„Wir verbinden die Welt der Kreativen mit der Finanzwelt“

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Interview mit Adrian Politowski und Nadia Khamlichi, Align Group

Als Partner von Decalia, die zu ihren Investoren gehört, bietet Align Group Lösungen für den Einsatz privater Anleihen in der Filmproduktion. Der Sektor, der unkorreliert zu den Finanzmärkten ist, wächst zurzeit stark, was im Wesentlichen der wachsenden Beliebtheit von Streaming-Plattformen zu verdanken ist.

Welche Haupttrends bestimmen den Markt für Filmproduktionen im Moment?
Derzeit wird die Entwicklung des Sektors von der wachsenden Beliebtheit von Streaming-Plattformen vorangetrieben. Ob Netflix, Amazon, Disney oder andere: Während der langen Lockdowns im Verlauf der COVID-Pandemie erhielten alle Anbieter einen Wachstumsschub.
Da Kinos zumeist geschlossen waren, beschleunigte sich ihre Entwicklung, was die Dynamik des Sektors veränderte. Nach Angaben der Motion Picture Association ist der weltweite Filmmarkt 2021 auf über 320 Milliarden Dollar angewachsen. Damit hat er seine Niveaus von 2019, also der Zeit vor COVID, wieder erreicht und sogar übertroffen. In diesem Zusammenhang haben digitale Angebote sprunghaft zugenommen. 2019 betrugen sie noch etwas mehr als 40 Milliarden Dollar. 2021 übertrafen sie laut den Zahlen der MPA schon die 70-Milliarden-Marke.

In welchem Bereich macht sich die Entwicklung von Netflix und Co am meisten bemerkbar?
Vor allem im Bereich Inhalteproduktion, der stark wächst. Unter den Streaming-Plattformen herrscht ein intensiver Wettkampf um Abonnenten. Im dritten Quartal 2022 hatten Disney+ und Netflix jeweils ungefähr 220 Millionen Abonnenten.

Was hat Sie dazu bewogen, sich auf den Bereich der Filmproduktion zu konzentrieren?
Wir sind schon seit 20 Jahren in diesem Sektor aktiv, aber in dieser Zeit gab es noch nie so viele Gelegenheiten wie im Moment. Die Filmproduktion hat ein paar sehr vorteilhafte Eigenschaften. Seit ungefähr zehn Jahren wächst sie stark und dieses Wachstum hat sich in der letzten Zeit, seit dem Aufkommen der Streaming-Plattformen, noch beschleunigt.
Außerdem ist der Sektor völlig unkorreliert zu den Finanzmärkten. Wenn wir Mittel bei Investoren, die auf diesen Märkten aktiv sind, beschaffen, stellen wir somit eine attraktive Alternative dar, gerade in der jetzigen Zeit. Ferner ist es unsere Aufgabe, in dem Bereich, auf den wir uns spezialisiert haben, nämlich Independent-Filme, Finanzierungslücken zu schließen und die geringe Präsenz der Banken auszugleichen, die den Zugang zu Finanztools und -instrumenten erschwert.

Was macht Sie zu einem legitimen Akteur in diesem Bereich?
Wir sind seit rund 20 Jahren in der Filmproduktion und -finanzierung tätig. Wir begannen 2004 in Belgien, wo wir Umedia gründeten, um einen Investmentfonds aufzulegen, der die staatlichen Steueranreize ausnutzen sollte. Wir konnten über 500 Millionen Euro beschaffen, mit denen Hunderte Filme finanziert wurden. Dank dieser Kompetenzen haben wir erkannt, dass ein hoher Finanzierungsbedarf besteht, und uns attraktive Lösungen sowohl für Produzenten als auch für Investoren überlegt.
In der Praxis verbinden wir die Welt der Kreativen mit der Finanzwelt, denn wir kennen die Bedürfnisse beider Seiten.

Wie positionieren Sie sich genau mit dem Unternehmen Align?
Wir verwalten zwei Kreditfonds, aus denen die Produktion unabhängiger Filme oder Serien finanziert wird. Mit diesen beiden Fonds übernehmen wir also die Aufgaben, für die in anderen Branchen die Banken zuständig sind. Der Vorteil von Kreditfonds besteht darin, dass sie attraktive Renditen bieten, ohne dass Risiken in Bezug auf die Besucherzahlen zu den Risiken gehören, die sie eingehen. In unserem Sektor wächst die Nachfrage nach Finanzierungen rapide, aber das Angebot hält nicht Schritt. Darüber hinaus ist die Konkurrenz in diesem Bereich im Moment noch relativ begrenzt.

Wie setzen Sie Ihre Schuldinstrumente ein?
Wir haben drei Anleihentranchen, die den Erwartungen von Produzenten und Investoren entsprechen, insbesondere was die risikobereinigte Rendite anbelangt.
Die erste Tranche deckt den vertraglichen Cashflow ab. Die Vorverkaufsverträge oder Fördermittel werden diskontiert, da sie in der Regel erst ausgezahlt werden, wenn der Film fertig ist. In diesem Zusammenhang möchte ich auch darauf hinweisen, dass wir Versicherungen abschließen, die die Fertigstellung der Produktionen gemäß dem Zeit- und Kostenplan abdecken. Dieser Aspekt ist spezifisch für unsere Branche.
Die zweite Tranche, die wir anbieten, sind vorrangige Kredite. Die von uns bereitgestellten Finanzierungen richten sich nach dem Umsatz, den der Film erzielen kann. Da solche Umsätze nicht vertraglich garantiert sind, sind unsere Schätzungen recht konservativ angesetzt. Vorrangige Kredite sind somit risikoreicher, bringen aber auch höhere Renditen.
Die dritte Tranche ist kleiner. Wir bieten einen Überbrückungskredit an, um die Kosten während der etwa zweimonatigen Vorproduktionsphase zu decken, in der noch keine Finanzierungen verfügbar sind. Meistens stehen diese erst zu Drehbeginn bereit. Dies ist also eine sehr kurzfristige Tranche, denn die Rückzahlung beginnt mit dem Drehbeginn, wobei die Zinsen mit 1 bis 2% pro Woche sehr hoch sind.

Wie hoch sind die Renditen dieser Tranchen?
Vorrangige Kredite rentieren 16 bis 20% pro Jahr. Die vertraglichen Rabatte bringen 8 bis 12%, und diese Rendite ist umso attraktiver, weil diese Fördermittel von erstklassigen institutionellen Gegenparteien gewährt werden. Angesichts der Gelegenheiten, die er bietet, ist dieser Sektor also sehr interessant.

Wie hoch ist das Budget und auf welche Art von Produktionen konzentrieren Sie sich?
In der Regel betragen die Filmbudgets zwischen 3 und 30 Millionen Euro.  

Beteiligen Sie sich an der Produktion der Filme, die Sie finanzieren?
Natürlich. Dies macht im Übrigen unsere Stärke aus. Für uns ist es wichtig sicherzugehen, dass unsere Investoren Projekte finanzieren, die planmäßig ablaufen. Wir intervenieren im kreativen Prozess, damit ein Film unsere qualitativen Erwartungen erfüllt, und auch in der gesamten Umsatzkette, wobei wir die Einnahmen überwachen und die Interessen unserer Investoren wahrnehmen.

 

Align Group wurde 2019 von Adrian Politowski und Nadia Khamlichi gegründet. Adrian ist der CEO und Nadia die Vorsitzende. Sie haben 2004 gemeinsam das Unternehmen Umedia gegründet, eine der größten Gesellschaften im Bereich der Filmfinanzierung und -produktion Europas. Unter ihrer Führung hat Umedia über 600 Millionen Dollar beschafft und als Finanzierungen bereitgestellt und als Co-Produzent an über 450 Filmen mitgewirkt; gleichzeitig entwickelte sich der Geschäftsbereich VFX zum größten Akteur in den Beneluxländern.

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