„Zwei identische Vermögensverwalter gibt es nicht: diese Individualität kann und muss sich im Antrag widerspiegeln“

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Interview mit Simon Wälti, CEO, FINcontrol Suisse

Von Elsa Floret

Simon Wälti empfiehlt Vermögensverwaltern unbedingt eine kritische Bestandsaufnahme ihrer Ist-Situation. Laut CEO von FINcontrol wird der Zeitaufwand für die Bearbeitung und Überprüfung der Unterlagen durch die Aufsichtsorganisation dank professioneller Berater erheblich reduziert. Sieben Monate vor Ablauf der empfohlenen Frist ist Wälti der Auffassung, dass der Schweizer Markt insgesamt noch weit von einer Dynamik entfernt ist, die darauf schliessen liesse, dass sich die Branche jetzt mehrheitlich in Bewegung gesetzt hat.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Beziehungen zwischen dem Trio aus Aufsichtsorganisationen, FINMA und unabhängigen Vermögensverwaltern ein?
Grundsätzlich sind die Erwartungen des Gesetzgebers und der FINMA in Bezug auf die Aufsichtsorganisationen eindeutig: sie verfügen über umfassende Prüfkompetenz. Sie müssen den Antrag aus formaler und materieller Sicht auf Vollständigkeit, Kohärenz, Sinn und Logik überprüfen. Ferner haben sie die beruflichen Qualifikationen der Vermögensverwalter zu prüfen. Die FINMA muss zunächst auf die Vorarbeiten der Aufsichtsorganisationen aufbauen. Im zweiten Schritt wird sie lediglich einzelne Punkte unter die Lupe nehmen.
In den ersten Monaten hat dies allerdings zu mehr Koordinierungsbedarf zwischen der FINMA und den Aufsichtsorganisationen geführt. Da letztere von ihr abhängig sind, müssen sie die Erwartungen, praktischen Entscheidungen und Richtlinien der FINMA kennen, um diese bei der vorläufigen Prüfung berücksichtigen zu können. Wir hoffen deshalb, den Antragstellern so eine klare Vorstellung vermitteln zu können, welche Anforderungen in Abhängigkeit von der gewählten Ausgestaltung zu erfüllen und welche Punkte noch zu korrigieren oder zu ergänzen sind.

Wie beurteilen Sie die Qualität der Unterstellungsgesuche der unabhängigen Vermögensverwalter, die Sie erhalten haben?
Bisher ist die Qualität in den meisten Fällen gut. Allerdings gibt es noch immer einige Punkte, die eingehender zu überprüfen und zu klären sind. Positiv ist jedoch, dass wir bisher kaum unvollständige oder unklare Anträge gesehen haben, die komplett überarbeitet werden müssten.
Vom Gros heben sich eindeutig die Anträge ab, die mithilfe externer Berater erstellt wurden, denn diese bringen ihre Erfahrung und ihre Kompetenzen ein. Klar ist inzwischen, dass die Betreuung eines Antrags durch professionelle Berater den Zeitaufwand für die Bearbeitung und Überprüfung durch die Aufsichtsorganisation erheblich reduziert.

Bisher sind bei der FINMA erst 10% der Anträge der in der Schweiz registrierten Vermögensverwalter eingegangen. Hat sich die Anzahl der Anträge sieben Monate vor Ablauf der Frist erhöht?
Ja, doch nur sehr schleppend. Wir verzeichnen eine Zunahme der Anträge zum Jahresende und dieser Trend dürfte sich im kommenden Jahr beschleunigen. Insgesamt ist der Schweizer Markt jedoch noch weit von einer Dynamik entfernt, die darauf schliessen liesse, dass sich die Branche jetzt mehrheitlich in Bewegung gesetzt hat.

Was erwarten Sie von den unabhängigen Vermögensverwaltern?
Sie sollen sich ausführlich mit ihrer beruflichen Situation auseinandersetzen, diese dokumentieren und dann die konkrete Ausgestaltung präsentieren. Wir stellen fest, dass es für viele Antragsteller schwierig ist, ihre gewerbliche Aktivität klar zu präsentieren und sie mit den vorgegebenen Richtlinien des Gesetzgebers in Einklang zu bringen. Eine kritische Bestandsaufnahme der Ist-Situation im Vorfeld und eine Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften erleichtern die Umsetzung sodann erheblich. Zwei gleiche Vermögensverwalter gibt es nicht, und diese Individualität muss sich im Antrag widerspiegeln.

Was empfehlen Sie?
Bei unseren Einzelgesprächen stossen wir auf sehr starke Unterschiede zwischen den Finanzinstituten. Viele machen sich angesichts der künftigen Verpflichtungen intensive Gedanken. Gut für uns. Dagegen führen wir noch immer Gespräche mit Finanzinstituten, bei denen das Bewusstsein angesichts der umzusetzenden Pflichten und der daraus resultierenden Richtlinien nicht ausreichend geschärft ist. Wir wollen Abhilfe schaffen und organisieren regelmässig kostenlose Informationsveranstaltungen und veröffentlichen einschlägige Infos auf unserer Seite www.fincontrol.ch. Auch wenn Vermögensverwaltern dadurch Kosten entstehen, ist ein Informationsaustausch mit externen Beratern und die etwaige Inanspruchnahme ihrer Lösungspakete sehr sinnvoll. Diese Lösungen werden in unterschiedlichen Formen, Preiskategorien und für verschiedene Komplexitätsstufen angeboten. Wer die Unterstützung externer Berater nicht in Anspruch nehmen will oder kann, muss sich selbst ein umfassendes Bild machen und sich das erforderliche Know-how aneignen. Es ist höchste Zeit, loszulegen!

Was sind momentan Ihre grössten Sorgen?
Wir wollen verhindern, dass das Gros der Anträge nächstes Jahr zu spät eingereicht wird, weil es dann nicht mehr möglich ist, die Anträge richtig zu prüfen. Es besteht die Gefahr, dass ein Antrag nicht fristgerecht an die FINMA weitergeleitet werden kann, was wiederum finanzielle und möglicherweise auch rechtliche Folgen für die betroffenen Vermögensverwalter nach sich ziehen kann.
Eine frühzeitige Einreichung hat zudem den Vorteil, dass sie die Überschneidung der Überwachung durch die Selbstregulierungsorganisation und der Aufsichtsorganisation/FINMA vermeiden hilft. Konkret unterliegen Vermögensverwalter solange der Selbstregulierungsorganisation, bis sie die Bewilligung der FINMA erhalten haben. Auch müssen sie möglicherweise eine Überprüfung im Einklang mit dem Geldwäschereigesetz vornehmen. Derartige Überschneidungen sollten vermieden werden.
Und ausserdem muss man sagen, dass die Umsetzung der Bestimmungen des FIDLEG und des FINIG durchaus machbar ist. Inzwischen sind die Richtlinien bekannt. Gleiches gilt für die Erwartungen und die Praxis der FINMA. Darüber hinaus können Vermögensverwalter verschiedene Dokumentensätze und Formulare preisgünstig kaufen. Es liegt jetzt an ihnen, wie schnell und wie effizient sie die Umsetzung in Angriff nehmen. Wir sind bereit!

 

Simon Wälti ist seit 2020 Direktor von FINcontrol Suisse. Von 2019 bis 2021 Geschäftsführer der Selbstregulierungsorganisation VQF – Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen.
Als studierter Jurist und bei der Luzerner Rechtsanwaltskammer zugelassener Rechtsanwalt verfügt Simon Wälti über langjährige Erfahrung im Finanzmarkt- und Aufsichtsrecht als Berater und interner Rechtsbeistand. Vor 2019 arbeitete Wälti als Legal Counsel bei Singular DTV und Julius Baer sowie für die Kanzlei Lexpert Partners. Darüber hinaus war einer von 2008 bis 2010 als Jurist bei der FINMA tätig. Simon Wälti hat sein Jurastudium an der Universität Bern abgeschlossen.

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