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  • Interview mit Laurent Forestier
  • Chief Operating Officer
  • AtonRâ

„Eine Anlageidee schnell in ein kohärentes Portfolio überführen“

Fundy, entwickelt von AtonRâ, einem Pionier der thematischen Investments in der Schweiz, ist eine auf künstlicher Intelligenz basierende Plattform, die darauf ausgelegt ist, Vermögensverwalter in den Phasen der Recherche, Analyse und Portfolio­strukturierung gezielt zu unterstützen. Ziel ist es, die operative Komplexität und den Zeitaufwand für Analysen zu reduzieren und gleichzeitig die Kohärenz und Verständlichkeit der Allokationen zu verbessern.

Von Jérôme Sicard

Auf welche konkreten Bedürfnisse wollten Sie mit der Gründung und dem Ausbau von Fundy reagieren?

Fundy ist aus einer sehr einfachen Beobachtung entstanden, die viele Fachleute aus der Vermögensverwaltung teilen. Asset Manager und Berater haben heute Zugang zu mehr Informationen als je zuvor, verfügen jedoch häufig nicht über die Zeit und die passenden Werkzeuge, um diese effizient zu nutzen. Zwischen Recherche, Analyse, Portfolioaufbau und der verständlichen Vermittlung gegenüber den Kunden besteht ein hohes Risiko, an Kohärenz, Reaktionsfähigkeit oder Klarheit zu verlieren.

Mit Fundy wollten wir daher drei sehr konkrete Bedürfnisse adressieren. Erstens: die Recherche- und Portfolioaufbauphase deutlich zu beschleunigen, ohne dabei auf analytische Stringenz zu verzichten. Zweitens: Vermögensverwaltern zu ermöglichen, ihre Investmentthesen – sei es thematisch, sektoral, geografisch oder quantitativ – klar, messbar und reproduzierbar zu strukturieren. Drittens: ihnen mehr Freiheit zurückzugeben, indem wir starre Rahmenwerke oder Lösungen vermeiden, die Investoren in vordefinierte Produkte einsperren.

Fundy verfolgt das Ziel, eine integrierte und reibungslose Arbeitsumgebung bereitzustellen, die es erlaubt, eine Investmentidee rasch in ein kohärentes, erklärbares und auch kommerziell nutzbares Portfolio zu überführen. Ein wichtiger Punkt dabei: Der Vermögensverwalter oder sein Kunde behält seine bestehende Bankbeziehung. Fundy liefert die Intelligenz – nicht die Verwahrung der Vermögenswerte.

Wie würden Sie Fundy heute einem Vermögensverwalter in wenigen Sätzen erklären?

Fundy ist eine professionelle Plattform, die den Vermögensverwalter entlang des gesamten Investmentprozesses begleitet – von der ersten Idee bis zum finalen Portfolio. Konkret ermöglicht sie es, von einer Intuition oder Überzeugung auszugehen und diese sehr schnell in ein tatsächlich investierbares Portfolio zu übersetzen.

Anschliessend bietet die Plattform eine umfassende Analyse dieses Portfolios, indem sie Risiko- und Performanceprofile detailliert auswertet und in Relation zu relevanten Alternativen oder Benchmarks setzt – in Sekunden statt in Tagen..

Was sind die zentralen Funktionen von Fundy?

Die Funktionalitäten von Fundy basieren auf vier zentralen Säulen, die eng an den Arbeitsalltag von Vermögensverwaltern angelehnt sind. Zunächst bietet die Plattform eine strukturierte Research-Funktion, die darauf ausgelegt ist, Anlagechancen schnell zu identifizieren und die Investmentüberlegungen zu unterstützen. Anschliessend ermöglicht sie den Aufbau und die laufende Anpassung von Portfolios, indem Überzeugungen direkt in konkrete Allokationen übersetzt werden.

Kurzfristig wird Fundy zudem die sofortige Optimierung von Multi-Asset-Portfolios über mehr als 54’000 Instrumente (Aktien, Obligationen, Krypto-Assets, Rohstoffe) in weniger als zwei Sekunden ermöglichen.

Darüber hinaus integriert Fundy Tools zur Generierung von Investmentideen, um neue Themen zu erschliessen und alternative Szenarien zu entwickeln. Unsere relationale Intelligenz (Graph Intelligence) identifiziert verborgene Korrelationen innerhalb von Lieferketten und Wettbewerbsdynamiken, die klassische Tools nicht erfassen – in einem Ansatz, der zugleich rigoros und flexibel ist.

Welches Anlageuniversum deckt Fundy heute ab?

Aktuell deckt Fundy mehr als 54’000 Instrumente ab, hauptsächlich Aktien, ohne geografische Einschränkungen, und ermöglicht damit eine wirklich globale Sicht auf die Märkte. Gleichzeitig legt die Plattform einen besonderen Fokus auf bestimmte Themenbereiche wie Technologie, Gesundheitswesen oder die grossen Energietransformationen, da diese zunehmend die langfristigen Allokationsentscheidungen prägen.

Zudem berücksichtigt Fundy gezielt Small- und Mid-Cap-Segmente, die von traditionellen Tools oft nur unzureichend abgedeckt werden.

Wie viele Selektionskriterien wenden Sie pro Unternehmen an?

Jedes Unternehmen wird anhand mehrerer Dutzend Kriterien analysiert. Diese kombinieren klassische Finanzkennzahlen mit Risiko- und Liquiditätsindikatoren sowie sektoralen und thematischen Kriterien. Für die von uns entwickelten Themen integrieren wir zusätzlich qualitative Daten, die nach unserer eigenen Klassifikationsmethodik strukturiert sind. Ziel ist es nicht, möglichst viele Filter anzuhäufen, sondern eine kohärente, verständliche und im Entscheidungsprozess direkt nutzbare Analyse zu liefern.

Wo schafft Künstliche Intelligenz bei Fundy den grössten Mehrwert?

KI kommt zunächst bei der Strukturierung und Klassifikation der Daten zum Einsatz. Sie hilft dabei, komplexe Informationsmengen in verständliche und verwertbare Elemente zu übersetzen. Darüber hinaus beschleunigt sie die Analysephasen erheblich. Zur Einordnung: Eine Analyse auf institutionellem Niveau, die früher mehrere tausend Franken und mehrere Tage Arbeit erforderte, kann heute on demand für wenige Franken und in wenigen Sekunden erstellt werden.

Zudem spielt KI eine wichtige Rolle bei der Generierung von Investmentideen, indem sie neue Denkräume eröffnet. Sie ist jedoch nicht dazu gedacht, Entscheidungen anstelle des Vermögensverwalters zu treffen, sondern dessen Fähigkeiten gezielt zu erweitern.

Planen Sie langfristig eine Ausweitung auf Fixed Income?

Fixed Income ist in unserem Anlageuniversum bereits teilweise abgedeckt. Wir arbeiten kontinuierlich an einer Erweiterung, wobei diese Anlageklasse spezifische Herausforderungen mit sich bringt – insbesondere hinsichtlich Datenqualität, Liquidität und Instrumentenstrukturierung. Statt das Universum zu schnell auszudehnen, setzen wir auf einen schrittweisen Ausbau mit dem Ziel, zu gegebener Zeit ein Qualitäts-, Kohärenz- und Analyse-Niveau zu erreichen, das demjenigen im Aktienbereich entspricht.

Auf welchem Geschäftsmodell basiert Fundy?

Derzeit ist Fundy für unsere Beta-Nutzer kostenlos zugänglich, da wir uns noch in einer fortgeschrittenen Testphase befinden. Der offizielle Markteintritt ist für das erste Quartal 2026 geplant. Langfristig streben wir ein B2B-Modell an, das stark von den angebotenen Funktionalitäten abhängen wird – unabhängig davon, ob sich diese an unabhängige Vermögensverwalter, Privatbanker, Family Offices oder institutionelle Investoren richten.

Worin unterscheidet sich Fundy von Robo-Advisors oder bestehenden Plattformen?

Der Unterschied ist grundlegend. Robo-Advisors bieten standardisierte Allokationen, häufig beschränkt auf ETFs, und funktionieren meist als „Black Box“. Fundy hingegen gibt dem Vermögensverwalter die volle Kontrolle. Er entwickelt seine eigene Strategie, wählt die Instrumente selbst aus und setzt die Transaktionen mit einem Klick über seinen bestehenden Verwahrer um.

Welches sind Ihre nächsten Schritte?

Unser vorrangiges Ziel ist es, die Nutzung von Fundy bei Vermögensverwaltern weiter zu beschleunigen, indem wir die Sichtbarkeit erhöhen und den täglichen Einsatz fördern. Parallel dazu bauen wir die Analyse- und Optimierungsfunktionen weiter aus und legen dabei grossen Wert auf Einfachheit, Geschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit der Plattform.

Zudem arbeiten wir an Integrationen mit bestehenden Tools der Vermögensverwalter, wie etwa PMS-Systemen, Execution-Plattformen oder Partnerlösungen zur Produktstrukturierung.

Wie wird sich die Portfolio-Konstruktion und -Verwaltung Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren entwickeln?

Wir bewegen uns klar in Richtung einer zunehmend personalisierten Vermögensverwaltung, getrieben durch den Ausbau von Advisory-Dienstleistungen und steigende Anforderungen der Kunden an Transparenz. Anlageentscheidungen müssen künftig nicht nur Performance liefern, sondern auch nachvollziehbar, transparent und begründbar sein.

In diesem Umfeld werden Technologie und Künstliche Intelligenz zu unverzichtbaren Entscheidungsunterstützungstools, ohne jedoch die Rolle des Vermögensverwalters zu ersetzen. Gleichzeitig dürfte die Bedeutung stark standardisierter oder rein indexbasierter Produkte zurückgehen – zugunsten massgeschneiderter Lösungen, die auf individuellen Überzeugungen und spezifischen Kundenrestriktionen basieren, bei deutlich wettbewerbsfähigeren Kosten.

Laurent Forestier

Atonrâ

Laurent Forestier ist seit fünf Jahren als Chief Operating Officer bei Atonra tätig. Nach seinem beruflichen Einstieg in der Aluminiumindustrie wechselte er 2001 zu Lombard Odier, wo er zunächst als Senior Project Manager arbeitete und ab 2011 von Montréal aus die nordamerikanischen Aktivitäten leitete. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz trat er 2016 Edmond de Rothschild bei, wo er für das Client & Business Management der Schweizer Privatbank verantwortlich war. Laurent Forestier verfügt über einen MSc in Ingenieurwissenschaften der ETH Zürich.

 

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