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EAM-Lösungen

  • Interview mit Monira Lehbili
  • Territory Data Protection Officer
  • HSBC Schweiz

Daten: von der regulatorischen Pflicht zum Innovationshebel

Angesichts der zunehmenden regulatorischen Anforderungen – DSG, FINMA, NIS 2 – wird der souveräne Umgang mit Daten immer mehr zu einem strategischen Imperativ. Anlässlich der Lancierung eines neuen Zertifikats durch das ISFB erläutert Monira Lehbili, Expertin für Datenschutz, weshalb Data Governance längst über reine Compliance hinausgeht und sich zu einem echten Wettbewerbsvorteil sowie zu einem Innovationshebel für die Schweiz entwickelt hat.

Von Levi-Sergio Mutemba

Worin liegt der Unterschied zwischen Datenschutz und Data Governance?

Diese beiden Konzepte lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten. Data Governance ist die operative Umsetzung der regulatorischen Vorgaben, die sich aus Regelwerken wie dem schweizerischen Datenschutzgesetz, dem FINMA-Rundschreiben 2023-01 oder NIS 2 sowie dem AI Act unserer europäischen Nachbarn ergeben. Governance übersetzt diese regulatorischen Anforderungen in konkrete Regeln für den Alltag. Der Datenschutz hingegen fokussiert sich auf personenbezogene Daten und die Rechte der betroffenen Personen. Letztlich sind diese beiden Ansätze untrennbar miteinander verbunden: Ohne Governance bleibt Datenschutz theoretisch.

An wen richtet sich die neu lancierte Ausbildung des ISFB?

An alle Personen, die im beruflichen Alltag mit Daten arbeiten. Die Ausbildung vermittelt praxisnahe Kenntnisse im Bereich Datenmanagement. Es geht nicht nur darum, Daten zu verstehen und zu kontrollieren, sondern auch darum, die mit Daten verbundenen Herausforderungen gezielt zu nutzen.

Richtet sich diese Ausbildung ausschliesslich an Fachpersonen aus dem Bankensektor?

Der Finanzsektor gehört zwar zur primären Zielgruppe. Dennoch kann grundsätzlich jede Person, die im Alltag mit Daten umgeht, von dieser Ausbildung profitieren – allein schon, um die zentralen Fragestellungen rund um Datenmanagement besser zu verstehen. Häufig werden Daten verarbeitet, ohne dass man sich dessen bewusst ist. IT-Fachpersonen hingegen zählen nicht zu den primären Zielgruppen, da die Ausbildung vor allem die Grundlagen der Datenbewirtschaftung vermittelt und sich an datenunerfahrene Personen richtet.

Wie ist es möglich, Daten zu verarbeiten, ohne sich dessen bewusst zu sein? Gibt es konkrete Beispiele?

Wenn man sich beispielsweise auf personenbezogene Daten konzentriert, gilt aus einer strengen Perspektive jede Information, die eine Person identifizierbar macht, als personenbezogene Angabe. Ein einfaches Beispiel ist das Kontrollschild eines Fahrzeugs: Es erlaubt die Identifikation des Fahrzeughalters und stellt somit eine personenbezogene Information dar. In der beruflichen Praxis ist jedoch nicht immer offensichtlich, dass Daten verarbeitet werden. Als DPO bin ich mehrfach auf Situationen gestossen, in denen Personen überzeugt waren, keine Daten zu bearbeiten – obwohl dies faktisch der Fall war.

Wann kann man sagen, dass Daten wirklich beherrscht werden?

Eine risikoadäquate und fundierte Datenbeherrschung ist zentral für Datenschutz und Data Governance. In der Praxis bedeutet dies unter anderem, die Art der verarbeiteten Daten genau zu kennen, zu wissen, ob sie für das Unternehmen wesentlich oder kritisch sind, ob sie aktuell und ausreichend geschützt sind. Ebenso wichtig ist die Kenntnis ihres Speicherorts – was bisweilen durchaus Überraschungen bereithält. Beim Thema Datenbeherrschung spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Entscheidend ist zudem, dass diese Aspekte immer im Verhältnis zu den Risiken betrachtet werden, die aus der jeweiligen Datenverarbeitung entstehen können.

Wo steht die Schweiz in Bezug auf Datenschutz und Data Governance?

Die Schweiz profitiert von ihrem Ruf der Exzellenz, der auf einer konkreten Realität basiert. Eine solide Datenschutzpraxis und eine verlässliche Data Governance stellen einen echten Wettbewerbsvorteil dar. Unternehmen, die ihre Daten strukturiert und sicher verwalten, werden von Partnern als verlässliche Akteure wahrgenommen. Darüber hinaus wirken qualitativ hochwertige Unternehmensdaten als Katalysator für Innovation und den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Denn KI ist nur dann zuverlässig, wenn die zugrunde liegenden Daten korrekt und strukturiert sind. Wie mir meine IT-Kollegen stets sagen: ganz einfach – garbage in, garbage out.

Monira Lehbili

HSBC Schweiz

Monira Lehbili verantwortet den Datenschutz bei HSBC Schweiz. Als anerkannte Expertin auf dem Finanzplatz war sie zuvor als Data Protection Officer bei Lombard Odier und BNP Paribas Schweiz tätig. Ihr beruflicher Werdegang, der interne Revision, Risikomanagement und Governance vereint, verschafft ihr eine strategische Sicht auf Daten als Hebel für Innovation, regulatorische Konformität sowie Cloud- und KI-Sicherheit.

 

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Mario Pfiffner
Invest-Partners
«Die FINMA sollte die strukturellen Besonderheiten der uVV stärker berücksichtigen.».

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« Die IT-Infrastruktur und Cyber-Resilienz von Vermögensverwaltern anhand klarer Kriterien beurteilen »

SPHERE

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Seit der Gründung im Jahr 2016 unterstützt und vernetzt SPHERE die Community der Schweizer Finanzbranche. SPHERE ermöglicht den Austausch, sei es mit dem vierteljährlich erscheinenden Magazin, den beiden Sonderausgaben für institutionelle Anleger, der Website, den Newsletter und den Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch durchgeführt werden. Toutes les parties prenantes de la finance, l’un des plus importants secteurs économiques de Suisse, ont ainsi à leur disposition une plateforme où il leur est possible d’échanger, de s’informer et de progresser.

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EAM-Lösungen

  • Interview mit Mario Pfiffner
  • Chief Executive Officer
  • Invest-Partners Wealth Management

«Die FINMA sollte die strukturellen Besonderheiten der uVV stärker berücksichtigen.».

Während die Regulierung in den vergangenen Jahren deutlich verschärft wurde, bewegen sich unabhängige Vermögensverwalter in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld. Mario Pfiffner analysiert die Grenzen eines einheitlichen regulatorischen Ansatzes und plädiert für eine stärkere Berücksichtigung der strukturellen Realitäten unabhängiger Vermögensverwalter.

Von Jérôme Sicard

Wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand des EAM-Sektors in der Schweiz?

Der Schweizer Markt für unabhängige Vermögensverwalter präsentiert sich solide und gut etabliert. Er profitiert von der starken Finanzinfrastruktur der Schweiz, seiner politischen Stabilität und der langjährigen Reputation als globales Zentrum der Vermögensverwaltung. Die mit der Umsetzung von FINIG und FIDLEG geschaffene regulatorische Klarheit hat Transparenz und Professionalität in der gesamten Branche nachhaltig gestärkt. Gleichzeitig hat sie insbesondere bei kleineren und mittleren Akteuren Druck für eine zunehmende Konsolidierungswelle ausgelöst, da steigende Kosten für Compliance, Prüfungen und Reporting zunehmend belasten. Trotz anhaltendem Wettbewerbsdruck und Margenkompression sind Schweizer EAMs dank ihrer Expertise, Unabhängigkeit und der engen, vertrauensbasierten Kundenbeziehungen hervorragend positioniert.

Mit welchen zentralen Herausforderungen sind EAMs heute konfrontiert?

Regulatorische und Compliance-Anforderungen stellen nach wie vor die grösste Herausforderung dar, da sie die operative Komplexität und die Kosten erhöhen – insbesondere für kleinere Unternehmen. Der Margendruck hat sich durch höhere Gebührentransparenz, intensiven Wettbewerb und die breite Verfügbarkeit kostengünstiger Anlageprodukte weiter verschärft. Gleichzeitig stehen EAMs unter Druck, in Digitalisierung und Technologie zu investieren, um den steigenden Kundenerwartungen gerecht zu werden und Effizienzgewinne zu erzielen – häufig ohne ausreichende Skaleneffekte. Auch die Gewinnung von Talenten und die Nachfolgeplanung sind anspruchsvoll, da erfahrene Berater sich dem Ruhestand nähern und jüngere Fachkräfte flexiblere, technologiegetriebene Arbeitsumfelder suchen. Parallel dazu steigen die Erwartungen der Kunden in Bezug auf Transparenz, Nachhaltigkeit und individuell zugeschnittene Anlagelösungen.

Was sollte die FINMA aus Ihrer Sicht besser über die Realität unabhängiger Vermögensverwalter verstehen?

Die FINMA sollte die strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen EAMs tätig sind, stärker berücksichtigen – insbesondere ihre begrenzte Grösse und Ressourcenbasis im Vergleich zu Banken und grossen Finanzinstituten. Einheitliche regulatorische Anforderungen sind zwar gut gemeint, führen jedoch häufig zu einer unverhältnismässigen operativen und finanziellen Belastung für kleinere Anbieter und lenken Managementkapazitäten von der Kundenbetreuung und dem eigentlichen Risikomanagement ab. Unabhängige Vermögensverwalter sind in der Regel eigentümergeführte, unternehmerisch geprägte Gesellschaften mit schlanken Strukturen, starkem Kundenfokus und begrenzter Fähigkeit, regulatorische Komplexität aufzufangen. Dennoch leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Wettbewerb, Beschäftigung und Innovation im Schweizer Wealth-Management-Ökosystem und spielen eine wichtige Rolle bei der Sicherung von Kundenwahlfreiheit und Marktdiversität.

Wenn Sie der FINMA heute eine zentrale Botschaft vermitteln könnten, welche wäre das?

Die überwiegende Mehrheit der unabhängigen EAMs handelt verantwortungsvoll, professionell und klar im besten Interesse ihrer Kundinnen und Kunden. Mit rund 1’500 EAMs unter FINMA-Aufsicht ist ein pragmatischer, verhältnismässiger und risikobasierter Ansatz entscheidend. Alle Marktteilnehmer pauschal als potenzielle Problemfälle zu behandeln, belastet gut funktionierende Unternehmen unnötig und bindet Aufsichtsressourcen, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnten. Ein stärker differenzierterer Aufsichtsansatz würde sowohl den Anlegerschutz als auch die langfristige Nachhaltigkeit des Sektors wirksam stärken.

Welche strukturellen Veränderungen werden den EAM-Markt in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Der Sektor wird weiterhin massgeblich durch regulatorisch getriebene Konsolidierung geprägt sein, da Compliance- und Kostendruck zunehmen werden. Digitalisierung und Automatisierung gewinnen weiter an Bedeutung: Der verstärkte Einsatz von Portfolio-Management-Systemen, Datenanalytik und digitalen Kundentools wird zu einem entscheidenden Faktor für Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Auch demografische Entwicklungen und veränderte Kundenerwartungen – etwa durch den Generationenwechsel, höhere Transparenzanforderungen sowie die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen und wirkungsorientierten Anlagelösungen – werden den Markt verändern. Zudem dürfte sich die Zusammenarbeit zwischen EAMs, Banken und Fintech-Anbietern weiter intensivieren. Solche Partnerschaften ermöglichen es unabhängigen Vermögensverwaltern, auf leistungsfähige Infrastrukturen zuzugreifen, ohne ihre unternehmerische Unabhängigkeit aufzugeben.

Wie würden Sie die aktuelle Positionierung von Invest Partners beschreiben?

Invest-Partners positioniert sich als professionelle und unabhängige Schweizer Portfolio-Management-Plattform, aufgebaut von und für erfahrene Privatebanker und Portfoliomanager. Als Senior-Partner-Netzwerk organisiert, verbindet das Unternehmen institutionelle Investmentprozesse, klare Governance-Strukturen und ein professionelles Risikomanagement mit der Flexibilität für massgeschneiderte Kundenlösungen. Ein starkes und gut koordiniertes Administrationsteam stellt umfassende operative Unterstützung in den Bereichen Compliance, Reporting, IT und Governance sicher. Dadurch können sich die Partner vollständig auf das Portfolio Management sowie auf die Pflege langfristiger Kundenbeziehungen konzentrieren.Transparenz, Interessenausrichtung und langfristige Partnerschaften bilden die zentralen Pfeiler der Positionierung und Unternehmenskultur der Invest-Partners.

Wo sehen Sie aktuell die attraktivsten Wachstumsmöglichkeiten für Invest-Partners?

Diese ergeben sich aus der fortschreitenden Konsolidierung im EAM-Sektor sowie aus der wachsenden Zahl erfahrener Fachkräfte, die den Schritt in die Unabhängigkeit suchen. Insbesondere Senior-Portfoliomanager aus bestehenden EAM-Strukturen sowie Privatebanker, die traditionelle Banken verlassen, stellen ein starkes Wachstumspotenzial dar. Viele suchen unternehmerische Freiheit, einen stärkeren Fokus auf echte Kundenbetreuung und ein ausgewogeneres berufliches Umfeld. Invest- Partners ist hervorragend positioniert, um diese Persönlichkeiten anzusprechen: mit einer stabilen, auf Swissness fokussierten Plattform, moderner IT-Infrastruktur, institutionellen Portfolio-Management-Tools und umfassender administrativer Unterstützung die es den Partnern ermöglicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – exzellente Anlagestrategien umzusetzen und langfristige Kundenbeziehungen zu pflegen.

Welche Art von Unterstützung bietet Invest-Partners seinen Partnern?

Wir bieten institutionelle Unterstützung in allen zentralen nicht-investmentbezogenen Funktionen, darunter Regulierung und Compliance, Risikomanagement, rechtliche und Governance-Strukturen, Finanzen und Reporting sowie IT-Infrastruktur. Ein erfahrenes Administrationsteam fungiert als zentrale Serviceeinheit für das Partnernetzwerk und sorgt für Konsistenz, Effizienz und regulatorische Stabilität. Künftig werden diese Funktionen durch weitere Digitalisierung, Automatisierung und Skalierung kontinuierlich weiterentwickelt – mit dem Ziel, die Effizienz zu steigern und gleichzeitig hohe professionelle und regulatorische Standards zu sichern.

Wie viele Partner haben Sie heute?

Invest-Partners zählt derzeit 30 Partner. Das Wachstum erfolgt bewusst selektiv und mit Augenmass, mit einem klaren Fokus auf kulturelle Passung und professionelle Qualität statt auf reine Größenexpansion. Dank skalierbarer Infrastruktur, erfahrener administrativer Unterstützung und eines robusten operativen Rahmens verfügt die Plattform über ausreichende zusätzliche Kapazitäten, um organisch zu wachsen und dabei ihre hohen Ansprüche an Qualität, Governance und Kundenservice konsequent zu wahren.

Wie gehen Sie mit Anlagelösungen wie Private Markets und Digital Assets um?

Private Markets und digitale Vermögenswerte werden diszipliniert, selektiv und konsequent kundenorientiert eingesetzt. Diese Anlageklassen kommen dort zum Einsatz, wo sie klare Diversifikationsvorteile bieten und zum Risikoprofil, Anlagehorizont und zu den Gesamtzielen des Kunden und seines Portfolios passen. Private Markets stehen derzeit nicht im Fokus, da viele Kunden Liquidität, Transparenz und Flexibilität priorisieren. Digitale Assets werden vorsichtig und bevorzugt über regulierte, handelbare Anlageprodukte eingesetzt, statt über Direktinvestitionen – insbesondere aus Gründen der Governance, Bewertung, Liquidität und operativen Effizienz.

Welche Art von Asset Managern möchten Sie gewinnen, und welches Partnermodell bieten Sie an?

Invest-Partners richtet sich gezielt an erfahrene, unternehmerisch denkende Portfoliomanager, die Unabhängigkeit, Eigenverantwortung und langfristige Kundenbeziehungen schätzen. Kulturelle Passung, Integrität und ein ausgeprägter Client-first-Ansatz sind zentral. Das Partnermodell verbindet unternehmerische Freiheit mit einer starken institutionellen Plattform, geteilter Infrastruktur und zentralen Supportfunktionen – bei gleichzeitig hoher Autonomie, klarer wirtschaftlicher Beteiligung und enger Interessenangleichung zwischen Partnern und Kunden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der unabhängigen Vermögensverwaltung?

Der Sektor würde von einer stärkeren, sichtbaren und besser koordinierten Interessenvertretung deutlich profitieren. Die Fragmentierung über verschiedene Verbände und Interessengruppen schwächt die Fähigkeit der Branche regulatorische und politische Themen kohärent zu adressieren. Eine glaubwürdige Dachorganisation, die gemeinsame Kernanliegen wie verhältnismässige Regulierung, Rechtssicherheit und operative Umsetzbarkeit vertritt, kombiniert mit strukturierteren Möglichkeiten für fachlichen Austausch und Networking, würde den Zusammenhalt, die Sichtbarkeit und die langfristige Nachhaltigkeit des Sektors im Schweizer Finanzökosystem nachhaltig stärken.

Mario Pfiffner

Invest-Partners Wealth Management

Seit Februar 2010 ist er bei der Invest-Partners Wealth Management in Zürich tätig, wo er seit dem Management-Buyout im Juli 2019 die Rolle des CEO innehat. In dieser Rolle verantwortet er die strategische Führung der Plattform für unabhängige Vermögensverwalter. Mario Pfiffner begann seine berufliche Laufbahn bei der St. Galler Kantonalbank, wo er nach einer Banklehre und einem betriebswirtschaftlichen Studium an der Kaderschule Zürich verschiedene Generalistenfunktionen übernahm.

 

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Mario Pfiffner
Invest-Partners
«Die FINMA sollte die strukturellen Besonderheiten der uVV stärker berücksichtigen.».

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« Die IT-Infrastruktur und Cyber-Resilienz von Vermögensverwaltern anhand klarer Kriterien beurteilen »

SPHERE

The Swiss Financial Arena

Seit der Gründung im Jahr 2016 unterstützt und vernetzt SPHERE die Community der Schweizer Finanzbranche. SPHERE ermöglicht den Austausch, sei es mit dem vierteljährlich erscheinenden Magazin, den beiden Sonderausgaben für institutionelle Anleger, der Website, den Newsletter und den Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch durchgeführt werden. Toutes les parties prenantes de la finance, l’un des plus importants secteurs économiques de Suisse, ont ainsi à leur disposition une plateforme où il leur est possible d’échanger, de s’informer et de progresser.

Fundy

EAM-Lösungen

  • Interview mit Laurent Forestier
  • Chief Operating Officer
  • AtonRâ

„Eine Anlageidee schnell in ein kohärentes Portfolio überführen“

Fundy, entwickelt von AtonRâ, einem Pionier der thematischen Investments in der Schweiz, ist eine auf künstlicher Intelligenz basierende Plattform, die darauf ausgelegt ist, Vermögensverwalter in den Phasen der Recherche, Analyse und Portfolio­strukturierung gezielt zu unterstützen. Ziel ist es, die operative Komplexität und den Zeitaufwand für Analysen zu reduzieren und gleichzeitig die Kohärenz und Verständlichkeit der Allokationen zu verbessern.

Von Jérôme Sicard

Auf welche konkreten Bedürfnisse wollten Sie mit der Gründung und dem Ausbau von Fundy reagieren?

Fundy ist aus einer sehr einfachen Beobachtung entstanden, die viele Fachleute aus der Vermögensverwaltung teilen. Asset Manager und Berater haben heute Zugang zu mehr Informationen als je zuvor, verfügen jedoch häufig nicht über die Zeit und die passenden Werkzeuge, um diese effizient zu nutzen. Zwischen Recherche, Analyse, Portfolioaufbau und der verständlichen Vermittlung gegenüber den Kunden besteht ein hohes Risiko, an Kohärenz, Reaktionsfähigkeit oder Klarheit zu verlieren.

Mit Fundy wollten wir daher drei sehr konkrete Bedürfnisse adressieren. Erstens: die Recherche- und Portfolioaufbauphase deutlich zu beschleunigen, ohne dabei auf analytische Stringenz zu verzichten. Zweitens: Vermögensverwaltern zu ermöglichen, ihre Investmentthesen – sei es thematisch, sektoral, geografisch oder quantitativ – klar, messbar und reproduzierbar zu strukturieren. Drittens: ihnen mehr Freiheit zurückzugeben, indem wir starre Rahmenwerke oder Lösungen vermeiden, die Investoren in vordefinierte Produkte einsperren.

Fundy verfolgt das Ziel, eine integrierte und reibungslose Arbeitsumgebung bereitzustellen, die es erlaubt, eine Investmentidee rasch in ein kohärentes, erklärbares und auch kommerziell nutzbares Portfolio zu überführen. Ein wichtiger Punkt dabei: Der Vermögensverwalter oder sein Kunde behält seine bestehende Bankbeziehung. Fundy liefert die Intelligenz – nicht die Verwahrung der Vermögenswerte.

Wie würden Sie Fundy heute einem Vermögensverwalter in wenigen Sätzen erklären?

Fundy ist eine professionelle Plattform, die den Vermögensverwalter entlang des gesamten Investmentprozesses begleitet – von der ersten Idee bis zum finalen Portfolio. Konkret ermöglicht sie es, von einer Intuition oder Überzeugung auszugehen und diese sehr schnell in ein tatsächlich investierbares Portfolio zu übersetzen.

Anschliessend bietet die Plattform eine umfassende Analyse dieses Portfolios, indem sie Risiko- und Performanceprofile detailliert auswertet und in Relation zu relevanten Alternativen oder Benchmarks setzt – in Sekunden statt in Tagen..

Was sind die zentralen Funktionen von Fundy?

Die Funktionalitäten von Fundy basieren auf vier zentralen Säulen, die eng an den Arbeitsalltag von Vermögensverwaltern angelehnt sind. Zunächst bietet die Plattform eine strukturierte Research-Funktion, die darauf ausgelegt ist, Anlagechancen schnell zu identifizieren und die Investmentüberlegungen zu unterstützen. Anschliessend ermöglicht sie den Aufbau und die laufende Anpassung von Portfolios, indem Überzeugungen direkt in konkrete Allokationen übersetzt werden.

Kurzfristig wird Fundy zudem die sofortige Optimierung von Multi-Asset-Portfolios über mehr als 54’000 Instrumente (Aktien, Obligationen, Krypto-Assets, Rohstoffe) in weniger als zwei Sekunden ermöglichen.

Darüber hinaus integriert Fundy Tools zur Generierung von Investmentideen, um neue Themen zu erschliessen und alternative Szenarien zu entwickeln. Unsere relationale Intelligenz (Graph Intelligence) identifiziert verborgene Korrelationen innerhalb von Lieferketten und Wettbewerbsdynamiken, die klassische Tools nicht erfassen – in einem Ansatz, der zugleich rigoros und flexibel ist.

Welches Anlageuniversum deckt Fundy heute ab?

Aktuell deckt Fundy mehr als 54’000 Instrumente ab, hauptsächlich Aktien, ohne geografische Einschränkungen, und ermöglicht damit eine wirklich globale Sicht auf die Märkte. Gleichzeitig legt die Plattform einen besonderen Fokus auf bestimmte Themenbereiche wie Technologie, Gesundheitswesen oder die grossen Energietransformationen, da diese zunehmend die langfristigen Allokationsentscheidungen prägen.

Zudem berücksichtigt Fundy gezielt Small- und Mid-Cap-Segmente, die von traditionellen Tools oft nur unzureichend abgedeckt werden.

Wie viele Selektionskriterien wenden Sie pro Unternehmen an?

Jedes Unternehmen wird anhand mehrerer Dutzend Kriterien analysiert. Diese kombinieren klassische Finanzkennzahlen mit Risiko- und Liquiditätsindikatoren sowie sektoralen und thematischen Kriterien. Für die von uns entwickelten Themen integrieren wir zusätzlich qualitative Daten, die nach unserer eigenen Klassifikationsmethodik strukturiert sind. Ziel ist es nicht, möglichst viele Filter anzuhäufen, sondern eine kohärente, verständliche und im Entscheidungsprozess direkt nutzbare Analyse zu liefern.

Wo schafft Künstliche Intelligenz bei Fundy den grössten Mehrwert?

KI kommt zunächst bei der Strukturierung und Klassifikation der Daten zum Einsatz. Sie hilft dabei, komplexe Informationsmengen in verständliche und verwertbare Elemente zu übersetzen. Darüber hinaus beschleunigt sie die Analysephasen erheblich. Zur Einordnung: Eine Analyse auf institutionellem Niveau, die früher mehrere tausend Franken und mehrere Tage Arbeit erforderte, kann heute on demand für wenige Franken und in wenigen Sekunden erstellt werden.

Zudem spielt KI eine wichtige Rolle bei der Generierung von Investmentideen, indem sie neue Denkräume eröffnet. Sie ist jedoch nicht dazu gedacht, Entscheidungen anstelle des Vermögensverwalters zu treffen, sondern dessen Fähigkeiten gezielt zu erweitern.

Planen Sie langfristig eine Ausweitung auf Fixed Income?

Fixed Income ist in unserem Anlageuniversum bereits teilweise abgedeckt. Wir arbeiten kontinuierlich an einer Erweiterung, wobei diese Anlageklasse spezifische Herausforderungen mit sich bringt – insbesondere hinsichtlich Datenqualität, Liquidität und Instrumentenstrukturierung. Statt das Universum zu schnell auszudehnen, setzen wir auf einen schrittweisen Ausbau mit dem Ziel, zu gegebener Zeit ein Qualitäts-, Kohärenz- und Analyse-Niveau zu erreichen, das demjenigen im Aktienbereich entspricht.

Auf welchem Geschäftsmodell basiert Fundy?

Derzeit ist Fundy für unsere Beta-Nutzer kostenlos zugänglich, da wir uns noch in einer fortgeschrittenen Testphase befinden. Der offizielle Markteintritt ist für das erste Quartal 2026 geplant. Langfristig streben wir ein B2B-Modell an, das stark von den angebotenen Funktionalitäten abhängen wird – unabhängig davon, ob sich diese an unabhängige Vermögensverwalter, Privatbanker, Family Offices oder institutionelle Investoren richten.

Worin unterscheidet sich Fundy von Robo-Advisors oder bestehenden Plattformen?

Der Unterschied ist grundlegend. Robo-Advisors bieten standardisierte Allokationen, häufig beschränkt auf ETFs, und funktionieren meist als „Black Box“. Fundy hingegen gibt dem Vermögensverwalter die volle Kontrolle. Er entwickelt seine eigene Strategie, wählt die Instrumente selbst aus und setzt die Transaktionen mit einem Klick über seinen bestehenden Verwahrer um.

Welches sind Ihre nächsten Schritte?

Unser vorrangiges Ziel ist es, die Nutzung von Fundy bei Vermögensverwaltern weiter zu beschleunigen, indem wir die Sichtbarkeit erhöhen und den täglichen Einsatz fördern. Parallel dazu bauen wir die Analyse- und Optimierungsfunktionen weiter aus und legen dabei grossen Wert auf Einfachheit, Geschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit der Plattform.

Zudem arbeiten wir an Integrationen mit bestehenden Tools der Vermögensverwalter, wie etwa PMS-Systemen, Execution-Plattformen oder Partnerlösungen zur Produktstrukturierung.

Wie wird sich die Portfolio-Konstruktion und -Verwaltung Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren entwickeln?

Wir bewegen uns klar in Richtung einer zunehmend personalisierten Vermögensverwaltung, getrieben durch den Ausbau von Advisory-Dienstleistungen und steigende Anforderungen der Kunden an Transparenz. Anlageentscheidungen müssen künftig nicht nur Performance liefern, sondern auch nachvollziehbar, transparent und begründbar sein.

In diesem Umfeld werden Technologie und Künstliche Intelligenz zu unverzichtbaren Entscheidungsunterstützungstools, ohne jedoch die Rolle des Vermögensverwalters zu ersetzen. Gleichzeitig dürfte die Bedeutung stark standardisierter oder rein indexbasierter Produkte zurückgehen – zugunsten massgeschneiderter Lösungen, die auf individuellen Überzeugungen und spezifischen Kundenrestriktionen basieren, bei deutlich wettbewerbsfähigeren Kosten.

Laurent Forestier

Atonrâ

Laurent Forestier ist seit fünf Jahren als Chief Operating Officer bei Atonra tätig. Nach seinem beruflichen Einstieg in der Aluminiumindustrie wechselte er 2001 zu Lombard Odier, wo er zunächst als Senior Project Manager arbeitete und ab 2011 von Montréal aus die nordamerikanischen Aktivitäten leitete. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz trat er 2016 Edmond de Rothschild bei, wo er für das Client & Business Management der Schweizer Privatbank verantwortlich war. Laurent Forestier verfügt über einen MSc in Ingenieurwissenschaften der ETH Zürich.

 

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Seit der Gründung im Jahr 2016 unterstützt und vernetzt SPHERE die Community der Schweizer Finanzbranche. SPHERE ermöglicht den Austausch, sei es mit dem vierteljährlich erscheinenden Magazin, den beiden Sonderausgaben für institutionelle Anleger, der Website, den Newsletter und den Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch durchgeführt werden. Toutes les parties prenantes de la finance, l’un des plus importants secteurs économiques de Suisse, ont ainsi à leur disposition une plateforme où il leur est possible d’échanger, de s’informer et de progresser.

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Leaders

  • Interview mit Etienne de Béjarry
  • Senior Account Executive
  • Addepar

„Das digitale Erlebnis wird sich als eigenständiger strategischer Faktor etablieren.“

Angesichts der zunehmenden Komplexität von Portfolios, des wachsenden Anteils nicht kotierter Anlagen und des steigenden regulatorischen Drucks verändert sich die Rolle technologischer Tools bei unabhängigen Vermögensverwaltern grundlegend. Étienne de Bejarry, der kürzlich das Schweizer Büro der Plattform Addepar eröffnet hat, erläutert hier die Architektur-, Automatisierungs- und Datenverarbeitungsentscheidungen, die ihren Arbeitsalltag nachhaltig verändern.

Von Jérôme Sicard

Was sind heute die wichtigsten Forschungs- und Entwicklungsachsen bei Addepar?

Das Unternehmen investiert jährlich über 100 Millionen US-Dollar in Forschung und Entwicklung, wobei nahezu die Hälfte der Mitarbeitenden in den Bereichen Produkt, Engineering und Dateninfrastruktur tätig ist.

Im Bereich der Dateninfrastruktur hat Addepar massiv in eine Architektur investiert, die unter anderem auf Databricks basiert. Sie ermöglicht die Verarbeitung von mehr als 450 Datenfeeds von Depotbanken weltweit. Ziel dieses Ansatzes ist es, eine hohe Datenqualität, eine reibungslose Integration mit Drittsystemen sowie ein hohes Sicherheitsniveau sicherzustellen – bei gleichzeitiger Skalierbarkeit der Plattform.

Der zweite Schwerpunkt liegt auf künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Addepar entwickelt intelligente Agenten, Chatbots sowie Tools zur Workflow-Automatisierung, die den Arbeitsalltag der Nutzerinnen und Nutzer vereinfachen sollen. Das Ziel ist klar: die operative Belastung zu reduzieren, manuelle Eingriffe zu minimieren und den Teams zu ermöglichen, sich auf Aufgaben mit höherer Wertschöpfung zu konzentrieren.

Ein dritter strategischer Fokus betrifft schliesslich die Verwaltung alternativer und privater Anlagen. Aktuell aggregiert Addepar rund 8’000 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten, wovon rund 40 % in nicht kotierte Anlageklassen investiert sind. Addepar hat Lösungen entwickelt, die Dokumente von General Partners automatisch lesen, analysieren und verarbeiten, um diese komplexen Daten zuverlässig und kontinuierlich in die Plattform zu integrieren.

Welche international entwickelten Lösungen sind aus Ihrer Sicht besonders relevant für unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz?

Unabhängige Vermögensverwalter bewegen sich in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld, das leistungsfähige und zugleich flexible Werkzeuge erfordert. Genau darauf hat Addepar in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Teil seiner Entwicklungsarbeit ausgerichtet.

Die Plattform basiert auf einem Konzept weitgehender Individualisierung. Jedes Nutzerprofil – sei es Compliance Officer, Relationship Manager, Portfolio Manager, Geschäftsleitung oder Risk Officer – kann über spezifisch auf seine Aufgaben und Ziele zugeschnittene Dashboards, Kennzahlen und Reports verfügen. Das Tool ist nicht als starres System konzipiert, sondern als dynamische Umgebung, die sich im Zeitverlauf an die operativen Bedürfnisse der Teams anpasst.

Diese Flexibilität erstreckt sich auch auf die Verarbeitung alternativer Anlagen. Addepar hat ein Modul für Alternative Data Management entwickelt, das die Integration von Investitionen automatisiert, die häufig in Form unstrukturierter Dokumente per E-Mail übermittelt werden. Diese Daten werden ohne manuelle Eingriffe verarbeitet und direkt in nutzbare Transaktionen umgewandelt – eine sehr konkrete Antwort auf eine Herausforderung, mit der viele Vermögensverwalter in der Schweiz konfrontiert sind.

Wie erklären Sie den Rückstand unabhängiger Schweizer Vermögensverwalter in der Digitalisierung?

Dieser lässt sich zu einem grossen Teil durch die rasante Veränderung ihres Umfelds erklären. Die letzten Jahre waren geprägt von einer Verschärfung der Regulierung, insbesondere mit der Einführung der FINMA-Lizenz, sowie von einer zunehmenden Komplexität der Portfolios mit Multi-Bank- und Multi-Jurisdiktionsstrukturen. Die Integration von Anlagen – etwa strukturierten Produkten oder alternativen Investments – ist deutlich anspruchsvoller geworden.

Zudem basiert das Geschäftsmodell unabhängiger Vermögensverwalter historisch stark auf der persönlichen Beziehung, auf Vertrauen und Nähe zu den Kunden. Technologie wurde lange Zeit eher als unterstützendes Element oder gar als Einschränkung wahrgenommen und weniger als strategischer Hebel. Hinzu kommt, dass viele digitale Lösungen primär als Kostenstellen galten, ohne klar erkennbaren unmittelbaren Nutzen.

Wie sehen Sie die Entwicklung des PMS-Marktes in der Schweiz in den kommenden Jahren?

Es handelt sich um einen sehr wettbewerbsintensiven Markt, was für die Vermögensverwalter grundsätzlich von Vorteil ist, da ihnen eine breite Auswahl an Lösungen zur Verfügung steht. Allerdings sind nicht alle Anbieter gleich gut in der Lage, die notwendigen Investitionen zur Integration neuer Technologien zu stemmen.

Mittelfristig werden sich jene PMS durchsetzen, die es verstanden haben, zukünftige Marktbedürfnisse frühzeitig zu antizipieren und konsequent in Forschung und Entwicklung zu investieren. Vermögensverwalter werden in der Lage sein müssen, mit weniger Ressourcen mehr zu leisten und gleichzeitig den Erwartungen einer neuen, anspruchsvolleren Kundengeneration gerecht zu werden – insbesondere in Bezug auf Personalisierung, Transparenz und digitales Erlebnis.

Die Fähigkeit, vollständig individualisierte Reports, moderne Benutzeroberflächen und nutzungsorientierte mobile Anwendungen anzubieten, wird zu einem zentralen Differenzierungsmerkmal. In diesem Kontext wird sich das digitale Kundenerlebnis als eigenständiger strategischer Faktor etablieren.

Wie integrieren Sie nicht kotierte Anlagen, um eine konsolidierte Portfoliosicht zu erreichen?

Wie bereits erwähnt, sind rund 40 % der auf der Plattform aggregierten Vermögenswerte in Private Equity, Immobilien, Direktinvestitionen oder andere Real Assets investiert. Um den Besonderheiten dieser Anlageklassen gerecht zu werden, hat Addepar Tools entwickelt, die sich direkt mit den Portalen der General Partners verbinden, eingehende Dokumente automatisch analysieren und die entsprechenden Transaktionen in der Plattform generieren. Dieser Ansatz gewährleistet eine konsolidierte Portfoliosicht mit zuverlässigen und historisierten Daten.

Ergänzend dazu hat Addepar Instrumente zur langfristigen Cashflow- und Liquiditätsprojektion implementiert, die auf einer umfangreichen anonymisierten Datenbasis privater Fonds beruhen. Diese Funktionen ermöglichen realistische Szenarioanalysen sowie aussagekräftige Performance-Benchmarks, abgestimmt auf unterschiedliche Strategien und Investitionsprofile.

Welche Rolle spielen künstliche Intelligenz und prädiktive Analysen in einem PMS?

Sie kommen insbesondere bei der automatisierten Verarbeitung von Dokumenten im Zusammenhang mit alternativen Anlagen zum Einsatz, aber auch zur Speisung von Chatbots, die in der Lage sind, komplexe Anfragen auf Basis der auf der Plattform verfügbaren Daten zu beantworten.

Darüber hinaus arbeitet Addepar an der Automatisierung vollständiger operativer Workflows – vom Kunden-Onboarding über regulatorische Kontrollen bis hin zu Bankdatenabgleichen. Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen und manuelle Tätigkeiten signifikant zu reduzieren.

Langfristig wird künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle im funktionalen Umfang von PMS einnehmen, stets eingebettet in eine menschliche Validierung. Es geht nicht darum, die Expertise von Fachpersonen zu ersetzen, sondern sie zu stärken – durch Werkzeuge, die Effizienz, Zuverlässigkeit und Entscheidungsqualität verbessern.

Etienne de Bejarry

Addepar

Étienne de Bejarry ist seit Juni 2025 als Senior Account Executive bei Addepar tätig und verantwortet den kommerziellen Ausbau des Unternehmens in der Schweiz. Addepar, eine Technologieplattform für Investmentprofis, eröffnete im Oktober ihr Schweizer Büro in Genf. Nach einer fundierten Laufbahn in der Managementberatung war Étienne de Bejarry in den vergangenen fünf Jahren bei WealthArc tätig, wo er die kommerzielle Strategie aufgebaut und verantwortet hat.

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    Kredit

    Die komplette Reihe

      • Guillermo Felices
      • Global investment strategist, fixed income
      • PGIM

    „USA vs. Europa – Zwei unterschiedliche Märkte, zwei unterschiedliche Dynamiken“

    Markttiefe, Investorenstruktur, Spread-Dynamik und Refinanzierungsrisiken: Die Unterschiede zwischen den USA und Europa waren für die Allokation selten so prägend wie heute. In diesem dritten Teil unserer dem Kredit gewidmeten Serie analysiert Guillermo Felices die Triebkräfte der Widerstandsfähigkeit des europäischen Kreditmarkts, die Kräfteverhältnisse auf beiden Seiten des Atlantiks sowie die sich abzeichnenden Chancen in einem Umfeld wieder attraktiver Renditen.

    Von Jérôme Sicard

    Was sind die wichtigsten strukturellen Unterschiede zwischen den US- und europäischen Kreditmärkten ?

    Der US-Kreditmarkt ist deutlich grösser als der europäische. Beide sind liquide, aber der US-Markt ist rund dreimal so gross. Die europäischen High-Yield- und Kreditmärkte sind jünger und kleiner. Die wichtigsten Kennzahlen sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

    Wie haben die divergierenden geldpolitischen Massnahmen der Fed und der EZB die Credit Spreads die beiden Seiten des Atlantiks beeinflusst?

    Die Fed hat die Zinsen mehrfach gesenkt, hat aber noch einen gewissen Spielraum, bevor sie das von ihr als neutral betrachtete Zinsniveau zwischen 3–3,25 % erreicht. Die Märkte preisen bereits ein, dass dieses Niveau innerhalb der nächsten zwölf Monate erreicht wird. Diese Erwartungen haben zur Kompression der Corporate Spreads beigetragen.

    Im Euroraum hat die EZB schneller gesenkt und mit einem Einlagesatz von 2 % bereits ein neutrales Niveau erreicht. Dies hat ebenfalls zu einer Spread-Kompression in Europa geführt und die Wachstumsaussichten deutlich gestützt, was die Fundamentaldaten von Unternehmen stärkt – und folglich zu engeren Spreads führt.

    Wie vergleichen sich die Refinanzierungsrisiken zwischen Emittenten in den USA und in Europa heute?

    Weltweit hat sich das High-Yield-Segment seit der globalen Finanzkrise schrittweise hin zu höherer Ratingqualität entwickelt – CCC-Titel machen nur noch 8 % des globalen Marktes aus, gegenüber nahezu 15 % im Jahr 2007. Dafür waren mehrere Faktoren ausschlaggebend, darunter die zunehmende Verlagerung von Kapitalstrukturen im Single-B-Bereich in den Kreditmarkt, die Bereinigung eines Teils der älteren CCC-Emissionen durch Ausfälle sowie eine seit dem Zinsregimewechsel im Jahr 2022 deutlich geringere Emission von CCC-Papieren.

    Infolgedessen handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Emittenten um solide Unternehmen, die Cash generieren, Zugang zu den Kapitalmärkten haben und konjunkturelle Abschwächungen bewältigen können. Entsprechend sind Stressquoten relativ niedrig: nur 5,5 % des europäischen HY-Marktes und knapp unter 6 % des US-HY-Marktes handeln auf Distressed-Niveaus (Spread > 750 Basispunkte). Die meisten dieser Titel zeichnen sich durch überhöhte Verschuldung alter Kapitalstrukturen, schwächere Geschäftsmodelle – oder beides – aus.

    Wir sehen keinen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und Europa: Solide Unternehmen mit angemessenen Kapitalstrukturen (also die grosse Mehrheit beider Märkte) haben Zugang zu den Kapitalmärkten, und die Refinanzierungsrisiken sind gering. Unternehmen mit schwachen Profilen haben deutlich schwierigere Refinanzierungsperspektiven – unabhängig von ihrer geografischen Zugehörigkeit.

    Was erklärt die Verengung der europäischen Spreads trotz eines schwächeren Wachstumsausblicks?

    Schwächeres Wachstum muss Spreads nicht belasten, weil es niedrigere Leitzinsen durch die EZB induziert. Solange das Wachstum nicht so schwach ist, dass die Ausfälle steigen, ist ein „weiches“ Umfeld positiv für Fixed Income.

    Die Verengung der europäischen Spreads ist zudem auf starke Carry-Nachfrage der Anleger, günstige Kreditfundamentaldaten und Erwartungen weiterer Unterstützung durch die EZB zurückzuführen. Europäische Spreads bleiben auch aufgrund technischer Faktoren und Anlegerpositionierung eng. Zuflüsse waren stark im Vergleich zum begrenzten Angebot, was enge Spreads begünstigt.
    Ein Blick auf historische Phasen anhaltend enger Spreads – wie 1992–1997 und 2004–2007 – zeigt, dass Spreads auch bei moderatem Wachstum eng bleiben können.

    Wo sehen Sie derzeit die attraktivsten Chancen im Kreditmarkt – in den USA oder in Europa?

    In beiden Regionen ergeben sich Chancen, wobei europäische Kreditmärkte als besonders attraktiv gelten. Europäisches High Yield und Leveraged Loans erzielten im 4. Quartal 2024 sowie im Gesamtjahr höhere Renditen als ihre US-Pendants.

    Europäische Kreditmärkte bieten überzeugende Carry-Möglichkeiten, insbesondere im High-Yield-Bereich und bei CLOs, wo die Spreads im Vergleich zu den USA weiterhin relativ ausgeweitet sind. Die Streuung zwischen Sektoren und Emittenten eröffnet ein fruchtbares Umfeld für aktives Management.
    In den USA bevorzugen wir Front-End-Carry in Segmenten wie Corporate HY, strukturierten Produkten und Agency/MBS, wo die erwarteten Renditen im Verhältnis zur Volatilität höher sind als bei Spread-Produkten mit längerer Laufzeit.

    Wie hat die wirtschaftliche Erholung in Europa zu Beginn des Jahres die Anlegernachfrage nach europäischen Kreditmärkten beeinflusst?

    Die Widerstandsfähigkeit der europäischen Konjunktur war ein eindeutiger positiver Faktor für Kreditmärkte. Zu Jahresbeginn übertraf das Wachstum in der Peripherie dasjenige im Kern. Nach den Meldungen im März, dass Deutschland mehr in Infrastruktur und Verteidigung investieren wolle, stiegen die Wachstumserwartungen für Deutschland deutlich und stützten das Sentiment im Corporate-Credit-Segment.

    Trotz dieser Robustheit blieb das Wachstum unter dem Trend, sodass die EZB die Zinsen senken konnte, während die Inflation sich der 2 %-Marke näherte. Dies stärkte das Vertrauen in risikobehaftete Anlagen, einschliesslich Kredit.

    Guillermo Felices

    PGIM

    Guillermo Felices ist Principal und Global Investment Strategist im Bereich Fixed Income bei PGIM mit Sitz in London. Bevor er im August 2021 zum Unternehmen kam, war Felices Head of Investment Strategy und Mitglied des Multi-Asset Investment Committee bei BNP Paribas Asset Management. Früher in seiner Karriere leitete er die Asset-Allocation-Forschung für Europa bei Barclays, wo er 2011 eingetreten war. Er arbeitete zudem für Citi und bei der Bank of England. Guillermo Felices hat einen PhD und einen Master in Wirtschaftswissenschaften der New York University (Fulbright-Stipendiat) und einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften der Universidad del Pacifico in Lima, Peru.

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