LEADERS

  • Interview mit Sylvia Demeyrier
  • Head of Marketing & Communication
  • Banque Heritage

« Eine starke Marke setzt sich durch ihre Stimmigkeit durch und entsteht geduldig über die Zeit. »

Als drittplatzierte Bank im SPBIX baut Banque Heritage ihr Branding auf Kohärenz und Langfristigkeit auf. In einem Umfeld, in dem sich die Botschaften zunehmend angleichen, setzt sie bewusst auf die Übereinstimmung von Identität, Positionierung und gelebter Praxis. Sylvia Demeyrier erläutert eine über die Zeit entwickelte Herangehensweise, bei der Stimmigkeit zum zentralen Differenzierungsfaktor wird.

Von Jérôme Sicard

Banque Heritage hat im SPBIX den dritten Platz erreicht, einem Index, der bewertet, wie Schweizer Banken ihre Markenidentität aufbauen. Was genau misst dieser Index?

Der SPBIX ist ein jährlich erhobener Index, der analysiert und bewertet, wie rund sechzig Schweizer Privatbanken ihre Identität zum Ausdruck bringen und konkret umsetzen. Er misst die Kohärenz zwischen Positionierung, Purpose, Werten, Kultur und Kommunikation, um jene Institute zu identifizieren, die sich tatsächlich differenzieren können.

Welche Hauptkriterien werden im SPBIX berücksichtigt?

Der Index basiert auf rund dreissig Kriterien, die sich auf zwei komplementäre Dimensionen verteilen: Identity und Activation. Die Dimension Identity analysiert die Grundlagen der Marke, während Activation deren Umsetzung misst. Erstere bewertet insbesondere die Klarheit der Positionierung, die Relevanz des Purpose und die Kohärenz der Werte. Letztere fokussiert auf deren konkrete Verankerung in Kultur, Teams und Kommunikation.

Wie haben Sie diesen hervorragenden dritten Platz erreicht?

Diese Auszeichnung ist das Ergebnis einer sechsmonatigen Grundlagenarbeit, die in enger Zusammenarbeit mit dem Marketing- und Kommunikationsteam, verschiedenen Mitarbeitenden, dem Executive Committee und unserem Chairman durchgeführt wurde.

Wir haben uns bewusst auf das Wesentliche zurückbesonnen: unsere unternehmerische Verankerung, die Geschichte der Gründerfamilie – seit Langem im Rohstoffsektor tätig – sowie unsere Ursprünge als Family Office.

Dabei ging es nicht nur um Rückblick, sondern auch darum, unsere strategische Ausrichtung zu schärfen, unsere Ziele zu präzisieren und darzulegen, wie wir uns in einem sich stark wandelnden Umfeld weiterentwickeln wollen.

Unser Purpose – Sharing Success – bringt dies direkt zum Ausdruck. Ziel ist es, das, was den Erfolg der Gründerfamilien geprägt hat, in den Dienst unserer Kunden zu stellen. So verbinden wir Herkunft und Ambition.

Wie definieren Sie Branding für eine Bank wie Heritage?

Es geht nicht um Ästhetik, sondern um Alignment – zwischen dem, was man ist, sagt und tut. Es bedeutet auch, eine klare Position einzunehmen. Wir wollen nicht allen gefallen und nicht alles abdecken. Nur so bleiben wir wirklich relevant. Das ist eine bewusste Entscheidung – und sie erfordert Verzicht. Wer alle ansprechen will, sagt am Ende nichts mehr. Eine starke Marke hingegen weiss genau, wen sie anspricht und warum. Bei Heritage richten wir uns in erster Linie an Unternehmer und Unternehmerfamilien, die eine Bank suchen, die die Logik der Wertschöpfung hinter ihrem Vermögen versteht – und nicht nur dessen Verwaltung.

Sie haben kürzlich an der Markenwahrnehmung der Bank gearbeitet. Was stand dabei im Fokus?

Wir wollten das Bild einer traditionellen Privatbank hin zu einem dynamischen Partner weiterentwickeln, der mit seinen Kunden mitdenkt und an ihrer Seite handelt. Unser Name Heritage ist eine Stärke – sehr aussagekräftig, fast selbsterklärend. Gleichzeitig kann er jedoch auch eine zu konservative Wahrnehmung erzeugen. Deshalb haben wir unseren Auftritt neu ausgerichtet, hin zu mehr Modernität. Wir sind von einer impliziten Haltung – „wir sind schon lange da“ – zu einem aktiveren Versprechen übergegangen: „wir begleiten Sie dabei, voranzukommen und zu prosperieren – über Generationen hinweg.“

Zugleich haben wir eine zentrale Überzeugung bekräftigt: Private Banking ist in erster Linie ein People Business. Wir wollen nachhaltige emotionale Verbindungen schaffen und zeigen, dass hinter Zahlen und Analysen vor allem Menschen stehen – mit Empathie, Nähe und echtem Engagement.

Wie sollen Kunden und Interessenten Heritage wahrnehmen?

Als ein solides, engagiertes Haus, das hält, was es verspricht – und vor allem als eine Bank, die unternehmerische Realitäten versteht und Entscheidungen begleitet, die Vermögen langfristig prägen. Als eine Bank, die versteht, hinterfragt, wenn nötig, und an Ihrer Seite handelt – ohne Standardlösungen, sondern mit individuell entwickelten Antworten, geprägt von einer klar unternehmerischen Logik. Think. Act. Thrive. Das ist kein Slogan, sondern die Erfahrung, die wir bieten.

Auf welchen Pfeilern basiert Ihr Markenauftritt heute?

Wir stützen uns auf drei zentrale Pfeiler: Unabhängigkeit, gewährleistet durch unsere familiäre Struktur und offene Architektur. Langfristige Perspektive, tief verankert in unserer DNA als Familienunternehmen. Nähe, die es uns ermöglicht, wirklich differenzierende Beziehungen zu unseren Kunden aufzubauen.

Auf den ersten Blick nichts Neues – entscheidend ist jedoch die konsequente Umsetzung. Diese zeigt sich in unserer Governance, unserer offenen Architektur und der echten Nähe zwischen unseren Teams und den von uns betreuten Familien.

Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Elemente für den Aufbau einer starken Marke im Finanzsektor?

Zunächst Glaubwürdigkeit – sie basiert auf Kompetenz.
Dann Konstanz, die Glaubwürdigkeit in Vertrauen überführt. In einem sich ständig wandelnden Umfeld ist die Marke oft der stabilste Anker.

Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie dient nicht nur der Verbreitung von Botschaften, sondern bringt zum Ausdruck, was ein Unternehmen wirklich ist und wie es sich entwickelt. In gewisser Weise spiegelt der Markenwert auch die Energie eines Unternehmens wider – die Energie, die es freisetzt und nach aussen trägt.

Gerade in unsicheren Zeiten offenbart Kommunikation grundlegende Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Vertrauen und Ausdauer. Eine starke Marke versucht nicht zu gefallen. Sie setzt sich durch ihre Stimmigkeit durch – und entsteht über die Zeit.

Welche Werte sind für Sie entscheidend?

An erster Stelle Authentizität. Wir müssen im Einklang mit dem stehen, was wir sind – ohne Inszenierung. Das beginnt bei der Führung, denn eine Marke kann nur dann wirken, wenn sie täglich gelebt wird.

Dann Verantwortung. In unserer Struktur trägt jeder Mitarbeitende Verantwortung für seinen Beitrag – jede Interaktion zählt. Und schliesslich Anspruch – in der Reflexion wie in der Umsetzung. Am Ende geht es immer um Kohärenz.

Wie wollen Sie die Positionierung der Banque Heritage weiterentwickeln?

Die Entwicklung ist bereits im Gange. Wir wollen unsere Klarheit und Einzigartigkeit weiter stärken, ohne uns von unserer Identität zu entfernen – einer unabhängigen, unternehmerisch geprägten Bank mit langfristigem Fokus auf Vermögensaufbau, -strukturierung und -übertragung.

In einem Umfeld, in dem sich Angebote zunehmend angleichen, liegt der Unterschied weniger im Angebot selbst als in dessen Umsetzung – und in der Art, wie es kommuniziert wird. In einem gesättigten Markt wird Klarheit zur Differenzierung – und damit zu einem entscheidenden Vorteil.

Sylvia Demeyrier

Banque Heritage

Sylvia Demeyrier leitet den Bereich Marketing & Communications der Banque Heritage in Genf. Sie verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in Marketing, Markenstrategie und Kommunikation in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Rohstoffe und Luxus, unter anderem bei Edmond de Rothschild, Cargill und Unilever. Sie ist Absolventin der ESSEC in Paris, besitzt einen MBA des IFM in Genf und hat ein Executive Leadership-Programm an der INSEAD absolviert.

Die Top 10 des Switzerland SPBIX 2026

  1. Pictet
  2. Piguet Galland
  3. Banque Heritage
  4. UBS
  5. PKB Private Bank
  6. Vontobel
  7. Zürcher Kantonalbank
  8. Graubündner Kantonalbank
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  10. Mirabaud

 

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