Interessengleichheit
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Banque Heritage hat Zürich zu einer der tragenden Säulen ihrer Entwicklung in der Schweiz gemacht. An der Spitze des Zürcher Standorts erläutert Michael Welti die entscheidenden Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Verankerung ausserhalb von Genf sowie ein Private-Banking-Modell, das bewusst eine enge Nähe zum Family-Office-Ansatz pflegt. Unternehmerische Kultur, unabhängige Beratung und die konsequente Ausrichtung der Interessen prägen dabei eine klare und differenzierende Vision des Schweizer Private Bankings.
Von Jérôme Sicard
Sie sind nach der Fusion mit der Sallfort Privatbank zu Banque Heritage gestossen. Wie beurteilen Sie fünf Jahre später die Entwicklung der Bank in Zürich?
Ich bin vor etwas mehr als vier Jahren zu Banque Heritage gekommen, kurz nachdem die Fusion bereits abgeschlossen war. Rückblickend lässt sich sagen, dass die Entwicklung des Zürcher Standorts bemerkenswert war. Wir kamen aus der Covid-Zeit, die viele Institute – auch unseres – dazu gezwungen hat, ihre Positionierung und ihr Betriebsmodell grundlegend zu überdenken.
Zürich wurde früh klar als strategische Priorität definiert. Wir haben stark in Mitarbeitende investiert, unseren Kundenstamm sowie die verwalteten Vermögen deutlich ausgebaut und den Standort als zentrales Private-Banking-Zentrum neben Genf neu positioniert. Ein wichtiger Meilenstein war der kürzliche Umzug unseres Büros vom Stadtrand ins Stadtzentrum, wodurch wir unseren Partnern und Kunden wesentlich nähergekommen sind. Heute ist Zürich eine der tragenden Säulen der Bank.
Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren für eine in Genf verwurzelte Privatbank, die sich nachhaltig in Zürich etablieren will?
Es gibt drei entscheidende Ebenen.
Erstens: Marke und Aktionärsstruktur. Eine klare, unabhängige Eigentümerstruktur und ein starkes unternehmerisches Erbe sind zentral. Sind diese Grundlagen solide, rückt die geografische Herkunft in den Hintergrund.
Zweitens: die Menschen. Dieser Punkt wird häufig unterschätzt. Es braucht die richtigen Persönlichkeiten in den richtigen Funktionen – mit der passenden Haltung. Viele Organisationen scheitern nicht an ihrer Strategie, sondern an einer falschen personellen Ausrichtung.
Drittens: die Kultur – oder der Charakter. Neugier, Motivation und die Bereitschaft, Veränderungen anzunehmen, sind entscheidend. Ohne diese Offenheit gelingt keine Neupositionierung. Bei Banque Heritage waren Neugier und unternehmerisches Denken zentrale Treiber unseres organischen Wachstums.
Banque Heritage positioniert sich als innovativ und zukunftsorientiert. Wie zeigt sich das konkret im Private Banking und in den Kundenbeziehungen in Zürich?
Innovation bedeutet für uns nicht Technologie um ihrer selbst willen, sondern Befähigung. Wir wollen Bankerinnen und Banker, die innerhalb eines klaren Rahmens Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen können. Das ist unternehmerisches Handeln im Alltag.
Wir vermeiden bewusst eine Überstrukturierung. Wenn eine Organisation von Handbüchern statt von Menschen gesteuert wird, verliert sie an Agilität. Unser Modell basiert auf Kundennähe, Flexibilität und offener Architektur. Wir produzieren keine eigenen Produkte, sondern wählen die besten verfügbaren Lösungen aus oder entwickeln sie bei Bedarf.
In diesem Sinne agieren wir sehr ähnlich wie ein Family Office – allerdings mit Banklizenz. Wir versetzen uns konsequent in die Lage unserer Kunden und gestalten unsere Dienstleistungen entsprechend. Diese Kundenorientierung ist kein Schlagwort, sondern fest in unserer Arbeitsweise verankert.
Die Bank erzielt solide Resultate, verfügt über starke Kapitalquoten und bietet ein breites Spektrum von Private Banking bis Advisory. Wie entsteht daraus ein Wettbewerbsvorteil?
Unsere Kundinnen und Kunden sind überwiegend Unternehmerinnen und Unternehmer – aktiv oder im Ruhestand – mit sehr spezifischen Erwartungen an eine Bank. Sie stellen Fragen zur Eigentümerstruktur, zur Stabilität, zur Governance und zur langfristigen Ausrichtung
Da wir keine eigenen Produkte vertreiben, ist unsere Beratung wirklich unabhängig. Zudem investieren wir auf Aktionärsebene gemeinsam mit unseren Kunden. Diese Interessenangleichung verändert den Dialog grundlegend.
Anstatt standardisierte Lösungen zu vertreiben, beginnen wir mit einem konkreten Anliegen und entwickeln darauf abgestimmt eine Investition oder Dienstleistung. Dieser Ansatz trifft den Nerv unternehmerischer Kunden und unterscheidet uns sowohl von Grossbanken als auch von reinen Vermögensverwaltern.
Wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand des Schweizer Bankenplatzes?
Die Schweiz bleibt ein einzigartiger Finanzplatz. Ihre zentralen Stärken sind Vertrauen, politische Stabilität, Diskretion und eine ausgeprägte regulatorische Kompetenz. In einer Welt zunehmender geopolitischer Fragmentierung, wachsender Spannungen und regulatorischer Unsicherheit gewinnen diese Qualitäten weiter an Bedeutung.
Für vermögende Personen steht heute nicht mehr primär die Rendite im Vordergrund, sondern der Schutz – von Familie, Vermögen und langfristigem Erbe. Die Schweiz bietet dafür einen institutionellen Rahmen, der seine Widerstandsfähigkeit über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, bewiesen hat. Deshalb spielt sie weiterhin eine Schlüsselrolle in der internationalen Vermögensplanung.
Der Schweizer Finanzplatz muss nicht zwingend der innovativste sein, um relevant zu bleiben – insbesondere im Private Banking. Die meisten technologischen Innovationen sind im Retailgeschäft getrieben. Im Segment der Ultra-High-Net-Worth-Individuals liegen die eigentlichen Herausforderungen anderswo: in der Strukturierung komplexer globaler Vermögen, in der generationenübergreifenden Governance und im Erhalt von Vermögen in einem stabilen und berechenbaren Rechtsraum.
Worin unterscheidet sich der Zürcher Markt für Banque Heritage vom Genfer?
Es gibt Unterschiede in den Kundenclustern. Zürich ist stärker auf Europa, Osteuropa und global tätige Unternehmer ausgerichtet, während Genf traditionell engere Verbindungen zu Lateinamerika und internationalen Familienstrukturen aufweist.
Grundsätzlich denken wir jedoch nicht in Standorten. Unsere Arbeitssprache ist Englisch, unser Mindset international, und unsere Kunden bewegen sich selbstverständlich zwischen verschiedenen Hubs. Intern verstehen wir uns als eine integrierte Private-Banking-Plattform – nicht als regionale Silos.
Welche Ambitionen verfolgen Sie aktuell in Zürich?
Wachstum hat zwei Dimensionen: organisch und anorganisch. In letzter Zeit war unser Wachstum ausschliesslich organisch – und sehr stark. Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen.
Ein zentraler Hebel ist die Rekrutierung. Banque Heritage gehört zu den wenigen verbliebenen Privatbanken in der Schweiz, die erfahrene Kundenberater anzieht, die Eigenständigkeit, Kundennähe und Freiheit von übermässiger Bürokratie suchen.
Strategisch wollen wir das vertiefen, was wir am besten können: Vermögensverwaltung, einschliesslich der Zusammenarbeit mit externen Vermögensverwaltern. Wir streben keine unnötige Ausweitung der Geschäftsfelder an. Offene Architektur, starke Partnerschaften und ein klarer Fokus bleiben die Eckpfeiler unseres Modells.
Michael Welti
Banque Heritage
Michael Welti leitet den Bereich Private Banking der Banque Heritage, deren Managing Partner er ist. Mit über dreissig Jahren Erfahrung gilt er heute als anerkannter Experte in der Vermögensverwaltung und in der Finanzberatung. Im Verlauf seiner Karriere hat Michael Welti massgeblich zu strategischen Entwicklungen beigetragen und führende Teams bei renommierten Schweizer Finanzinstituten wie UBS, UBP und REYL Intesa Sanpaolo geleitet. Er ist 2021 zur Banque Heritage gestossen.
Michael Welti verfügt über das Zertifikat Wealth Management Advisor und hat zudem mehrere Executive-Programme am Swiss Finance Institute sowie an der Universität Zürich absolviert.
Sie werden auch mögen
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
RÉDACTION
redaction[at]sphere.swiss
PUBLICITÉ
advertise[at]sphere.swiss
ABONNEMENT
contact[at]sphere.swiss
ÉVÉNEMENTS
events[at]sphere.swiss
Postfach 1806
CH-1211 Genf 1
© 2023 Sphere Magazine
Angesichts der zunehmenden Komplexität von Portfolios, des wachsenden Anteils nicht kotierter Anlagen und des steigenden regulatorischen Drucks verändert sich die Rolle technologischer Tools bei unabhängigen Vermögensverwaltern grundlegend. Étienne de Bejarry, der kürzlich das Schweizer Büro der Plattform Addepar eröffnet hat, erläutert hier die Architektur-, Automatisierungs- und Datenverarbeitungsentscheidungen, die ihren Arbeitsalltag nachhaltig verändern.
Von Jérôme Sicard
Was sind heute die wichtigsten Forschungs- und Entwicklungsachsen bei Addepar?
Das Unternehmen investiert jährlich über 100 Millionen US-Dollar in Forschung und Entwicklung, wobei nahezu die Hälfte der Mitarbeitenden in den Bereichen Produkt, Engineering und Dateninfrastruktur tätig ist.
Im Bereich der Dateninfrastruktur hat Addepar massiv in eine Architektur investiert, die unter anderem auf Databricks basiert. Sie ermöglicht die Verarbeitung von mehr als 450 Datenfeeds von Depotbanken weltweit. Ziel dieses Ansatzes ist es, eine hohe Datenqualität, eine reibungslose Integration mit Drittsystemen sowie ein hohes Sicherheitsniveau sicherzustellen – bei gleichzeitiger Skalierbarkeit der Plattform.
Der zweite Schwerpunkt liegt auf künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Addepar entwickelt intelligente Agenten, Chatbots sowie Tools zur Workflow-Automatisierung, die den Arbeitsalltag der Nutzerinnen und Nutzer vereinfachen sollen. Das Ziel ist klar: die operative Belastung zu reduzieren, manuelle Eingriffe zu minimieren und den Teams zu ermöglichen, sich auf Aufgaben mit höherer Wertschöpfung zu konzentrieren.
Ein dritter strategischer Fokus betrifft schliesslich die Verwaltung alternativer und privater Anlagen. Aktuell aggregiert Addepar rund 8’000 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten, wovon rund 40 % in nicht kotierte Anlageklassen investiert sind. Addepar hat Lösungen entwickelt, die Dokumente von General Partners automatisch lesen, analysieren und verarbeiten, um diese komplexen Daten zuverlässig und kontinuierlich in die Plattform zu integrieren.
Welche international entwickelten Lösungen sind aus Ihrer Sicht besonders relevant für unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz?
Unabhängige Vermögensverwalter bewegen sich in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld, das leistungsfähige und zugleich flexible Werkzeuge erfordert. Genau darauf hat Addepar in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Teil seiner Entwicklungsarbeit ausgerichtet.
Die Plattform basiert auf einem Konzept weitgehender Individualisierung. Jedes Nutzerprofil – sei es Compliance Officer, Relationship Manager, Portfolio Manager, Geschäftsleitung oder Risk Officer – kann über spezifisch auf seine Aufgaben und Ziele zugeschnittene Dashboards, Kennzahlen und Reports verfügen. Das Tool ist nicht als starres System konzipiert, sondern als dynamische Umgebung, die sich im Zeitverlauf an die operativen Bedürfnisse der Teams anpasst.
Diese Flexibilität erstreckt sich auch auf die Verarbeitung alternativer Anlagen. Addepar hat ein Modul für Alternative Data Management entwickelt, das die Integration von Investitionen automatisiert, die häufig in Form unstrukturierter Dokumente per E-Mail übermittelt werden. Diese Daten werden ohne manuelle Eingriffe verarbeitet und direkt in nutzbare Transaktionen umgewandelt – eine sehr konkrete Antwort auf eine Herausforderung, mit der viele Vermögensverwalter in der Schweiz konfrontiert sind.
Wie erklären Sie den Rückstand unabhängiger Schweizer Vermögensverwalter in der Digitalisierung?
Dieser lässt sich zu einem grossen Teil durch die rasante Veränderung ihres Umfelds erklären. Die letzten Jahre waren geprägt von einer Verschärfung der Regulierung, insbesondere mit der Einführung der FINMA-Lizenz, sowie von einer zunehmenden Komplexität der Portfolios mit Multi-Bank- und Multi-Jurisdiktionsstrukturen. Die Integration von Anlagen – etwa strukturierten Produkten oder alternativen Investments – ist deutlich anspruchsvoller geworden.
Zudem basiert das Geschäftsmodell unabhängiger Vermögensverwalter historisch stark auf der persönlichen Beziehung, auf Vertrauen und Nähe zu den Kunden. Technologie wurde lange Zeit eher als unterstützendes Element oder gar als Einschränkung wahrgenommen und weniger als strategischer Hebel. Hinzu kommt, dass viele digitale Lösungen primär als Kostenstellen galten, ohne klar erkennbaren unmittelbaren Nutzen.
Wie sehen Sie die Entwicklung des PMS-Marktes in der Schweiz in den kommenden Jahren?
Es handelt sich um einen sehr wettbewerbsintensiven Markt, was für die Vermögensverwalter grundsätzlich von Vorteil ist, da ihnen eine breite Auswahl an Lösungen zur Verfügung steht. Allerdings sind nicht alle Anbieter gleich gut in der Lage, die notwendigen Investitionen zur Integration neuer Technologien zu stemmen.
Mittelfristig werden sich jene PMS durchsetzen, die es verstanden haben, zukünftige Marktbedürfnisse frühzeitig zu antizipieren und konsequent in Forschung und Entwicklung zu investieren. Vermögensverwalter werden in der Lage sein müssen, mit weniger Ressourcen mehr zu leisten und gleichzeitig den Erwartungen einer neuen, anspruchsvolleren Kundengeneration gerecht zu werden – insbesondere in Bezug auf Personalisierung, Transparenz und digitales Erlebnis.
Die Fähigkeit, vollständig individualisierte Reports, moderne Benutzeroberflächen und nutzungsorientierte mobile Anwendungen anzubieten, wird zu einem zentralen Differenzierungsmerkmal. In diesem Kontext wird sich das digitale Kundenerlebnis als eigenständiger strategischer Faktor etablieren.
Wie integrieren Sie nicht kotierte Anlagen, um eine konsolidierte Portfoliosicht zu erreichen?
Wie bereits erwähnt, sind rund 40 % der auf der Plattform aggregierten Vermögenswerte in Private Equity, Immobilien, Direktinvestitionen oder andere Real Assets investiert. Um den Besonderheiten dieser Anlageklassen gerecht zu werden, hat Addepar Tools entwickelt, die sich direkt mit den Portalen der General Partners verbinden, eingehende Dokumente automatisch analysieren und die entsprechenden Transaktionen in der Plattform generieren. Dieser Ansatz gewährleistet eine konsolidierte Portfoliosicht mit zuverlässigen und historisierten Daten.
Ergänzend dazu hat Addepar Instrumente zur langfristigen Cashflow- und Liquiditätsprojektion implementiert, die auf einer umfangreichen anonymisierten Datenbasis privater Fonds beruhen. Diese Funktionen ermöglichen realistische Szenarioanalysen sowie aussagekräftige Performance-Benchmarks, abgestimmt auf unterschiedliche Strategien und Investitionsprofile.
Welche Rolle spielen künstliche Intelligenz und prädiktive Analysen in einem PMS?
Sie kommen insbesondere bei der automatisierten Verarbeitung von Dokumenten im Zusammenhang mit alternativen Anlagen zum Einsatz, aber auch zur Speisung von Chatbots, die in der Lage sind, komplexe Anfragen auf Basis der auf der Plattform verfügbaren Daten zu beantworten.
Darüber hinaus arbeitet Addepar an der Automatisierung vollständiger operativer Workflows – vom Kunden-Onboarding über regulatorische Kontrollen bis hin zu Bankdatenabgleichen. Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen und manuelle Tätigkeiten signifikant zu reduzieren.
Langfristig wird künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle im funktionalen Umfang von PMS einnehmen, stets eingebettet in eine menschliche Validierung. Es geht nicht darum, die Expertise von Fachpersonen zu ersetzen, sondern sie zu stärken – durch Werkzeuge, die Effizienz, Zuverlässigkeit und Entscheidungsqualität verbessern.
Etienne de Bejarry
Addepar
Étienne de Bejarry ist seit Juni 2025 als Senior Account Executive bei Addepar tätig und verantwortet den kommerziellen Ausbau des Unternehmens in der Schweiz. Addepar, eine Technologieplattform für Investmentprofis, eröffnete im Oktober ihr Schweizer Büro in Genf. Nach einer fundierten Laufbahn in der Managementberatung war Étienne de Bejarry in den vergangenen fünf Jahren bei WealthArc tätig, wo er die kommerzielle Strategie aufgebaut und verantwortet hat.
Sie werden auch mögen
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
RÉDACTION
redaction[at]sphere.swiss
PUBLICITÉ
advertise[at]sphere.swiss
ABONNEMENT
contact[at]sphere.swiss
ÉVÉNEMENTS
events[at]sphere.swiss
Postfach 1806
CH-1211 Genf 1
© 2023 Sphere Magazine
Als zentraler Transformationsfaktor im Finanzdienstleistungssektor verändert künstliche Intelligenz Organisationsstrukturen, Berufsbilder und den Arbeitsmarkt grundlegend. Prozessautomatisierung, der zunehmende Stellenwert von Daten und der Wandel der Kompetenzen: Julie Guittard und Mathieu Raynot analysieren die konkreten Auswirkungen dieser Entwicklungen auf den Schweizer Finanzplatz.
Von Jérôme Sicard
Wie lässt sich heute der Einfluss der künstlichen Intelligenz auf die Beschäftigung im Schweizer Finanzsektor beurteilen?
Der Einzug der künstlichen Intelligenz verändert Denk- und Arbeitsweisen in sämtlichen Wirtschaftssektoren tiefgreifend. Wir stehen erst am Anfang bedeutender struktureller Umbrüche, die den Arbeitsmarkt in der Schweiz wie auch international nachhaltig prägen werden. Die Finanzdienstleistungen – Banken, Asset Management und Versicherungen – sind von diesen Entwicklungen besonders betroffen, da sie stark auf repetitive, datengetriebene Prozesse sowie auf ein hohes Volumen an administrativen und unterstützenden Tätigkeiten angewiesen sind.
Gerade in diesen Bereichen entfaltet KI heute ihr Potenzial. Sie ermöglicht die Automatisierung zahlreicher Routinetätigkeiten, verbessert die Datenanalyse erheblich, erstellt personalisierte Zusammenfassungen, erleichtert automatisierte Übersetzungen und passt die Kommunikation an das jeweilige Kundenprofil an. KI verändert zudem die Beziehung zwischen Finanzinstituten und ihren Kundinnen und Kunden, etwa durch rund um die Uhr verfügbare Chatbots oder zunehmend digitalisierte KYC-Prozesse. In der Privatbank unterstützt sie insbesondere die Erstellung von Reportings, die Echtzeitübersetzung sowie eine präzisere und stärker personalisierte Kommunikation.
Bereits heute beobachten wir einen Abbau von Stellen, vor allem in Support-, administrativen und juristischen Funktionen. Diese Entwicklung lässt sich jedoch nicht allein auf KI zurückführen. Sie ist Teil eines umfassenderen Kontextes, der von geopolitischen und wirtschaftlichen Spannungen, Zinsanpassungen sowie einer ausgeprägten Konsolidierung im Schweizer Banken-, Finanz- und Versicherungssektor geprägt ist. In den vergangenen drei Jahren hat sich diese Dynamik deutlich beschleunigt. All diese Faktoren führen zu einem wachsenden Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Finanzarbeitsmarkt. Zwar wird weiterhin rekrutiert, allerdings konzentrieren sich Neueinstellungen zunehmend auf hochspezialisierte Profile. Gleichzeitig verfügen viele verfügbare Kandidatinnen und Kandidaten über zu generalistische oder stark back-office-orientierte Profile, mit begrenzter Erfahrung im Umgang mit KI-Kompetenzen und den heute erforderlichen neuen Tools.
Welche spezifischen Auswirkungen hat KI auf Back-Office-, Operations- und Compliance-Funktionen?
Diese Funktionen gehören zu den am stärksten betroffenen Bereichen. Einerseits steigert KI Qualität, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit dieser Tätigkeiten deutlich und hebt sie auf ein wesentlich höheres professionelles Niveau. Sie trägt damit zu einer stärkeren Institutionalisierung der Prozesse bei, mit klareren Standards, verbesserten Kontrollen und erweiterten technischen Fähigkeiten.
Andererseits erhöht diese Entwicklung den Druck auf die Mitarbeitenden, die heute sowohl ihre fachlichen Kernkompetenzen als auch Kenntnisse in Technologie, Automatisierung und KI beherrschen müssen. Stark segmentierte Back-Office-Positionen, die bereits seit rund zehn Jahren rückläufig sind, wurden schrittweise durch transversalere Funktionen wie Business Analysts oder Project- und Process-Manager ersetzt, was eine deutliche Reduktion der operativen Teams ermöglichte. KI stellt nun eine zweite Transformationsstufe dar, die direkt in die täglichen Aufgaben von Operations und Compliance integriert wird und den daten- und analysegetriebenen Charakter dieser Funktionen erheblich verstärkt.
Handelt es sich eher um eine Transformation der Berufe oder um einen Abbau von Arbeitsplätzen?
Diese beiden Dynamiken stehen nicht im Widerspruch, sondern bestehen parallel. Der Einsatz von KI eröffnet zweifellos neue Lernmöglichkeiten, fördert den Kompetenzaufbau und schafft neue Rollen. Viele operative Funktionen haben bereits Automatisierungs- oder intelligente Analysetools integriert, was zu erheblichen Zeitgewinnen und Leistungssteigerungen führt.
Gleichzeitig geht diese Entwicklung mit einem Abbau von Stellen einher, die hauptsächlich auf manuellen oder stark repetitiven Prozessen basieren. Dieser Trend betrifft mittlerweile auch die IT-Abteilungen. Der Einsatz von Tools, die Code generieren oder die Softwareentwicklung stark unterstützen, reduziert den Arbeitsaufwand bestimmter Entwicklerprofile und stellt die Notwendigkeit grosser Teams zunehmend infrage. In mehreren Institutionen wurden die IT-Teams in den vergangenen zwölf bis vierundzwanzig Monaten deutlich verkleinert, was sich klar im Arbeitsmarkt widerspiegelt – mit einem spürbaren Rückgang entsprechender Stellenangebote.
Welche Kompetenzen sind entscheidend, um im Finanzsektor im Zeitalter der KI beschäftigungsfähig zu bleiben?
Der Arbeitsmarkt wird zunehmend komplex, und es ist unerlässlich, Kompetenzen zu entwickeln, die den neuen technologischen und operativen Anforderungen entsprechen. Dabei zeichnen sich heute zwei Hauptwege ab.
Der erste besteht in der Spezialisierung auf Funktionen mit hoher Wertschöpfung, unterstützt durch kontinuierliche Weiterbildung und berufliche Zertifizierungen, um die durch KI gebotenen Möglichkeiten sinnvoll zu ergänzen. Diese Spezialisierung geht häufig mit einer Hybridisierung der Kompetenzen einher, die finanzielle Expertise, digitale Fähigkeiten und ein solides Verständnis regulatorischer Rahmenbedingungen verbindet.
Der zweite Weg betrifft Profile mit stärkerem Fokus auf Kundenbeziehungen und Geschäftsentwicklung. Die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, private oder institutionelle Kunden langfristig zu begleiten und komplexe Bedürfnisse zu verstehen, bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor. In diesen Tätigkeiten ist die menschliche Dimension unersetzlich – insbesondere am Schweizer Finanzplatz.
Demgegenüber stellen bestimmte administrative und operative Funktionen heute das am stärksten von mittelfristiger Automatisierung bedrohte Segment dar, mit einem realen Risiko des schrittweisen Wegfalls einzelner Stellen in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren. Dieses „Mittelfeld“ des Arbeitsmarktes sollte sowohl vom privaten Sektor als auch von den öffentlichen Stellen ernst genommen werden.
Entstehen neue Profile oder Berufsbilder im Zusammenhang mit KI im Finanzbereich?
Ja. Besonders gefragt sind heute Fachkräfte mit ausgeprägtem Branchenwissen, die KI-Tools beherrschen und konkret in ihre tägliche Arbeit integrieren können. Zu beobachten ist das Entstehen neuer Rollen, etwa AI Business Analysts innerhalb operativer Teams, Daten- und KI-Spezialisten in den Bereichen Risiko, Compliance oder Investment, Experten für prädiktive Modellierung, Daten-Governance und -qualität sowie Fachkräfte im Bereich Cybersicherheit.
Ein erheblicher Teil der Berufe des Jahres 2030 existiert heute noch nicht. Seit der Covid-Krise haben sich die Transformationszyklen deutlich beschleunigt, wobei KI zu bereits bestehenden Entwicklungen wie Homeoffice oder Prozessdigitalisierung hinzukommt.
Ist die Schweiz im Vergleich zu anderen Finanzplätzen voraus oder im Rückstand?
Die Schweiz befindet sich in einer Zwischenposition. Sie verfügt über solide Grundlagen, mit robusten Infrastrukturen, hohen technischen Kompetenzen und einem qualitativ starken akademischen Ökosystem. Gleichzeitig geht sie oft vorsichtiger vor als andere Finanzplätze – bedingt durch ein anspruchsvolles regulatorisches Umfeld, eine konservativere Risikokultur und Governance-Strukturen, die Innovationen teilweise langsamer integrieren. Andere Finanzplätze werden dabei sehr genau beobachtet. Dieser Ansatz setzt auf Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit und stellt insbesondere in der Privatbank, der Vermögensverwaltung und der Versicherung einen wichtigen Wettbewerbsvorteil dar.
Erfordert KI spezifische Implementierungsstrategien?
Ja. Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision, eine stringente Daten-Governance sowie ein angepasstes Risikomanagement mit Mechanismen der menschlichen Aufsicht. Zudem setzt er eine kohärente HR-Strategie voraus, die den gezielten Kompetenzaufbau, die Begleitung des Wandels sowie eine verstärkte interne und externe Kommunikation integriert. Auch wenn KI Werkzeuge und Prozesse tiefgreifend verändert, bleiben Investitionen in das Humankapital, in Soft Skills und in die Anpassungsfähigkeit zentraler denn je.
Julie Guittard
Michael Page
Julie Guittard ist Senior Managerin bei Michael Page und auf die Personalvermittlung im Bank- und Finanzdienstleistungssektor in der Westschweiz spezialisiert. Sie verfügt über mehr als 14 Jahre Erfahrung im Talentmanagement. Im Laufe ihrer Karriere hat sie Teams geleitet und eine Vielzahl von Positionen in den Bereichen Risiko, Compliance, Finanzen, Investitionen, Operations und Front Office für Privatbanken, Vermögensverwalter und Vermögensmanager bekleidet.
Mathieu Raynot
Michael Page
Mathieu Raynot kam 2014 zur Abteilung Banking & Financial Services von Michael Page in Genf. Seitdem hat er sich auf technische Berufe in den Bereichen Operations, Risiko & Compliance, Investitionen und Vermögensverwaltung für einen Kundenstamm spezialisiert, der unter anderem Privatbanken, Vermögensverwalter, Family Offices und Asset Managers umfasst. In diesen Finanzberufen begleitet Mathieu Raynot sowohl junge Absolventen wie auch erfahrene Fachkräfte. Darüber hinaus ist er an Schulen und in lokalen Wirtschaftskreisen tätig. Mathieu Raynot hat einen Master-Abschluss in Management mit Spezialisierung auf Geschäftsverhandlungen.
Sie werden auch mögen
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
RÉDACTION
redaction[at]sphere.swiss
PUBLICITÉ
advertise[at]sphere.swiss
ABONNEMENT
contact[at]sphere.swiss
ÉVÉNEMENTS
events[at]sphere.swiss
Postfach 1806
CH-1211 Genf 1
© 2023 Sphere Magazine
Lange Zeit durch Überkapazitäten und den Druck auf die Frachtraten geschwächt, hat sich die Schifffahrt in den letzten Jahren neu erfunden. Briese Schiffahrt, das weltweit jede zweite Windkraftanlage transportiert, steht vorbildlich für diesen Wandel: Flottenerneuerung, Energieeffizienz und der Aufstieg des Project Cargo. Patric Käser und Philipp Leibundgut liefern hierzu ihre Analyse.
Von Jérôme Sicard
Wie hat sich der Seeverkehr in den letzten zehn Jahren – vor und nach COVID – verändert?
Anfang der 2010er-Jahre kam es in der Branche zu einem regelrechten Bauboom: Die Werften produzierten weitaus mehr Schiffe, als tatsächlich benötigt wurden. Die Folge: chronische Überkapazitäten und dauerhaft unter Druck stehende Frachtraten. Die Entwicklung des Welthandels blieb hinter den Erwartungen zurück – was die Lage weiter verschärfte. Zahlreiche Reedereien gingen in die Insolvenz oder wurden im Zuge einer umfassenden Marktkonsolidierung übernommen.
Dann kam COVID – und mit der Pandemie kam die Wende. Entgegen allen Erwartungen hat die Krise die Schifffahrt wieder auf Kurs gebracht. Ein brutaler, aber letztlich heilsamer Schock, welcher der Branche die dringend benötigte Luft verschaffte.
Seitdem hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Der Markt ist konsolidiert, die verbliebenen Akteure sind finanziell gut aufgestellt und investieren wieder – insbesondere in die Erneuerung ihrer Flotten. Im Zentrum stehen heute operative Effizienz und eine deutliche Reduktion des Treibstoffverbrauchs.
Welche grossen Trends prägen den Sektor heute?
In den vergangenen Jahren schien es nur eine Devise zu geben: Investitionen mussten unbedingt „grün“ sein. Für die Schifffahrt ein komplexes Thema – Schweröl bleibt vorerst alternativlos. Batterien und Wasserstoff bringen nicht die nötige Energiedichte. In der Folge wurden alternative Ansätze erprobt – von starren Segeln bis zu Abgaswäschern. Manche innovativ, viele überbewertet – und kaum eines dieser Konzepte hat sich durchgesetzt.
Heute liegt der Fokus klar auf Effizienz. Zurück zu den Grundlagen: Briese Schiffahrt entwickelt und bestellt moderne Schiffe der neuesten Generation, funktional und konsequent auf Leistung ausgerichtet – ohne unnötige Technik. Diese Schiffe verbrauchen bis zu 35 Prozent weniger Treibstoff und transportieren zugleich rund 20 Prozent mehr Ladung. Messbare Fortschritte, die sich in Zahlen ausdrücken lassen.
Welchen Kurs verfolgen Sie in dieser Branche?
In vielen Bereichen der Seeschifffahrt ist der Reeder kaum mehr als ein Uber-Fahrer mit Kapitänspatent. Die grossen Ladungsströme werden von Konzernen wie zum Beispiel Glencore, Cargill oder Maersk kontrolliert – und sie beauftragen in der Regel den Anbieter, der am verletzlichsten ist und somit den niedrigsten Preis akzeptiert. In diesem Umfeld echte Wertschöpfung zu erzielen, ist extrem schwierig.
Briese Schiffahrt verfolgt einen anderen Ansatz: Unser Fokus liegt auf Projekt- und Schwergutgütern – also industriellen Spezialtransporten. Hier gelten andere Spielregeln: Unsere Kunden – beispielsweise GE, Vestas oder Shell – planen langfristig und vergeben ihre Transportaufträge ausschliesslich an bewährte, zertifizierte Anbieter. Diese Konstellation schafft verlässliche, langfristige Beziehungen, stabile Planungsgrundlagen und eine deutlich geringere Volatilität bei den Frachtraten.
Wie sind Sie beim Flottenerneuerungs-programm vorgegangen?
Briese Schiffahrt ist Marktführer im Bereich Projekt- und Schwerguttransport – und wir konnten den Erneuerungszyklus aus einer soliden finanziellen Position starten. Dies ermöglichte es uns, frühzeitig Schiffe bei den Werften zu besonders attraktiven Konditionen zu bestellen. Unsere Investoren, die sich an den Schiffen beteiligen, haben direkt davon profitiert.
Etwa die Hälfte unseres Programms ist inzwischen umgesetzt. Die zweite Hälfte folgt in den kommenden Jahren – sobald sich neue Chancen am Markt ergeben. Interessanterweise könnte uns der von Donald Trump angeheizte Handelskonflikt dabei in die Karten spielen.
Nach welchem Modell haben Sie die Investitionen strukturiert, um den permanenten Flottenumbau zu unterstützen?
Wir haben unser Investorenmodell angepasst. Einen Fonds aufzulegen, der rasch investiert werden muss, ergibt wenig Sinn. Wir ziehen ein flexibleres Modell vor: Unsere Anleger beteiligen sich gezielt – Schiff für Schiff, je nach Gelegenheit.
Was uns besonders auszeichnet: Die Familie Briese beteiligt sich an jedem Projekt im gleichen Umfang wie die externen Investoren – Dollar für Dollar. Dieses Co-Investment-Modell schafft Gleichklang der Interessen und schliesst Zielkonflikte effektiv aus.
Wie sehen moderne Schiffe der nächsten Generation konkret aus?
Die technischen Veränderungen verlaufen evolutionär – ein Schiff ist rund 25 Jahre im Einsatz. Eine der auffälligsten Neuerungen betrifft die Position der Brücke: Sie befindet sich nun vorne. Das schafft Platz auf dem Hauptdeck und ermöglicht ein deutlich höheres Ladevolumen, ohne die Sicht zu beeinträchtigen.
Für uns ist das strategisch entscheidend – schliesslich transportieren wir rund die Hälfte aller weltweit installierten Windkraftanlagen. Mit dem neuen Design passen auf ein gleich grosses Schiff etwa 30 Prozent mehr Rotorblätter. Auch bei der Antriebstechnik gab es Fortschritte: Die Hauptmaschinen werden heute vollständig elektronisch gesteuert – nicht mehr mechanisch –, was die Energieeffizienz spürbar verbessert.
Warum transportiert Briese jede zweite Windkraftanlage weltweit?
Mit 130 eigenen Schiffen und bis zu 40 zusätzlichen gecharterten Einheiten betreiben wir die weltweit grösste Flotte im Bereich Projekt- und Schwerguttransport. Diese kritische Masse verschafft uns bedeutende Skaleneffekte – sowohl bei der Verladung als auch bei der Kostenstruktur.
Die Windbranche ist hart umkämpft. Unsere Fähigkeit, zuverlässig zu liefern und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben, hat es Briese Schiffahrt ermöglicht, sich als führender Anbieter zu etablieren. Dieses Modell lässt sich kaum kopieren – es ist unser wirtschaftlicher Schutzgraben, unser „Moat“, wie Warren Buffett sagen würde.
Wie hat sich Ihr Beruf in den letzten Jahren verändert?
Das Crew-Profil an Bord hat sich gewandelt. Europäische Seeleute wurden zunehmend durch russische und ukrainische Offiziere auf der Brücke sowie philippinische Decksbesatzung ersetzt. Die Arbeit bleibt anspruchsvoll, die Schichten lang – daran hat sich wenig geändert.
Was mich persönlich beeindruckt: Trotz des Kriegs arbeiten russische und ukrainische Seeleute weiter Seite an Seite – ohne Spannungen, mit beeindruckendem Professionalismus. Das ist alles andere als selbstverständlich.
Welche Rolle spielen Digitaltechnik und KI in einer jahrtausendealten Branche?
Selbstverständlich ist auch in der gesamten Briese Gruppe KI ein Thema: Der Einfluss ist real – und wächst stetig. Immer mehr Systeme an Bord lassen sich aus der Ferne überwachen. Potenzielle Ausfälle erkennen wir frühzeitig – noch bevor sie entstehen. So verbessern wir die Einsatzzeiten unserer Schiffe erheblich.
Auch in der Navigation macht sich der technologische Fortschritt bemerkbar: Die Prognosen zu Wetter und Strömungen sind deutlich präziser geworden. Das hilft uns, effizientere Routen zu planen – und den Treibstoffverbrauch spürbar zu senken.
Welche Kunden und Projekte stehen für Sie im Fokus?
Das Motto unserer unternehmenseigenen Verladungsgesellschaft – BBC Chartering – lautet: Any Port. Any Cargo. Getreu diesem Leitspruch realisieren wir Lösungen für den Transport jeglicher Projekt- und Schwergüter von und zu nahezu allen Hochseehäfen weltweit. Aufgrund der besonderen Anforderungen dieser Güter sind wir stark in der Energiebranche engagiert – sowohl im traditionellen Öl- und Gassektor als auch in den Bereichen erneuerbare Energien, wie Windkraft- und Wasserstoff-Infrastruktur. Zu unseren typischen Kunden zählen unter anderem Unternehmen wie GE, Vestas, ABB und Siemens.
Darüber hinaus übernehmen wir auch umfangreiche Transporte für die Minenindustrie, beispielsweise von Bohrgeräten, Grosskippern und anderer Infrastruktur für Unternehmen wie BHP, Rio Tinto und Glencore. Ebenso befördern wir komplette Eisenbahnzüge – etwa von Schindler, Nahrungsmittel für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen sowie Yachten, die beispielsweise vom Mittelmeer in die Karibik verlegt werden. Eines unserer Schiffe, die BBC Pearl, hat z. B. auch das Piratenschiff «Black Pearl», bekannt aus Pirates of the Caribbean, zum Filmset in der Karibik gefahren.
Patric Käser
Briese Schiffahrt (Schweiz)
Patric Käser, Betriebsökonom FH, ist Geschäftsführer und Mitgründer der Briese Schiffahrt (Schweiz). Er berät und begleitet professionelle Investoren bei Ihren Beteiligungen an Hochsee-Frachtschiffen. Zuvor war er über zwanzig Jahre als Investmentbanker im In- und Ausland tätig, wo er seine Leidenschaft für die Transport- und Speditionsbranche entwickelte. Patric Käser ist langjähriges Mitglied der Wirtschaftskommission von SPEDLOGSWISS – Verband schweizerischer Speditions- und Logistikunternehmen.
Philipp Leibundgut
Briese Schiffahrt (Schweiz)
Philipp Leibundgut, Betriebsökonom FH, ist Verwaltungsratspräsident von Briese Schiffahrt (Schweiz). Er begann seine Karriere bei Hansa in Baar. Danach wechselte er in die Geschäftsleitung der Valartis Bank. Er war zudem Mitgründer von Eastern Property Holdings, einer an der SIX kotierten Immobiliengesellschaft, der er über mehrere Jahre als Verwaltungsrat verbunden blieb. Im Jahr 2016 begleitete er die Abwicklung von Massoel Shipping in Genf und entdeckte dabei den Markt für Multipurpose-Schifffahrt. In der Folge initiierte er eine Partnerschaft mit Briese Schiffahrt, dem weltweit führenden Unternehmen in diesem Segment, um ein Co-Investment-Angebot für den Schweizer Markt zu schaffen.
Sie werden auch mögen
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
RÉDACTION
redaction[at]sphere.swiss
PUBLICITÉ
advertise[at]sphere.swiss
ABONNEMENT
contact[at]sphere.swiss
ÉVÉNEMENTS
events[at]sphere.swiss
Postfach 1806
CH-1211 Genf 1
© 2023 Sphere Magazine
In einem eher schleppenden Arbeitsmarkt entwickeln sich die Gehälter unterschiedlich schnell. Die Verschärfung der regulatorischen Anforderungen treibt die Nachfrage – und die Vergütung – für Funktionen im Bereich Compliance und Kontrolle in die Höhe. Gleichzeitig führt die Automatisierung zu einem Rückgang der Support-Berufe und währenddessen werden durch KI die Anforderungen im IT-Bereich neu definiert. In dieser sich wandelnden Landschaft entstehen neue Profile, die Finanzen, Technologie, Daten und Nachhaltigkeit miteinander verbinden.
Von Jérôme Sicard
Wie würden Sie die aktuelle Lage auf dem Schweizer Markt beschreiben?
Der Schweizer Markt verzeichnet seit zwei Jahren eine deutliche Abschwächung, die im Gegensatz zum Aufschwung nach Covid in den Jahren 2022 und 2023 steht. Wir beobachten einen stagnierenden Arbeitsmarkt, insbesondere im Bankensektor, der sich in einer Konsolidierungsphase befindet. Privatbanken rationalisieren ihre Kosten ebenso wie unabhängige Vermögensverwalter. Hinzu kommt ein unsicheres makroökonomisches Umfeld, das durch anhaltende geopolitische Spannungen noch verschärft wird. Die Schweizer Wirtschaft bleibt widerstandsfähig, aber die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt lässt deutlich nach.
Was sind die wichtigsten Gehaltsunterschiede zwischen Genf und Zürich?
Die Gehälter in Zürich sind historisch gesehen höher, mit einer Differenz von durchschnittlich 15 % gegenüber Genf. Dies lässt sich durch die Grösse des Marktes, die Konzentration von Unternehmenszentralen und ein dichteres Wirtschaftsgefüge erklären. Allerdings sind auch die Lebenshaltungskosten höher, auch wenn die Steuerbelastung insgesamt geringer ist als in der Romandie.
Unterscheiden sich die gesuchten Profile in Bezug auf die Personal-beschaffung von Stadt zu Stadt?
Die Profile sind recht ähnlich, aber Zürich profitiert von einem breiteren Angebot aufgrund der dreimal so grossen Marktgrösse im Vergleich zu Genf. Investmentbanking und Vermögensverwaltung sind in Zürich dank der Nähe zur SIX Swiss Exchange und der hohen Konzentration grosser Finanzinstitute viel besser vertreten.
In Genf suchen Personalvermittler eher nach Profilen mit Schwerpunkt Private Wealth, wobei eine starke Nachfrage nach Private Bankern oder Wealth Plannern besteht. In Zürich sieht die Logik ganz anders aus. Die gesuchten Profile beziehen sich eher auf Corporate Banking, Sales & Trading oder auch das Management von Schlüsselkonten in einem institutionellen Umfeld. Die Funktion des Key Account Managers gewinnt dort an Bedeutung.
Die Funktionen im Zusammenhang mit dem Investment Banking konzentrieren sich fast ausschliesslich auf Zürich, und wir sehen auch eine klare Aufteilung der Support-Funktionen. In Genf gibt es eine gezielte Nachfrage nach Datenmanagement, verbunden mit oft flexibleren und integrierteren Strukturen. In Zürich konzentrieren sich die Einstellungen eher auf Operations Manager, Post-Trade-Spezialisten oder Collateral Analysts, die für grössere Organisationen tätig sind.
Diese unterschiedlichen Profile spiegeln zwei recht unterschiedliche Kulturen wider. Genf funktioniert oft mit kleineren, flexibleren Strukturen, einem internationalen Kundenstamm und kurzen Entscheidungswegen. Zürich hingegen ist Teil einer Welt institutioneller Konzerne mit komplexen Organigrammen, einer eher hierarchischen Kultur und einer starken Spezialisierung der Rollen.
Welche Profile sind tatsächlich am gefragtesten?
Profile in den Bereichen Compliance, KYC und Regulierung sind nach wie vor sehr gefragt. Darüber hinaus spielen kaufmännische Funktionen weiterhin eine zentrale Rolle: Privatbankiers, Vermögensverwalter, Sales in privaten Märkten oder im Asset Management, wobei eine echte Nachfrage nach Profilen besteht, die in der Lage sind, Einnahmen zu generieren.
Welche Funktionen waren früher sehr gefragt und sind es heute weniger?
Supportfunktionen – wie Backoffice, zentrale Datenverwaltung – sind heute weit weniger gefragt, was zum grossen Teil auf die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse zurückzuführen ist.
Welche Auswirkungen hatte die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS?
Diese Fusion hat eine beträchtliche Anzahl von Bewerbern auf den Markt gebracht – vor allem in der Deutschschweiz. Andere Privatbanken, Kantonalbanken oder Regionalbanken haben diese Gelegenheit genutzt, um sowohl neue Mitarbeiter als auch neue Kunden zu gewinnen. So haben ganze Teams das Unternehmen gewechselt, wodurch kleinere Akteure Marktanteile gewinnen konnten. Es ist jedoch zu beachten, dass die Organisation der Personalabteilung bei der Credit Suisse für den Arbeitsmarkt nicht immer leicht zu entschlüsseln ist, da es sehr spezialisierte Positionen und Bezeichnungen gibt, die ausserhalb des internen Rahmens der Bank manchmal unverständlich sind.
Welche Profile haben sich am schnellsten erholt?
Front-Office-Profile, insbesondere Privatbankiers, Anlageberater und Verwaltungsassistenten, die eine enge Beziehung zu ihren Kunden haben. Sie haben sich schnell erholt, oft im Team oder dank ihres Netzwerks.
Welche Rolle spielt KI bei der Transformation der Backoffice- und IT-Berufe?
KI beschleunigt eine Transformation, die bereits vor etwa zehn Jahren begonnen hat. Support-Berufe – Abstimmung, Berichterstattung, Buchhaltung usw. – nehmen tendenziell ab. In der IT entwickeln sich die Profile hin zu Kompetenzen in den Bereichen Daten, Cybersicherheit und Entwicklung von Tools, die KI integrieren.
Sind bestimmte Funktionen vom Verschwinden bedroht?
Ja, insbesondere solche, die auf sich wiederholenden oder standardisierbaren Aufgaben beruhen, wie im Backoffice oder im traditionellen Kundenservice. Diese Tätigkeiten werden zunehmend durch automatisierte Lösungen – Chatbots, algorithmische Verarbeitung – ersetzt oder in Outsourcing-Zentren im Ausland ausgelagert, oft in kostengünstigere Umgebungen. Diese bereits begonnene Entwicklung wird sowohl durch das Streben nach Effizienz als auch durch technologische Fortschritte vorangetrieben.
Welche neuen Berufsbilder werden entstehen?
Neue hybride Profile zwischen Finanzen, Technologien, Daten und Nachhaltigkeit. Datenanalysten, die sich beispielsweise auf Investitionen und KI-Technologien spezialisiert haben, haben eine vielversprechende Zukunft vor sich. Auch in den Bereichen Klimaanalyse, ESG-Modellierung oder Krypto-Regulierung entstehen hochspezialisierte und sehr gefragte Kompetenzen. Hochspezialisierte und umworbene Kompetenzen werden auch in den Bereichen Klimaanalyse, ESG-Modellierung oder Krypto entstehen.
Konkret gibt es dafür immer mehr Beispiele. Eine grosse Schweizer Bank hat kürzlich einen Digital Banking Lead ernannt, der die Entwicklung ihrer mobilen Schnittstelle der neuen Generation für vermögende Kunden leiten soll. In Genf stellen mehrere Finanzkanzleien nun Juristen ein, die auf Krypto-Regulierung spezialisiert sind, sei es im Rahmen von MiCA oder den FINMA-Anforderungen. Ebenfalls in Genf hat eine grosse Verwaltungsgesellschaft sogar einen Datenwissenschaftler eingestellt, um ihre ESG-Scoring-Modelle für börsennotierte Aktien zu verfeinern. Eine andere Privatbank hat ein spezielles ESG-Team aufgebaut und unter anderem eine Klimaanalystin eingestellt, die für die Modellierung des CO2-Fussabdrucks von Anlageportfolios zuständig ist.
Welche Kompetenzen müssen junge Absolventen entwickeln?
Technische Kompetenzen in Bezug auf Finanzprodukte, Daten und Programmierung in Verbindung mit soliden Sprachkenntnissen werden immer wichtiger, insbesondere in der Schweiz, wo Mehrsprachigkeit nach wie vor ein echter Vorteil ist.
Es gibt ein echtes Bewusstsein dafür, und wir beobachten eine positive Entwicklung in den Ausbildungsgängen, aber es ist noch ein langer Weg zu gehen. Schweizer Universitäten und Hochschulen wie die Universität Genf, die HEC Lausanne, die Universität St. Gallen oder die EPFL integrieren zunehmend Module zu nachhaltiger Finanzierung, Datenwissenschaft oder Finanztechnologien. Es entstehen auch neue gemischte Ausbildungsgänge, die Finanzen und Informatik oder Finanzen und nachhaltige Entwicklung miteinander verbinden.
Allerdings befindet sich der Studiengang noch in der Strukturierungsphase. Manchmal besteht eine Diskrepanz zwischen den akademischen Kompetenzen und den operativen Erwartungen des Marktes.
Investieren Arbeitgeber ausreichend in die Kompetenzentwicklung?
Leider nicht genug; weder in die Ausbildung neuer Mitarbeiter noch in die Weiterbildung der bereits beschäftigten Mitarbeiter. Es gibt einen echten Ausbildungsmangel bei den Berufseinsteigern, da aufgrund der Konsolidierung der Banken immer weniger Lehrlinge ausgebildet werden und die akademischen Hochschulausbildungen oft zu weit von der Praxis entfernt sind.
Wir beobachten einen ständigen Druck auf Produktivität und Ergebnisse. Dies veranlasst einige Arbeitgeber dazu, einer schnellen Integration den Vorzug vor der für die Kompetenzentwicklung erforderlichen langen Zeit zu geben. Investitionen in die Ausbildung sind ein wesentlicher Hebel zur Wertschöpfung, aber sie setzen eine langfristige Vision und Mittel voraus, über die nicht alle Unternehmen verfügen, insbesondere KMU, die in Bezug auf ihr Budget oft weniger gut ausgestattet sind als grosse Konzerne.
Haben NextGen-Profile andere Erwartungen?
Ganz klar ja! Sie suchen vor allem nach Sinn, Transparenz und einer echten Unternehmensstrategie. Neben dem Gehalt sind auch Flexibilität, Teilzeitarbeit, Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Work-Life-Balance entscheidende Kriterien. Laut unserer aktuellen Studie „Talent Trends 2025” steht Flexibilität für 87 % der jungen Talente ganz oben auf der Prioritätenliste. Sie erwarten von ihrem Arbeitgeber gelebte – und nicht nur proklamierte – Werte und vor allem eine auf Vertrauen basierende Kultur.
Julie Guittard
Michael Page
Julie Guittard ist Senior Managerin bei Michael Page und auf die Personalvermittlung im Bank- und Finanzdienstleistungssektor in der Westschweiz spezialisiert. Sie verfügt über mehr als 14 Jahre Erfahrung im Talentmanagement. Im Laufe ihrer Karriere hat sie Teams geleitet und eine Vielzahl von Positionen in den Bereichen Risiko, Compliance, Finanzen, Investitionen, Operations und Front Office für Privatbanken, Vermögensverwalter und Vermögensmanager bekleidet.
Mathieu Raynot
Michael Page
Mathieu Raynot kam 2014 zur Abteilung Banking & Financial Services von Michael Page in Genf. Seitdem hat er sich auf technische Berufe in den Bereichen Operations, Risiko & Compliance, Investitionen und Vermögensverwaltung für einen Kundenstamm spezialisiert, der unter anderem Privatbanken, Vermögensverwalter, Family Offices und Asset Managers umfasst. In diesen Finanzberufen begleitet Mathieu Raynot sowohl junge Absolventen wie auch erfahrene Fachkräfte. Darüber hinaus ist er an Schulen und in lokalen Wirtschaftskreisen tätig. Mathieu Raynot hat einen Master-Abschluss in Management mit Spezialisierung auf Geschäftsverhandlungen.
Sie werden auch mögen
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
RÉDACTION
redaction[at]sphere.swiss
PUBLICITÉ
advertise[at]sphere.swiss
ABONNEMENT
contact[at]sphere.swiss
ÉVÉNEMENTS
events[at]sphere.swiss
Postfach 1806
CH-1211 Genf 1
© 2023 Sphere Magazine
Mit der Neugestaltung ihrer Kerninfrastruktur gemeinsam mit WIZE hat Quilvest einen wichtigen Schritt in ihrer digitalen Transformation vollzogen. Das neue, hochmoderne Core Banking System setzt neue Standards im Private Banking – flexibler, integrierter und konsequent kundenorientiert. Simon Gassmann, Projektleiter, gibt einen detaillierten Einblick in das Vorhaben und erläutert die Entscheidungen, die diesen Wandel geprägt haben.
Von Jérôme Sicard
Was hat Quilvest (Switzerland) dazu veranlasst, das bestehende Kernbankensystem zu ersetzen?
Unser bisheriges System hatte seine natürlichen Grenzen erreicht. Es war zuverlässig, aber wenig flexibel – eine Plattform, die für eine Welt gemacht wurde, die es so nicht mehr gibt. Für ein Unternehmen wie unseres, das anspruchsvolle Kundinnen und Kunden, generationenübergreifende Familien sowie komplexe grenzüberschreitende Strukturen betreut, wurde diese Starrheit zunehmend zu einem Hindernis.
Jede neue Kundenstruktur, jede Ausnahme erforderte manuelle Workarounds. Das funktioniert vielleicht noch mit ein paar hundert Portfolios, aber sobald man darüber hinauswächst und mit steigenden regulatorischen, operativen und Reporting-Anforderungen konfrontiert wird, vervielfachen sich die Leistungsschwächen. Wir haben schnell erkannt, dass sukzessive Verbesserungen nicht ausreichen würden, um die nötige Agilität zu erreichen.
Die Frage war daher nicht, ob wir etwas ändern, sondern wie. Wir haben uns bewusst für einen mutigen Weg entschieden: den Aufbau eines Systems von Grund auf, das unsere Arbeitsweise vollständig widerspiegelt – und die zukünftigen Bedürfnisse unserer Kundschaft voraussieht.
Welche Funktionen oder Eigenschaften, die bestehende Lösungen nicht bieten, suchten Sie in einem neuen System?
Unsere erste Priorität war Flexibilität. Die meisten Standardlösungen funktionieren gut im Retail-Banking oder im klassischen Private Banking, scheitern jedoch häufig bei Strukturen mit mehreren Stakeholdern, Währungen und Jurisdiktionen. Wir benötigten eine Plattform, die konsolidierte Ansichten über Familienmitglieder, Trusts, Unternehmen und Stiftungen hinweg liefern kann – und das in Echtzeit, mit voller Transparenz und Datenintegrität.
Ein weiteres Kriterium war, dass wir alles selbst steuern konnten. Wir wollten die volle Kontrolle über unsere Daten, unsere Architektur und unseren technologischen Entwicklungsplan. Traditionelle Systeme erzwingen lange Upgrade-Zyklen und eine starke Abhängigkeit vom Anbieter. Wir strebten dagegen Unabhängigkeit und die Möglichkeit an, neue Module, APIs oder Drittanwendungen mit minimalem Aufwand integrieren zu können.
Wichtig war uns auch eine Benutzeroberfläche, die heutigen Standards entspricht: klare Strukturen, intuitive Navigation und direkter Zugriff auf relevante Informationen.
Ebenso entscheidend war die Integration. Das neue System musste nahtlos mit unserem PMS, CRM, unseren Compliance-Lösungen und Reporting-Tools kommunizieren. Daten sollten automatisch zwischen den Systemen fliessen – ohne Doppeleingaben und ohne fragmentierte Informationen.
Was waren die grössten Herausforderungen beim Aufbau eines Kernbankensystems von Grund auf?
Die grösste Herausforderung war nicht die Technik, sondern die Kultur. Wenn Sie intern ankündigen, dass Sie ein eigenes Kernbankensystem entwickeln wollen, zweifeln viele zuerst daran, dass das für ein Haus unserer Grösse realistisch ist. Wir mussten Überzeugung aufbauen und zeigen, dass Agilität ebenso wirkungsvoll sein kann wie die operative Grösse.
Technisch gesehen bestand die grösste Herausforderung darin, Prioritäten zu setzen. Wenn man bei Null anfängt, scheint alles möglich – aber man kann nicht alles gleichzeitig umsetzen. Wir konzentrierten uns zunächst auf die Kernfunktionen: Kundendaten, Transaktionen, Positionen, Abgleiche, Reporting. Alles Weitere wurde schrittweise ergänzt.
Wir arbeiteten nach agilen Methoden – mit iterativen Releases, konstanten Feedbackschleifen und einer engen Einbindung von Nutzerinnen und Nutzern aus allen Abteilungen. Das war entscheidend: Das Projekt wurde nicht aus der IT heraus entwickelt, sondern vom Business für das Business gestaltet.
Was wir allerdings unterschätzt haben, war der Aufwand für die Datenmigration. Die Bereinigung, Zuordnung und Validierung historischer Daten war ein eigenständiges Projekt. Doch sobald es abgeschlossen war, lohnte sich der Aufwand enorm – durch höhere Genauigkeit, Konsistenz und vollständige Nachvollziehbarkeit.
Welche zentralen Gründe haben Sie dazu veranlasst, WIZE als Partner für dieses Projekt zu wählen?
Wir haben verschiedene Optionen geprüft – traditionelle Anbieter, modulare Fintech-Lösungen und vollständig individuelle Entwicklungen. WIZE hob sich aus einem wesentlichen Grund ab: Sie verstehen Private Banking. Sie kamen nicht aus einer generischen IT-Logik, sondern aus der Welt der Vermögensverwaltung – und das war in den gemeinsamen Gesprächen ein grosser Unterschied. Sie haben sofort unsere Anforderungen begriffen: komplexe Kontostrukturen, konsolidiertes Reporting, Diskretion, Compliance.
Technologisch passte die Plattform von WIZE perfekt in unsere langfristige Vision von API-first, modular aufgebaut und skalierbar. Wir wollten ein System, das mit uns wächst – nicht eines, das uns einschränkt. Der entscheidende Unterschied war jedoch der partnerschaftliche Ansatz. Wir haben die Architektur gemeinsam aufgebaut, Zeile für Zeile. Dieses gegenseitige Vertrauen und Verständnis bildeten das Fundament des Projekts.
Mit welchen Argumenten konnten Sie den Verwaltungsrat von dieser Entscheidung überzeugen?
Die Entscheidung basierte auf einer Kombination aus strategischen, operativen und finanziellen Überlegungen. Strategisch ging es vor allem um die technologische Eigenständigkeit, die volle Kontrolle über unsere digitale Infrastruktur. Operativ ermöglichte das System eine deutliche Reduktion manueller Eingriffe und damit auch von Fehlerrisiken. Finanziell schufen wir so eine Grundlage für langfristige Effizienz. Ja, die Anfangsinvestition war hoch – aber sie fängt sich durch geringere Wartungskosten, höhere Produktivität und die Einsparung teurer Lizenzmodelle wieder ab.
Mir ist auch wichtig zu betonen, dass Technologie heute weit mehr ist als ein reiner Supportbereich – sie ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Kundinnen und Kunden, Behörden und Mitarbeitende erwarten Transparenz, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Eine moderne Core-Banking-Plattform unterstützt all das. Und nicht zuletzt half es, dass der Verwaltungsrat verstand, dass wir diese Herausforderung nicht allein angingen, sondern mit einem erfahrenen Partner wie WIZE – das war kein Wagnis, sondern ein klar strukturiertes Innovationsprojekt.
Was erfüllt Sie am meisten mit Zufriedenheit, wenn Sie auf das Projekt zurückblicken?
Zunächst die Einfachheit. Wir haben Schichten von unnötiger Komplexität entfernt und unsere Prozesse deutlich intuitiver gestaltet. Unsere Teams können sich wieder auf Kundinnen und Kunden konzentrieren, statt Systemprobleme zu beheben. Zweitens: das Gefühl der Eigenverantwortung. Alle empfinden das System als „unser System“. Es wurde für uns, von uns gebaut. Das schafft Identität.
Und schliesslich die Kulturveränderung: Viele Kolleginnen und Kollegen, die anfangs skeptisch waren, sind heute stolze Botschafter des Systems und bringen selbst Verbesserungsideen ein. Wenn Technologie ein Teil der Unternehmenskultur wird, haben Sie vieles richtig gemacht.
Wie lange hat das Projekt insgesamt gedauert?
Vom initialen Scope bis zur vollständigen Implementierung dauerte es rund zweieinhalb Jahre. Besonders die Migration benötigte viel Zeit – sie erfolgte schrittweise über mehrere Monate.
Wir haben diese Phase bewusst genutzt, um Daten zu bereinigen und Reporting-Strukturen zu harmonisieren. In vielerlei Hinsicht war die Migrationsphase selbst genauso wertvoll wie das neue System. Sie zwang uns, unsere Informationsstruktur zu überdenken und zu optimieren.
Angesichts des heutigen Reifegrades der WIZE-Plattform würden wir das gesamte Projekt – mit Migration – wahrscheinlich in weniger als einem Jahr abschliessen können.
Inwiefern unterscheidet sich dieses neue System von klassischen Legacy-Lösungen?
Legacy-Systeme sind transaktional – sie erfassen und speichern Daten. Unser System ist hingegen relational – es vernetzt, analysiert und antizipiert. Es wurde nicht nur dafür entwickelt, Operationen auszuführen, sondern auch Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Beispielsweise erhalten unsere Kundenberaterinnen und -berater in Echtzeit Transparenz über Exposures, Performance und Liquidität – über alle Entitäten hinweg.
Die Automatisierung war ein weiterer Wendepunkt. Abstimmungen, Reporting und Compliance-Prüfungen erfolgen heute weitgehend automatisiert. Was früher Stunden manueller Kontrolle erforderte, geschieht nun in Minuten. Und da das System modular aufgebaut ist, können wir jederzeit neue Funktionen integrieren – ESG-Daten, Private-Markets-Tracking, KI-gestützte Reportings – ohne das System neu aufbauen zu müssen.
Kurz gesagt: Wir haben uns von einer statischen Infrastruktur hin zu einer lebendigen Plattform entwickelt, die sich dynamisch an uns und unsere Kundschaft anpasst.
In welchem Ausmass sehen Sie diese technologische Transformation als Wachstumshebel für Quilvest?
Technologie ist längst kein reiner Supportbereich mehr – sie ist ein Wachstumstreiber. Mit der neuen Plattform können wir Kundinnen und Kunden schneller aufnehmen, effizienter skalieren und eine höhere Servicequalität zu geringeren Kosten bieten. Das ist ein direkter Wettbewerbsvorteil.
Doch darüber hinaus geht es um Wirkung. Kundinnen und Kunden erkennen, dass wir in Innovation investieren – das schafft Vertrauen. Besonders jüngere Generationen erwarten digitale Souveränität und volle Transparenz. Mit der neuen Plattform positionieren wir uns als zukunftsorientierte, anpassungsfähige Institution.
Sie ist auch ein entscheidender Faktor für die Talentgewinnung. Die besten Fachleute wollen in Umgebungen arbeiten, in denen Technologie sie unterstützt – nicht ausbremst. Diese Transformation sendet sowohl nach innen als auch nach aussen eine klare Botschaft: Quilvest investiert in die Zukunft.
Simon Gassmann
Quilvest (Switzerland)
Simon Gassmann begann seine Karriere als Softwareentwickler und trat dann in die Dienste von Quilvest (Switzerland) ein, wo er verschiedene Positionen bekleidete, bevor er 2007 zum CIO befördert wurde. Als Leiter der IT-Abteilung fungiert er auch als IT-Berater für die verschiedenen Unternehmen der Quilvest-Gruppe. Simon Gassmann hat einen Abschluss in Informatik von der Fachhochschule OST.
Sie werden auch mögen
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
RÉDACTION
redaction[at]sphere.swiss
PUBLICITÉ
advertise[at]sphere.swiss
ABONNEMENT
contact[at]sphere.swiss
ÉVÉNEMENTS
events[at]sphere.swiss
Postfach 1806
CH-1211 Genf 1
© 2023 Sphere Magazine