Investment-Lösungen

    • Roman Eggler
    • Managing Director
    • Coller Capital

„Das Wachstum des Sekundärmarktes ist grundsätzlich mit der Expansion des Primärmarktes verbunden.“

Secondaries sind auf den privaten Märkten nicht länger nur ein Randsegment. Mit steigenden Volumina und sich entwickelnden Strukturen etablieren sie sich als ein zentraler Bereich. Roman Eggler erklärt hier, wie Portfolios aufgebaut werden, wo die Disziplinpunkte liegen und was die aktuellen Marktbedingungen in Bezug auf Bewertung und Chancen bedeuten.

Von Jérôme Sicard

Wie ist das Gesamtportfolio von Coller Capital allokiert?

Auf Unternehmensebene verteilt sich die Allokation im Wesentlichen auf die beiden Hauptsegmente des Sekundärmarktes: LP-geführte Transaktionen und GP-geführte Transaktionen, einschliesslich Continuation Vehicles. Aus Kapitalallokationssicht entspricht dies ungefähr einer 50/50-Aufteilung. Beide Transaktionstypen bieten unterschiedliche Vorteile: LP-geführte Secondaries ermöglichen einen diversifizierten Zugang zu reifen Portfolios zu attraktiven Bewertungen, mit effizientem Kapitaleinsatz und einem stabileren Renditeprofil. GP-geführte Secondaries hingegen bieten Zugang zu ausgewählten Assets mit hoher Überzeugung und starker Sponsor-Ausrichtung, wodurch häufig zusätzliche Wertschöpfungspotenziale erschlossen werden. Plattformübergreifend liegt der Fokus auf dem Aufbau breit diversifizierter Portfolios mit Exposure zu Tausenden von Unternehmen über Hunderte von Fonds hinweg – über verschiedene Vintages, Regionen und Sektoren.

Wie gehen Sie bei der Portfoliokonstruktion vor, um Diversifikation, Renditepotenzial und Risiko für Wealth-Investoren auszubalancieren?

Die Portfoliokonstruktion wird in erster Linie durch die Struktur bestimmt, wobei Diversifikation das zentrale Prinzip darstellt. Wir steuern Risiken durch eine breite Streuung über Fonds, zugrunde liegende Unternehmen, Vintages und Regionen hinweg und zielen gleichzeitig darauf ab, für Investoren konsistente und attraktive Ergebnisse zu erzielen.

Der Fokus liegt primär auf Buyout-Strategien, ergänzt durch eine kleinere Allokation in Growth Equity. Für Investoren bietet dieser Ansatz zwei wesentliche Vorteile: einen unmittelbaren Zugang zu Portfolios mit etablierten operativen Track Records und klareren Leistungsdaten sowie einen breiten Zugang zu führenden Managern, der für Einzelinvestoren nur schwer direkt aufzubauen wäre. Ein wesentliches Merkmal von Secondaries ist, dass wir in bestehende Portfolios und nicht in Blind Pools investieren. Dadurch können wir die zugrunde liegenden Assets detailliert analysieren, Investments neu beurteilen und Risiken mit hoher Transparenz steuern.

Wie gewichten Sie aktuell Buyout- und Venture-Exposure bei der Konstruktion eines Secondaries-Portfolios?

Die Gewichtung liegt klar auf Buyout. Venture-Capital- und Growth-Strategien weisen eine geringere Vorhersehbarkeit hinsichtlich der Cashflow-Generierung auf, was die Analyse erschwert. Unser Ansatz konzentriert sich daher auf grössere Buyout-Transaktionen, typischerweise im Mid- bis Large-Cap-Segment, wo Datenverfügbarkeit und Transparenz deutlich höher sind. Dies ermöglicht fundiertere Analysen und verlässlichere Cashflow-Prognosen, was zentral für unseren Investmentprozess ist.

Welche Rolle spielt die Transparenz auf Ebene der zugrunde liegenden Assets in Secondaries-Portfolios?

Die Transparenz auf Asset-Ebene ist zentral. Im Gegensatz zu Primärinvestitionen, bei denen Kapital in Blind Pools investiert wird, ermöglichen Secondaries den Zugang zu bereits aufgebauten und teilweise gereiften Portfolios. In der Regel steigen wir in Jahr vier oder fünf des Lebenszyklus ein, wenn bereits umfangreiche Informationen vorliegen. Dies erlaubt eine detaillierte Analyse der zugrunde liegenden Unternehmen sowie ein vollständiges Re-Underwriting des Portfolios. Diese Transparenz, kombiniert mit einer breiten Diversifikation über oft Hunderte oder sogar Tausende von Unternehmen, ist ein zentraler Treiber für Risikomanagement und stabile Renditen.

Wie beeinflussen die aktuellen Marktdynamiken Pricing und Opportunitäten im Secondaries-Markt? Wo sehen Sie derzeit die attraktivsten Einstiegspunkte?

Secondaries generieren Wert sowohl durch das Wachstum der zugrunde liegenden Assets als auch durch den Erwerb von Positionen mit Abschlag, wobei der Grossteil der Wertschöpfung aus dem Asset-Wachstum stammt. In Phasen von Marktstress oder eingeschränkter Liquidität steigt das Angebot an Verkäufern, was attraktive Einstiegsmöglichkeiten schaffen kann. Die Preisgestaltung hängt jedoch stark von der Qualität der Assets ab. Hochwertige Buyout-Portfolios werden in der Regel mit moderaten Abschlägen von etwa 10 bis 20 % gehandelt, während Portfolios geringerer Qualität oder im Venture-Bereich oft höhere Abschläge aufweisen.

Aktuell beobachten wir einen breiten und aktiven Markt. Unsere Fähigkeit, ein sehr grosses Dealflow-Volumen zu analysieren und gleichzeitig nur einen kleinen Teil davon umzusetzen, ermöglicht eine hohe Selektivität. Besonders attraktiv erscheinen derzeit Credit Secondaries, getrieben durch die Verfügbarkeit hochwertiger Assets. Gleichzeitig bleiben GP-geführte Transaktionen, insbesondere Continuation Vehicles, eine wichtige Quelle für Opportunitäten.

Secondaries gehören zu den am schnellsten wachsenden Segmenten der Private Markets. Was treibt dieses Wachstum?

Das Wachstum der Secondaries ist eng mit der Expansion der Primärmärkte verbunden. Der Sekundärmarkt ist im Vergleich zum gesamten Private-Markets-Universum nach wie vor relativ klein und macht nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der gesamten Assets aus.

Auf der Angebotsseite wirken zwei zentrale Treiber: Institutionelle Investoren nutzen Secondaries zunehmend zur aktiven Steuerung und Rebalancierung ihrer Portfolios. Gleichzeitig haben sich GP-geführte Transaktionen zu einer wichtigen Quelle für Dealflow entwickelt, da sie es Sponsoren ermöglichen, hochwertige Assets länger zu halten und gleichzeitig Liquidität für bestehende Investoren zu schaffen.

Auf der Nachfrageseite bieten Secondaries ein attraktives Risiko-Rendite-Profil. Historisch haben sie zweistellige Netto-Renditen im mittleren Bereich erzielt – bei geringerer Volatilität und weniger Verlusten im Vergleich zu anderen Private-Market-Strategien. Dies macht sie besonders attraktiv als Kernallokation, insbesondere für Wealth-Investoren mit diversifizierten Portfolios.

Wo sehen Sie mit Blick auf 2026 die grössten Chancen im Secondaries-Markt?

Wir erwarten, dass die Opportunitäten sowohl im LP- als auch im GP-geführten Segment stark bleiben. Der Markt wächst weiter und hat sein volles Potenzial im Verhältnis zur Grösse der Private Markets noch nicht ausgeschöpft. Marktvolatilität, Liquiditätsengpässe und der Bedarf an Portfoliorebalancing werden weiterhin für Dealflow sorgen. Insbesondere Credit Secondaries und GP-geführte Transaktionen dürften zentrale Opportunitätsfelder bleiben. Gleichzeitig bleibt Selektivität entscheidend, da die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Transaktionen erheblich sind.

Wie wird sich die Rolle von GP-geführten Secondaries in den kommenden Jahren entwickeln?

GP-geführte Secondaries haben stark an Bedeutung gewonnen und machen heute rund die Hälfte des gesamten Transaktionsvolumens im Sekundärmarkt aus. Dieses Segment war vor zehn Jahren praktisch nicht existent und ist heute ein zentraler Bestandteil des Marktes.

Wir erwarten weiteres Wachstum, getrieben durch den Bedarf an Liquiditätslösungen sowie den Wunsch von GPs, hochwertige Assets länger zu halten. Diese Transaktionen entstehen nicht aus einer Notlage heraus, sondern mit dem Ziel, zusätzliche Wertschöpfung zu generieren.

Aus Portfoliosicht sind GP-geführte Transaktionen tendenziell konzentrierter und direkter, was ein höheres Renditepotenzial mit sich bringen kann. Gleichzeitig bleiben die Ergebnisse stark deal-spezifisch und hängen von Asset-Qualität, Struktur und Einstiegspreis ab. Insgesamt dürften sowohl LP- als auch GP-geführte Märkte weiter wachsen und die Rolle von Secondaries als Kernallokation in Private Markets weiter stärken.

 

Roman Eggler

Coller Capital

Roman Eggler ist Managing Director und Head of DACH Private Wealth Distribution bei Coller Capital in Zürich. Vor seinem Eintritt bei Coller Capital war er Managing Director in der Client Solutions Group bei Goldman Sachs Asset Management. Zuvor war er unter anderem bei Deutsche Bank, Polaris Investment Advisory, EWM Global sowie IBM Global Business Services tätig.

Roman Eggler verfügt über einen BA HSG in Betriebswirtschaftslehre sowie einen MA HSG in Marketing, Services and Communication Management der Universität St. Gallen. Zudem ist er Chartered Alternative Investment Analyst und hat das Oxford Private Markets Programme an der Saïd Business School der University of Oxford absolviert.

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