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- Gzim Hasani
- Gründer und CEO
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« Es ist entscheidend, klar zwischen Luxusprodukten und sogenannten Luxury Assets zu unterscheiden. »
Uhren, Schmuck, Sammlerfahrzeuge, Kunstwerke … Luxury Assets haben sich in den vergangenen Jahren als eigenständige Anlageklasse etabliert. Weit entfernt von reiner Konsumlogik folgen diese Objekte heute zunehmend Marktmechanismen, Liquiditätsfragen und Prinzipien der Vermögensstrukturierung. In diesem Interview erläutert Gzim Hasani die zentralen Grundlagen dieses Ansatzes.
Von Jérôme Sicard
Was sind die zentralen Faktoren, die den Luxusmarkt zu einer echten Anlageklasse gemacht haben?
Der wichtigste Treiber ist das globale Vermögenswachstum und die zunehmende Sophistizierung wohlhabender Personen. Luxuswerte haben sich schrittweise von reinen Konsumgütern hin zu alternativen Anlagen entwickelt. Begonnen hat dies mit erstklassigen Immobilien und später kamen Uhren, Schmuck, klassischen Automobilen und ausgewählte Kunstwerke hinzu.
Was den entscheidenden Wandel brachte, war die Professionalisierung: bessere Bewertungsstandards, tiefere Sekundärmärkte, verbesserte Liquidität und klare Eigentümerstrukturen. Im Kern werden Luxuswerte durch Knappheit und Begehrlichkeit getrieben. Wenn ein Objekt beides vereint, wird es mit anderen Anlageklassen vergleichbar – mit realen Märkten, realer Liquidität und klarer Sensitivität gegenüber Konjunkturzyklen.
Wie erklären Sie, dass Investitionen in Uhren, Autos oder Kunst zeitweise traditionelle Finanzmärkte übertreffen?
Performance ist nicht der Ausgangspunkt. Bewusstsein ist es. Viele Menschen besitzen bereits Luxuswerte, ohne sie als solche zu behandeln. Eine Uhr oder ein Auto wird oft als Konsumgut gesehen, obwohl es faktisch als Vermögenswert geführt werden sollte.
Diese Objekte fallen selten auf null. Der entscheidende Unterschied liegt in der Strukturierung: Bewertung, Versicherung, Dokumentation, Weitergabe und Transaktionsfähigkeit. Sobald Luxuswerte professionell gemanagt werden, wird Performance zur Folge – nicht zum Ziel.
Inwiefern hat sich die wirtschaftliche Legitimität von Luxus in den letzten zwei Jahrzehnten gestärkt?
Es ist entscheidend, zwischen der Luxusindustrie und echten Luxuswerten zu unterscheiden. Ein grosser Teil der Industrie ist nach wie vor konsumgetrieben. Nur eine begrenzte Anzahl von Marken und Objekten qualifiziert sich als Vermögenswerte mit nachhaltiger Nachfrage und Wertbeständigkeit.
Dies zeigt sich bei ikonischen Uhren, aussergewöhnlichen klassischen Autos oder stark wiedererkennbaren Taschen wie der Hermès Birkin oder Kelly. Diese Objekte vereinen Knappheit, Markenglaubwürdigkeit und funktionierende Sekundärmärkte. Viele Luxusmarken verkaufen Luxusprodukte, aber keine Luxuswerte – diese Unterscheidung zu verstehen ist zentral.
Wie unterscheiden Sie in der Beratung konkret zwischen einem Luxusgut und einem Luxusvermögenswert?
Letztlich entscheidet der Markt. Wie bei Aktien wird der Wert durch langfristige Nachfrage und Markttiefe definiert. Manche Güter entwickeln sich erst über die Zeit zu Vermögenswerten. Ein Ferrari F40 ist ein gutes Beispiel: einst relativ zugänglich, später aufgrund von Knappheit und kultureller Bedeutung stark im Wert gestiegen.
In der Kunst sind drei Faktoren besonders wichtig: der Hintergrund der Künstlerin oder des Künstlers, die institutionelle Anerkennung und die Frage, ob die Person noch lebt. Nichts davon garantiert Erfolg, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit. Dieselbe Logik gilt für Uhren oder Autos. Eine Patek Philippe hat schlicht eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, auch in fünfzig oder hundert Jahren noch einen Markt zu haben, als eine unbekannte unabhängige Marke.
Welche Rolle spielen Seltenheit, Provenienz und Handwerkskunst für den zukünftigen Wert?
Sie sind essenziell, aber für sich allein nicht ausreichend. Langfristiger Wert erfordert auch Vertrauen in die Kontinuität der Marke oder des Handwerks. Grosse Häuser wie Audemars Piguet denken und investieren generationenübergreifend.
Bei klassischen Autos sehen wir bereits Herausforderungen durch das Verschwinden spezialisierter Fähigkeiten. Wartung, Erhalt und Logistik werden deshalb zu zentralen Werttreibern. Dies ist ein Grund, weshalb Uhren und Schmuck oft im Vorteil sind: Sie lassen sich einfacher erhalten, transportieren und versichern – bei gleichzeitig hoher Wertdichte..
Wie beurteilen Sie das Spannungsfeld zwischen Risiko, Rendite und emotionaler Zufriedenheit?
Emotion ist meist der Einstiegspunkt. Menschen bauen Luxuskollektionen auf, weil sie die Objekte lieben, ihre Geschichten schätzen und sie weitergeben möchten. Mit zunehmendem Wert wird Struktur unverzichtbar. Dann gewinnen Governance, Bewertung und Risikomanagement an Bedeutung. Emotion schafft Bindung – Struktur schützt den Wert.
Was sind die häufigsten Fehler neuer Investorinnen und Investoren?
Der grösste Fehler ist, Preis mit Qualität gleichzusetzen. Ein hoher Preis macht noch keinen Vermögenswert. Liquidität, Sekundärmärkte und langfristige Nachfrage werden oft unterschätzt.
Zudem erleben wir spekulative Phasen – etwa beim Wein nach Covid – gefolgt von Korrekturen. Das ist normal. Luxusmärkte bewegen sich wie alle Märkte in Zyklen – und Disziplin ist entscheidend.
Wie prägen Nachhaltigkeit und Ethik Investitionsentscheide im Luxusbereich?
Nachhaltigkeit im Luxus bezieht sich weniger auf klassische ESG-Kennzahlen als auf Kontinuität. Die zentrale Frage ist, ob Handwerkskunst, Know-how und Qualität über Generationen erhalten bleiben.
Für Investorinnen und Investoren bedeutet das, sich auf Marken zu fokussieren, die ihr Humankapital schützen, einer Überindustrialisierung widerstehen und Produkte schaffen, die auf Langlebigkeit ausgelegt sind. Im Luxus geht es bei Nachhaltigkeit letztlich um Glaubwürdigkeit und kulturelle Beständigkeit.
Was unterscheidet kurzfristiges Flipping von einer langfristigen Vermögensstrategie?
Langfristige Strategien schneiden fast immer besser ab. Wer kauft, hält und über Zeit aufbaut, profitiert von kumulierender Nachfrage, Markenstärke und Liquidität. Flipping existiert – insbesondere in gewissen Regionen – doch Marken wie Rolex zeigen, wie langfristige Fundamentaldaten nachhaltigen Wert schaffen. Das ist keine Spekulation, sondern strukturelle Stärke.
Was sind die wichtigsten Leitlinien für die Integration von Luxuswerten in ein globales Portfolio?
Die meisten vermögenden Personen besitzen bereits Luxuswerte – sie managen sie nur nicht als Teil ihres Portfolios. Entscheidend ist die Integration. Luxuswerte müssen bewertet, strukturiert und mit den Gesamtzielen abgestimmt werden.
Es gibt keine fixe Allokation. Sie hängt von der persönlichen Situation, familiären Strukturen und langfristigen Zielen ab – und davon, ob diese Vermögenswerte Flexibilität erhöhen statt sie einzuschränken.
Gzim Hasani
smzh
Gzim Hasani leitet smzh, einen unabhängigen Finanzdienstleister, der in den Bereichen Anlagen, Vorsorge, Steuern, Immobilien, Versicherungen und Rechtsstrukturierung tätig ist. Er ist Gründer von Impegno & Partners, die sich der Vermögensberatung für sehr vermögende Kunden widmet. Seine Expertise basiert auf langjährige Erfahrung mit UHNWI-Kunden, insbesondere bei Credit Suisse und Julius Bär, wo er als Senior Relationship Manager tätig war.
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