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- Interview mit Marwan Haddad
- Generaldirektor und Leiter der Strategie für MENA-Aktien
- Azimut Group
MENA: Das enthüllte Potenzial eines Marktes im Umbruch
Der Nahe Osten, insbesondere die Länder des Golfkooperationsrats, zeichnen sich durch ihre Widerstandsfähigkeit und ihre anhaltenden Bemühungen um Diversifizierung aus. Marwan Haddad analysiert die wirtschaftliche Dynamik und untersucht die wichtigsten Herausforderungen für Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, wobei er sich auf die Reformen konzentriert, die eingesetzt werden, um Talente und Investitionen anzuziehen.
Von Géraldine Monchau
Wie würden Sie die wirtschaftliche Lage des Nahen Ostens im Vergleich zu anderen globalen Volkswirtschaften angesichts der jüngsten Zinssenkungen und der Ölpreisschwankungen beschreiben?
Die einkommensstarken GCC-Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien machen derzeit 95% des S&P Pan Arab Index aus. Sie nutzen ihren Ölreichtum, um ihre Wirtschaft zu diversifizieren und ihre Abhängigkeit von der Ölindustrie zu verringern. Dubai, das sich als globale Drehscheibe für Handel und Tourismus positioniert, ist ein gutes Beispiel für diesen Erfolg.
Die Region steht heute an der Schwelle zu neuen Transformationsprozessen. Saudi-Arabien, seine Speerspitze in der Region, investiert massiv in Sektoren wie Schifffahrt, Logistik, Unterhaltung und Megaprojekte im Infrastrukturbereich. Dafür verfügt es über hohe Steuerreserven, ausländische Vermögenswerte im Wert von 467 Milliarden US-Dollar, (fast die Hälfte seines BIP) und weist darüber hinaus eine niedrige Schuldenquote von 28% des BIP auf. Es verfügt also über die nötige finanzielle Stärke, um diese Projekte durchzuführen. Die Finanzierung kann aus verschiedenen Quellen stammen, wie der Privatisierung von Vermögenswerten – der Börsengang von Aramco brachte 42 Milliarden Dollar ein! – oder die Erhöhung der Staatsverschuldung, die immer noch relativ gering ist.
Die meisten GCC-Länder, deren Währungen an den Dollar gekoppelt oder eng mit ihm verbunden sind, mussten sich an die US-Geldpolitik anpassen, was trotz niedriger Inflation zu höheren Zinssätzen führte. Dennoch verzeichneten die Bankensektoren in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Wachstum der Kreditvergabe von über 10% bzw. 7%.
Was die Schwankungen der Ölpreise angeht, so hat sich die Region gut geschlagen, indem sie in Zeiten hoher Ölpreise erhebliche Haushaltsreserven gebildet hat. In den Emiraten macht das Öl nur noch 30 % des BIP aus. Seit dem Ölpreisschock von 2014 haben sowohl Saudi-Arabien als auch die VAE die Subventionen erheblich gekürzt und neue Steuern eingeführt, um ihre Einnahmequellen weiter zu diversifizieren und ausgeglichenere Haushalte zu gewährleisten.
Welche wichtigen Massnahmen haben die Behörden ergriffen, um die Wirtschaft anzukurbeln?
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben mit ihrem zehnjährigen „Golden Visa“ für Fachkräfte und Investoren neue Talente angezogen. Gleichzeitig hat sich Saudi-Arabien über mutige soziale Reformen – einschliesslich der Erteilung von Touristenvisa und der Zulassung zum Autofahren für Frauen – ein grösseres Reservoir an Humankapital geschaffen.
Auch in den Bereichen Unterhaltung, Inlandstourismus und technische Entwicklung hat Saudi-Arabien Fortschritte gemacht. Das Land, das früher nicht im MSCI Emerging Markets Index vertreten war, macht heute etwa 3,7 % des Index aus, von den 7 % im gesamten Nahen Osten. Dies hat zu einem starken Zufluss von passivem und aktivem Kapital in den Aktienmarkt geführt.
In den nächsten zehn Jahren wird die Region voraussichtlich mehr als 1 Billion US-Dollar für die Diversifizierung ihrer Volkswirtschaften bereitstellen.
Was ist die grösste Herausforderung, vor der die Region heute steht, insbesondere für Saudi-Arabien?
Die Regierung muss weiterhin engagiert an ihren Reformen festhalten. Im Gegensatz zu den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das Land zumindest in den nächsten zehn Jahren weiterhin stark auf öffentliche Ausgaben für den Aufbau seiner Infrastruktur in verschiedenen Sektoren angewiesen.
Welche Aussichten haben Sie für die Märkte des Nahen Ostens in den kommenden Jahren? Welche Themen halten Sie für vielversprechend?
Wir konzentrieren uns auf säkulare Themen wie Basiskonsumgüter, da Saudi-Arabien seine Bevölkerung von heute 33 Millionen bis 2040 auf 40 Millionen erhöhen will. Wir richten uns auch an Themen aus, die mit den laufenden Reformen zusammenhängen, wie hochwertige Bildung, Wohnraum und Gesundheitsversorgung – drei Säulen, die verbessert werden müssen, um hochqualifizierte Expats anzuziehen. Der Markt wird sich durch den Börsengang neuer Unternehmen weiter vergrössern, wodurch die Anleger mit Themen in Berührung kommen, die es vorher nicht gab. Schliesslich erwarten wir, dass die Gesamtrisikoprämie auf dem Markt aufgrund der verbesserten Transparenz und Kommunikation der Unternehmen sinken wird.
Bieten die MENA-Märkte einen Diversifizierungsvorteil und inwieweit werden sie von den Ölpreisen beeinflusst?
In den letzten drei Jahren hat der S&P Pan Arab Index eine abnehmende Korrelation mit den Schwellenmärkten gezeigt. Dies ist natürlich auf die wichtige Entwicklung der inländischen Wachstumsmotoren und die Diversifizierung gegenüber dem Öl zurückzuführen.
Marwan Haddad
Azimut Group
Marwan kam 2023 zu Azimut, um die MENA-Aktienstrategien und die Expansion der Gruppe nach Saudi-Arabien zu leiten. Marwan war zuvor Managing Director of Investments bei Capital Investments. Davor war er bei Emirates NBD Asset Management tätig, wo er für Aktien in der MENA-Region verantwortlich war und gleichzeitig das Angebot der Bank in den Bereichen Private Debt und Multi-Asset-Strategien ausbaute. Ausserdem verwaltete er bei Al Mal Capital und Rasmala Investment Bank Aktienstrategien für die MENA-Region. Marwan Haddad hat einen Executive MBA von der London Business School und einen Master of Business in Finance von der University of Sydney. Darüber hinaus ist er CFA-Charterholder.
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