KI-Umfrage
Dr. Tatiana Agnesens
Prof. Dr. Manfred Stüttgen
« Eine präzise Bestandsaufnahme des KI-Einsatzes bei unabhängigen Vermögensverwaltern. »
Der Markteintritt des US-Unternehmens ist die bedeutendste Transaktion im Schweizer Wealth Management seit Jahren. Die Konsolidierungswelle, die das amerikanische Wealth Management erfasst hat, ist in der Schweiz angekommen.
Von Florian Schwab, Publishing director, Finews
Die Genfer Bedrock Group gehört seit Jahren zu den angesehensten Namen im Schweizer Markt für unabhängige Vermögensverwalter. Das Unternehmen mit Niederlassungen in Genf, London, Monaco und Lissabon zählt mit einem verwalteten Kundenvermögen von 8,4 Milliarden Franken zu den grössten seiner Art der Schweiz. Gegründet wurde es 2004 von Ariel Arazi, Maurice Ephrati und David Joory, die es bis heute leiten — mit einem konsequenten Family-Office-Ansatz als Markenzeichen.
Ein anderer und weitaus dramatischerer Weg
2017 hatte Bedrock Pläne zur Expansion nach Zürich unter Federführung von Alexander Classen angekündigt, der inzwischen Präsident von EFG International ist. Aus dieser Expansion wurde letztlich nichts. Stattdessen schlägt Bedrock nun einen weitaus dramatischeren Weg ein: Der Anschluss an Corient, den in Miami beheimateten Wealth-Management-Giganten, der nach eigener Überzeugung im Begriff ist, den weltweit ersten echten globalen Vermögensverwalter aufzubauen.
Corient, Stonehage Fleming, Stanhope — und jetzt Bedrock
Am Donnerstag gab Corient die Übernahme von Bedrock bekannt. Das Genfer Unternehmen stösst damit zu einem Verbund, der bereits Stonehage Fleming — den grössten unabhängigen Vermögensverwalter Europas — und die Londoner Stanhope Capital Group umfasst. Letztere wurde von Daniel Pinto gegründet und unterhält seit vielen Jahren ein Büro in Genf.
Die drei Transaktionen zusammen vergrössern die verwalteten Vermögen von Corient um rund 220 Milliarden Dollar auf knapp 468 Milliarden Dollar. Nach Abschluss aller Deals entsteht ein globales Unternehmen mit rund 12’000 Mitarbeitenden.
Die Architekten des Deals
Im Schweizer Wealth Management ist der Corient-Einstieg die bedeutendste Transaktion seit Jahren. Einen unabhängigen Vermögensverwalter vergleichbarer Dimension hat es hierzulande bislang nicht gegeben.
Finews hatte Gelegenheit, ausführlich mit den beiden Männern zu sprechen, die Corients europäische Expansion vorantreiben. Kurt MacAlpine, 44, ist Gründungspartner und Chief Executive Officer von Corient. Das Unternehmen gründete er 2020, nachdem er zuvor die Transformation von CI Financial geleitet, bei WisdomTree die globale Distribution verantwortet und fast ein Jahrzehnt als Partner bei McKinsey verbracht hatte, wo er die nordamerikanische Asset-Management-Beratung leitete.
Eine transatlantische Strategie
MacAlpine hat seine Karriere damit verbracht, die strukturellen Schwächen des Wealth Management zu analysieren — und ist überzeugt, einen Weg gefunden zu haben, sie zu beheben.
Pinto, 58, gründete Stanhope Capital 2004 und baute es zu einer der grössten unabhängigen Wealth-Management-Gruppen Europas aus. Der Harvard-Absolvent leitete zuvor ein von CVC unterstütztes Risikokapitalunternehmen und verbrachte sieben Jahre bei UBS Warburg im Bereich Corporate Finance.
Das Problem, das sie lösen wollen
Pinto ist auch Buchautor: Sein Werk «Capital Wars» untersuchte die neue Ost-West-Herausforderung für unternehmerische Führung. Mehrfach ausgezeichnet — unter anderem als einer der fünf besten Vermögensverwalter Grossbritanniens durch Spear’s — wird er im Zuge der im September 2025 angekündigten Transaktion Partner und Chief Executive für EMEA bei Corient.
Hinter der Expansionslogik steht bei MacAlpine eine klare Diagnose: «Ich persönlich glaube nicht, dass es heute wirklich globale Vermögensverwalter gibt», sagt er. «Es gibt Anbieter mit Büros in verschiedenen Ländern — aber keiner betreut Familien über Grenzen hinweg auf wirklich integrierte Weise.»
Reibungsverluste an jeder Grenze
Das strukturelle Problem sitzt tief. «Ob es die Struktur der Banken ist, mit denen sie zusammenarbeiten, die Vergütungssysteme, die Zusammenarbeit erschweren, oder andere Interessenkonflikte — all das verhindert, dass Kunden eine wirklich globale Erfahrung machen», sagt MacAlpine. Er veranschaulicht das mit einem einprägsamen Beispiel. «Wenn eine Familie mit einem Milliardenvermögen beschliesst, alle Assets in einer einzigen Jurisdiktion zu konsolidieren, vervierfacht der dortige Berater seine Vergütung — und alle anderen, die den Kunden betreuen, gehen leer aus. Das ist keine Struktur, die sich für wirklich globale Kundenteams eignet.»
Grösse als Investitionsvoraussetzung
Pinto beleuchtet dasselbe Problem aus einem anderen Blickwinkel — einem, der im Schweizer Kontext besonders relevant ist, wo rund 1’300 unabhängige Vermögensverwalter neben einigen der wichtigsten Privatbanken der Welt tätig sind.
«Der Vermögensverwaltungsmarkt ist hantelförmig», sagt er. «Auf der einen Seite stehen die Banken — mit allen erdenklichen Ressourcen, aber zu vielen Interessenkonflikten. Auf der anderen Seite gibt es Hunderte unabhängiger Anbieter ohne diese Konflikte — darum florieren sie. Aber ihnen fehlt die Grösse, um global zu investieren und Zugang zu den besten Fonds und Strategien zu erhalten.»
Das Beste beider Welten
Sein Fazit ist klar. «Lasst uns das Beste aus beiden Welten vereinen: die Stärken der unabhängigen Vermögensverwaltung — Interessengleichheit, Servicequalität, vollständige Hingabe an die Kunden — kombiniert mit der Grösse, die es uns ermöglicht, vermögende Kunden besser zu betreuen. Diese Mitte ist für mich das Nonplusultra.»
Die globale Expansion hat MacAlpine nicht überstürzt. Corient verbrachte mehr als fünf Jahre damit, sein Modell in den USA zu etablieren, bevor es den europäischen Schritt wagte — und dafür mussten drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein.
Die Bedingungen für den globalen Schritt
«Die erste war echte lokale Grösse in jedem Markt, in dem wir tätig sind», erklärt MacAlpine. «Die zweite war echte Mehrjurisdiktionsfähigkeit — die Möglichkeit, Kunden dort zu betreuen, wo sie heute leben und künftig leben werden. Und die dritte war die Globalisierung unserer einzigartigen Professional Services Partnership, der ersten ihrer Art in der Vermögensverwaltung.» Diese Partnerschaftsstruktur ist Corients markantestes Merkmal. Anders als bei traditionellen Wealth Managern oder den grossen Privatbanken werden Berater bei Corient kollektiv vergütet — nicht individuell. Es gibt keinen Anreiz, Kundenbeziehungen zu horten, keine Reibung, wenn Familienvermögen über Grenzen bewegt wird. «Wir wollen das erste Unternehmen sein, das globale Familien wirklich betreuen kann — egal wo sie leben, überall auf der Welt, ohne jegliche Reibungsverluste», sagt MacAlpine.
Die Schweiz als globaler Hub
Die Bedrock-Übernahme hält wichtige Lektionen für die gesamte Schweizer Vermögensverwaltungsbranche bereit. Die Schweiz ist für Corient nicht einfach ein weiterer Markt in der europäischen Expansion — sie ist einer von nur zwei Standorten, die das Unternehmen als echten globalen Hub betrachtet.
«Wir sehen die Schweiz als Hub, der die Bedürfnisse globaler Kunden erfüllen kann — ob aus Europa, dem Nahen Osten oder Lateinamerika. London und die Schweiz sind die einzigen Orte in Europa, die als globale Hubs herausragen», erklärt Pinto.
200 Mitarbeitende in der Schweiz
Der kombinierte Schweizer Fussabdruck der drei Transaktionen ist beeindruckend. Stanhope Capital und Stonehage Fleming bringen zusammen bereits rund 160 Mitarbeitende in Genf, Zürich und Neuenburg. Bedrock fügt rund 40 weitere in Genf hinzu. Das Ergebnis: eine Schweizer Operation von rund 200 Mitarbeitenden unter dem Dach von Corient — eine Grösse, die nach Massstäben der hiesigen Branche ohne Präzedenzfall ist. Die grössten unabhängigen Anbieter beschäftigen typischerweise 50 bis 60 Personen. Corient wird viermal so gross sein.
Eine Marke, ein Unternehmen
Pinto stellt auch die verbreitete Annahme in Frage, dass Grösse und Qualität im Widerspruch stehen. «Viele verbinden Grösse mit geringerer Qualität. Wir sehen das genau umgekehrt. Mit der entsprechenden Grösse — und den Möglichkeiten, die KI bietet — lässt sich auch im grossen Massstab ein erstklassiges Kundenerlebnis schaffen.» Sämtliche angeschlossenen Bereiche werden unter einer einzigen Marke operieren. Stanhope Capital, Stonehage Fleming, Bedrock — sie alle werden zu Corient. «Wir werden weltweit eine einzige Marke führen», sagt MacAlpine. «Stanhope wird ab Tag eins Corient sein, Stonehage Fleming wird ab Tag eins Corient sein, Bedrock wird ab Tag eins Corient sein.»
Weitere Schritte in der Schweiz geplant
Die Gründer von Bedrock — Arazi, Ephrati und Joory — werden neben MacAlpine, Pinto und mehr als 250 anderen zu Partnern in der Corient-Partnerschaft. Diese Kapitalbeteiligung ist laut Corient der entscheidende Mechanismus, der die Interessen aller Beteiligten mit jenen der Kunden in Einklang bringt. Dass das Schweizer Kapitel damit abgeschlossen ist, lassen weder MacAlpine noch Pinto erkennen. Auf die direkte Frage, ob der Akquisitionshunger in der Schweiz gestillt sei, ist MacAlpine unmissverständlich: «Wir werden weiter wachsen — organisch wie anorganisch. Die Schweiz ist ein fantastischer Heimmarkt und ein unglaublicher globaler Hub. Unser Ziel ist es, hier eine starke Position aufzubauen.»
Der Blick nach vorn
Für eine Branche, die seit jeher von Fragmentierung, Boutique-Grösse und einem ausgeprägten Stolz auf die Unabhängigkeit geprägt ist, ist dies ein Signal: Mit ihrer einzigartigen Kombination aus einheimischem Vermögen, internationaler Kundenbasis und gut ausgebauter Finanzinfrastruktur nimmt sie in der Vision von Corient einen zentralen Platz ein.
Die Bedrock-Transaktion sowie die Übernahme von Stanhope Capital Group unterstehen noch dem Vorbehalt behördlichen Genehmigungen.
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Über Jahrzehnte folgte der Aufbau von Portfolios einer einfachen Formel: Aktien kaufen, Anleihen hinzufügen und auf deren Diversifikationseffekt setzen. Lange funktionierte dies bemerkenswert gut. Heute gerät dieses Konzept zunehmend unter Druck, und Sachwerte gewinnen im heutigen makroökonomischen Umfeld an Bedeutung. Andy Jenk erläutert die drei strukturellen Verschiebungen, die dieses wachsende Interesse erklären.
Splint Invest organisiert zu diesem Thema am 6. Mai ein Webinar.
Hier anmelden ->
Inflation, geopolitische Fragmentierung und sich verändernde Korrelationen zwischen traditionellen Anlageklassen zwingen Vermögensverwalter dazu, die Portfoliodiversifizierung zu überdenken. In diesem Zusammenhang gewinnen Sachwerte wie Kunst, Sammlerstücke, Wein, Uhren und seltene Luxusgüter an strategischer Bedeutung innerhalb eines Gesamtportfolios.
Dies ist kein neues Phänomen. UHNWIs und Family Offices investieren bereits seit Jahrzehnten in diese Vermögenswerte. Was sich heute verändert, ist die Professionalisierung, Institutionalisierung und auch Demokratisierung des Zugangs zu diesen Märkten.
Traditionelle Finanzanlagen stellen Ansprüche auf zukünftige Cashflows dar. Ihr Wert hängt stark von Diskontsätzen, der Geldpolitik und dem Zinsumfeld ab.
Sachwerte verhalten sich anders. Es handelt sich um knappe physische Güter mit begrenztem Angebot, die oft durch Sammlernachfrage und kulturelle Bedeutung gestützt werden. In inflationären Phasen kann Knappheit den Wert auf eine Weise erhalten, wie es Finanzanlagen manchmal nicht können.
Beispielsweise ist das Angebot eines bestimmten Kunstwerks, einer seltenen Uhrenserie oder eines Jahrgangsweins fix. Dies schafft strukturelle Knappheit, die eine langfristige Preisgestaltungsmacht stützen kann.
Zeiten geopolitischer Spannungen schwächen oft das Vertrauen in Finanzsysteme, Währungen oder Rechtsordnungen.
Historisch gesehen hat der Besitz von weltweit gefragten physischen Vermögenswerten eine Rolle bei der Vermögenssicherung gespielt. Objekte wie erstklassige Kunstwerke, seltene Sammlerstücke oder Luxusgüter in Investment-Grade-Qualität sind weltweit handelbare Wertspeicher, die nicht an ein einzelnes Finanzsystem gebunden sind.
Diese Eigenschaft macht sie besonders interessant für global diversifizierte Portfolios.
Jahrzehntelang dienten Anleihen als primäre Absicherung gegen die Volatilität der Aktienmärkte.
Die letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass Anleihen und Aktien gleichzeitig an Wert verlieren können, insbesondere bei Inflationsschocks. Dies mindert die Wirksamkeit des traditionellen 60/40-Portfoliomodells.
Infolgedessen suchen Vermögensverwalter zunehmend nach neuen Diversifizierungsquellen – und Sachwerte entwickeln sich zu einer davon.
Einer der häufigsten Fehler besteht darin, Kunst und Sammlerstücke als Leidenschaftsinvestitionen zu behandeln. Aus institutioneller Sicht sollten sie vielmehr wie Mikro-Private-Equity-Investitionen in einzelne Vermögenswerte behandelt werden – mit derselben analytischen Disziplin, die auch bei anderen alternativen Anlagestrategien angewendet wird.
Drei Säulen sind für die professionelle Integration in ein Portfolio unerlässlich.
Für die meisten institutionellen Portfolios stellen Sachwerte eine kleine, aber strategische Allokation dar, typischerweise zwischen 1% und 5% des Gesamtportfolios. Das Ziel ist kein spekulatives Engagement, sondern Diversifizierung durch Vermögenswerte, deren Performance-Treiber sich von denen traditioneller Finanzmärkte unterscheiden.
Der Anlageerfolg auf Sammlermärkten hängt stark von der Beschaffung und einer disziplinierten Due Diligence ab. Zu professionellen Ansätzen gehören typischerweise:
In der Vergangenheit war das Fehlen investierbarer Strukturen eines der grössten Hindernisse für Vermögensverwalter. Eine professionelle Integration erfordert:
Diese Elemente verwandeln historisch fragmentierte Märkte in strukturierte, investierbare Anlageklassen, die für professionelle Portfolios geeignet sind.
Wie jede Anlageklasse sind auch Sachwerte nicht ohne Eigenheiten. Liquidität ist ereignisgesteuert, nicht kontinuierlich. Bewertungen erfordern Expertise. Und der Marktzugang war lange fragmentiert und schwer zu strukturieren. Genau hier liegt jedoch der Wandel: Professionalisierung, Datenverfügbarkeit und regulierte Anlagestrukturen verändern diese Märkte grundlegend – und machen sie für institutionelle Portfolios zunehmend zugänglich.
Da sich das makroökonomische Umfeld weiterentwickelt, muss sich auch die Portfoliozusammensetzung entsprechend weiterentwickeln.
Sachwerte sollen traditionelle Anlagen nicht ersetzen. Stattdessen können sie eine zusätzliche Ebene der Diversifizierung bieten, die von anderen Marktdynamiken angetrieben wird.
Für Vermögensverwalter lautet die entscheidende Frage nicht mehr, ob diese Vermögenswerte in Portfolios gehören – sondern wie man auf strukturierte und institutionelle Weise Zugang zu ihnen erhält.
Für Vermögensverwalter, die diesen Wandel aktiv mitgestalten wollen, lohnt es sich, tiefer in die Materie einzusteigen – in die Bewertungsmethodik, die Strukturierungsfragen und die konkrete Portfolio-Integration. Genau das steht im Mittelpunkt unseres Webinars am 6. Mai 2026 (hier anmelden).
Wer den Austausch bereits vorher sucht oder das Factsheet zum von Splint Invest lancierten Fonds anfordern möchte, erreicht uns direkt unter andy.jenk@splintinvest.com oder via aif.splintinvest.com.
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Während Künstliche Intelligenz auf dem Finanzplatz auf zunehmendes Interesse stösst, lanciert die Hochschule Luzern eine breit angelegte Umfrage bei unabhängigen Schweizer Vermögensverwaltern, um besser zu verstehen, wie diese KI nutzen. Hier ist der Link zur Umfrage:
Hier ist der Link zu dieser Umfrage : https://www.unipark.de/uc/AI_HSLU_Study/
Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für eine breitere Anwendung in einer Branche, die spezifischen operativen und regulatorischen Anforderungen unterliegt, genauer zu erfassen. Tatiana Agnesens und Manfred Stüttgen, die Initiatoren dieser Studie, erläutern das Vorhaben.
Wie beurteilen Sie zum jetzigen Zeitpunkt – noch vor den Ergebnissen der Umfrage – den aktuellen Stand der Adoption generativer KI bei den unabhängigen Schweizer Vermögensverwaltern?
Was wir bislang wissen: Einzelne Relationship Manager innerhalb von EAM-Strukturen in der Schweiz nutzen gelegentlich und auf individueller Basis öffentliche Tools wie ChatGPT oder Microsoft Copilot, um sich bei bestimmten Aufgaben unterstützen zu lassen. Dies geschieht jedoch auf eher unstrukturierte und nicht systematische Weise. Wir gehen davon aus, dass derzeit nur wenige Vermögensverwalter spezifische Werkzeuge strukturiert und unternehmensweit einsetzen. Gleichzeitig beobachten wir, dass sich die Diskussion von «Was ist KI?» hin zu «Wir brauchen einen Plan, um KI nutzbar zu machen» verlagert. Genau an diesem Punkt möchte unsere Forschung Licht in die zentralen Herausforderungen bringen, mit denen die unabhängigen Vermögensverwalter heute konfrontiert sind.
Was sind die wichtigsten Ziele dieser Untersuchung?
Unsere Untersuchung soll den Status quo der Adoption generativer KI durch unabhängige Schweizer Vermögensverwalter bewerten. Welche KI-Anwendungsfälle sind für sie bereits heute relevant? Welche Applikationen und Use Cases dürften die Produktivität eines unabhängigen Vermögensverwalters in Zukunft steigern? Unsere Studie leistet eine längst erwartete Grundlagenarbeit für die Entwicklung eines spezifischen Rahmens zur Nutzung generativer KI durch unabhängige Vermögensverwalter. Sie bildet die Basis dafür, sowohl das Potenzial der KI als auch die Hürden bei ihrer Umsetzung zu identifizieren. Sie trägt dazu bei, ein gemeinsames Verständnis zwischen den Akteuren der Branche und ihren Anspruchsgruppen – etwa den Regulatoren – zu schaffen.
Welches sind die zentralen Fragen, die Sie beantworten möchten?
Wir möchten Antworten liefern auf Fragen wie: «Wer experimentiert mit Tools für generative KI und warum?», «Welche Geschäftsprozesse sind heute und morgen am stärksten betroffen?», «Wie kann das Potenzial der KI durch unabhängige Vermögensverwalter erschlossen werden?» und «Welche Hindernisse stehen dem KI-Einsatz heute im Weg?»
Wo sehen Sie den grössten Nutzen der KI innerhalb der Wertschöpfungskette der unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter?
Wir sind der Auffassung, dass generative KI sowohl auf die Middle- und Back-Office-Prozesse als auch auf die Erstellung kundenbezogener Inhalte der unabhängigen Vermögensverwalter einen Einfluss haben wird. Die Tätigkeit unabhängiger Vermögensverwalter umfasst heute zahlreiche dokumentenintensive Arbeitsabläufe mit geringem Ermessensanteil, die sehr zeitaufwendig sind. Das gilt beispielsweise für KYC, Angemessenheitsprüfungen, die Dokumentation von Geldflüssen oder die Abstimmung (Reconciliation). KI könnte dazu beitragen, einige dieser Prozesse in Bezug auf Effizienz und/oder Qualität zu verbessern.
Wir erwarten zudem einen Einfluss der KI auf die Erstellung kundenbezogener Inhalte wie Anlagevorschläge, Gesprächsleitfäden zur Vorbereitung von Kundenterminen oder Portfolio-Reviews. Sprachmodelle könnten sehr leistungsfähig darin sein, bestimmte Glieder dieser Wertschöpfungskette zu unterstützen. Wir sind gespannt darauf, mehr über die Potenziale der KI in diesem Bereich zu erfahren, aber auch über die Machbarkeit ihrer Umsetzung.
Ob KI auch auf den Anlageprozess selbst einen wesentlichen Einfluss haben wird, wissen wir noch nicht. Einzelne Elemente des Research-Prozesses könnten eventuell davon profitieren.
Wo sehen Sie heute die grössten Lücken zwischen den bestehenden KI-Lösungen und den tatsächlichen Bedürfnissen der unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter?
Unabhängige Vermögensverwalter haben sehr spezifische Anforderungen. Generische Tools wie Microsoft Copilot oder ChatGPT Enterprise sind weder auf die branchenspezifischen Arbeitsabläufe der unabhängigen Vermögensverwalter noch auf die Anforderungen der Schweizer Kultur und Regulierung zugeschnitten. Auch die Themen Data Governance und Datensicherheit stellen eine Hürde dar. Umgekehrt könnten die Lösungen grosser internationaler Anbieter besser zur Wertschöpfungskette der unabhängigen Vermögensverwalter passen. Sie sind jedoch in der Regel kostspielig und erfordern erheblichen Integrationsaufwand. Für kleine und mittelgrosse Strukturen sind sie daher nur bedingt geeignet.
Was erhoffen Sie sich mit dieser Studie für die Diskussion rund um generative KI auf dem Schweizer Markt der unabhängigen Vermögensverwalter?
Ziel dieser Studie ist es, eine präzise Bestandsaufnahme des KI-Einsatzes bei den unabhängigen Vermögensverwaltern zu liefern. Sie wird zudem dazu beitragen, ein gemeinsames Verständnis des KI-Potenzials in dieser Branche zu schaffen. Wir hoffen, an der Gestaltung der künftigen Agenda mitzuwirken, insbesondere indem wir bestehende Hemmnisse adressieren – sei es auf regulatorischer Ebene oder im Bereich der Umschulung der Mitarbeitenden.
Wie wird sich diese Studie in konkrete Ergebnisse für die unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter und die Entwicklung von Lösungen übersetzen lassen?
Die unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter werden von einem konkreten Entscheidungsrahmen profitieren: wo anfangen und was priorisieren. Sie werden erfahren, wie eine «gute» Adoption der KI aussieht. Auch ihre Partner – Regulatoren oder Lösungsanbieter – werden daraus Nutzen ziehen können.
Was wäre der richtige Weg für unabhängige Schweizer Vermögensverwalter, um zu beurteilen, ob generative KI ihnen tatsächlich Mehrwert bringt?
Sie sollten selbstverständlich die Ergebnisse unserer Studie genau prüfen – also die möglichen KI-Anwendungsfälle verstehen. Anschliessend sollten sie sich mit den KI-Pionieren unter ihren Mitbewerbern vergleichen und prüfen, ob sie einige der identifizierten Best Practices übernehmen können.
Alternativ können unabhängige Vermögensverwalter ihre eigene Grundlagenarbeit leisten: Reibungspunkte im Geschäftsmodell und in den operativen Prozessen identifizieren, bei denen sie davon ausgehen, dass KI eine Antwort liefern könnte, und anschliessend die unvermeidliche Kosten-Nutzen-Analyse durchführen.
Umfrage « Artificial Intelligence (AI) Applications for Independent Wealth Managers » : https://www.unipark.de/uc/AI_HSLU_Study/
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In einem Umfeld, geprägt von wachsendem regulatorischem Druck, veränderten Kundenerwartungen und dem Aufkommen von KI-Agenten, müssen Privatbanken ihr Geschäftsmodell grundlegend überdenken. Kim-André Potvin beleuchtet die Anpassungshebel einer Nischenbank – zwischen Differenzierung, Nähe und der Integration neuer Technologien.
Von Jérôme Sicard
Welche grundlegenden Veränderungen müssen sich private Banken in der Schweiz heute stellen?
Die Veränderungen sind tiefgreifend. Zunächst hat sich die Kundenbeziehung grundlegend gewandelt – und dieser Trend wird anhalten. Sie folgt nicht mehr den gleichen Mustern wie früher. Die Erwartungen in Bezug auf Interaktion, Reaktionsgeschwindigkeit und Personalisierung sind heute deutlich höher als noch vor wenigen Jahren.
Gleichzeitig hat sich das regulatorische Umfeld so stark verdichtet, dass es mittlerweile eine zentrale Realität darstellt, mit der sich der Sektor auseinandersetzen muss. In einem von erheblichen Turbulenzen geprägten Umfeld nehmen die Anforderungen an Transparenz und Kontrolle weiter zu – mit entsprechenden operativen und wirtschaftlichen Auswirkungen für alle Institute.
Schliesslich ist in einem reifen Markt offensichtlich, dass sowohl die Vielfalt als auch die Tiefe des Angebots die Differenzierung entscheidender denn je machen.
Auf welche Bereiche konzentriert Bonhôte heute ihre Investitionen, um Wachstum und Differenzierung zu unterstützen?
Unsere Positionierung ist die einer Nischenbank, die sich im Laufe der Zeit auf zentrale, sich ergänzende Kompetenzen gestützt entwickelt hat. Die Vermögensverwaltung bildet dabei selbstverständlich die Grundlage – sie ist unser Kerngeschäft. In den letzten Jahren haben wir dieses Spektrum erweitert, insbesondere durch die Integration von Dienstleistungen in der Vermögensplanung und -konsolidierung. Über die Vermögensverwaltung hinaus hat die Bank spezifische Kompetenzen entwickelt, insbesondere in den Bereichen Immobilien, Edelmetalle und eigene Fonds, wodurch wir unser Angebot erweitern können, ohne unsere Positionierung zu verwässern.
Hinzu kommen identitätsstiftende Schwerpunkte, die für uns von grosser Bedeutung sind. Dazu gehören beispielsweise die Begleitung von Unternehmern, Dienstleistungen für externe Vermögensverwalter, unser Engagement in Kunst und Philanthropie sowie unsere regionale Präsenz. Wir verfügen über Standorte in Neuenburg, Genf, Lausanne, Bern, Biel, Solothurn und Zürich. Dies unterstreicht unseren Anspruch, mit unseren Kunden enge und persönliche Beziehungen aufzubauen.
Unsere Grundsätze sind klar: Wir setzen auf Unabhängigkeit, die Kontrolle der Wertschöpfungskette und schnelle Entscheidungswege. Für jeden unserer Kunden verfolgen wir einen individuellen, massgeschneiderten Ansatz. Auf all diesen Ebenen konzentrieren wir heute unsere Investitionen. Indem wir unsere Stärken weiter ausbauen, schärfen wir unsere Differenzierung und fördern unser Wachstum.
Was werden private Banken morgen können müssen, was sie heute noch nicht beherrschen?
Die Herausforderung besteht darin, künstliche Intelligenz und menschliche Intelligenz sinnvoll miteinander zu verbinden. KI ermöglicht es bereits heute, grosse Datenmengen, die wir aggregieren, schneller und präziser zu analysieren. Sie schafft Freiräume und erweitert unsere Fähigkeiten, ersetzt jedoch keineswegs das Wesentliche. Im Zentrum unseres Geschäfts steht weiterhin die Fähigkeit, Lebensverläufe zu verstehen, sensible Entscheidungen zu begleiten und in entscheidenden Momenten – etwa bei Nachfolgeregelungen – präsent zu sein. Die Privatbank der Zukunft wird daher jene sein, die Technologie nutzt, um die Qualität ihrer Beratung und Dienstleistungen zu stärken – und nicht zu verwässern.
Wie können private Banken ihr Image bei jüngeren Generationen erneuern?
Dies ist ein sensibler Punkt, denn es geht nicht darum, mit traditionellen Codes zu brechen, sondern sie neu zu interpretieren. Wenn es um Glaubwürdigkeit geht, bleiben Solidität, Sorgfalt und Diskretion zentrale Merkmale. Doch sie reichen nicht mehr aus. Jüngere Generationen erwarten mehr Zugänglichkeit, flüssigere Interaktionen und eine Form von Nähe, die auch das Verständnis ihrer kulturellen, generationellen und gesellschaftlichen Referenzen einschliesst.
Diese Entwicklungen erfordern ein Umdenken in der Kundenbeziehung: durch die Diversifizierung der Kanäle, gezieltere Interaktionen, mehr inhaltlichen Mehrwert sowie den Zugang zu Netzwerken und externen Kompetenzen. Es geht also weniger darum, das Image zu modernisieren, als vielmehr darum, die Beziehung zu erweitern und ihr eine neue Dimension zu geben.
Bieten Neobanken Ansätze, von denen sich private Banken inspirieren lassen können?
Die Erwartungen der Kundensegmente unterscheiden sich grundlegend. Private Banking basiert auf einer langfristigen, personalisierten und gelebten Beziehung. Neobanken hingegen haben sehr hohe Standards in Bezug auf Einfachheit und digitale Zugänglichkeit gesetzt. In diesem Bereich lassen sich durchaus Lehren ziehen, insbesondere bei der Entwicklung von benutzerfreundlicheren E-Banking-Lösungen.
Wo sehen Sie derzeit die wichtigsten Wachstumschancen?
In den letzten 30 Jahren hat die Bank ein starkes Wachstum verzeichnet, und diese Dynamik bleibt weiterhin ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Wir wollen sie fortsetzen, indem wir organisches Wachstum mit gezielten Akquisitionen kombinieren – im Einklang mit unseren strategischen Schwerpunkten. Daran arbeiten wir aktiv gemeinsam mit Jean Berthoud, Präsident des Verwaltungsrats und Hauptaktionär der Bank.
Welche standardisierten Praktiken grosser Banken möchten Sie vermeiden?
Eine übermässige Standardisierung, insbesondere eine starre Segmentierung der Kundschaft. Bei Bonhôte verfolgen wir bewusst einen anderen Ansatz. Jeder Kunde wird in seiner Individualität betrachtet und erhält ein einzigartiges Angebot. Kurze Entscheidungswege und die Integration der Wertschöpfungskette sind entscheidende Faktoren, um diese Agilität zu bewahren.
Was können Sie umgekehrt noch von grossen Banken lernen?
Grosse Institute haben einen Vorsprung in der Nutzung von Marketing- und digitalen Hebeln. Für eine Bank unserer Grösse geht es nicht darum, in Bezug auf Ressourcen zu konkurrieren, sondern darum, bewährte Praktiken zu übernehmen, um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, die Positionierung zu schärfen und die eigene Expertise besser zur Geltung zu bringen – insbesondere über digitale Kanäle und soziale Netzwerke. Dies ist ein Entwicklungsfeld, das ein auf Nähe und personalisierte Beziehung ausgerichtetes Modell sinnvoll ergänzt.
Welche Rolle spielt heute ein CEO in einer Privatbank?
Sie hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Es geht nicht mehr nur darum, eine Strategie zu definieren oder Risiken zu überwachen, sondern darum, kontinuierlich die Verbindung zwischen strategischer Vision und operativer Umsetzung sicherzustellen. Der CEO muss die Umsetzung orchestrieren, die konsequente Umsetzung von Entscheidungen gewährleisten und die Organisation an den Erwartungen der Kunden ausrichten.
In einem komplexeren Umfeld – geprägt durch deutlich strengere regulatorische Anforderungen als noch vor zwanzig Jahren sowie durch volatilere Märkte im Zusammenhang mit geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen – kommt dem CEO auch eine zentrale Rolle in der Klarheit zu. Es liegt an ihm, komplexe Themen verständlich zu machen, zu erklären und zu verbinden. In diesem Sinne ist er zugleich Stratege, Umsetzer und Vermittler.
Kim-Andrée Potvin
Bank Bonhôte
Seit 2025 ist Kim-Andrée Potvin CEO der Banque Bonhôte, nachdem sie dort ein Jahr lang als COO tätig war. Zuvor war sie für das operative Geschäft von Bamboo Capital Partners, der Genfer Boutique, die im Bereich Impact Investing tätig ist, verantwortlich. Kim-Andrée arbeitete für die Bank Landolt in der gleichen Rolle als COO und für die BNP Paribas-Gruppe, wo sie verschiedene Führungspositionen inne-hatte. Im Jahr 2014 war sie zum COO von BNP Paribas in der Schweiz ernannt worden, um dort die Entwicklung der Finanz-, Betriebs- und IT-Plattformen zu steuern. Kim-Andrée studierte an der McGill University, wo sie einen Bachelor in Finanzen und internationalem Handel erwarb.
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Als drittplatzierte Bank im SPBIX baut Banque Heritage ihr Branding auf Kohärenz und Langfristigkeit auf. In einem Umfeld, in dem sich die Botschaften zunehmend angleichen, setzt sie bewusst auf die Übereinstimmung von Identität, Positionierung und gelebter Praxis. Sylvia Demeyrier erläutert eine über die Zeit entwickelte Herangehensweise, bei der Stimmigkeit zum zentralen Differenzierungsfaktor wird.
Von Jérôme Sicard
Banque Heritage hat im SPBIX den dritten Platz erreicht, einem Index, der bewertet, wie Schweizer Banken ihre Markenidentität aufbauen. Was genau misst dieser Index?
Der SPBIX ist ein jährlich erhobener Index, der analysiert und bewertet, wie rund sechzig Schweizer Privatbanken ihre Identität zum Ausdruck bringen und konkret umsetzen. Er misst die Kohärenz zwischen Positionierung, Purpose, Werten, Kultur und Kommunikation, um jene Institute zu identifizieren, die sich tatsächlich differenzieren können.
Welche Hauptkriterien werden im SPBIX berücksichtigt?
Der Index basiert auf rund dreissig Kriterien, die sich auf zwei komplementäre Dimensionen verteilen: Identity und Activation. Die Dimension Identity analysiert die Grundlagen der Marke, während Activation deren Umsetzung misst. Erstere bewertet insbesondere die Klarheit der Positionierung, die Relevanz des Purpose und die Kohärenz der Werte. Letztere fokussiert auf deren konkrete Verankerung in Kultur, Teams und Kommunikation.
Wie haben Sie diesen hervorragenden dritten Platz erreicht?
Diese Auszeichnung ist das Ergebnis einer sechsmonatigen Grundlagenarbeit, die in enger Zusammenarbeit mit dem Marketing- und Kommunikationsteam, verschiedenen Mitarbeitenden, dem Executive Committee und unserem Chairman durchgeführt wurde.
Wir haben uns bewusst auf das Wesentliche zurückbesonnen: unsere unternehmerische Verankerung, die Geschichte der Gründerfamilie – seit Langem im Rohstoffsektor tätig – sowie unsere Ursprünge als Family Office.
Dabei ging es nicht nur um Rückblick, sondern auch darum, unsere strategische Ausrichtung zu schärfen, unsere Ziele zu präzisieren und darzulegen, wie wir uns in einem sich stark wandelnden Umfeld weiterentwickeln wollen.
Unser Purpose – Sharing Success – bringt dies direkt zum Ausdruck. Ziel ist es, das, was den Erfolg der Gründerfamilien geprägt hat, in den Dienst unserer Kunden zu stellen. So verbinden wir Herkunft und Ambition.
Wie definieren Sie Branding für eine Bank wie Heritage?
Es geht nicht um Ästhetik, sondern um Alignment – zwischen dem, was man ist, sagt und tut. Es bedeutet auch, eine klare Position einzunehmen. Wir wollen nicht allen gefallen und nicht alles abdecken. Nur so bleiben wir wirklich relevant. Das ist eine bewusste Entscheidung – und sie erfordert Verzicht. Wer alle ansprechen will, sagt am Ende nichts mehr. Eine starke Marke hingegen weiss genau, wen sie anspricht und warum. Bei Heritage richten wir uns in erster Linie an Unternehmer und Unternehmerfamilien, die eine Bank suchen, die die Logik der Wertschöpfung hinter ihrem Vermögen versteht – und nicht nur dessen Verwaltung.
Sie haben kürzlich an der Markenwahrnehmung der Bank gearbeitet. Was stand dabei im Fokus?
Wir wollten das Bild einer traditionellen Privatbank hin zu einem dynamischen Partner weiterentwickeln, der mit seinen Kunden mitdenkt und an ihrer Seite handelt. Unser Name Heritage ist eine Stärke – sehr aussagekräftig, fast selbsterklärend. Gleichzeitig kann er jedoch auch eine zu konservative Wahrnehmung erzeugen. Deshalb haben wir unseren Auftritt neu ausgerichtet, hin zu mehr Modernität. Wir sind von einer impliziten Haltung – „wir sind schon lange da“ – zu einem aktiveren Versprechen übergegangen: „wir begleiten Sie dabei, voranzukommen und zu prosperieren – über Generationen hinweg.“
Zugleich haben wir eine zentrale Überzeugung bekräftigt: Private Banking ist in erster Linie ein People Business. Wir wollen nachhaltige emotionale Verbindungen schaffen und zeigen, dass hinter Zahlen und Analysen vor allem Menschen stehen – mit Empathie, Nähe und echtem Engagement.
Wie sollen Kunden und Interessenten Heritage wahrnehmen?
Als ein solides, engagiertes Haus, das hält, was es verspricht – und vor allem als eine Bank, die unternehmerische Realitäten versteht und Entscheidungen begleitet, die Vermögen langfristig prägen. Als eine Bank, die versteht, hinterfragt, wenn nötig, und an Ihrer Seite handelt – ohne Standardlösungen, sondern mit individuell entwickelten Antworten, geprägt von einer klar unternehmerischen Logik. Think. Act. Thrive. Das ist kein Slogan, sondern die Erfahrung, die wir bieten.
Auf welchen Pfeilern basiert Ihr Markenauftritt heute?
Wir stützen uns auf drei zentrale Pfeiler: Unabhängigkeit, gewährleistet durch unsere familiäre Struktur und offene Architektur. Langfristige Perspektive, tief verankert in unserer DNA als Familienunternehmen. Nähe, die es uns ermöglicht, wirklich differenzierende Beziehungen zu unseren Kunden aufzubauen.
Auf den ersten Blick nichts Neues – entscheidend ist jedoch die konsequente Umsetzung. Diese zeigt sich in unserer Governance, unserer offenen Architektur und der echten Nähe zwischen unseren Teams und den von uns betreuten Familien.
Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Elemente für den Aufbau einer starken Marke im Finanzsektor?
Zunächst Glaubwürdigkeit – sie basiert auf Kompetenz.
Dann Konstanz, die Glaubwürdigkeit in Vertrauen überführt. In einem sich ständig wandelnden Umfeld ist die Marke oft der stabilste Anker.
Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie dient nicht nur der Verbreitung von Botschaften, sondern bringt zum Ausdruck, was ein Unternehmen wirklich ist und wie es sich entwickelt. In gewisser Weise spiegelt der Markenwert auch die Energie eines Unternehmens wider – die Energie, die es freisetzt und nach aussen trägt.
Gerade in unsicheren Zeiten offenbart Kommunikation grundlegende Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Vertrauen und Ausdauer. Eine starke Marke versucht nicht zu gefallen. Sie setzt sich durch ihre Stimmigkeit durch – und entsteht über die Zeit.
Welche Werte sind für Sie entscheidend?
An erster Stelle Authentizität. Wir müssen im Einklang mit dem stehen, was wir sind – ohne Inszenierung. Das beginnt bei der Führung, denn eine Marke kann nur dann wirken, wenn sie täglich gelebt wird.
Dann Verantwortung. In unserer Struktur trägt jeder Mitarbeitende Verantwortung für seinen Beitrag – jede Interaktion zählt. Und schliesslich Anspruch – in der Reflexion wie in der Umsetzung. Am Ende geht es immer um Kohärenz.
Wie wollen Sie die Positionierung der Banque Heritage weiterentwickeln?
Die Entwicklung ist bereits im Gange. Wir wollen unsere Klarheit und Einzigartigkeit weiter stärken, ohne uns von unserer Identität zu entfernen – einer unabhängigen, unternehmerisch geprägten Bank mit langfristigem Fokus auf Vermögensaufbau, -strukturierung und -übertragung.
In einem Umfeld, in dem sich Angebote zunehmend angleichen, liegt der Unterschied weniger im Angebot selbst als in dessen Umsetzung – und in der Art, wie es kommuniziert wird. In einem gesättigten Markt wird Klarheit zur Differenzierung – und damit zu einem entscheidenden Vorteil.
Sylvia Demeyrier
Banque Heritage
Sylvia Demeyrier leitet den Bereich Marketing & Communications der Banque Heritage in Genf. Sie verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in Marketing, Markenstrategie und Kommunikation in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Rohstoffe und Luxus, unter anderem bei Edmond de Rothschild, Cargill und Unilever. Sie ist Absolventin der ESSEC in Paris, besitzt einen MBA des IFM in Genf und hat ein Executive Leadership-Programm an der INSEAD absolviert.
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Prof. Dr. Manfred Stüttgen
« Eine präzise Bestandsaufnahme des KI-Einsatzes bei unabhängigen Vermögensverwaltern. »
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