KI-Umfrage

  • Einsatz von KI
  • Unabhängige Vermögensverwalter
  • Dr. Tatiana Agnesens, Dozentin für Finanzmathematik und Projektleiterin, Hochschule Luzern
  • Prof. Dr. Manfred Stüttgen, Professor für Banking und Finance, Hochschule Luzern

« Eine präzise Bestandsaufnahme des KI-Einsatzes bei unabhängigen Vermögensverwaltern »

Während Künstliche Intelligenz auf dem Finanzplatz auf zunehmendes Interesse stösst, lanciert die Hochschule Luzern eine breit angelegte Umfrage bei unabhängigen Schweizer Vermögensverwaltern, um besser zu verstehen, wie diese KI nutzen. Hier ist der Link zur Umfrage:

Hier ist der Link zu dieser Umfrage : https://www.unipark.de/uc/AI_HSLU_Study/

Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für eine breitere Anwendung in einer Branche, die spezifischen operativen und regulatorischen Anforderungen unterliegt, genauer zu erfassen. Tatiana Agnesens und Manfred Stüttgen, die Initiatoren dieser Studie, erläutern das Vorhaben.

 

Wie beurteilen Sie zum jetzigen Zeitpunkt – noch vor den Ergebnissen der Umfrage – den aktuellen Stand der Adoption generativer KI bei den unabhängigen Schweizer Vermögensverwaltern?

Was wir bislang wissen: Einzelne Relationship Manager innerhalb von EAM-Strukturen in der Schweiz nutzen gelegentlich und auf individueller Basis öffentliche Tools wie ChatGPT oder Microsoft Copilot, um sich bei bestimmten Aufgaben unterstützen zu lassen. Dies geschieht jedoch auf eher unstrukturierte und nicht systematische Weise. Wir gehen davon aus, dass derzeit nur wenige Vermögensverwalter spezifische Werkzeuge strukturiert und unternehmensweit einsetzen. Gleichzeitig beobachten wir, dass sich die Diskussion von «Was ist KI?» hin zu «Wir brauchen einen Plan, um KI nutzbar zu machen» verlagert. Genau an diesem Punkt möchte unsere Forschung Licht in die zentralen Herausforderungen bringen, mit denen die unabhängigen Vermögensverwalter heute konfrontiert sind.

Was sind die wichtigsten Ziele dieser Untersuchung?

Unsere Untersuchung soll den Status quo der Adoption generativer KI durch unabhängige Schweizer Vermögensverwalter bewerten. Welche KI-Anwendungsfälle sind für sie bereits heute relevant? Welche Applikationen und Use Cases dürften die Produktivität eines unabhängigen Vermögensverwalters in Zukunft steigern? Unsere Studie leistet eine längst erwartete Grundlagenarbeit für die Entwicklung eines spezifischen Rahmens zur Nutzung generativer KI durch unabhängige Vermögensverwalter. Sie bildet die Basis dafür, sowohl das Potenzial der KI als auch die Hürden bei ihrer Umsetzung zu identifizieren. Sie trägt dazu bei, ein gemeinsames Verständnis zwischen den Akteuren der Branche und ihren Anspruchsgruppen – etwa den Regulatoren – zu schaffen.

Welches sind die zentralen Fragen, die Sie beantworten möchten?

Wir möchten Antworten liefern auf Fragen wie: «Wer experimentiert mit Tools für generative KI und warum?», «Welche Geschäftsprozesse sind heute und morgen am stärksten betroffen?», «Wie kann das Potenzial der KI durch unabhängige Vermögensverwalter erschlossen werden?» und «Welche Hindernisse stehen dem KI-Einsatz heute im Weg?»

Wo sehen Sie den grössten Nutzen der KI innerhalb der Wertschöpfungskette der unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter?

Wir sind der Auffassung, dass generative KI sowohl auf die Middle- und Back-Office-Prozesse als auch auf die Erstellung kundenbezogener Inhalte der unabhängigen Vermögensverwalter einen Einfluss haben wird. Die Tätigkeit unabhängiger Vermögensverwalter umfasst heute zahlreiche dokumentenintensive Arbeitsabläufe mit geringem Ermessensanteil, die sehr zeitaufwendig sind. Das gilt beispielsweise für KYC, Angemessenheitsprüfungen, die Dokumentation von Geldflüssen oder die Abstimmung (Reconciliation). KI könnte dazu beitragen, einige dieser Prozesse in Bezug auf Effizienz und/oder Qualität zu verbessern.

Wir erwarten zudem einen Einfluss der KI auf die Erstellung kundenbezogener Inhalte wie Anlagevorschläge, Gesprächsleitfäden zur Vorbereitung von Kundenterminen oder Portfolio-Reviews. Sprachmodelle könnten sehr leistungsfähig darin sein, bestimmte Glieder dieser Wertschöpfungskette zu unterstützen. Wir sind gespannt darauf, mehr über die Potenziale der KI in diesem Bereich zu erfahren, aber auch über die Machbarkeit ihrer Umsetzung.

Ob KI auch auf den Anlageprozess selbst einen wesentlichen Einfluss haben wird, wissen wir noch nicht. Einzelne Elemente des Research-Prozesses könnten eventuell davon profitieren.

Wo sehen Sie heute die grössten Lücken zwischen den bestehenden KI-Lösungen und den tatsächlichen Bedürfnissen der unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter?

Unabhängige Vermögensverwalter haben sehr spezifische Anforderungen. Generische Tools wie Microsoft Copilot oder ChatGPT Enterprise sind weder auf die branchenspezifischen Arbeitsabläufe der unabhängigen Vermögensverwalter noch auf die Anforderungen der Schweizer Kultur und Regulierung zugeschnitten. Auch die Themen Data Governance und Datensicherheit stellen eine Hürde dar. Umgekehrt könnten die Lösungen grosser internationaler Anbieter besser zur Wertschöpfungskette der unabhängigen Vermögensverwalter passen. Sie sind jedoch in der Regel kostspielig und erfordern erheblichen Integrationsaufwand. Für kleine und mittelgrosse Strukturen sind sie daher nur bedingt geeignet.

Was erhoffen Sie sich mit dieser Studie für die Diskussion rund um generative KI auf dem Schweizer Markt der unabhängigen Vermögensverwalter?

Ziel dieser Studie ist es, eine präzise Bestandsaufnahme des KI-Einsatzes bei den unabhängigen Vermögensverwaltern zu liefern. Sie wird zudem dazu beitragen, ein gemeinsames Verständnis des KI-Potenzials in dieser Branche zu schaffen. Wir hoffen, an der Gestaltung der künftigen Agenda mitzuwirken, insbesondere indem wir bestehende Hemmnisse adressieren – sei es auf regulatorischer Ebene oder im Bereich der Umschulung der Mitarbeitenden.

Wie wird sich diese Studie in konkrete Ergebnisse für die unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter und die Entwicklung von Lösungen übersetzen lassen?

Die unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter werden von einem konkreten Entscheidungsrahmen profitieren: wo anfangen und was priorisieren. Sie werden erfahren, wie eine «gute» Adoption der KI aussieht. Auch ihre Partner – Regulatoren oder Lösungsanbieter – werden daraus Nutzen ziehen können.

Was wäre der richtige Weg für unabhängige Schweizer Vermögensverwalter, um zu beurteilen, ob generative KI ihnen tatsächlich Mehrwert bringt?

Sie sollten selbstverständlich die Ergebnisse unserer Studie genau prüfen – also die möglichen KI-Anwendungsfälle verstehen. Anschliessend sollten sie sich mit den KI-Pionieren unter ihren Mitbewerbern vergleichen und prüfen, ob sie einige der identifizierten Best Practices übernehmen können.

Alternativ können unabhängige Vermögensverwalter ihre eigene Grundlagenarbeit leisten: Reibungspunkte im Geschäftsmodell und in den operativen Prozessen identifizieren, bei denen sie davon ausgehen, dass KI eine Antwort liefern könnte, und anschliessend die unvermeidliche Kosten-Nutzen-Analyse durchführen.

 

Umfrage « Artificial Intelligence (AI) Applications for Independent Wealth Managers » : https://www.unipark.de/uc/AI_HSLU_Study/

 

 

EAM-Lösungen
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Nicole Curti
Alliance of Swiss Wealth Managers
« Das Segment der unabhängigen Vermögensverwalter wird heute als strukturierendes Element der Branche anerkannt ».

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