EAM LÖSUNGEN
- Interview mit Jürg Furrer
- Chief Executive Officer
- Aquila Group
«Wir haben uns von einem klassischen Dienstleister zu einer vollständig integrierten Plattform entwickelt.»
Angesichts zunehmender regulatorischer Anforderungen und steigendem Kostendruck müssen unabhängige Vermögensverwalter ihr Geschäftsmodell neu ausrichten. In diesem Interview erläutert Jürg Furrer, wie Aquila seine Plattform transformiert, um ihnen integrierte Lösungen zu bieten, ihre operative Effizienz zu steigern und ihre strategische Neupositionierung zu begleiten.
Von Jérôme Sicard
Was sind heute die strategischen Prioritäten von Aquila?
Unsere strategischen Prioritäten leiten sich direkt aus den strukturellen Herausforderungen ab, denen unabhängige Vermögensverwalter heute gegenüberstehen. Auch wenn diese im Markt noch nicht von allen gleich stark wahrgenommen werden, gehen wir aufgrund unserer Erfahrung davon aus, dass sie kurzfristig an Bedeutung gewinnen werden.
An erster Stelle steht, die Vermögensverwalter zu ermöglichen, sich voll und ganz auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren – die Pflege von Kundenbeziehungen und die Erbringung von Anlageberatung –, indem wir sie von der zunehmenden Last administrativer und regulatorischer Anforderungen entlasten. Diese sind sowohl komplexer als auch kostspieliger geworden und längst keine Nebenthemen mehr.
Gleichzeitig liegt ein klarer Fokus auf der Skalierung von Effizienz über die gesamte Plattform hinweg. Dies ist insbesondere in Bereichen wie Compliance, IT und Operations entscheidend, wo der Kostendruck struktureller Natur ist. Durch die Bündelung von Infrastruktur und die Standardisierung von Prozessen ermöglichen wir es den Vermögensverwaltern, hochwertige Leistungen kosteneffizient zu nutzen.
Ein zentraler strategischer Pfeiler ist zudem die Weiterentwicklung unserer integrierten All-in-One-Plattform. Dabei geht es nicht nur darum, verschiedene Dienstleistungen anzubieten, sondern sicherzustellen, dass Legal, Compliance, IT, Reporting und operative Infrastruktur nahtlos miteinander verknüpft sind. Integration ist letztlich der Schlüssel zu Effizienz und Transparenz.
Schliesslich legen wir zunehmend Wert auf Nachfolgeplanung und langfristige Transformation. Viele EAMs erreichen einen Punkt, an dem Kontinuität, Eigentümerstruktur und Skalierbarkeit strukturiert adressiert werden müssen, und wir sehen unsere Rolle darin, sie in diesen Übergangsphasen zu begleiten.
Was sind die strategischen Prioritäten der Vermögensverwalter auf der Plattform?
Auch die Vermögensverwalter selbst gehen heute deutlich strategischer vor, wenn es um die Positionierung und Organisation ihres Geschäfts geht. Eine erste Priorität besteht darin, ihr Wertversprechen zu schärfen – also klar zu definieren, wo sie Mehrwert schaffen und wie sie sich in einem wettbewerbsintensiveren und transparenteren Umfeld differenzieren.
Dies führt zwangsläufig zu bewussteren Make-or-Buy-Entscheidungen. Vermögensverwalter hinterfragen verstärkt, welche Funktionen wirklich zum Kern gehören und intern bleiben sollten, und welche ausgelagert werden können, ohne die eigene Identität oder die Kundenbeziehungen zu beeinträchtigen. Diese Frage ist längst nicht mehr rein operativ, sondern hat direkten Einfluss auf Skalierbarkeit und Profitabilität.
Gleichzeitig erfordert Outsourcing eine stärkere Governance. Vermögensverwalter müssen sicherstellen, dass externe Anbieter angemessen überwacht, gesteuert und kontrolliert werden, insbesondere in einem regulierten Umfeld.
Parallel dazu wird es immer anspruchsvoller, die Profitabilität zu sichern. Steigende regulatorische Kosten und höhere Kundenerwartungen machen Effizienzgewinne unerlässlich – und genau hier können Plattformmodelle eine entscheidende Rolle spielen.
Wie hat sich die Aquila-Plattform in den letzten Jahren verändert?
Die Transformation war sowohl schrittweise als auch tiefgreifend. Wir haben uns von einem klassischen Dienstleister zu einer vollständig integrierten Plattform entwickelt. Dies spiegelt einen breiteren Wandel in der Branche wider, in der Vermögensverwalter nicht mehr isolierte Dienstleistungen benötigen, sondern kohärente, skalierbare Ökosysteme.
Heute fungiert Aquila als Koordinator komplexer Serviceumgebungen. Wir führen verschiedene Komponenten – von IT-Systemen bis hin zu Compliance-Strukturen – zusammen und stellen sicher, dass sie als Einheit funktionieren.
Gleichzeitig haben wir unsere Fähigkeiten in zentralen Bereichen deutlich ausgebaut. In der IT-Infrastruktur haben wir in Integration und Automatisierung investiert. Im Bereich Compliance und Regulierung haben wir unsere Expertise gestärkt, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Zudem haben wir unser Angebot im Bereich Investment-Services erweitert, sodass Vermögensverwalter ihre eigenen Kompetenzen gezielt ergänzen können. Diese Entwicklung positioniert uns nicht nur als Anbieter, sondern als strategischen Partner.
Wie haben sich die Erwartungen der EAMs verändert?
Die Erwartungen haben sich klar von selektiver Unterstützung hin zu umfassenden Lösungen verschoben. Früher wandten sich Vermögensverwalter für einzelne Dienstleistungen an eine Plattform. Heute erwarten sie eine durchgängige, integrierte Lösung.
Technologie ist ein zentraler Treiber dieser Entwicklung. EAMs erwarten heute eine nahtlose Datenintegration, automatisierte Prozesse und eine starke Systemvernetzung. Fragmentierung ist nicht mehr akzeptabel, da sie Ineffizienzen und Risiken erzeugt.
Darüber hinaus gehen die Erwartungen über operative Unterstützung hinaus. External Asset Managers suchen zunehmend strategische Begleitung – sei es beim Skalieren ihres Geschäfts, bei der Nachfolgeplanung oder beim Umgang mit regulatorischer Komplexität.
Dies ist Ausdruck einer breiteren Professionalisierung der Branche, in der die Beziehung zu einer Plattform deutlich strategischer und langfristiger wird.
Wie positionieren Sie Aquila im Kontext der Konsolidierung in der Schweiz?
Der Schweizer Markt befindet sich in einer langandauernden Konsolidierungsphase, doch wir sind überzeugt, dass Konsolidierung nicht zwangsläufig Übernahmen bedeuten muss. Unsere Positionierung ist eindeutig: Wir verstehen uns als Enabler, nicht als Acquirer. Viele Vermögensverwalter suchen Wege, steigende Skalierungsanforderungen zu erfüllen, ohne ihre Unabhängigkeit aufzugeben. Unsere Plattform bietet genau das – Zugang zu Infrastruktur, Effizienz und Professionalisierung ohne M&A-Transaktion. In diesem Sinne bieten wir einen alternativen Konsolidierungspfad, der auf Zusammenarbeit statt Integration basiert.
Wie sehen Sie den EAM-Sektor im Jahr 2030?
Mit Blick auf 2030 erwarten wir eine leicht geringere Anzahl von EAMs, bei gleichzeitig steigender durchschnittlicher Grösse. Kritische Skalierung wird zu einem entscheidenden Faktor. Gleichzeitig wird die Digitalisierung die Geschäftsmodelle weiter verändern, während die Regulierung den Professionalisierungsgrad weiter erhöht. Der Sektor wird strukturierter, transparenter und in vielerlei Hinsicht institutioneller. Dennoch sind wir überzeugt, dass der unternehmerische Geist erhalten bleibt – allerdings in einem deutlich disziplinierteren Rahmen.
Wie hat sich das Profil von External Asset Managers im Vergleich zu vor zehn Jahren verändert?
Vor zehn Jahren war die Branche stark beziehungsgetrieben, mit sehr unternehmerisch geprägten Vermögensverwaltern, die oft in vergleichsweisen flexiblen Strukturen agierten. Heute hat sich das Bild deutlich gewandelt. Vermögensverwalter sind stärker professionalisiert, verfügen über klarere Governance-Strukturen, definierter Prozesse und setzen deutlich stärker auf Technologie. Dies ist sowohl eine Folge regulatorischer Entwicklungen als auch veränderter Kundenerwartungen. Die Branche ist gereift – und mit dieser Reife geht ein höheres Mass an Struktur und Disziplin einher, ohne dass der unternehmerische Charakter verloren geht.
Wie weit sollte eine Plattform bei der Integration von Dienstleistungen gehen?
Letztlich ist dies eine Frage der Balance. Plattformen sollten jene Funktionen integrieren, bei denen Skalierung einen klaren Mehrwert schafft – insbesondere administrative und regulatorische Dienstleistungen. Hier sind Effizienz, Konsistenz und Risikomanagement am entscheidendsten.
Gleichzeitig gibt es klare Grenzen. Anlageentscheidungen müssen bei den Vermögensverwaltern bleiben, da sie zentral für ihre Identität und das Vertrauen ihrer Kunden sind. Ebenso muss die unternehmerische Unabhängigkeit gewahrt bleiben. Die Rolle einer Plattform besteht darin, zu ermöglichen und zu unterstützen – nicht zu ersetzen. Dieses Gleichgewicht zu wahren, ist entscheidend für ein nachhaltiges Modell.
Jürg Furrer
Aquila
Seit Mai 2025 ist Jürg Furrer CEO der Aquila AG. Von 2004 bis 2013 war er bereits bei Aquila in verschiedenen Führungsfunktionen tätig – zuletzt als Leiter Asset Management, CIO und Mitglied der Geschäftsleitung. In der Folge wechselte er zum US-Asset-Manager PIMCO und danach zu Fidelity International, wo er in leitender Funktion für den Ausbau des Schweizer Marktes verantwortlich war. 2023 stiess er als Deputy CEO zur Globalance Bank. Jürg ist Absolvent der Universität St. Gallen und ist CFA-zertifiziert.
KI-Umfrage
Dr. Tatiana Agnesens
Prof. Dr. Manfred Stüttgen
« Eine präzise Bestandsaufnahme des KI-Einsatzes bei unabhängigen Vermögensverwaltern. »
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