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Philipp Leibundgutt & Patric Käser
Briese Schiffahrt (Schweiz)
„Entgegen allen Erwartungen hat die Krise die Schifffahrt wieder auf Kurs gebracht“
Bevor die Compliance-Funktion zu einem Kostenfaktor wird, der für Vermögensverwalter zunehmend erschwinglich erscheint, sollte sie zunächst als eine Art Katalysator in einer Wachstumsstrategie betrachtet werden. Für Alessandro Bizzozero und Achille Deodato schafft sie die Grundlage für die Entwicklung des Unternehmens.
Von Jérôme Sicard
Gibt es eine Möglichkeit, die Gewichtung der Compliance in Form von Zeit oder Geld zu messen, die für ihre Bearbeitung aufgewendet wird?
Alessandro Bizzozero. Compliance ist ein weit gefasster Begriff, der gesetzliche Vorschriften, Industriestandards und interne Richtlinien, einschliesslich rechtlicher Fragen und regulatorischer Kontrolle, umfasst. Anstatt sie als Belastung zu betrachten, sollte sie vielmehr als Garantie dafür gesehen werden, dass ein Unternehmen innerhalb des gesetzlichen Rahmens operiert. Sie stärkt daher das Vertrauen in den Markt sowie dessen Wettbewerbsfähigkeit. Die Verletzung von Vorschriften kann in der Schweiz und im Ausland erhebliche Kosten verursachen. In dieser Hinsicht bedeutet die Compliance in Wirklichkeit, dass man Geld spart.
Achille Deodato. Die Betriebskosten für die Compliance lassen sich in direkte Ausgaben – Gehälter, Systeme und Zeitaufwand – und indirekte Ausgaben – Schulungen, Beraterhonorare und betriebliche Verzögerungen – unterteilen. Um diese Kosten zu quantifizieren, gibt es wichtige Key Performance Indicators (KPIs) wie die Kosten für die Compliance als Prozentsatz der Einnahmen, die für Compliance-Aktivitäten aufgewendete Zeit und die Anzahl der Vorfälle im Zusammenhang mit der Compliance. Sie tragen dazu bei, die finanzielle und zeitliche Belastung durch die Compliance zu bewältigen.
Inwiefern helfen digitale Lösungen wie die Ihre den Vermögensverwaltern, Zeit und Geld zu sparen?
Alessandro Bizzozero. Digitale Lösungen gehören heute zum Alltag von Vermögensverwaltern. Sie sind unerlässlich, um auf aktuelle Datenbanken zuzugreifen und grosse Datenmengen zu verarbeiten. Ich würde sogar noch weiter gehen: Sie sind für den reibungslosen Ablauf des Unternehmens notwendig und tragen zur Verbesserung der Dienstleistungen für die Kunden bei.
Achille Deodato. Sie erleichtern auch die Entwicklung des Geschäfts. Durch die Integration der richtigen Instrumente können Vermögensverwalter die Betriebskosten erheblich senken und die Gesamtleistung des Unternehmens steigern. Wir beobachten, dass immer mehr gebrauchsfertige digitale Lösungen zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen auf dem Markt verfügbar sind. Für einen mittelgrossen Vermögensverwalter bedeutet die Nutzung einer geeigneten digitalen Lösung eine Einsparung von ein bis zwei Vollzeitstellen!
Wie gross ist der Umfang der Daten, die Sie in den letzten zehn Jahren verwaltet haben, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen?
Alessandro Bizzozero. Das Volumen ist exponentiell gewachsen! Zu den historischen Daten, die sich auf die Bekämpfung der Geldwäsche beziehen, mussten die Vermögensverwalter grenzüberschreitende Daten, Steuerdaten, ESG, FIDLEG und so weiter hinzufügen.
In unserem Fall, bei BRP, decken wir mit unseren Länderkatalogen mehr als 190 Gerichtsbarkeiten ab. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Für die Erstellung eines Katalogs zu grenzüberschreitenden Dienstleistungen müssen in der Regel vier bis sechs lokale Vorschriften pro Gerichtsbarkeit konsultiert werden. Wenn man bedenkt, dass die grenzüberschreitende Compliance nur ein Teil der Daten ist, die für die Durchführung von Geschäften erforderlich sind, wird deutlich, dass die Rahmenbedingungen für Finanzinstitute sehr komplex geworden sind.
Bis vor Kurzem hatten unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz geringere regulatorische Verpflichtungen als Banken. Sie beschränkten sich hauptsächlich auf die Bekämpfung der Geldwäsche. Mit den neuen Vorschriften müssen sich die UVVs nun in vielen Bereichen denselben Verpflichtungen wie Banken stellen, weshalb sie grosse Datenmengen verarbeiten müssen.
Achille Deodato. Glücklicherweise bieten digitale Lösungen und die gemeinsame Nutzung von Dienstleistungen den Vermögensverwaltern heute praktikable Möglichkeiten, diese Daten gut zu organisieren, sie effizient zu verwalten, ihre Compliance zu gewährleisten und gleichzeitig die operative Kontrolle zu behalten.
Wie sollten Vermögensverwalter diese Compliance-Themen angehen?
Alessandro Bizzozero. Die Kosten sind bei den Vermögensverwaltern deutlich gestiegen, und die Compliance ist zum grossen Teil für diesen Anstieg verantwortlich. Doch auch wenn das Umfeld schwierig erscheinen mag, sehen wir dennoch Chancen. Es gibt viele Möglichkeiten, sie zu nutzen, vorausgesetzt, man ist bereit, ein wenig zu investieren. Vermögensverwalter können sich beispielsweise zusammenschliessen und die Kosten teilen, indem sie Plattformen beitreten, die die Zusammenlegung der Kosten für Compliance-Themen erleichtern. Sie können auch mit spezialisierten Dienstleistern zusammenarbeiten oder spezifische Lösungen kaufen. In diesem Fall können sie die Compliance-Funktion intern mit einem vereinfachten System wahrnehmen.
Achille Deodato. Es ist klar, dass strategische Investitionen in Betracht gezogen werden müssen. Es ist entscheidend, den Schwerpunkt auf die Qualität der Mitarbeiter zu legen, die für die Compliance zuständig sind, und nicht auf deren Quantität. Sie müssen ein breites Spektrum von regulatorischen Aspekten effizient bearbeiten können. Experten mit Erfahrung im Bereich kleinerer Banken weisen daher aufgrund ihrer Vielseitigkeit ein ideales Profil auf. Darüber hinaus ist es für Vermögensverwalter von Vorteil, in gebrauchsfertige digitale Lösungen zu investieren, die benutzerfreundlich sind und sich nahtlos integrieren lassen, um eine aufwändige IT-Integration zu vermeiden.
Wie setzt man Prioritäten?
Alessandro Bizzozero. Indem man sich auf die Schulung und Entwicklung von Mitarbeitern konzentriert, insbesondere in Bereichen wie Geldwäschebekämpfung, FIDLEG und grenzüberschreitenden Aktivitäten.
Achille Deodato. Zu den Prioritäten würde ich Datenverwaltungssysteme hinzufügen, die die Erfassung und Pflege der KYC-Dokumentation sowie des Risikoprofils rationalisieren. Diese Systeme müssen den Vorschriften in den Ländern folgen, in denen der Vermögensverwalter tätig ist. Automatisierte Überwachungsinstrumente können zudem helfen, die Transaktionen von Kunden zu verfolgen und verdächtige Aktivitäten schnell zu identifizieren oder zu untersuchen. Und schliesslich stellt die Einführung digitaler Plattformen für regulatorische Updates sicher, dass das Compliance-Team über die neuesten regulatorischen Änderungen auf dem Laufenden gehalten wird, so dass es diese schnell umsetzen kann.
Apropos Anforderungen: Das FIDLEG verlangt von den Vermögensverwaltern jedes Jahr zahlreiche Stunden an regulatorischer Schulung. Wie können sie diese am besten nutzen?
Alessandro Bizzozero. Am besten konzentrieren sich die Vermögensverwalter auf die praktische Anwendung und das kontinuierliche Lernen. Sie können zum Beispiel Schulungen organisieren, die reale Situationen und Fallstudien in Bezug auf die Aktivitäten des Unternehmens beinhalten. Die Mitarbeiter können dann das, was sie über die Vorschriften wissen, in einem praktischen Kontext anwenden.
Achille Deodato. Die Nutzung von E-Learning-Plattformen kann einen flexiblen, bedarfsorientierten Zugang zu Lernmaterialien bieten, sodass die Mitarbeiter in ihrem eigenen Tempo und nach ihren eigenen Zeitplänen lernen können. Die Integration interaktiver E-Learning-Module und virtueller Simulationen kann das Engagement und die Fähigkeit, komplexe regulatorische Informationen zu verinnerlichen, verbessern.
Auf welche Kernthemen sollte man sich am ehesten konzentrieren?
Alessandro Bizzozero. Das FIDLEG sieht einige zentrale Anforderungen für unabhängige Vermögensverwalter vor. Wie zum Beispiel mindestens zwei qualifizierte Verwaltungsratsmitglieder mit einer entsprechenden Ausbildung und Berufserfahrung im Bereich der Vermögensverwaltung. Zweitens verlangt das FIDLEG die Einführung einer Compliance-Funktion, eines Risikomanagements und eines internen Kontrollsystems, um die zweite Verteidigungslinie zu professionalisieren. Drittens müssen UVVs über ein Mindestkapital von 100.000 Schweizer Franken und über angemessene Garantien verfügen, die durch eine Berufshaftpflichtversicherung ergänzt werden können. Zudem stellt die FINMA-Bewilligung einen bedeutenden kulturellen Wandel dar, der die Vermögensverwalter zu einer raschen Umgestaltung des Governance-Rahmens zwingt.
Welche Art von regulatorischer Überlastung erwarten Sie heute nach der Krise der Credit Suisse?
Achille Deodato. Möglicherweise wird die FINMA für Vermögensverwalter eine Regelung für Führungskräfte einführen, die mit derjenigen für Banken identisch ist. Eine solche Änderung würde eine persönliche Haftung für die Mitglieder des Verwaltungsrates und die Führungskräfte mit sich bringen. Dann wird es für die Vermögensverwalter womöglich schwieriger, unabhängige Mitglieder für die Verwaltungsräte zu finden.
Achille Deodato
Indigita
Achille Deodato verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung im Bankensektor und in der Beratung. Seit 2019 ist Achille Deodato CEO von Indigita, einem RegTech, das sich auf Cross-Border-Compliance spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 2016 gegründet und ist eine Tochtergesellschaft von BRP Bizzozero & Partners. Zuvor war Achille Deodato unter anderem CEO von Procivis und CCO der indischen Hinduja Bank Switzerland. Er hat einen MBA von der IMD Business School in Lausanne und einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der LUISS-Universität in Rom. Er hält einen MBA von der IMD Business School und einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der LUISS Universität in Rom.
Alessandro Bizzozero
BRP
Alessandro Bizzozero ist Rechtsanwalt und Doktor der Rechtswissenschaften und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bankwesen und im Regulierungsbereich. Er war stellvertretender Direktor der Abteilung für Bewilligungen bei der Eidgenössischen Bankenkommission, der heutigen FINMA, Direktor bei PwC Schweiz und Leiter der Group Compliance in einer internationalen Bankengruppe. Darüber hinaus unterrichtet er an der HEG Arc in Neuenburg sowie im Rahmen des Kurses «CAS in Compliance Management» in Genf und im Centro Studi Villa Negroni in Lugano.
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Von Jérôme Sicard
In der Schweiz erwirbt Cinerius seit etwas mehr als zwei Jahren Mehrheitsbeteiligungen an unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaften und bietet ihnen die Möglichkeit, ihr Wachstum stark zu beschleunigen. Die Plattform stellt ihnen also zahlreiche Ressourcen zur Verfügung, die ihre Entwicklung unterstützen können. Ein starkes Angebot in diesen recht unsicheren Zeiten.
In Ihrer Kommunikation beziehen Sie sich oft auf die Zukunft der Vermögensverwaltung. Wie stellen Sie sich diese Zukunft vor?
Ich denke, dass die Rolle des Vermögensverwalters im Wesentlichen dieselbe bleiben wird: die Bedürfnisse seiner Kunden zu verstehen und ihnen vollständig massgeschneiderte Lösungen anzubieten. Der persönliche Kontakt wird daher für mich weiterhin der Schlüsselfaktor der Beziehung sein.
Gleichzeitig wird die Welt aufgrund zunehmender geopolitischer Risiken, demografischer Entwicklungen, des Klimawandels und technologischer Fortschritte wie der KI immer komplexer.
Kunden und Investoren erhalten immer mehr Informationen und werden mit immer mehr Produkten versorgt, zumal sie immer höhere Erwartungen äussern. Als Vermögensverwalter müssen Sie sich auf all diese Trends einstellen, um Ihre Kunden effektiv durch diese schnell entwickelnde Welt zu führen. Sie müssen daher die richtigen Fähigkeiten und Instrumente kombinieren können, was in der Regel eine gewisse Grösse und eine starke Markenpositionierung voraussetzt.
Auf breiterer Ebene hat die Schweiz immer noch eine starke Position. Es ist ein innovationsgetriebenes Land, das zudem von hoher politischer Stabilität, einer starken Währung und einer florierenden Wirtschaft profitiert. Ihre reiche Geschichte im Bereich der Vermögensverwaltung, ihre Sprachenvielfalt, ihre Innovationskultur und ihre hohen beruflichen Standards haben dazu beigetragen, dass sie ein idealer Standort für Kunden und ihre Vermögensverwalter ist.
Welche Aspekte in der heutigen Welt der Vermögensverwaltung halten Sie mittlerweile für überholt?
Der produktzentrierte Ansatz, wie er von einigen Marktteilnehmern praktiziert wird, scheint mir wirklich überholt zu sein. Sie streben nach sofortigen Ergebnissen, oft auf Kosten der langfristigen Beziehungen zu ihren Kunden. Bei der Vermögensverwaltung gehe ich eher davon aus, dass sich der Schwerpunkt in Zukunft auf die Bedürfnisse der Kunden und die Customer Experience verlagern wird. Es ist nicht nur wichtig, gute Produkte anzubieten, sondern auch, die Kunden langfristig zu begleiten, anstatt kurzfristige Gewinne zu maximieren. Einige Marktteilnehmer haben diesen Übergang noch nicht vollzogen. Es ist vor allem eine Frage der Strategie und der Kultur.
Wo sollten unabhängige Vermögensverwalter bei Produkten, Dienstleistungen und Prozessen künftig ihre Prioritäten setzen?
Meiner Meinung nach gibt es in Wirklichkeit eine vierte Dimension, die es zu berücksichtigen gilt. Vermögensverwalter müssen sich zwangsläufig auf Produkte, Dienstleistungen und Prozesse konzentrieren, aber sie müssen genauso einen Blick auf ihre Mitarbeiter haben. Die personelle Komponente ist sehr wichtig. Habe ich die richtigen Talente gefunden? Habe ich ihnen die richtigen Verantwortlichkeiten übertragen? Teilen wir die richtigen Werte? Das Dreieck wird dann zu einem Quadrat, in dem Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Talente Platz finden.
Nach welchem Modell möchten Sie Cinerius entwickeln, um Ihre Partnerschaften mit unabhängigen Vermögensverwaltern auszubauen?
Wir wollen vor allem ein Modell umsetzen, bei dem Unternehmer auch Unternehmer bleiben. In der Regel übernehmen wir eine Mehrheitsbeteiligung, aber wir gehen nicht bis zu 100 %. Das zweite Schlüsselelement ist, dass wir uns darauf konzentrieren wollen, das Wachstum zu unterstützen, und zwar mit allen Mitteln. Wir sind eine sehr flexible Organisation. Aufgrund ihrer Vielfalt haben die Vermögensverwalter in der Schweiz sehr unterschiedliche Bedürfnisse, sei es im kaufmännischen Bereich, im Marketing, im Vertrieb oder im digitalen Bereich. Für jedes Unternehmen bieten wir eine Reihe von massgeschneiderten Dienstleistungen an. Da wir Anteilseigner sind, stellen wir diese Dienstleistungen selbstverständlich nicht in Rechnung. Wir wollen, dass unsere Partner Erfolg bei ihren Kunden haben.
Was sind die wichtigsten Bedingungen für eine Partnerschaft neben der Mehrheitsbeteiligung am Unternehmen?
Wir fordern auch einen Sitz im Verwaltungsrat.
Mit wie vielen Schweizer Unternehmen arbeiten Sie derzeit zusammen?
Seit unserem Start vor drei Jahren haben wir Partnerschaften mit drei Schweizer Vermögensverwaltern aufgebaut: Entrepreneur Partners, SSI Asset Management und Carnot Capital. Sie verwalten 6 bis 7 Milliarden Schweizer Franken für ihre Kunden. Wir sind sehr froh, so starke Botschafter in der Gruppe zu haben.
Welche Bandbreite an Dienstleistungen bieten Sie Ihren Partnern an?
Die Auswahl ist gross. Wir decken das Marketing ab, einschliesslich der digitalen Leadgenerierung, den Vertrieb, die Geschäftsentwicklung, die Suche nach strategischen Partnerschaften und sogar die Akquisition von Kundenportfolios. Die Suche nach neuen Relationship Managern, die Nachfolgeplanung und die Talentförderung sind ebenfalls wichtige Themen, bei denen wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten können.
Das Ökosystem der Vermögensverwaltung in der Schweiz ist in Bezug auf die Dienstleister sehr reichhaltig. Der grösste Mehrwert entsteht, wenn wir unseren Partnern dabei helfen, ihre bestehenden Kunden besser zu betreuen und neue Kunden zu finden. Wachstum ist unser eigentliches Ziel. Und je grösser unsere Gruppe wird, desto mehr Ressourcen können wir dafür einsetzen.
Wie viele Partner können Sie tatsächlich in die Cinerius-Struktur integrieren?
In den letzten drei Jahren sind wir von null auf neun Partnerunternehmen in Deutschland und der Schweiz gewachsen. Das Modell ist skalierbar, sodass wir uns weiterentwickeln können. Unser externes Wachstum wird von unserer Fähigkeit abhängen, die richtigen Partner zu finden, die die gleichen Werte teilen und das gleiche Verständnis davon haben, was qualitatives Vermögensverwaltung wirklich bedeutet.
Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Errungenschaften von Cinerius seit seiner Gründung?
In weniger als drei Jahren erreichten wir einen Bestand von 13 Milliarden Schweizer Franken. Damit sind wir zwar recht schnell gewachsen. Auf dieser Basis wollen wir uns Schritt fur Schritt weiter wachsen. Wir verfügen nun über einen grösseren Spielraum, um die Struktur zu stärken. Wir stellen derzeit Mitarbeiter mit neuen Kompetenzen ein, um die Unterstützung, die wir unseren Partnern bieten, zu erweitern. Personalwesen, Produktvertrieb und Digitalisierung sind nur einige der Bereiche, in denen wir unsere Kapazitäten erweitern. In all diesen Bereichen können sich unsere Partner auf uns verlassen. Zumal sich die Ergebnisse sehen lassen können. Ihr Wachstum ist höher als das des Marktes.
Wir haben über NextGen-Kunden gesprochen. Wir haben auch über NextGen-Dienstleistungen gesprochen. Wie sehen Sie die NextGen-Dienstleistungen?
Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich fest davon überzeugt, dass die Kerndienstleistungen der Vermögensverwaltung langfristig gleich bleiben werden. Die Betreuung der Kunden während ihres gesamten Lebens, in unterschiedlichen wirtschaftlichen Umfeldern und unter verschiedenen persönlichen Umständen wird weiterhin im Mittelpunkt des Wertversprechens der Vermögensverwalter stehen. Es ist ein bisschen so, als wären wir mit unserem Bereich ihr persönlicher Finanzdirektor und würden ihnen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg konsistente und rationale Ratschläge erteilen. Die Art und Weise, wie diese Dienstleistungen erbracht und bereitgestellt werden, wird sich jedoch erheblich verändern. Die digitalen Kanäle werden eine grössere Rolle spielen. Neue Instrumente werden die Erweiterung des Dienstleistungsniveaus und die Steigerung der Effizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen.
Natürlich müssen sich die Vermögensverwalter auf diese Veränderungen vorbereiten. Sie werden sicherlich neue Instrumente und Konfigurationen beherrschen müssen, aber sie sollten nicht vergessen, dass die persönliche Interaktion weiterhin von grundlegender Bedeutung sein wird. So modern und anspruchsvoll unsere Welt auch geworden ist, die Menschen werden auch weiterhin persönliche Beratung zu ihren Finanzen suchen. Es wird immer einen Zeitpunkt geben, an dem digitale Anwendungen an ihre Grenzen stossen.
Gordian Giger
Cinerius Financial Partners
Gordian Giger ist Mitglied der Geschäftsleitung von Cinerius Financial Partners. Er ist insbesondere für die Entwicklung und Umsetzung der Strategie auf dem Schweizer Markt zuständig. Zu Beginn seiner Karriere hatte Gordian Giger ähnliche Positionen in den Bereichen Business Development, Fusionen und Übernahmen sowie Corporate Finance inne. Nach seiner Zeit bei McKinsey arbeitete er bei Advior International/Raiffeisen Schweiz und später bei Vontobel, wo er sich als Managing Director für die Entwicklung verantwortlich zeichnete. Gordian erwarb einen Master of Arts in Finanzwesen an der Universität.
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In einem einzigartigen Marktumfeld zeichnet sich der Echiquier World Equity Growth durch seine Robustheit aus.
Das Ermitteln langfristiger Anlagetrends ist eine der Kernkompetenzen von La Financière de l’Échiquier – LFDE und eine der besonderen Stärken des Echiquier World Equity Growth.
Der Echiquier World Equity Growth konzentriert sich auf Unternehmen, von denen er fest überzeugt ist. Dazu zählen circa 20 große internationale Unternehmen mit einer Kapitalisierung von mehr als 10 Milliarden US-Dollar. Eine der goldenen Regeln des Fondsmanagementteams lautet: Die besten Ideen stellen die besten langfristigen Anlagechancen dar. Daher machen die zehn größten Gewichtungen mehr als 60 % des Fonds aus. Die Unternehmen werden aufgrund ihrer fundamentalen Qualität und ihres robusten Wachstums ausgewählt und unterliegen soliden langfristigen Megatrends.
Die Technologie ist einer dieser Megatrends, da sie die Lösung für ein grundlegendes wirtschaftliches Problem darstellt: die Alterung der erwerbstätigen Bevölkerung. Die abnehmende Zahl der Erwerbstätigen erfordert eine Steigerung der Produktivität. Hierfür ist der Einsatz technologischer Lösungen notwendig, mit deren Hilfe die Produktion von Waren und Dienstleistungen aufrechterhalten werden kann. Eine solche Lösung ist die künstliche Intelligenz (KI). Die Euphorie im Zusammenhang mit KI hat zwar zu unrealistischen Gewinnerwartungen geführt; dennoch ist diese Technologie grundsätzlich ein Trend, der auf lange Sicht eine Rolle spielen wird. Sobald die Erwartungen wieder ein realistischeres Niveau erreicht haben, dürften die Unternehmen, die zum Aufbau der KI-Infrastruktur beitragen, und solche, die KI zur Kostenreduktion oder zur schnelleren Entwicklung ihrer Produkte nutzen, sich besser entwickeln als die Unternehmen, die in Sachen KI hinterherhinken.
Rationaler Überschwang
Dieser „Neustart“ der KI wird zu einer Phase führen, die wir als „rationalen Überschwang“ bezeichnen. Das hat Folgen für Investoren weltweit. Die USA werden ihre dominante Stellung im Bereich der Investitionen beibehalten. Laut einer Studie des Stanford Institute for Human Centered Artificial Intelligence wurden im Jahr 2023 in den USA 61 Modelle für maschinelles Lernen entwickelt – viermal so viele wie in China. Die Zahl der in den USA entwickelten Modelle für maschinelles Lernen ist damit fast doppelt so hoch wie die von China, Frankreich, Deutschland und Kanada zusammen.
Ein weiterer identifizierter struktureller Trend ist die Deglobalisierung. Eingesetzt hat diese bereits vor einigen Jahren, als China vom globalen Hersteller zum strategischen Konkurrenten wurde. Durch die Pandemie hat sich die Rückverlagerung der Produktion jedoch beschleunigt. Die Resilienz der Lieferketten ist für die Länder zu einer strategischen Notwendigkeit geworden und im Gegensatz zu den letzten 30 Jahren ist Effizienz nicht mehr das alleinige Ziel.
Diese beiden Trends sind miteinander verknüpft. Je mehr sich Produktion und Lieferketten von Billigherstellern ab- und der kostspieligeren lokalen Produktion zuwenden, desto notwendiger wird es, die Produktivität mithilfe von KI zu steigern. Je weiter die Kosten der Deglobalisierung sinken, desto deutlicher wird zudem die Rückverlagerung zunehmen. Auf lange Sicht verstärken sich diese Trends gegenseitig.
Die Top-Trends zu ermitteln, die die Wirtschaft von morgen prägen, ist eine Schlüsselkompetenz. Der Echiquier World Equity Growth, ein Paradebeispiel für die überzeugungsbasierte Vermögensverwaltung von LFDE mit einem verwalteten Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro[1], stellt erneut seine solide Aufstellung in einem komplexen Marktumfeld unter Beweis. Angesichts der Komplexität der modernen Welt sind wir überzeugt, dass Fondsmanager an die Methoden der Vorreiter der Investmentbranche anknüpfen und wieder zu Wissensschöpfern werden müssen.
Haftungsausschluss. Die Überzeugungen sind die des Fondsmanagers. LFDE übernimmt dafür keine Haftung. Der Fonds ist vor allem dem Risiko eines Kapitalverlusts, dem Aktienrisiko, dem Wechselkursrisiko und dem Risiko im Zusammenhang mit der diskretionären Vermögensverwaltung ausgesetzt. Um weitere Informationen zu seinen Merkmalen, Risiken und Kosten zu erhalten, sollten Sie vor jeder Anlage die gesetzlich vorgeschriebenen Dokumente lesen, die auf www.lfde.com abgerufen werden können. Anleger werden darauf hingewiesen, dass bestimmte vorgestellte Anteile/Aktien in ihrem Land möglicherweise nicht zum Vertrieb zugelassen sind.
[1] Stand: 30.06.2024 (Quelle: LFDE)
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Die beiden Schweizer Fintechs Taurus und Aktionariat haben beschlossen, eine Lücke in der Infrastruktur für den Fluss von Token-Assets an institutionelle Anleger zu füllen. Sie wollen es kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen, ihr Wachstum durch die Ausgabe und den Handel von Kapitalanteilen auf der Ethereum-Blockchain zu finanzieren.
Von Levi-Sergio Mutemba
Zwei führende Schweizer Anbieter digitaler Finanzdienstleistungen, Taurus und Aktionariat, kündigten letzte Woche eine Partnerschaft an, die es kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen soll, ihr Wachstum durch die Ausgabe und den Handel von Kapitalanteilen zu finanzieren, die über die Ethereum-Blockchain in Form von Token ausgegeben werden. Aktionariat übernimmt die Tokenisierung der Anteile, während Taurus die Marktinfrastruktur sowie das Netzwerk von Banken und Investoren bereitstellt. Ziel ist es, die Liquidität für diese digitalen Vermögenswerte zu erhöhen. Zur Erinnerung: Bei der Tokenisierung geht es um die digitale Darstellung einer realen Sache, in diesem Fall die digitale Darstellung von Kapitalanteilen, wobei letztere sogenannte reale Vermögenswerte sind.
„Durch diese Partnerschaft wird Taurus die von Aktionariat gestifteten Aktien auf der Ethereum-Blockchain begleiten, und Aktionariat wird den Unternehmenskunden einen reibungslosen Übergang zur Aufnahme auf die TDX-Plattform ermöglichen, wenn sie in Bezug auf ihre Marktkapitalisierung wachsen“, erklärte Taurus in der Pressemitteilung, welche sie letzte Woche veröffentlichten.
Die Partnerschaft ist Teil eines globalen Wettbewerbs im Bereich der Marktinfrastrukturen für institutionelle Anleger. Diese Infrastrukturen stehen im Mittelpunkt des Prozesses der Übernahme von Token-Assets durch institutionelle Anleger, da diese reguliert und daher in ihren digitalen Anlagemöglichkeiten eingeschränkt sind. „Obwohl wir bereits Instrumente anbieten, die den informellen Verkauf und das Trading von Token-Wertpapieren ermöglichen, fehlt es an regulierten Marktplätzen für diese Art von Vermögenswerten. Taurus wird daher diese Lücke mit einem eigenen digitalen Marktplatz füllen“, so Aktionariat weiter.
Die Zahl der Infrastrukturen für Zahlungsströme wächst in praktisch allen Regionen der Welt rasant. Die traditionellen Börsen, einschliesslich der SIX Group mit ihrer Token-Asset-Plattform SDX, stehen jedoch den unabhängigen, disruptiven Akteure wie Coinbase, Sharepost, KoreKonX (USA), Max Markets und HQLAx (Europa), Mt Pelerin, Smart Valor und SygnEx (Schweiz), um nur einige zu nennen, in nichts nach.
Von diesen unabhängigen Akteuren gehen immer mehr strategische Partnerschaften mit traditionellen Börsen ein. Die Frage ist, welche von ihnen langfristig überleben werden, da der Markt für digitale Vermögenswerte derzeit stark gefährdet ist. Aus diesem Grund erwarten viele eine Konsolidierung der Marktinfrastruktur. Dies deutete Vincent Pignon, CEO und Mitbegründer der Wecan Group, in einem Interview im Vorfeld der Ankündigung an.
„Wir können uns unabhängige, innovative und disruptive Akteure wie das amerikanische Unternehmen Coinbase vorstellen, das Meta zu übernehmen versucht hat. Solche Unternehmen könnten die traditionellen Börsen ersetzen, wenn diese die technologische Transformation nicht schaffen“, betont Vincent Pignon. „Coinbase hat sich zum Ziel gesetzt, alle Tokens, das heisst alle Werte, die auf einer DLT abgebildet sind, auf globaler Ebene zu notieren“, so der Experte weiter.
Die wichtigsten Beiträge und Vorteile der Blockchain im Zusammenhang mit der Ausgabe und dem Handel von Tokens liegen vor allem in der Ausschaltung von Vermittlern, der Rationalisierung der Verfahren (insbesondere durch Automatisierung und eine deutliche Verkürzung der Abwicklungszeiten). All diese Faktoren werden die Transaktionskosten erheblich senken und damit den Zugang zum Kapitalmarkt für kleine und mittlere Unternehmen erleichtern, die die Kriterien für die Zulassung an traditionellen Börsen nicht erfüllen.
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Von Jérôme Sicard
Ein gutes Drittel aller heute noch aktiven unabhängigen Vermögensverwalter wird laut Markus Angst in den nächsten Jahren übertragen werden. Daher ist das Thema der Übertragung für sie zu einer Priorität geworden, die aufgrund ihrer Komplexität, eine rationale Herangehensweise erfordert, ebenso wie ein gewisses Gespür für Voraussicht.
Welche Optionen stehen EAMs aktuell zur Verfügung, wenn es um die Nachfolgeplanung geht?
EAMs stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, die stark von der Grösse der Gesellschaft und den individuellen Präferenzen der Partner abhängen.
Für kleinere Gesellschaften mit bis zu zwei Partnern ist die Nachfolge oft eine Herausforderung. Eine Möglichkeit besteht darin, sich frühzeitig in eine bereits bestehende und grössere Gesellschaft zu integrieren. Der Vorteil davon ist, dass die Kundenportfolios auf eine etablierte Plattform übertragen werden können, die bereits über die erforderlichen Ressourcen und Compliance-Strukturen verfügt. Dies erleichtert nicht nur die rechtliche und regulatorische Belastung, sondern bietet auch eine stabilere Grundlage für das zukünftige Wachstum und die Kundenbetreuung.
Eine weitere Option für kleinere EAMs ist die Übergabe der Kunden an eine andere bekannte Partnergesellschaft, die sich, soweit möglich, auf das gleiche Kundensegment fokussiert. Der Übergeber bleibt dabei oft in einer reduzierten sozialen Betreuungsrolle ohne operative Verantwortung, was eine sanftere Übergangsphase ermöglicht.
Für mittlere und grössere Gesellschaften mit mehreren Partnern gibt es weit mehr Möglichkeiten. Es kann sich, zum Beispiel, um eine interne Nachfolgeplanung handeln, bei der jüngere Partner schrittweise die Hauptverantwortung übernehmen, während zeitgleich der Übergeber das Spektrum seiner operativen Aufgaben reduziert. Diese Option gewährleistet Kontinuität in der Kundenbetreuung und fördert gleichzeitig die Entwicklung von neuen Führungskräften innerhalb der Organisation.
Alternativ dazu könnte eine definitive Kundenübergabe und der vollständige Austritt aus der Gesellschaft in Betracht gezogen werden, was eine klare Trennung und eine geordnete Übergabe der Verantwortung ermöglicht.
Für alle EAMs, unabhängig von ihrer Grösse, bleibt die Möglichkeit des Verkaufs der Gesellschaft an externe Parteien bestehen. Dies könnte jedoch manche emotionale Herausforderungen mit sich bringen, da langjährige Kundenbeziehungen und der Ruf der Gesellschaft in die Hände Dritter gelangen würde.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wahl der besten Nachfolgelösung stark von den spezifischen Umständen und Zielen der EAMs abhängt. Eine frühzeitige und gründliche Analyse der verfügbaren Optionen ist entscheidend, um einen Beschluss zu treffen, der sowohl langfristig tragfähig als auch für alle Beteiligten zufriedenstellend ist.
Welche der verfügbaren Optionen erscheint Ihnen am ehesten umsetzbar?
Für EAMs mit bis zu zwei Partnern erscheint mir die Integration in eine bereits bestehende grössere Gesellschaft als die realistischste Option. Bei grösseren EAMs wird oft eine interne Nachfolgelösung bevorzugt. Hierbei können Nachfolger aus den eigenen Reihen rekrutiert werden, die bereits über fundierte Kenntnisse der Unternehmensstrukturen und Kundenbedürfnisse verfügen. Dies erleichtert einen nahtlosen Übergang und minimiert das Risiko von Kundenverlusten durch mangelnde Kontinuität oder unzureichende Betreuung.
Ich möchte ebenfalls hinzufügen, dass es wirklich sehr wichtig ist die bestehende Altersstruktur der Partner innerhalb der Gesellschaft zu beachten, da dies einen grossen Einfluss auf den Zeitpunkt und die Planung der Nachfolge haben kann. In vielen Fällen kann die frühzeitige Identifikation und Einstellung eines potentiellen Nachfolgers als Relationship Manager die beste Strategie, um eine langfristige Kontinuität zu gewährleisten.
Mit welchen Herausforderungen sehen sich EAMs konfrontiert?
Die Hauptfallen umfassen oft die mangelnde Bereitschaft, rechtzeitig mit der Planung zu beginnen. Ein weiterer Stolperstein ist die emotionale Komponente des Loslassens, sowie die Herausforderung, klare Ziele für die Zeit nach der Übergabe zu definieren. Der Prozess der Nachfolge ist häufig zeitaufwendiger als erwartet und erfordert eine sorgfältige Abstimmung der finanziellen, rechtlichen und persönlichen Aspekte.
Welche zentralen Hindernisse stellen sich sowohl für Käufer als auch für Verkäufer?
Es sind die menschlichen Aspekte und emotionalen Entscheidungen, welche die grössten Hindernisse darstellen. Auf der Käuferseite müssen vorläufige und sorgfältige Due-Diligence-Prüfungen durchgeführt werden, um potenzielle Risiken einzuschätzen. Der Kaufpreis sollte realistisch auf der Rentabilität des Kundenportfolios basiert sein, da die Marktstandards oft nicht den tatsächlichen wirtschaftlichen Wert widerspiegeln.
Zum Thema Nachfolge : wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung des Sektors für EAMs ein?
Der Markt für EAMs steht vor einer bedeutenden demografischen Herausforderung. Viele Partner stehen kurz vor ihrer Pensionierung. Dies betrifft ein Drittel von den 1’300 FINMA-lizenzierten EAMs. Die Notwendigkeit einer strukturierten Nachfolgeplanung wird daher immer dringlicher. Wir sehen, dass sich innerhalb und ausserhalb des Aquila-Netzwerkes die Nachfrage nach Unterstützung und Beratung in diesem Bereich verstärkt hat. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema Nachfolge ist daher unerlässlich, um eine reibungslose Kontinuität im Kundenbeziehungsmanagement sicherzustellen.
Welche Bewertungsmodelle erfreuen sich derzeit der grössten Beliebtheit?
Die Bewertung von Vermögensverwaltungsunternehmen basiert oft nicht nur auf finanziellen Kennzahlen wie dem EBITDA, sondern zunehmend auf der Profitabilität der Kundenportfolios. Diese Herangehensweise erscheint mir als umso relevanter, da viele Vermögensverwalter im Laufe der Zeit hohe Gewinne aus dem Unternehmen entnommen haben, was die EBITDA-basierte Bewertung verzerrt. Realistischere Bewertungsmodelle sollten daher die langfristige Kundenbindung und die Rentabilität berücksichtigen.
Sind die Preise für AUM in den letzten zehn Jahren gestiegen oder gesunken?
In den letzten 10 Jahren haben sich die Preise für Assets under Management tendenziell stabilisiert oder sind aufgrund einer realistischeren Einschätzung der Kundenrentabilität gesunken. Die alten Standards, die den Verkaufspreis zwischen 3 und 4% der AUM festlegten, waren oft unrealistisch und führten nur selten zu tatsächlichen Transaktionen.
Auf welche Aspekte sollten Käufer künftig besonders achten?
Käufer sollten ihre Aufmerksamkeit besonders auf die sorgfältige Analyse der Kundenportfolios und der damit verbundenen Risiken legen. Eine gründliche Due-Diligence ist unerlässlich, um zukünftige Schwierigkeiten zu vermeiden. Die strategische und kulturelle Passung zwischen Käufer und Zielunternehmen ist ebenfalls entscheidend, um eine erfolgreiche Integration zu gewährleisten und die Kundenbindung aufrechtzuerhalten.
Wie verhält es sich aus der Perspektive der Verkäufer?
Sie müssen sich dazu entschliessen, einen realistischen Preis anzubieten und die Übertragung umfassend vorzubereiten. Eine klare Bereitschaft, das Unternehmen und die Kunden in die Hände des Käufers zu übergeben, ist entscheidend für den Verkaufsprozess. Der Verkäufer trägt auch nach dem Verkauf noch rechtliche Verantwortungen. Er sollte daher die Auflösung der Gesellschaft und die Erfüllung regulatorischer Pflichten sorgfältig planen.
Ist es für einen EAM heutzutage vorteilhafter, eine eigene Struktur neu aufzubauen oder eine bestehende zu übernehmen?
Diese Enstcheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ein Neuaufbau bietet die Möglichkeit, eine massgeschneiderte Organisation ohne historische Verpflichtungen zu schaffen. Der Kauf einer bestehenden Struktur mit FINMA-Lizenz erfordert jedoch eine gründliche Prüfung und Genehmigung durch die FINMA, was zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt.
Wie viele Vermögensverwaltungs-unternehmen werden laut Ihrer Einschätzung in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Nachfolgelösung finden müssen?
Ein Grossteil ! Vermutlich zwischen einem Viertel und Drittel aller Unternehmen, die heute aktiv sind. Dieser Trend, der von demografischen Faktoren beeinflusst wird, zwingt zur proaktiven Nachfolgeplanung, damit die Kontinuität gewährleistet wird und die Loyalität der Kunden gesichert ist.
Markus Angst
Aquila
Markus Angst ist seit 2013 ein fester Bestandteil von Aquila, wo er als Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter des Bankwesens eingestiegen ist. Seine massgebliche Mitwirkung bei der Entwicklung der Aquila Bank hat ihm 2021 die Verantwortung für den Bereich Kunde, Partner und Kooperation eingebracht. Zuvor war er von 1986 bis 2012 bei der Bank Leu und später bei Clariden Leu tätig. Dort durchlief er verschiedene Positionen im Backoffice, bevor er 1999 zum Global Head of External Asset Managers aufstieg. Markus Angst hat sein akademisches Fundament an der Universität Luzern gelegt und mit einem Executive Master in Business Administration abgeschlossen.
Fanny Eyraud
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