partners in der 50-jährigen Unternehmensgeschichte umgesetzt?
Wir haben unser Wachstum schon immer ausschliesslich durch Umsatzsteigerungen und die kontinuierliche Integration neuer Vermögensverwalter erzielt. Gemeinsame Grundwerte und die gleiche Arbeitsphilosophie sind dabei oberste Priorität. Wir haben aber auch Rückschläge erlebt, wenn uns die Integration neuer Mitarbeiter nicht gelungen ist. Doch die strategische Entscheidung, unser Unternehmen 2020 von einer Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, war ein Anlass, unsere strategische Positionierung und unsere Governance zu überdenken.
Wir haben zwei wichtigen Führungskräften, einer Mitarbeiterin und einem Mitarbeiter, die perfekt zur DNA von Alias passen, eine Kapitalbeteiligung ermöglicht. In unserem neuen Verwaltungsrat ist neben unabhängigen Mitgliedern auch eine Frau vertreten. Ausserdem haben wir eine Frau in die Position des CFO in die Geschäftsleitung berufen –  bei Alias Partners sind Frauen auf allen Hierarchieebenen gut repräsentiert. Alle diese Mitarbeiter sichern den Generationenwechsel.
Unsere Transformation führte zu einer Änderung unseres Firmennamens, die dem Akronym der Gründer entsprach. Daher wurde dieser schwer zu vermarktende Name durch Alias Partners ersetzt, damit sich neue Mitarbeiter besser mit dem Unternehmen identifizieren können.

Diese Umwandlung wurde also erst vor Kurzem geplant?
Dies war schon immer Teil unserer Strategie. Bei der ersten Übertragung von Kunden im Jahr 2007 war die Situation relativ einfach. Gleiches galt für das Geschäftsmodell. Mittlerweile erfordern die Komplexität der Verwaltung und regulatorische Aspekte eine wirkliche Betreuung der Neueinsteiger durch das Management; zudem wird unser interner Generationenwechsel ein Thema sein, nicht zuletzt durch den Einstieg von Vermögensverwaltern in ihren Vierzigern.

Sie sprachen die Integration von Vermögensverwaltern an. Warum sollen sie sich für Alias Partners entscheiden?
Die Integration der neuen Generation von Vermögensverwaltern ist aufgrund der bisher erfolgreichen Integration neuer Mitarbeiter, unserer Investitionen in neue digitale Systeme und der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft einfacher geworden. Alias Partners hat seinen historischen generalistischen Verwaltungsansatz mit offener Architektur, die mit Wertpapiere und Fonds beibehalten. Unsere Mandatskunden fühlen sich als Aktionäre der Unternehmen, in die wir investiert haben.
Gleichzeitig haben wir die Verwaltung von Investmentfonds mit der Auflegung einer Fondspalette namens Alias Funds verbunden, über die bis heute ein Vermögensvolumen von über 200 Millionen Franken verwaltet wird. Aus diesem Grund haben wir bei der FINMA den Antrag auf Bewilligung als Verwalter von Kollektivvermögen gestellt und die Genehmigung Anfang 2022 erhalten.

Wie soll neben dem Generationenwechsel in der Geschäftsleitung die Übernahme der Kunden erfolgen?
Wir werden nicht abwarten, bis die Mehrheitsaktionäre 70 Jahre alt sind! Derzeit sind wir drei 60 Jahre alt. Wr wollen, dass unsere Mitarbeiter, die gleichzeitig Aktionäre sind, sowie bestimmte andere Nicht-Aktionäre, die Leitung und unsere Kundenbücher zu gegebener Zeit übernehmen.

Da bei den Vermögensverwaltern von Alias Partners Geschlechterparität herrscht, wodurch zeichnet sich der Verwaltungsansatz Ihrer Mitarbeiterinnen aus?
Es gibt grosse Unterschiede bei der Einschätzung der Risiken, sowohl bei den Vermögensverwalterinnen als auch bei den Kundinnen. Frauen betrachten die Dinge anders, viel nuancierter, und mit viel weniger „Testosteron“, wenn ich das so sagen darf. Performance ist nicht das einzige objektive Kriterium. Ausserdem besteht sicherlich auch ein höheres Interesse für nachhaltiges Finanzwesen.

Wie wird die Zukunft des Berufsstands des unabhängigen Vermögensverwalters Ihrer Ansicht nach aussehen?
Als wir als Kommanditgesellschaft noch persönlich für das Unternehmen verantwortlich waren, ging der Trend der unabhängigen Manager zum Individualismus oder zum Plattform-Modell. Es gab kaum obligatorische Richtlinien oder Vorschriften mit strategierelevanten Auswirkungen. „One-Man-Shows“ haben deshalb meiner Ansicht nach keine Zukunft mehr. Teamarbeit und Ausbildung sowie die Unterstützung durch Experten sind unerlässlich. Ich beobachte eine Zunahme der Zusammenschlüsse von Vermögensverwaltern, und dieser Trend wird sich angesichts der zum Jahresende ablaufenden Frist noch beschleunigen.

Maxime de Raemy erlernte den Beruf des Vermögensverwalters bei der UBS, wo er seine berufliche Laufbahn begann. Später war in der Schweiz er im Import-Export und im Textilhandel tätig und gründete sein eigenes Unternehmen. Im Jahr 1997 wechselte er als stellvertretender Direktor für die Entwicklung des Privatkundengeschäfts zu Mirabaud & Cie. 2003 wurde er Partner von CRSC Gestion (die ab 2018 unter Alias Partners firmiert).

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