EAM-Lösungen
- Interview mit Yohann Palleau
- Direktor
- NFG Partners
« Performance darf keine blosse Absichtserklärung mehr sein – sie muss geprüft werden »
In einer Phase tiefgreifender Umbrüche in der Vermögensverwaltung vertritt Yohan Palleau einen anspruchsvollen Ansatz des Multi-Family-Office-Modells: echte Unabhängigkeit, offene Architektur und vollständige Transparenz bei der Performance. In einem Umfeld, in dem Kunden zunehmend vergleichen und Entscheidungen neu bewerten, plädiert er für eine Vermögensverwaltung, in der Performance nicht mehr behauptet, sondern gemessen und auditiert wird.
Von Levi-Sergio Mutemba
Der Begriff Family Office wird häufig inflationär verwendet. Wie unterscheiden Sie ein Multi-Family Office von der klassischen Vermögensverwaltung?
Das ist ein zentraler Punkt. Ein echtes Family Office setzt eine gewisse kritische Grösse voraus – in der Regel ein Vermögen von über 50 Millionen Franken –, um die Komplexität der angebotenen Dienstleistungen zu rechtfertigen. Diese reichen von Steuer- und Portfoliomanagement über generationenübergreifende Nachfolgeplanung bis hin zu Concierge-Services. Das Multi-Family-Office-Modell, wie wir es praktizieren, erlaubt es, diese spezialisierten Ressourcen für mehrere Familien zu bündeln. Dadurch können wir eine umfassende Vermögensarchitektur anbieten, die informelle oder zu kleine Strukturen professionell schlicht nicht leisten können.
Ihr Modell basiert auf einer offenen Architektur. Weshalb setzen Sie auf Partnerschaften statt auf Fusionen?
Unabhängigkeit ist unser wertvollstes Kapital. Indem wir strategische Partnerschaften mit Spezialisten wie Trustees, Stiftungen sowie Steuer- und Rechtsexperten eingehen – statt Fusionen anzustreben –, bewahren wir unsere Agilität und vermeiden Interessenkonflikte. Der heutige regulatorische Rahmen stellt sehr hohe Anforderungen an die Compliance. Diese sind keineswegs eine Einschränkung, sondern stärken Strukturen wie die unsere und ermöglichen uns vollständige Neutralität bei der Auswahl zentraler Dienstleister – ausschliesslich im Interesse unserer Kunden.
In der Kommunikation scheinen Sie bewusst mit den Codes des klassischen Marketings zu brechen. Was ist Ihr Ansatz?
Wir vermeiden glattes Marketing ohne Substanz. Unser Ziel ist es, den Markt zu informieren und zu befähigen – mit interaktiveren Formaten wie direkten Interviews mit unserem CIO und weiteren Teammitgliedern, um eine fundierte Einordnung der Märkte zu ermöglichen. Unabhängige Vermögensverwaltung beruht auch auf Kohärenz zwischen Handeln, Analyse und öffentlicher Kommunikation.
In einem gesättigten Markt: Wie belegen Sie konkret, dass Ihre Performance jener Ihrer Wettbewerber – insbesondere der grossen Privatbanken – überlegen ist?
Performance darf keine blosse Absichtserklärung mehr sein, sie muss auditiert werden. Deshalb haben wir unseren Track Record von Asset Risk Consultants Research prüfen lassen – einer weltweit führenden Referenz, die über 525’000 Portfolios überwacht. Das Ergebnis ist eindeutig: ARC hat sämtliche unserer Mandate über einen Zeitraum von zehn Jahren mit einem Rating A ausgezeichnet. Damit liegen unsere Ergebnisse weltweit im ersten Dezil, analysiert nach Mandatstyp und Referenzwährung. Ein Rating B entspricht dem ersten Quartil. Diese Strenge reflektiert einen tiefgreifenden Wandel im Markt. In den vergangenen Jahren ist die Nettoperformance zum Überlebenskriterium geworden. Heute zögern Kunden nicht mehr, ihre Privatbank zu verlassen, wenn die Resultate nicht überzeugen.
NFG Partners hat 2023 mit der Übernahme von Harvard Capital einen wichtigen Schritt vollzogen. Was war das strategische Ziel?
Ziel war es, unsere Glaubwürdigkeit am Markt weiter zu stärken. Mit der Integration von Harvard Capital und dessen CIO Glenn Coxon haben wir einen belastbaren Track Record im diskretionären Mandatsgeschäft hinzugewonnen. Für uns darf Performance keine Verheissung sein, sondern muss belegbar sein. Deshalb haben wir diesen Track Record ebenfalls durch ARC validieren lassen. Eine Positionierung im ersten Quartil mit einem Rating zwischen B und A erlaubt es uns, mit unseren Kunden Beziehungen auf Basis vollständigen Vertrauens aufzubauen – fern jener Intransparenz, die traditionellen Banken bisweilen vorgeworfen wird.
Sie sprechen von Transparenz. Ist dies heute die zentrale Erwartung Ihrer Kunden?
Absolut. Der moderne Kunde will genau verstehen, wofür er bezahlt. Er ist bereit, einen Premiumpreis zu entrichten – jedoch nur, wenn dieser durch überlegene Leistungen und Performance gerechtfertigt ist. Unsere Aufgabe besteht darin, eine verstärkte treuhänderische Verantwortung wahrzunehmen. Jede Anfrage behandeln wir mit höchster Priorität, vergleichbar mit einem Fünf-Sterne-Hotelservice. Unabhängig von der Grösse des Vermögens muss der Anspruch an Exzellenz für alle Kunden gleich hoch sein.
Yohann Palleau
NFG Partners
Yohan Palleau ist Mitgründer und Direktor von NFG Partners, einem in Genf ansässigen und von der FINMA regulierten Vermögensverwalter. Er ist auf internationale Vermögenslösungen spezialisiert und begleitet Unternehmer sowie vermögende Familien bei der Strukturierung und dem Wachstum ihres Vermögens. Zuvor war er unter anderem bei BPCE, ACE & Company und Banque SYZ tätig. Er ist Absolvent der HEC Lausanne sowie der Université de Genève.
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