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Der unaufhaltsame Aufstieg der privaten Märkte
Innerhalb von zwanzig Jahren haben die privaten Märkte die Kapitalflüsse, die Unternehmensfinanzierung und die Wertschöpfung grundlegend neu geordnet. Lange Zeit als alternative Anlageklasse betrachtet, etablieren sich Private Equity, Venture Capital und Private Debt heute als tragende Pfeiler der Realwirtschaft. Diese strukturelle Verschiebung markiert eine nachhaltige Verlagerung von Innovation und Investitionen weg von den kotierten Märkten.
Seit Mitte der 2000er-Jahre hat sich die Weltwirtschaft tiefgreifend verändert und damit auch die Mechanismen der Wertschöpfung und Finanzierung. Für professionelle Investoren äussert sich diese Entwicklung in der zunehmenden Bedeutung der privaten Märkte. Im Jahr 2005 erfolgte der Grossteil institutioneller Investitionen und Unternehmensfinanzierungen noch über die Börsen oder das Bankensystem. Zwanzig Jahre später präsentiert sich das Bild grundlegend anders. Private Equity, Venture Capital und Private Debt nehmen heute eine zentrale Rolle in der globalen Realwirtschaft ein. Ihr rasches und strukturiertes Wachstum hat sie vom Status einer Alternative zu einem eigenständigen, umfangreichen und kontinuierlich expandierenden Ökosystem gemacht.
Diese Entwicklung ist im Gesamtzusammenhang der globalen Finanzmärkte zu betrachten. Im Jahr 2025 liegt das weltweite BIP bei rund 113’000 Milliarden US-Dollar. Die globale Börsenkapitalisierung bewegt sich zwischen 125’000 und 150’000 Milliarden. Die USA dominieren weiterhin die kotierten Märkte mit einer Kapitalisierung von nahezu 70’000 Milliarden US-Dollar – dem grössten Aktienmarkt der Wirtschaftsgeschichte. Hinter dieser scheinbaren Stabilität ist jedoch ein Rückgang der Anzahl kotierter Unternehmen zu beobachten. 2005 gab es weltweit rund 52’000 börsenkotierte Gesellschaften; 2015 waren es etwas mehr als 43’000, heute liegt die Zahl bei etwa 44’000. Diese Entwicklung ist kein statistischer Zufall. Sie verweist auf die allmähliche Erosion der Börsenkotierung als natürlicher Finanzierungsweg für Unternehmen. Regulatorische Verschärfungen wie Sarbanes-Oxley belasteten den US-Markt, Fusionen und Übernahmen reduzierten die Vielfalt der Emittenten, und Private-Equity-Gesellschaften nahmen tausende Firmen von der Börse. IPOs, lange Zeit Wachstumstreiber der Aktienmärkte, wurden seltener. Vor allem aber hat sich die Präferenz vieler Unternehmen – insbesondere im Technologiesektor – hin zu flexibleren, schnelleren und diskreteren privaten Kapitalquellen verschoben, die Wachstum ausserhalb des Rampenlichts der Märkte ermöglichen.
Während sich das kotierte Universum verkleinerte, entwickelte sich der nicht kotierte Bereich in die entgegengesetzte Richtung. 2005 wurde die Zahl der von Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds finanzierten Unternehmen auf rund 20’000 geschätzt. Zehn Jahre später waren es bereits über 50’000. Im Jahr 2025 liegt diese Zahl bei rund 215’000 Unternehmen. Dieses spektakuläre Wachstum folgt einem langfristigen Trend, der etwa alle acht bis zehn Jahre eine Verdoppelung aufweist. Der nicht kotierte Bereich ist damit zum wichtigsten Raum für unternehmerische Entwicklung weltweit geworden. Er stellt ein bedeutendes Reservoir für Innovation dar und trägt direkt zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur digitalen Transformation, zur Energiewende und zur umfassenden Neugestaltung von Wertschöpfungsketten bei.
Auch makroökonomisch lässt sich diese Entwicklung ablesen. 2005 machten private Märkte vermutlich weniger als ein Prozent der globalen Wertschöpfung aus. 2025, mit über 200’000 finanzierten Unternehmen und kumulierten Umsätzen zwischen 15’000 und 25’000 Milliarden US-Dollar, liegt ihr Anteil bei vier bis sechs Prozent des weltweiten BIP. Innerhalb von zwanzig Jahren hat sich ihr Beitrag zur globalen Wertschöpfung damit vervierfacht, während sich die Zahl der betroffenen Unternehmen verzehnfacht und die verwalteten Vermögen verfünffacht haben. Diese Entwicklung verdeutlicht den strukturellen Wandel: Ein wachsender Teil der wirtschaftlichen Aktivität findet heute ausserhalb der Börsen statt.
Die zunehmende Bedeutung der privaten Märkte zeigt sich auch in den verwalteten Vermögen. 2005 belief sich das gesamte Private-Equity-Volumen auf rund 1’000 Milliarden US-Dollar. Zwanzig Jahre später liegt es bei über 5’000 Milliarden. Im gleichen Zeitraum wuchs Venture Capital – getragen durch digitale Technologien, künstliche Intelligenz und Biotechnologie – von rund 180 Milliarden auf etwa 600 Milliarden. Zusammen repräsentieren Private Equity und Venture Capital heute rund 6’000 Milliarden US-Dollar an Vermögen.
Dieses Bild wäre jedoch unvollständig ohne Private Debt. 2005 belief sich dessen Volumen auf kaum 120 Milliarden US-Dollar. 2025 nähert es sich 2’000 Milliarden und ist damit die dynamischste Anlageklasse der letzten zwei Jahrzehnte, mit einem Wachstum um das Fünfzehnfache. Diese Entwicklung ist in erster Linie auf den schrittweisen Rückzug der Banken aus der Finanzierung von KMU und Mid-Caps nach der Krise von 2008 zurückzuführen, bedingt durch strengere regulatorische Anforderungen. Private-Debt-Fonds haben diesen Raum zunehmend besetzt, sodass Direct Lending heute eine zentrale Komponente der nicht kotierten Finanzierung darstellt. Der Zinsanstieg seit 2022 hat diese Dynamik zusätzlich verstärkt, da er im Vergleich zu traditionellen Anleihen attraktive Renditen ermöglicht.
In diesem Umfeld nehmen die USA über alle Segmente hinweg eine dominante Stellung ein. Sie vereinen rund 50 bis 55 Prozent des globalen Private Equity, 60 bis 65 Prozent der Private Debt sowie einen vergleichbaren Anteil am Venture Capital. Diese Dominanz erklärt sich durch die Tiefe des Binnenmarkts, die Stärke institutioneller Investoren, eine historisch verankerte Risikokultur und ein unvergleichliches Innovationsökosystem. Bis 2030 dürfte diese zentrale Rolle bestehen bleiben. Während der Aufstieg Asiens und der Golfstaaten den US-Anteil im Private Equity leicht verringern könnte, erscheint die US-Dominanz in der Private Debt deutlich schwerer in Frage zu stellen.
Bis 2030 dürfte die Entwicklung der privaten Märkte klar auf Wachstum ausgerichtet bleiben. Die Zunahme der verwalteten Vermögen, die steigende Zahl finanzierter Unternehmen und die höhere Qualität jener Firmen, die privat bleiben, könnten die kumulierten Umsätze der von Private Equity und Venture Capital finanzierten Unternehmen auf 20’000 bis 30’000 Milliarden US-Dollar anheben. Dies entspräche einer Wertschöpfung von 5’000 bis 8’000 Milliarden. Bei einem globalen BIP von rund 130’000 Milliarden US-Dollar würde ihr Beitrag bei etwa fünf bis sechs Prozent liegen.
Die Projektionen bis 2030 bestätigen eine robuste Expansion der privaten Märkte. Private Equity könnte 7’500 Milliarden US-Dollar an verwalteten Vermögen erreichen, Private Debt rund 3’000 Milliarden und Venture Capital nahe 1’000 Milliarden. Diese Dynamik beruht auf klar identifizierbaren strukturellen Treibern: Renditesuche, Globalisierung der Investoren, Wachstum des Direct Lending, zunehmende Bedeutung Asiens und die Neugestaltung industrieller und energetischer Wertschöpfungsketten. Eine schrittweise Normalisierung der Exits – über IPOs oder Sekundärtransaktionen – dürfte diese Entwicklung zusätzlich stützen.
Dieses Szenario ist jedoch nicht frei von Risiken. Eine länger anhaltende globale Rezession könnte von Private Equity finanzierte Unternehmen schwächen. Strengere Regulierung könnte das Wachstum von Private Debt bremsen. Ein dauerhaft höheres Zinsniveau würde die Fremdkapitalkosten bei LBO-Transaktionen erhöhen. Keiner dieser Faktoren stellt jedoch den grundlegenden Trend in Frage. Innerhalb von zwanzig Jahren sind die privaten Märkte zu einem zentralen Pfeiler der globalen Finanzwelt und zu einem entscheidenden Motor der Wertschöpfung geworden. Die Verlagerung von Kapital in den nicht kotierten Bereich ist längst kein konjunkturelles Phänomen mehr, sondern Ausdruck eines nachhaltigen strukturellen Wandels des Wirtschaftssystems.
Investitionsdynamiken
Werden alle Segmente der privaten Märkte zusammen betrachtet – Private Equity, Venture Capital, Private Debt, Infrastruktur, nicht kotierte Immobilien, Secondaries und hybride Strategien –, übersteigt ihr Gesamtvolumen mittlerweile 10’000 Milliarden US-Dollar. Ein bedeutender Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung hat sich damit in den nicht kotierten Bereich verlagert. Dennoch bleibt ihr Anteil am globalen BIP mit vier bis sechs Prozent noch vergleichsweise moderat. Ihr wirtschaftliches Gewicht mag geringer sein als das der grossen börsenkotierten Konzerne, doch ihre Rolle für Innovation, Transformation und zukünftiges Wachstum übersteigt ihren unmittelbaren Beitrag zur Wertschöpfung deutlich.
Kotierte Unternehmen generieren hingegen einen kumulierten Umsatz von 60’000 bis 80’000 Milliarden US-Dollar. Die 2’000 grössten von ihnen stehen für nahezu die Hälfte dieses Volumens. Gleichzeitig tragen sie nur rund 10 bis 12 Prozent zur globalen Wertschöpfung im Sinne des BIP bei. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass Umsatz nur bedingt ein Mass für Wertschöpfung ist. Während kotierte Unternehmen die bestehende wirtschaftliche Aktivität konzentrieren, erfassen private Märkte einen wachsenden Anteil der Investitions-, Innovations- und Wachstumsdynamik. Für Investoren ist dies heute eine zentrale analytische Perspektive.
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