EAM-Lösungen
- Interview mit Nicole Curti
- Präsidentin
- Alliance of Swiss Wealth Managers
« Das Segment der unabhängigen Vermögensverwalter wird heute als strukturierendes Element der Branche anerkannt ».
Im Nachgang der von der Alliance organisierten Custodian Bank Awards blickt Nicole Curti auf die strategischen Prioritäten des Sektors: Konsolidierung, Druck auf Geschäftsmodelle sowie Herausforderungen rund um die Nachfolge. Drei zentrale Themen zeichnen sich ab: die Sichtbarkeit des Berufs stärken, ein noch fragmentiertes Ökosystem strukturieren und das Aufkommen der nächsten Generation begleiten – sowohl auf Kunden- als auch auf Verwalterseite.
Von Jérôme Sicard
Was möchten Sie bis 2028 mit der Alliance erreicht haben?
Aus meiner Sicht ist es zentral, zur weiteren Strukturierung des Sektors beizutragen und gleichzeitig dessen DNA zu bewahren. Die Alliance soll weiterhin eine Plattform sein, auf der Akteure, die gleichzeitig Wettbewerber und voneinander abhängig sind – Vermögensverwalter, Banken, Regulatoren, Prüfer usw. – miteinander in Dialog treten und sich austauschen können.
Bis 2028 geht es darum, die Sichtbarkeit und das Verständnis für den Beruf des unabhängigen Vermögensverwalters in der breiten Öffentlichkeit zu stärken. Noch heute ist vielen Privatkunden oder sogar Relationship Managern in Banken nicht klar, was wir konkret tun und weshalb wir eine glaubwürdige Alternative zu Banken darstellen.
Ich wünsche mir zudem, dass die Alliance mehr Synergien zwischen ihren Mitgliedern ermöglicht, insbesondere unter Gründern. Erste Initiativen bestehen bereits – nun gilt es, diese zu strukturieren und weiter auszubauen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Nachfolge. In den kommenden Jahren wird die Frage der Übergabe – sowohl auf Kunden- als auch auf Verwalterseite – unumgänglich. Wenn es uns gelingt, diesen Übergang unter Einbezug einer neuen Generation zu begleiten, wäre das ein grosser Erfolg.
Was sind heute die wichtigsten Handlungsfelder für EAMs in der Schweiz?
Derzeit drehen sich viele Diskussionen um die Profitabilität: Margendruck, steigende Kosten, Wachstumsbedarf, Rekrutierung und Teamstrukturierung. Das sind reale Themen, insbesondere für etablierte Strukturen.
Die Stärke des unabhängigen Vermögensverwalters liegt jedoch gerade in seiner Fähigkeit, eine persönliche Beziehung zu seinen Kunden zu pflegen. Das setzt eine Unternehmensgrösse voraus, die diese Qualität ermöglicht. Die zentrale Herausforderung ist daher nicht nur Wachstum, sondern die Kohärenz des Geschäftsmodells.
In welchen Bereichen sollte sich die Alliance weiter stärken?
Ein erstes zentrales Thema ist die Aufklärung. Es gilt, besser zu erklären, was ein unabhängiger Vermögensverwalter ist und warum dieses Modell den Bedürfnissen heutiger Privatkunden entsprechen kann. Das Problem ist nicht nur die Konkurrenz durch Banken, sondern auch, dass sich viele Kunden diese Frage gar nicht stellen. Der Markt bleibt stark fragmentiert, mit zahlreichen Akteuren, und die Wahl basiert oft eher auf einer Person als auf einer Marke.
Dennoch sind interessante Entwicklungen zu beobachten: Anwälte verweisen ihre Kunden zunehmend an unabhängige Vermögensverwalter. Das zeigt, dass das Modell an Glaubwürdigkeit gewinnt.
Zudem sollte die Alliance den Dialog mit Regulatoren und anderen Branchenverbänden weiter strukturieren. Ziel ist nicht Lobbying, sondern der Aufbau von Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Schliesslich ist – wie bereits erwähnt – das Thema NextGen zentral. Sowohl auf Kunden- als auch auf Verwalterseite wird die Nachfolge zu einer Schlüsselherausforderung. Viele Gründer stehen vor einem Wendepunkt, und dieser Übergang muss vorbereitet werden.
Die Alliance feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Welche strukturellen Veränderungen haben den Sektor geprägt?
Die erste grosse Veränderung ist die Konsolidierung im Bankensektor. Die Anzahl der Akteure ist deutlich gesunken, was das Umfeld stark verändert hat. Bei den unabhängigen Vermögensverwaltern markierte die Einführung der Regulierung im Jahr 2022 einen Wendepunkt. Sie brachte mehr Auflagen und höhere Kosten, aber auch mehr Legitimität. Gleichzeitig hat sie zur Bereinigung des Marktes beigetragen: Einige Akteure sind verschwunden oder haben sich gegen den Eintritt in den regulierten Rahmen entschieden.
Gleichzeitig bleibt der Sektor sehr dynamisch. Es werden weiterhin zahlreiche neue Gesellschaften gegründet. Dies zeigt sowohl die Attraktivität des Modells für Banker als auch eine Entwicklung auf Kundenseite, wo eine zunehmende Reife und Offenheit gegenüber alternativen Lösungen erkennbar ist.
Was nehmen Sie aus dieser Ausgabe der Custodian Bank Awards mit?
Was mich besonders beeindruckt hat, ist eine Botschaft, die unter anderem von Sergio Ermotti klar formuliert wurde: Der Finanzplatz Schweiz kann nicht allein von den Schwierigkeiten anderer Regionen profitieren. Wenn das Wealth Management in der Schweiz gut funktioniert, darf das nicht nur daran liegen, dass es anderswo schlechter läuft. Das ist weder eine Strategie noch ein nachhaltiges Wertversprechen.
Das zwingt die Branche, sich grundlegende Fragen zu stellen: Was ist unser echter Mehrwert? Was unterscheidet uns – über Stabilität und Kontext hinaus? Die Antworten liegen meines Erachtens in der Servicequalität, in der Fähigkeit, massgeschneiderte Lösungen anzubieten, in der Tiefe der Expertise und vor allem in der Vielfalt des Schweizer Modells, in dem Banken und unabhängige Vermögensverwalter nebeneinander existieren.
Gerade diese Komplementarität ist eine Stärke des Marktes. Und genau das versucht die Alliance zu fördern, indem sie ein Ökosystem belebt, in dem Akteure – selbst als Wettbewerber – miteinander im Dialog stehen und gemeinsam vorankommen.
Ein weiterer Punkt ist das Engagement der Banken bei dieser Ausgabe. Ihre Präsenz und ihr Interesse bestätigen, dass das Segment der unabhängigen Vermögensverwalter heute als strukturell bedeutend anerkannt wird.
Was zeichnet heute eine Depotbank für unabhängige Vermögensverwalter aus?
Die Erwartungen sind hoch. Finanzielle Solidität bleibt eine Grundvoraussetzung, ebenso wie stabile Teams und eine gute Reputation. Die Differenzierung erfolgt jedoch zunehmend in anderen Bereichen: Operative Exzellenz ist entscheidend, ebenso wettbewerbsfähige Preise. Vor allem aber ist Technologie zu einem zentralen Faktor geworden. Vermögensverwalter erwarten integrierte Systeme, die sich mit ihren eigenen Tools verbinden lassen und ein hohes Mass an Automatisierung bieten. Es geht längst nicht mehr nur um die Ausführung von Aufträgen, sondern um eine effiziente und reibungslose Infrastruktur.
Haben die Depotbanken die Transformation der unabhängigen Vermögensverwalter erkannt?
Grundsätzlich ja – allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmass. Nicht alle Banken entwickeln sich im gleichen Tempo, was unter anderem von ihren Ressourcen und Strategien abhängt. Klar ist jedoch, dass das Segment heute als strategisch relevant gilt. Die Schweiz bleibt ein sehr spezifischer Markt mit einer Dichte und Dynamik, die es anderswo kaum gibt.
Es zeichnet sich zudem eine klarere Rollentrennung ab: Banken entwickeln sich zu Plattformen für Verwahrung, Ausführung und operative Infrastruktur, während sich unabhängige Vermögensverwalter auf die Kundenbeziehung und Beratung konzentrieren.
Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial. Banken könnten proaktiver auf Vermögensverwalter zugehen, insbesondere im Bereich Asset Management. Heute sind diese Interaktionen teilweise noch zu zurückhaltend.
Nicole Curti
ASV/ASWM
Nicole Curti ist Managing Partnerin von Capital Y, der Genfer Boutique, und seit März 2022 Präsidentin der ASV-ASWM, der Allianz der Schweizer Vermögensverwalter. Sie ist seit 25 Jahren in der Vermögensverwaltung tätig. Zunächst arbeitete sie zehn Jahre lang bei Lombard Odier, insbesondere in der Abteilung Key Clients. Anschliessend gründete und leitete sie die Schweizer Tochtergesellschaft von Stanhope Capital, bevor sie zu Capital Y kam. Nicole gehört mehreren Verwaltungs- und Beiräten an und ist zudem Mitglied des Zentralausschusses von Swiss Athletics. Sie hat einen Bachelor in Politikwissenschaften der Universität Lausanne und einen MBA der ESADE Business School in Barcelona.
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