Übergang
Dominik Buholzer
Finews
Jüngster Spross eröffnet Aquila neue Chancen
Für Probus Pleion vertritt Patrick Humbert-Verri ein Modell, das die Standardisierung im Wealth Management ablehnt und auf die Koordination ausgewiesener Spezialisten setzt. Angesichts immer komplexerer Bedürfnisse von Familien und Unternehmern versteht er seine Rolle als die eines Dirigenten an der Schnittstelle von Family Office, Private Banking und ganzheitlicher Beratung.
Von Levi-Sergio Mutemba
Patrick Humbert, Sie betreuen Kunden mit sehr unterschiedlichen Erwartungen. Wie definieren Sie heute den Aufgabenbereich eines Family Office?
Unsere Erfahrung ist zweigeteilt. Einerseits betreiben wir innerhalb der Gruppe ein «echtes» Family Office für einen einzelnen Kunden mit zwei Vollzeitmitarbeitenden. Sie kümmern sich um alles, was nichts mit Zahlen zu tun hat: Hauspersonal, Immobilien und Concierge-Dienstleistungen. Andererseits bieten wir eine Vielzahl von Services rund um unsere Kunden an. Doch die grundlegende Frage bleibt stets dieselbe: «Was verstehen Sie unter Office?» Jede Vorstellung ist anders.
Inwiefern unterscheidet sich diese Wahrnehmung von Kunde zu Kunde?
Die Unterschiede sind enorm, weil der Begriff nicht klar definiert ist. Für manche ist es eine Gesellschaft, die sich ausschliesslich um Finanzen und Vermögen im engsten Sinne kümmert. Für andere ist es ein Luxus-Concierge, der jederzeit verfügbar ist. Für uns ist der Umfang sehr breit. Wir haben sieben Dienstleistungsfelder definiert – von der Vermögensanlage bis zur Nachfolge- und Steuerplanung.
Besteht angesichts dieses Booms nicht die Gefahr, dass «falsche» Family Offices entstehen, die den Titel zu Unrecht tragen?
Das ist ein klassisches Szenario. Nach einem Cash Event verfügt jemand über 100 bis 300 Millionen Franken. Er gründet ein Family Office, stellt einen Vermögensverwalter, einen Steuerexperten, einen Concierge ein, später eine Buchhalterin und HR-Verantwortliche… Sehr schnell explodieren die Kosten. In der Hoffnung auf Skaleneffekte holt er weitere Kunden dazu und betreibt ein improvisiertes Multi-Family Office. Am Ende entsteht eine kleine Struktur, die zwar vieles anbietet, aber nichts in der Qualität eines echten Spezialisten. Man sagt, Vermögensverwaltung sollte nicht mehr als 1% pro Jahr kosten. Wenn sich Gehälter und Infrastruktur stapeln, braucht es ein enormes Vermögen, um unter dieser Schwelle zu bleiben.
Sie sehen sich eher als Hausarzt oder Dirigent. Warum ist dieses Modell effizienter?
Unabhängigkeit bedeutet zu wissen, wo man Kompetenz findet. Wir verstehen uns als Koordinatoren. Für spezifische Bedürfnisse holen wir die besten externen Spezialisten. Es ist wie bei einem Werkzeugkasten: Für jede Schraube braucht es den passenden Schlüssel – nicht einen verstellbaren, der am Ende alles beschädigt. Dazu gehören auch informelle Dienstleistungen, etwa den Briefkasten zu leeren oder ein Auto zur Motorfahrzeugkontrolle zu bringen, wenn ein Kunde abwesend ist. Das ist echtes Private Banking.
Ist diese Rolle beim Übergang zur nächsten Generation besonders wichtig?
Absolut. Die nächste Generation sucht mehr Sinn und erwartet eine sofortige digitale Interaktion. Als Vertrauensperson, die die Geschichte der Familie kennt und zugleich moderne Instrumente beherrscht, fungieren wir als Brücke. Wir helfen, die Vorstellungen des Gründers in eine Sprache zu übersetzen, die die Erben akzeptieren – und verhindern so, dass Vermögen aus Mangel an Kommunikation fragmentiert wird.
Welche Rolle spielt die Technologie bei dieser Demokratisierung des Family Office?
Technologie ist ein grossartiger Verbündeter. Sie erleichtert das Leben einer hochmobilen Kundschaft. Ich kann innerhalb weniger Minuten eine Videokonferenz zwischen einem in der Schweiz lebenden Kunden und einem Steuerexperten am anderen Ende der Welt organisieren. KI hilft uns zudem, 90% einer komplexen Rechtsfrage vorzuanalysieren. Doch Emotionen kann kein Algorithmus steuern. Wenn eine Blase platzt, wird kein Roboter den Kunden beruhigen. Vertrauen entsteht durch Service – und bleibt durch menschliche und finanzielle Resultate erhalten.
Patrick Humbert-Verri
Probus Pleion
Patrick Humbert-Verri begann seine Bankkarriere 1994 bei der Banque Cantonale Vaudoise. Nach einer dreijährigen Ausbildung in einer Filiale arbeitete er im Bereich der gefährdeten Kredite, bevor er 2001 seine Tätigkeit in der Kundenberatung aufnahm. Anschliessend durchlief er verschiedene Positionen in der Kundenberatung und im Management. Im Jahr 2015 wechselte er zu Probus Pleion, einem Vermögensverwalter mit rund 200 Mitarbeitenden und einem verwalteten Vermögen von über 4 Milliarden CHF. Hier konnte er seine Fähigkeiten im Bereich des Projektmanagements und der Koordination der Unterstützung für Vermögensverwalter in die Gruppe einbringen. Seit 2019 – und dem direkten Anschluss des Unternehmens an die FINMA – verantwortet er das Risikomanagement und die Geschäftstätigkeit des Unternehmens.
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Mit dem Start des EAM Resilience Program verfolgt Dimitri Petruschenko einen strukturierten und pragmatischen Ansatz, um Vermögensverwalter dabei zu unterstützen, ihre Position in den Bereichen IT, Cyber und Organisation besser einzuordnen, ihre Abhängigkeiten klarer zu verstehen und ihre Risikosteuerung in einem zunehmend vernetzten Finanzökosystem gezielt zu stärken.
Von Jérôme Sicard
Was umfasst Ihr Resilience Assessment konkret – und was wird bewusst nicht gemessen oder geprüft?
Das IT-Infrastruktur- und Cyber-Security-Assessment ist Teil des EAM Resilience Programs und als strukturierte Management-Standortbestimmung konzipiert. Im Fokus stehen organisatorische Klarheit, Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten – nicht technische Systemdetails.
Ziel ist es, die bestehende IT- und Cyber-Organisation einzuordnen, implizite Annahmen sichtbar zu machen und den angestrebten Zielzustand nachvollziehbar zu dokumentieren. Der daraus entstehende Bericht dient als Grundlage für Gespräche mit IT-Dienstleistern sowie als strukturierte Entscheidungsbasis im Governance- und Compliance-Kontext.
Bewusst nicht Bestandteil sind technische Audits. Es werden keine Systeme getestet, keine Konfigurationen geprüft und keine Zertifizierungen vergeben. Das Assessment ersetzt weder regulatorische Prüfungen noch spezialisierte IT-Sicherheitsanalysen. Resilienz wird damit nicht technisch gemessen, sondern organisatorisch eingeordnet.
Warum sind externe Vermögensverwalter aus Ihrer Sicht derzeit ein unterschätzter Risikobereich im Schweizer Wealth-Management-Umfeld?
Externe Vermögensverwalter sind ein wichtiger Bestandteil des Schweizer Wealth-Management-Systems, verfügen jedoch nicht über vergleichbare Ressourcen wie Banken. Sie arbeiten mit kleineren Teams und begrenzteren Budgets – bei gleichzeitig hohen regulatorischen Anforderungen.
Strukturell betreuen EAMs und Banken dieselben Kunden. Die Depots liegen bei der Bank, die Kundenbeziehung wird jedoch durch den Vermögensverwalter geführt. Entsprechend werden sensible Informationen auf beiden Seiten verarbeitet – allerdings in unterschiedlichen technischen und organisatorischen Umgebungen..
Kommt es zu einem Cybervorfall beim EAM, kann dies Informationen betreffen, die im direkten Zusammenhang mit der Depotbank stehen. In der Praxis zeigt sich, dass diese indirekten Risiken häufig unterschätzt werden – gerade weil die Bank technisch nicht direkt betroffen ist. Solche Fälle hat es in der Vergangenheit bereits gegeben. Auch wenn die Systeme der Bank selbst nicht kompromittiert werden, entstehen operative, regulatorische und reputative Auswirkungen im gemeinsamen Kundenumfeld. Unterschätzt wird dabei häufig die Kombination aus gemeinsamer Kundenbasis, hoher Vernetzung und unterschiedlichen Sicherheits- und Governance-Strukturen. Das Risiko ist daher systemisch – nicht isoliert.
Viele EAMs stützen sich stark auf externe IT- und Servicepartner. Wo sehen Sie typischerweise die grössten blinden Flecken – insbesondere im Hinblick auf Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten gegenüber Drittanbietern?
Die regulatorische Verantwortung bleibt klar beim EAM – auch wenn Leistungen ausgelagert werden. Outsourcing-Strukturen sind zu dokumentieren.
Der blinde Fleck liegt jedoch weniger in der formalen Ordnung als in der Transparenz über das tatsächliche Fundament der Organisation. Als Branche wissen wir sehr genau, mit welchen Banken EAMs zusammenarbeiten. Auch bei PMS- oder CRM-Anbietern besteht ein klares Marktbild. Deutlich weniger transparent ist hingegen, mit welchen IT- und Cyber-Dienstleistern die einzelnen Vermögensverwalter arbeiten. Gerade diese Anbieter sichern jedoch das operative Fundament – vom Workplace über Cloud-Umgebungen bis zur Sicherheitsarchitektur. Abgesehen von einigen bekannten Namen fehlt häufig ein systematischer Überblick.
Hinzu kommt die Erwartungshaltung gegenüber Dienstleistern. Nicht jeder IT-Partner kennt die regulatorischen Besonderheiten eines EAM im Detail. Technisch funktioniert vieles – strategisch ist die Beratung jedoch nicht immer auf Augenhöhe. Das Risiko entsteht daher weniger durch fehlende Regeln als durch begrenzte Transparenz und eine teilweise überschätzte Steuerungsfähigkeit gegenüber externen Partnern.
Ihr EAM Resilience Program legt den Fokus auf Strukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten – nicht auf technische Kontrollen. Weshalb haben Sie sich bewusst für einen nicht-technischen Ansatz entschieden?
Der Ansatz ist bewusst nicht-technisch gewählt, weil die Kernkompetenz eines EAM in der Kundenbetreuung und im Portfoliomanagement liegt – nicht in IT oder Cyber-Security. Gleichzeitig sind regulatorische Anforderungen und technologische Abhängigkeiten deutlich komplexer geworden. Technische Themen werden in der Regel von Dienstleistern betreut, strategische Entscheidungen jedoch auf Managementebene getroffen. Zwischen beiden Ebenen fehlt häufig eine klare Übersetzung.
Genau hier setzt der nicht-technische Ansatz an. Er schafft eine strukturierte Grundlage, um IT- und Resilienz-Fragen in den Kontext des Geschäftsmodells einzuordnen. Es geht nicht um Konfigurationsdetails, sondern um Verantwortung, Abhängigkeiten und strategische Prioritäten. Technische Prüfungen sind sinnvoll. Ohne diese Verbindung zwischen Business und Technologie bleiben sie jedoch isoliert und entfalten wenig strategische Wirkung.
Welche konkreten Erkenntnisse oder Entscheidungen sollte ein EAM nach Abschluss Ihres Assessments treffen können? Verändert dies auch die Auswahl oder Steuerung von IT-Dienstleistern?
Das Assessment ordnet die IT-Infrastruktur und Cyber-Resilienz eines EAM entlang klarer Kriterien ein – etwa Unternehmensgrösse, regulatorische Anforderungen, Zusammenarbeit und Digitalisierung, Gerätepolitik, Sicherheit, Compliance und Betriebsmodell. Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse schaffen vor allem Entscheidungsgrundlagen. Sie helfen, Abhängigkeiten realistischer einzuschätzen und Prioritäten bewusst zu setzen.
In Bezug auf IT-Dienstleister verändert sich insbesondere die Gesprächsbasis. Ein EAM kann Anforderungen klarer formulieren, Annahmen hinterfragen und Anbieter gezielter beurteilen. Es geht nicht darum, bestehende Partner grundsätzlich infrage zu stellen, sondern darum, die Zusammenarbeit strukturiert und transparent zu steuern.
Am Ende steht keine technische Massnahmenliste, sondern eine bewusstere und strategisch fundierte Steuerung des eigenen Betriebsmodells.
Wie können Schwächen auf Ebene eines EAM Risiken für Depotbanken und andere Partner nach sich ziehen?
Ein EAM ist regulatorisch eigenständig, operativ jedoch eng mit Banken und weiteren Dienstleistern verflochten. Banken unterliegen strengen Anforderungen im Umgang mit Drittparteirisiken. Wenn ein EAM strukturelle Schwächen in seiner IT- oder Governance-Organisation aufweist, entsteht für die Bank automatisch ein indirektes Risiko – sei es reputativ, operativ oder im Rahmen ihrer eigenen Risikobeurteilung.
EAMs und Banken betreuen dieselben Kunden. Organisatorische Schwächen oder Vorfälle beim Vermögensverwalter führen in der Praxis zu zusätzlichem Abstimmungsaufwand, regulatorischer Kommunikation und erhöhter Aufmerksamkeit auf Bankenseite. Resilienz endet daher nicht an der Organisationsgrenze. In einem arbeitsteiligen Markt ist die Stabilität jedes Beteiligten auch ein Faktor für die Stabilität des Gesamtsystems.
Vor diesem Hintergrund versteht sich das EAM Resilience Program als strukturierter Beitrag zur Stärkung von Transparenz und organisatorischer Klarheit entlang dieser Wertschöpfungskette.
Kommt der Druck zur Stärkung der operativen Resilienz bei EAMs inzwischen eher vom Regulator oder vom Marktökosystem — insbesondere von den Partnerbanken?
Der FINMA Risikomonitor 2025 zeigt deutlich, dass Cyber-Risiken, Outsourcing und insbesondere Drittparteirisiken im Fokus stehen. Bereits heute bestehen klare Erwartungen im Umgang mit ausgelagerten Leistungen und operativen Risiken. Transparenz, saubere Dokumentation und nachvollziehbare Governance-Strukturen sind zunehmend Standard.
Gleichzeitig entsteht zusätzlicher Druck aus dem Markt selbst. Banken und andere Partner unterliegen steigenden Anforderungen im Drittparteimanagement und geben diese entlang der Wertschöpfungskette weiter. In der Praxis wirkt diese Marktdynamik häufig schneller als formelle regulatorische Anpassungen.
Es ist gut vorstellbar, dass sich diese Entwicklung mittelfristig in konkreteren Mindeststandards im Bereich IT- und Cyber-Sicherheit niederschlägt – etwa durch standardisierte Nachweise oder Zertifizierungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das würde die Anforderungen nicht nur an EAMs erhöhen, sondern ebenso an Technologieanbieter und andere Dienstleister.
Dimitri Petruschenko
EAM Resilience Program
Als ehemaliger Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von EAM.Technology, einem auf Beratung und ausgelagerte operative Dienstleistungen spezialisierten Unternehmen, verfügt Dimitri Petruschenko über mehr als fünfzehn Jahre Erfahrung im Technologiebereich des Finanzsektors. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er insbesondere für Privatbanken, unabhängige Vermögensverwalter und Family Offices. Vor der Gründung von EAM.Technology hatte er verschiedene Führungspositionen bei Schweizer Anbietern von Softwarelösungen für die Bereiche Wealth Management und Asset Management inne.
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Brücken bauen, die Stimme der Studierenden hörbar machen und die Türen zur Schweizer Finanzwelt öffnen: Orégane Chérel teilt ihre Vision eines SPHERE LABs, das als echtes Sprungbrett für junge Talente gedacht ist.
Von Arnaud Favre
Was hat dich dazu motiviert, dich im SPHERE LAB zu engagieren und heute dessen Präsidentschaft zu übernehmen?
Was mich sofort begeistert hat, war die Idee des SPHERE LAB als Brücke zwischen der Schweizer Finanzwelt und den Studierenden. Ich finde dieses Konzept wirklich großartig, weil es den Studierenden eine Stimme gibt, unsere Perspektiven sichtbar macht und uns echte Sichtbarkeit verschafft.
Als Präsidentin möchte ich mich mit vollem Engagement dafür einsetzen, ein dynamisches und zukunftsorientiertes SPHERE LAB aufzubauen. Mein Ziel ist es, zu einem sinnstiftenden Projekt beizutragen, das den Studierenden neue Perspektiven eröffnet und ihnen hilft, sich ihre berufliche Zukunft vorzustellen.
Welche Ausrichtung möchtest du dem SPHERE LAB für das Jahr 2026 geben?
Ich möchte dem SPHERE LAB eine Richtung geben, die von Ambition, Zusammenarbeit und Wirkung getragen ist. Mein Ziel ist es, seine Rolle als Referenzplattform für die neue Generation in der Finanzwelt weiter zu stärken.
Konkret bedeutet das, starke Synergien mit SPHERE sowie mit der Community der Vermögensverwalter aufzubauen. Für mich soll das SPHERE LAB ein echtes Ideenlabor sein – ein Raum der Vernetzung, in dem jede und jeder seine Ambitionen zum Ausdruck bringen kann. Ich wünsche mir, dass es als Karriere-Katalysator und als Motor für positive Veränderungen im Sektor wahrgenommen wird.
Was kann das SPHERE LAB den Studierenden, die sich engagieren, ganz konkret bieten?
Das SPHERE LAB bietet etwas sehr Wertvolles: Sichtbarkeit, praktische Erfahrung und einen direkten Zugang zum Schweizer Finanzökosystem.
Die Studierenden sind keine bloßen Zuschauer, sondern werden zu aktiven Gestaltern. Sie entwickeln Schlüsselkompetenzen wie Kommunikation, kritisches Denken und Teamarbeit und bauen gleichzeitig ein starkes Netzwerk für ihre Zukunft auf. Diese Erfahrung geht weit über eine Zeile im Lebenslauf hinaus – sie ist ein Beschleuniger für Selbstvertrauen, berufliche Reife und neue Chancen.
Was begeistert dich besonders an der Idee, direkte Verbindungen zwischen Studierenden und Fachleuten der Schweizer Finanzwelt zu schaffen?
Mich begeistert vor allem, die Distanz zwischen zwei Welten zu verringern, die sich manchmal nur wenig kennen. Diese Verbindungen ermöglichen es den Studierenden, sich konkret zu orientieren und vom Erfahrungsschatz der Fachleute zu profitieren – und umgekehrt geben sie den Professionals die Möglichkeit, die Kreativität, die Werte und die neuen Perspektiven der jungen Generation kennenzulernen.
Die Welt verändert sich sehr schnell, insbesondere durch Technologie und künstliche Intelligenz. Junge Menschen haben oft eine andere Vision der Zukunft, und ich bin überzeugt, dass dieser gegenseitige Austausch enorm bereichernd ist.
Was erhoffst du dir persönlich von dieser Erfahrung als Präsidentin des SPHERE LAB?
Persönlich erhoffe ich mir, sehr viel zu lernen und meine Kompetenzen in den Bereichen Leadership, Projektmanagement, Kommunikation und Teamarbeit weiterzuentwickeln.
Vor allem aber möchte ich menschlich wachsen, sinnstiftende Projekte mit engagierten Menschen aufbauen und am Ende das Gefühl haben, zu etwas beigetragen zu haben, das größer ist als ich selbst. Talente dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten und ihren Platz in der Welt des Wealth Managements zu finden, und das SPHERE LAB zu einem echten Katalysator zu machen – das ist meine tiefste Motivation.
Wie stellst du dir die interne Arbeitsweise und den Geist des SPHERE-LAB-Komitees vor?
Ich stelle mir eine Arbeitsweise mit flachen Hierarchien vor, in der jede und jeder frei ist, Ideen einzubringen, zu testen und zu gestalten. Ziel ist es, dass jedes Mitglied seine spezifischen Kompetenzen in den Dienst des SPHERE LAB stellen kann.
Jede Person kann sich auf einen Bereich spezialisieren – Kommunikation, Events, Interviews, Medien – und bei komplementären Profilen entstehen kleine Teams. Die Idee ist, dass jede einzelne Person einen echten Mehrwert für das Kollektiv schafft.
Was begeistert dich heute am meisten, wenn du an das SPHERE LAB denkst?
Was mich am meisten begeistert, ist der Zugang zu einem Umfeld, das oft als undurchsichtig und schwer zugänglich wahrgenommen wird: die Welt der Vermögensverwalter.
Ich freue mich sehr auf den Austausch mit ihnen, aber auch darauf, unsere eigene SPHERE-LAB-Identität zu entwickeln – unsere Videos, unsere Interviews, unsere Initiativen. Diese kreative Freiheit ist extrem motivierend, und ich danke SPHERE herzlich für diese Chance.
Ein kommender Höhepunkt für das SPHERE LAB?
Ja, ein zentraler Moment wird die 10-Jahr-Feier von SPHERE am 7. September im Hôtel Président Wilson in Genf sein. Geplant ist ein spezielles SPHERE-LAB-Panel mit Studierenden vor rund 400 unabhängigen Vermögensverwaltern.
Wir haben im Komitee bereits viel darüber gesprochen und sind sehr begeistert. Es ist eine einzigartige Gelegenheit, unsere Stimmen einzubringen und uns zu positionieren. Wir freuen uns sehr darauf, mit der Arbeit an diesem Projekt zu beginnen.
Und was ist mit dem kommenden Stock Pitch Challenge?
Dieser befindet sich noch in der Konzeptionsphase, da es sich um einen Prototyp handelt. Wir haben bereits einige Ideen, insbesondere zum Format und zur Redezeit, werden das Projekt jedoch Schritt für Schritt gemeinsam entwickeln.
Das Ziel bleibt klar: allen die Möglichkeit zu geben, sich auszudrücken, ihre Stimme einzubringen und den innovativen Blick zu zeigen, den wir auf die Zukunft haben – im Dialog mit den Fachleuten der Vermögensverwaltung.
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In einer Phase tiefgreifender Umbrüche in der Vermögensverwaltung vertritt Yohan Palleau einen anspruchsvollen Ansatz des Multi-Family-Office-Modells: echte Unabhängigkeit, offene Architektur und vollständige Transparenz bei der Performance. In einem Umfeld, in dem Kunden zunehmend vergleichen und Entscheidungen neu bewerten, plädiert er für eine Vermögensverwaltung, in der Performance nicht mehr behauptet, sondern gemessen und auditiert wird.
Von Levi-Sergio Mutemba
Der Begriff Family Office wird häufig inflationär verwendet. Wie unterscheiden Sie ein Multi-Family Office von der klassischen Vermögensverwaltung?
Das ist ein zentraler Punkt. Ein echtes Family Office setzt eine gewisse kritische Grösse voraus – in der Regel ein Vermögen von über 500 Millionen Franken –, um die Komplexität der angebotenen Dienstleistungen zu rechtfertigen. Diese reichen von Steuer- und Portfoliomanagement über generationenübergreifende Nachfolgeplanung bis hin zu Concierge-Services. Das Multi-Family-Office-Modell, wie wir es praktizieren, erlaubt es, diese spezialisierten Ressourcen für mehrere Familien zu bündeln. Dadurch können wir eine umfassende Vermögensarchitektur anbieten, die informelle oder zu kleine Strukturen professionell schlicht nicht leisten können.
Ihr Modell basiert auf einer offenen Architektur. Weshalb setzen Sie auf Partnerschaften statt auf Fusionen?
Unabhängigkeit ist unser wertvollstes Kapital. Indem wir strategische Partnerschaften mit Spezialisten wie Trustees, Stiftungen sowie Steuer- und Rechtsexperten eingehen – statt Fusionen anzustreben –, bewahren wir unsere Agilität und vermeiden Interessenkonflikte. Der heutige regulatorische Rahmen stellt sehr hohe Anforderungen an die Compliance. Diese sind keineswegs eine Einschränkung, sondern stärken Strukturen wie die unsere und ermöglichen uns vollständige Neutralität bei der Auswahl zentraler Dienstleister – ausschliesslich im Interesse unserer Kunden.
In der Kommunikation scheinen Sie bewusst mit den Codes des klassischen Marketings zu brechen. Was ist Ihr Ansatz?
Wir vermeiden glattes Marketing ohne Substanz. Unser Ziel ist es, den Markt zu informieren und zu befähigen – mit interaktiveren Formaten wie direkten Interviews mit unserem CIO und weiteren Teammitgliedern, um eine fundierte Einordnung der Märkte zu ermöglichen. Unabhängige Vermögensverwaltung beruht auch auf Kohärenz zwischen Handeln, Analyse und öffentlicher Kommunikation.
In einem gesättigten Markt: Wie belegen Sie konkret, dass Ihre Performance jener Ihrer Wettbewerber – insbesondere der grossen Privatbanken – überlegen ist?
Performance darf keine blosse Absichtserklärung mehr sein, sie muss auditiert werden. Deshalb haben wir unseren Track Record von Asset Risk Consultants Research prüfen lassen – einer weltweit führenden Referenz, die über 525’000 Portfolios überwacht. Das Ergebnis ist eindeutig: ARC hat sämtliche unserer Mandate über einen Zeitraum von zehn Jahren mit einem Rating A ausgezeichnet. Damit liegen unsere Ergebnisse weltweit im ersten Dezil, analysiert nach Mandatstyp und Referenzwährung. Ein Rating B entspricht dem ersten Quartil. Diese Strenge reflektiert einen tiefgreifenden Wandel im Markt. In den vergangenen Jahren ist die Nettoperformance zum Überlebenskriterium geworden. Heute zögern Kunden nicht mehr, ihre Privatbank zu verlassen, wenn die Resultate nicht überzeugen.
NFG Partners hat 2023 mit der Übernahme von Harver Capital einen wichtigen Schritt vollzogen. Was war das strategische Ziel?
Ziel war es, unsere Glaubwürdigkeit am Markt weiter zu stärken. Mit der Integration von Harver Capital und dessen CIO Glenn Coxon haben wir einen belastbaren Track Record im diskretionären Mandatsgeschäft hinzugewonnen. Für uns darf Performance keine Verheissung sein, sondern muss belegbar sein. Deshalb haben wir diesen Track Record ebenfalls durch ARC validieren lassen. Mit einem Rating von A und einer Positionierung im ersten Dezil können wir unsere Kundenbeziehungen auf vollständigem Vertrauen aufbauen – fern jener Intransparenz, die traditionellen Banken bisweilen vorgeworfen wird.
Sie sprechen von Transparenz. Ist dies heute die zentrale Erwartung Ihrer Kunden?
Absolut. Der moderne Kunde will genau verstehen, wofür er bezahlt. Er ist bereit, einen Premiumpreis zu entrichten – jedoch nur, wenn dieser durch überlegene Leistungen und Performance gerechtfertigt ist. Unsere Aufgabe besteht darin, eine verstärkte treuhänderische Verantwortung wahrzunehmen. Jede Anfrage behandeln wir mit höchster Priorität, vergleichbar mit einem Fünf-Sterne-Hotelservice. Unabhängig von der Grösse des Vermögens muss der Anspruch an Exzellenz für alle Kunden gleich hoch sein.
Yohan Palleau
NFG Partners
Yohan Palleau ist Mitgründer und Direktor von NFG Partners, einem in Genf ansässigen und von der FINMA regulierten Vermögensverwalter. Er ist auf internationale Vermögenslösungen spezialisiert und begleitet Unternehmer sowie vermögende Familien bei der Strukturierung und dem Wachstum ihres Vermögens. Zuvor war er unter anderem bei BPCE, ACE & Company und Banque SYZ tätig. Er ist Absolvent der HEC Lausanne sowie der Université de Genève.
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Private Märkte nehmen in den Allokationen professioneller Investoren in der Schweiz einen immer wichtigeren Platz ein. In diesem Gespräch analysiert Véronique Fournier die strukturellen Treiber dieser Entwicklung, die Ausweitung des Zugangs zu privaten Strategien sowie die Herausforderungen in Bezug auf Liquidität und Vermittlung, die mit ihrer Integration in die moderne Portfoliokonstruktion einhergehen.
Von Jérôme Sicard
Private Equity hat sich als eigenständige Anlageklasse etabliert. Wie zeigt sich dieser Bedeutungszuwachs konkret bei professionellen Investoren in der Schweiz?
Die Nutzung privater Märkte durch professionelle Investoren und Vermögensverwalter in der Schweiz nimmt deutlich zu. Dies gilt für Private Equity ebenso wie für Private Credit und hybride Strategien. Um Investoren und Asset Allocators zu überzeugen, ist ein ganzheitlicher Lösungsansatz erforderlich, der Investitions-, Währungs- und Liquiditätsbedürfnisse gleichermassen berücksichtigt. Gleichzeitig ist es entscheidend, die Funktionsweise privater Märkte und ihre Rolle in heutigen Portfolios umfassend zu erklären.
Ebenso klar ist, dass die Interessengleichheit mit unseren Kunden für diese ein zentrales Kriterium darstellt. Über die Versicherungseinheiten von Apollo sind wir häufig selbst der grösste Investor in unseren eigenen Produkten, was bedeutet, dass wir letztlich dieselben Renditen erzielen wie unsere Kunden. Diese Konvergenz der Interessen und die damit verbundene gemeinsame Verantwortung werden von unseren Investoren und Partnern in der Schweiz sehr positiv wahrgenommen.
Private Märkte scheinen heute zunehmend gegenüber den kotierten Märkten an Bedeutung zu gewinnen. Welche strukturellen Faktoren erklären diesen Wandel?
Private Märkte sind zu einer tragenden Säule der modernen Portfoliokonstruktion geworden. Öffentliche Märkte bleiben unverzichtbar, doch da ein grosser Teil der europäischen Unternehmen nicht börsenkotiert ist, spiegeln sie allein die Realwirtschaft, zu der Investoren Zugang suchen, nicht mehr vollständig wider. Rund 95 Prozent der europäischen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen US-Dollar befinden sich in privatem Besitz. Zudem sind die kotierten Märkte zunehmend indexiert und untereinander stark korreliert. Private Märkte können zur Diversifikation von Portfolios beitragen und ermöglichen den Zugang zu einem breiteren Anlageuniversum, das häufig weniger volatil ist als börsennotierte Aktien.
Wie würden Sie die aktuelle Dynamik der privaten Märkte beschreiben – insbesondere mit Blick auf Strategiediversifikation, Liquidität und Transparenz?
Der Zugang und die Auswahlmöglichkeiten, über die Investoren heute bei privaten Märkten verfügen, sind mit der Situation vor zehn Jahren nicht vergleichbar. Mit dem Aufkommen von Evergreen-Fonds und semi-liquiden Lösungen erhalten Investoren heute Zugang zu Produkten in institutioneller Qualität. Diese waren früher den grössten Pensionskassen und Staatsfonds vorbehalten, die in geschlossene Strukturen mit Kapitalabrufen und Bindungsfristen von fünf, zehn oder mehr Jahren investierten.
Heute bieten wir bei Apollo beispielsweise sieben semi-liquide Lösungen im Bereich der privaten Märkte an. Sie decken verschiedene Anlageklassen in Europa ab und stellen Vermögensverwaltern das Beste unserer Plattform zur Verfügung. Diese Strukturen bieten mehr Flexibilität in Bezug auf den akzeptierten Liquiditäts- beziehungsweise Illiquiditätsgrad in den Portfolios und ermöglichen eine sofortige Allokation in grosse, vollständig investierte Portfolios.
Erleben die privaten Märkte mit der Entwicklung von Evergreen-Fonds, einem aktiveren Sekundärmarkt und zunehmender Standardisierung so etwas wie einen «UCITS-Moment»?
Private Märkte entwickeln sich rasant weiter und bieten deutlich mehr Strukturen und Zugangspunkte für Investoren. Ein bloss erweiterter Zugang ohne begleitende Vermittlung führt jedoch nicht wirklich weiter. Umso wichtiger ist es, das Verständnis und das Vertrauen innerhalb der breiten Investorenbasis weiter zu stärken. Vor diesem Hintergrund haben wir erhebliche Ressourcen in Initiativen für Distributoren, Berater und Kunden investiert, um besser zu vermitteln, welche Rolle private Märkte in Portfolios spielen können. So stellen wir unter anderem Modellportfolios zur Verfügung, die den ergänzenden Einsatz privater Strategien neben traditionellen Allokationen aufzeigen – mit dem Potenzial für Alpha, das von den kotierten Märkten entkoppelt ist.
Véronique Fournier
Apollo Global Management
Véronique Fournier ist 2022 zu Apollo gestossen und verantwortet als Head of EMEA Distribution den Bereich Global Wealth Management Solutions mit Sitz in Zürich. Zuvor war sie acht Jahre bei Barings tätig, zuletzt als Managing Director und Co-Head European Distribution. Davor hatte sie verschiedene Vertriebsfunktionen bei Schroder Investment Management, Aviva Investors und InterSec Research inne. Véronique Fournier verfügt über einen Bachelor of Science in Economics der London School of Economics and Political Science sowie einen Master of Arts in International Economics der University of Essex.
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