„Wir werden unsere Bestände mit unabhängigen Vermögensverwaltern stark erhöhen“

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Interview mit Franck Bonin, CEO, Société Générale Private Banking- Schweiz

Von Elsa Floret – Fotos : Karine Bauzin

In der Schweiz ist das Segment der externen Vermögensverwalter – so die Finma-Bezeichnung – eine unumgängliche Komponente der Wachstumsstrategie von Société Générale Private Banking Schweiz. Für CEO Franck Bonin ist die stärkere Präsenz bei diesen Zielkunden ausgehend von den Zentren in Genf und Zürich eines der wichtigsten Ziele der Gruppe.

Im ersten Halbjahr erzielte die Société Générale-Gruppe ihr bestes Ergebnis seit fünf Jahren. Wie stellen sich die Aktivitäten von Société Générale Private Banking Suisse in Zahlen dar? Sie leiten das Unternehmen ja seit über zehn Jahren.
Franck Bonin: Im Einklang mit den Ergebnissen der Gruppe verzeichnete das Private Banking der Société Générale im dritten Quartal einen starken Anstieg der Erträge um 20% und stach mit einem Nettozufluss von 6,8 Milliarden Euros seit Jahresbeginn hervor. Schon jetzt können wir wohl davon ausgehen, dass 2021 ein hervorragendes Jahr wird.
Und Société Générale Private Banking Suisse (SGPBS) leistet einen sehr hohen positiven Beitrag zu diesem Wachstum. Die Vertriebsdynamik unserer Niederlassungen in Genf und Zürich ist robust, denn unsere Netto-Mittelzuflüsse sind seit Jahresbeginn ohne Markteffekt um fast 10% gestiegen. Damit stehen wir im Vergleich zum Wettbewerb sehr gut da.

Wie hoch ist das von Société Générale Private Banking Suisse verwaltete Vermögen?
Da Société Générale ein börsennotiertes Unternehmen ist, beruht unsere Finanzkommunikation auf nach Geschäftsbereichen konsolidierten Zahlen Auf Gruppenebene beschäftigt das Private Banking per 30. Juni 2021 2.500 Mitarbeitende in 13 Ländern und verwaltet 127 Milliarden Euro. Dies bedeutet ein Anstieg um 11% in einem Jahr. Im Bereich Private Banking ist Société Générale Private Banking Suisse neben Luxemburg und Monaco vollumfänglich Teil einer Strategie für Kontinentaleuropa – mit fast 30 Milliarden Euro und 800 Mitarbeitende.

Welchen Kundensegmenten ist diese Vertriebsdynamik in Europa zu verdanken?
Unsere Strategie konzentriert sich auf die Betreuung anspruchsvoller UHNW-Kunden, weichen wir ein hohes Mass an Expertise für spezielle Dienstleistungen und kundenspezifische Lösungen anbieten können. In der Schweiz sind wir für diese Art von Kunden sehr attraktiv, weil wir das Know-how einer führenden internationalen Bankengruppe mit der Kundennähe einer Schweizer Bank verbinden, die seit über 120 Jahren auf diesem Markt präsent ist.

Und auf internationaler Ebene?
2015 hat das Private Banking der Société Générale beschlossen, den Schwerpunkt künftig wieder auf Europa zu legen und sich aus bestimmten Regionen wie Singapur und den Bahamas zurückzuziehen. In Europa verfügen wir über ausreichend hohe Ressourcen, um uns als Referenzakteur zu positionieren. So sind wir beispielsweise in Deutschland mit einer Vertretung in Frankfurt und in Italien mit einer Tochtergesellschaft in Mailand präsent.
Für die Schweiz haben wir prioritäre Entwicklungsschienen festgelegt und konzentrieren uns auf internationale Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz und ausserhalb Grossbritanniens und Kunden im Nahen Osten. In Russland ist die Société Générale mit Rosbank die grösste ausländische Bank. Wir verfügen über eine Vertretung in Montevideo, die unsere Kunden in Lateinamerika betreut.
Wir haben uns entschieden, unsere europäischen Kunden aktiver von Luxemburg aus zu unterstützen, wo wir den «Europäischen Pass» besitzen. Dieser Organisation ermöglicht einen flexiblen Ansatz für unsere Booking Center, mit einem wirklich differenzierten Angebot unter strikter Einhaltung der grenzüberschreitenden Vorschriften.

Auf das Geschäft mit externen Vermögensverwaltern entfallen 40% Ihrer Aktivitäten in der Schweiz. Wird dieser Anteil in der Schweiz und auch in Europa steigen?
Die unabhängigen Vermögensverwalter sind ein sehr wichtiges Kundensegment für Société Générale Private Banking Switzerland. Für uns ist dieses Segment ein unumgängliches Element unserer Wachstumsstrategie. Wir werden unsere Bestände mit unabhängigen Vermögensverwaltern als echte Partner stark erhöhen. Auf lange Sicht könnten sie bis zu 50% unseres verwalteten Vermögens repräsentieren, da wir Verwalter mit einer erheblichen Grösse anvisieren, die sich für die Einhaltung der neuen FIDLEG/FINIG-Vorschriften entschieden haben.
Diese Strategie steht im Einklang mit den Dienstleistungen und massgeschneiderten Lösungen, die unsere Bank anbietet, z. B. die Advisory-Lösung. Sie ermöglicht unabhängigen Vermögensverwaltern den Zugang zu einer Transaktionsplattform mit einer begleitenden Dimension zu den Märkten, insbesondere zu Derivativen, strukturierten Produkten und Währungen.
Und wir planen, unsere geografische Präsenz durch eine Niederlassung in Dubai zu stärken, um externe Vermögensverwalter bei der Betreuung ihrer regionalen Kunden zu unterstützen.

Die Société Générale ist mit 25% am Kapital des 2010 in Genf gegründeten unabhängigen Vermögensverwalters SG M&R beteiligt. Planen Sie weitere Beteiligungen dieser Art an unabhängigen Verwaltungsgesellschaften?
Diese Partnerschaft ist Ausdruck unseres Engagements und unserer Positionierung bei externen Vermögensverwaltern. Unsere Priorität liegt heute auf der Unterstützung von Akteuren, die auf Professionalisierung setzen. Ihnen bieten wir das Know-how einer grossen Bankengruppe mit internationaler Dimension an. Alle Optionen sind denkbar.

Im April hat die Société Générale das erste strukturierte Produkt im Security Token-Format auf der Open-Source-Tezos-Blockchain emittiert. Zuvor war im April 2019 eine erste Anleihe im Volumen von 100 Millionen Euro auf der Ethereum-Blockchain und im Mai 2020 eine zweite Emission in Höhe von 40 Millionen Euro – beide in Form von Security Tokens – begeben worden. Was ist als Nächstes geplant?
Innovation ist Dreh- und Angelpunkt bei der digitalen Transformation der Société Générale, die im Bereich Blockchain und Krypto-Assets als Pionierin gilt. Die erwähnten Transaktionen sind Teil der Entwicklung von Société Générale-Forge, einer internen Tochtergesellschaft der Gruppe, die professionellen Kunden Dienstleistungen für Strukturierung, Emission, Handel und Aufbewahrung von Krypto-Assets anbieten will.
Diese Best-in-Class-Transaktionen zeigen, dass Emissionen komplexer Finanzinstrumente wie strukturierter Produkte auf der Blockchain aus rechtlicher, regulatorischer und operativer Sicht machbar sind. An dieser Stelle möchte ich auf das innovative operative Modell von Société Générale-Forge hinweisen, bei dem diese Security Tokens anhand eines Interfaces im SWIFT-Format direkt in die klassischen Banksysteme integriert werden können.

Bietet Société Générale Private Banking seinen Kunden auch bereits tokenisierte Assets an?
Im Bereich der Kryptowährungen im weitesten Sinne haben wir natürlich ein offenes Ohr für die Wünsche unserer Kunden, wir müssen jedoch auch zwischen Grundtendenzen und Modeerscheinungen unterscheiden. Es ist niemandem entgangen, dass einige Märkte für digitale Assets mangels ausreichender Transparenz und Regulierung äusserst volatil und deshalb mit einem beträchtlichen Risiko für unsere Kunden verbunden sind. Wir wollen uns als Protagonist der digitalen Transformationen finanzieller Vermögenswerte positionieren, gleichzeitig aber auch den Schutz unserer Kunden sicherstellen.

Und wie sieht es mit Custody-Dienstleistungen für Krypto-Assets und Krypto-Währungen aus?
Momentan ist Société Générale Private Banking keine Depotbank für diese Art von Vermögenswerten. Unsere Gruppe hat dieses Thema und andere Bereiche im Rahmen ihrer offenen Innovationsstrategie jedoch ständig auf dem Radar. Sie haben gemerkt, dass wir nicht dogmatisch sind und die Blockchain-Technologie nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstehen.

Franck Bonin kam 1997 zur Direktion für Strategie und Marketing der Société Générale-Gruppe. 2017 wurde er zum Vertriebsdirektor von Société Générale Private Banking ernannt. In dieser Funktion verantwortete er die Vertriebsstrategie des Geschäftsbereichs und überwachte deren Umsetzung durch die Teams. Im September 2019 übertrug ihm die Gruppe die Leitung von Société Générale Private Banking Suisse. Franck Bonin besitzt einen Master in Finanzen für den Fachbereich internationale Vermögensverwaltung.

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