„Wir wollen ein Talent- Magnet werden für Banker der nächsten Generation“

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Interview mit Simon Grossenbacher, Chief Executive Officer, Sound Capital

Von Andreas Schaffner – Fotos: Sandra Gadient

Um die künftige Entwicklung und das Wachstum zu sichern, hat Sound Capital, welcher bisher von seinen Managing Partnern geleitet wurde, einen Chief Executive Officer ernannt. Simon Grossenbacher, der im Juni von der UBS kam, wurde mit der Aufgabe betraut. Im Interview spricht er über die Ziele und Ambitionen eines der grössten unabhängigen Vermögensverwalters der Schweiz.

Sie haben im Juni bei Sound Capital als CEO übernommen. Was waren Ihre ersten Eindrücke – vom Riesentanker zum Schnellboot sozusagen.
Simon Grossenbacher: Ja, das stimmt. Es war ein grosser Schritt und es ist seither viel passiert. Der 1. Juni ist für mich schon bereits weit weg. In täglichen Sessions durfte ich alle Mitarbeitenden von Sound Capital kennenlernen und dies hat mich in meinem Eindruck bestätigt, dass wir als Sound Capital ein wahres «Power-House» sind. Wir haben eine starke Revenue- aber auch Infrastruktur-Basis und ich will als CEO helfen, diese Basis noch stärker auf zukünftiges Wachstum auszurichten.

Die Branche spricht immer noch von regulatorischen Herausforderungen. Wo stehen Sie in dieser Frage?
Die FINMA-Lizenzierung ist für mich ein wichtiger Schritt hin zu einem «Level Playing Field» und einer höheren Professionalisierung der Branche. Ich sehe speziell Herausforderungen für mittelgrosse UVVs, da sie nicht unter dem Radar bleiben können, ihre Kundenbasis eine gewisse Komplexität aufweist, aber häufig professionelle Strukturen fehlen. Es ist genau da, wo wir als Sound Capital unsere Stärke sehen.

In welchem Sinn?
Als Sound Capital haben wir früh und intensiv in professionelle Tools und Prozesse investiert – davon profitieren wir nun. Unser Lizenzantrag wurde Anfang Juni bei der AOOS eingereicht.

Wie haben Sie die Branche wahrgenommen in Bezug auf die Konsolidierung?
Eine Marktkonsolidierung ist im gesamten Wealth Management-Bereich bereits seit langer Zeit ein grosses Thema. Während auf Seite der Privatbanken bereits viel passiert ist – das Wachstum von Julius Baer oder Vontobel als Beispiele – scheint die Konsolidierung im UVV-Bereich erst langsam wirklich an Fahrt aufzunehmen. Als Sound Capital wollen wir dieses Momentum mitgestalten.

Was heisst das? Welche Lösungen bieten Sie für unabhängige Vermögensverwalter an, die sich aus welchen Gründen auch immer, nicht regulieren lassen wollen.
Ich persönlich bin der Meinung, dass die FINMA-Lizenzierung für einen UVV in Zukunft unerlässlich sein wird. Die FINMA ist diesbezüglich sehr klar – dies bestätigen mir auch verschiedene Depotbanken. Als Sound Capital haben wir mit der erfolgreichen Integration von Rheinfinanz in Basel gezeigt, dass wir für UVVs Hand bieten können, um die regulatorischen Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Wir sind jederzeit offen für Gespräche mit anderen UVVs in diese Richtung.

Sie sehen sich in dieser Konsolidierungswelle auch als Konsolidierer?
Ja, in einem gewissen Sinn schon. Doch es muss für beide Seiten sinnvoll sein.

Gehen wir einen Schritt weiter: Wie sieht die Welt nach der Regulierung aus? Welche Chancen bieten sich, und welche Risiken sehen Sie?
Die Zeit nach erfolgreicher Lizenzierung wird für die Industrie anspruchsvoll bleiben.
Ich glaube, dass eine gewisse Grösse als UVV entscheidend sein wird, um aus dieser Situation Chancen zu generieren.

Sowohl bei den Vermögensverwaltern als auch bei den Kunden findet derzeit ein Generationswechsel statt. Wie hat sich die Branche darauf vorbereitet?
Es steht aus meiner Sicht ausser Frage, dass viele unabhängige Vermögensverwalter und ihre Kundschaft gehobenen Alters sind. Ich bin überzeugt, dass jüngere Kunden Lösungen und Services suchen, die einfacher und komfortabler erreichbar sind, Transparenz bieten und eine gute Performance bei fairen Preisen liefern. Das heisst aber nicht, dass die Lösung immer digital, respektive nur eine App sein muss. Ein hybrider Approach mit einem jungen oder einem «jung-denkenden» Kundenberater mit einer digitalen Unterstützung ist vielversprechender.

Zurück zu Sound Capital: Hier hat sich mit Ihnen auch ein Generationen-wechsel vollzogen. Wie haben Sie diesen Prozess wahrgenommen?
Sound Capital ist die Verjüngung früher und konsequenter als Andere angegangen. Unser Head of Portfolio Management ist mit 35 bereits Geschäftsleitungsmitglied, das drittgrösste Buch bei Sound Capital wird von einem 37-jährigen Partner geführt, während einer unserer Talente, gerade erst 30 Jahre alt, eine Master-Thesis zum Thema Konsolidierung im UVV-Bereich schreibt. Mit diesen und weiteren jungen Talenten wollen wir die Erfolgsgeschichte von Sound Capital weiterschreiben.

Wie stark wurden Sie in die ganze Diskussion einbezogen, wann wurden Sie kontaktiert?
Auch wenn ich etwas «aus dem Nähkästchen plaudere»: Das erste Mal war ich bereits im Oktober 2019 im Kontakt mit Sound Capital. Damals suchte man aber einen erfahreneren CEO mit starkem Netzwerk im UVV-Bereich – nicht mein Profil. Im Herbst 2021 hatten wir dann erneut konstruktive Gespräche und ich konnte die Verwaltungsräte von mir als jüngeren CEO, der auf digitalen Plattformen zu Hause ist, überzeugen.

Was hat Sie überzeugt vom «Dampfer» UBS zu einem UVV zu wechseln?
Den Ausschlag gab ganz klar die grössere Verantwortung und die kürzeren Entscheidungswege. Ich habe in fast 25 Jahren bei der UBS viel gelernt und Best Practices gesehen. All dies – mit etwas weniger Bürokratie – als Unternehmer konkret anzuwenden und dann auch direkt den Impact zu sehen, fasziniert mich.

Welche Fähigkeiten können Sie dank Ihrer Erfahrung im Wealth Management mitnehmen und auch im Bereich UVV weitergeben?
Ich hatte von Beginn an das gute Gefühl, dass viele meiner Skills und Erfahrungen in den verschiedenen Einheiten bei der UBS im WM für meine neue Rolle sehr relevant sein werden – dies bewahrheitet sich nun. Bei der UBS habe ich gelernt, mit diversen Stakeholdern zu arbeiten und meine integrative, diplomatische Art hilft mir zum Beispiel, zwischen den Generationen Brücken zu schlagen. Über die Jahre bei der UBS konnte ich auch meine klare, auf Impact-fokussierte Kommunikation und mein strategisches Verständnis schärfen.

Was heisst das für Sound Capital? Wo wollen Sie hin, wie wollen Sie wachsen?
Sound Capital will auf einer bereits starken Basis aufbauen und in ausgewählten Märkten, mit unternehmerischen Kundenberatern und gerne auch jüngeren Kunden in einem gesunden Umfang wachsen. Wir wollen ein Talentmagnet werden für «Next Generation-Bankers» und für unsere Kunden generationenübergreifend Werte generieren. Um das zu erreichen sind wir auch offen für Kooperationen.

Der globale Wealth-Management-Markt wächst fast zweistellig. Welche Rolle spielt die Schweiz als Standort in diesem starken globalen Wachstum?
Die Schweiz bleibt aus meiner Sicht aufgrund der politischen und rechtlichen Stabilität, des grossen Talentpools und der professionellen Infrastruktur ein weltweit führender Finanzplatz. Mich beschäftigt aber die Frage, wie die aktuellen geopolitischen Entwicklungen und die sich abbildende Blockbildung im WM die Zusammenarbeit mit Kunden aus den Schwellenländern beeinflussen wird. Ändert sich die Wahrnehmung der Schweiz in diesen Ländern? Das ist eine wichtige Frage.

Welche Rahmenbedingungen wünschen Sie sich?
Regulierung ist nötig und hilft, die Industrie weiter zu professionalisieren, davon bin ich überzeugt. Gerade für die Schweiz ist es aber wichtig, pragmatische Lösungen zu finden, die den Nutzen für den Kunden im Fokus behalten und für die Banken / Wealth Manager unnötige Bürokratie vermeiden. Die Politik sollte ausserdem aktiv werden und den fehlenden EU-Marktzutritt langfristig sicherstellen. Unsere Industrie ist ein wichtiger Wirtschafts- und Wohlstandsfaktor für die Schweiz, dem sollten wir alle Sorge tragen.

Sound Capital hat Simon Grossenbacher per 1. Juni 2022 zum CEO und Partner ernannt. Er stiess von der UBS zur Zürcher Finanzboutiqe. Bei der Grossbank war Grossenbacher fast 25 Jahre tätig. Der heute 40-jährige ist dort als Lehrling eingestiegen und hatte zahlreiche Führungspositionen inne. Sound Capital wurde 2012 unter dem Namen Metropol Partners gegründet. Heute gehört der unabhängige Vermögensverwalter mit rund 5 Milliarden Schweizer Franken Assets Under Management zu den Grössten der Schweiz.

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