Absichten
Yohann Palleau
NFG Partners
« Performance darf keine blosse Absichtserklärung mehr sein – sie muss geprüft werden »
In einer Phase tiefgreifender Umbrüche in der Vermögensverwaltung vertritt Yohan Palleau einen anspruchsvollen Ansatz des Multi-Family-Office-Modells: echte Unabhängigkeit, offene Architektur und vollständige Transparenz bei der Performance. In einem Umfeld, in dem Kunden zunehmend vergleichen und Entscheidungen neu bewerten, plädiert er für eine Vermögensverwaltung, in der Performance nicht mehr behauptet, sondern gemessen und auditiert wird.
Von Levi-Sergio Mutemba
Der Begriff Family Office wird häufig inflationär verwendet. Wie unterscheiden Sie ein Multi-Family Office von der klassischen Vermögensverwaltung?
Das ist ein zentraler Punkt. Ein echtes Family Office setzt eine gewisse kritische Grösse voraus – in der Regel ein Vermögen von über 50 Millionen Franken –, um die Komplexität der angebotenen Dienstleistungen zu rechtfertigen. Diese reichen von Steuer- und Portfoliomanagement über generationenübergreifende Nachfolgeplanung bis hin zu Concierge-Services. Das Multi-Family-Office-Modell, wie wir es praktizieren, erlaubt es, diese spezialisierten Ressourcen für mehrere Familien zu bündeln. Dadurch können wir eine umfassende Vermögensarchitektur anbieten, die informelle oder zu kleine Strukturen professionell schlicht nicht leisten können.
Ihr Modell basiert auf einer offenen Architektur. Weshalb setzen Sie auf Partnerschaften statt auf Fusionen?
Unabhängigkeit ist unser wertvollstes Kapital. Indem wir strategische Partnerschaften mit Spezialisten wie Trustees, Stiftungen sowie Steuer- und Rechtsexperten eingehen – statt Fusionen anzustreben –, bewahren wir unsere Agilität und vermeiden Interessenkonflikte. Der heutige regulatorische Rahmen stellt sehr hohe Anforderungen an die Compliance. Diese sind keineswegs eine Einschränkung, sondern stärken Strukturen wie die unsere und ermöglichen uns vollständige Neutralität bei der Auswahl zentraler Dienstleister – ausschliesslich im Interesse unserer Kunden.
In der Kommunikation scheinen Sie bewusst mit den Codes des klassischen Marketings zu brechen. Was ist Ihr Ansatz?
Wir vermeiden glattes Marketing ohne Substanz. Unser Ziel ist es, den Markt zu informieren und zu befähigen – mit interaktiveren Formaten wie direkten Interviews mit unserem CIO und weiteren Teammitgliedern, um eine fundierte Einordnung der Märkte zu ermöglichen. Unabhängige Vermögensverwaltung beruht auch auf Kohärenz zwischen Handeln, Analyse und öffentlicher Kommunikation.
In einem gesättigten Markt: Wie belegen Sie konkret, dass Ihre Performance jener Ihrer Wettbewerber – insbesondere der grossen Privatbanken – überlegen ist?
Performance darf keine blosse Absichtserklärung mehr sein, sie muss auditiert werden. Deshalb haben wir unseren Track Record von Asset Risk Consultants Research prüfen lassen – einer weltweit führenden Referenz, die über 525’000 Portfolios überwacht. Das Ergebnis ist eindeutig: ARC hat sämtliche unserer Mandate über einen Zeitraum von zehn Jahren mit einem Rating A ausgezeichnet. Damit liegen unsere Ergebnisse weltweit im ersten Dezil, analysiert nach Mandatstyp und Referenzwährung. Ein Rating B entspricht dem ersten Quartil. Diese Strenge reflektiert einen tiefgreifenden Wandel im Markt. In den vergangenen Jahren ist die Nettoperformance zum Überlebenskriterium geworden. Heute zögern Kunden nicht mehr, ihre Privatbank zu verlassen, wenn die Resultate nicht überzeugen.
NFG Partners hat 2023 mit der Übernahme von Harvard Capital einen wichtigen Schritt vollzogen. Was war das strategische Ziel?
Ziel war es, unsere Glaubwürdigkeit am Markt weiter zu stärken. Mit der Integration von Harvard Capital und dessen CIO Glenn Coxon haben wir einen belastbaren Track Record im diskretionären Mandatsgeschäft hinzugewonnen. Für uns darf Performance keine Verheissung sein, sondern muss belegbar sein. Deshalb haben wir diesen Track Record ebenfalls durch ARC validieren lassen. Eine Positionierung im ersten Quartil mit einem Rating zwischen B und A erlaubt es uns, mit unseren Kunden Beziehungen auf Basis vollständigen Vertrauens aufzubauen – fern jener Intransparenz, die traditionellen Banken bisweilen vorgeworfen wird.
Sie sprechen von Transparenz. Ist dies heute die zentrale Erwartung Ihrer Kunden?
Absolut. Der moderne Kunde will genau verstehen, wofür er bezahlt. Er ist bereit, einen Premiumpreis zu entrichten – jedoch nur, wenn dieser durch überlegene Leistungen und Performance gerechtfertigt ist. Unsere Aufgabe besteht darin, eine verstärkte treuhänderische Verantwortung wahrzunehmen. Jede Anfrage behandeln wir mit höchster Priorität, vergleichbar mit einem Fünf-Sterne-Hotelservice. Unabhängig von der Grösse des Vermögens muss der Anspruch an Exzellenz für alle Kunden gleich hoch sein.
Yohann Palleau
NFG Partners
Yohan Palleau ist Mitgründer und Direktor von NFG Partners, einem in Genf ansässigen und von der FINMA regulierten Vermögensverwalter. Er ist auf internationale Vermögenslösungen spezialisiert und begleitet Unternehmer sowie vermögende Familien bei der Strukturierung und dem Wachstum ihres Vermögens. Zuvor war er unter anderem bei BPCE, ACE & Company und Banque SYZ tätig. Er ist Absolvent der HEC Lausanne sowie der Université de Genève.
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Private Märkte nehmen in den Allokationen professioneller Investoren in der Schweiz einen immer wichtigeren Platz ein. In diesem Gespräch analysiert Véronique Fournier die strukturellen Treiber dieser Entwicklung, die Ausweitung des Zugangs zu privaten Strategien sowie die Herausforderungen in Bezug auf Liquidität und Vermittlung, die mit ihrer Integration in die moderne Portfoliokonstruktion einhergehen.
Von Jérôme Sicard
Private Equity hat sich als eigenständige Anlageklasse etabliert. Wie zeigt sich dieser Bedeutungszuwachs konkret bei professionellen Investoren in der Schweiz?
Die Nutzung privater Märkte durch professionelle Investoren und Vermögensverwalter in der Schweiz nimmt deutlich zu. Dies gilt für Private Equity ebenso wie für Private Credit und hybride Strategien. Um Investoren und Asset Allocators zu überzeugen, ist ein ganzheitlicher Lösungsansatz erforderlich, der Investitions-, Währungs- und Liquiditätsbedürfnisse gleichermassen berücksichtigt. Gleichzeitig ist es entscheidend, die Funktionsweise privater Märkte und ihre Rolle in heutigen Portfolios umfassend zu erklären.
Ebenso klar ist, dass die Interessengleichheit mit unseren Kunden für diese ein zentrales Kriterium darstellt. Über die Versicherungseinheiten von Apollo sind wir häufig selbst der grösste Investor in unseren eigenen Produkten, was bedeutet, dass wir letztlich dieselben Renditen erzielen wie unsere Kunden. Diese Konvergenz der Interessen und die damit verbundene gemeinsame Verantwortung werden von unseren Investoren und Partnern in der Schweiz sehr positiv wahrgenommen.
Private Märkte scheinen heute zunehmend gegenüber den kotierten Märkten an Bedeutung zu gewinnen. Welche strukturellen Faktoren erklären diesen Wandel?
Private Märkte sind zu einer tragenden Säule der modernen Portfoliokonstruktion geworden. Öffentliche Märkte bleiben unverzichtbar, doch da ein grosser Teil der europäischen Unternehmen nicht börsenkotiert ist, spiegeln sie allein die Realwirtschaft, zu der Investoren Zugang suchen, nicht mehr vollständig wider. Rund 95 Prozent der europäischen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen US-Dollar befinden sich in privatem Besitz. Zudem sind die kotierten Märkte zunehmend indexiert und untereinander stark korreliert. Private Märkte können zur Diversifikation von Portfolios beitragen und ermöglichen den Zugang zu einem breiteren Anlageuniversum, das häufig weniger volatil ist als börsennotierte Aktien.
Wie würden Sie die aktuelle Dynamik der privaten Märkte beschreiben – insbesondere mit Blick auf Strategiediversifikation, Liquidität und Transparenz?
Der Zugang und die Auswahlmöglichkeiten, über die Investoren heute bei privaten Märkten verfügen, sind mit der Situation vor zehn Jahren nicht vergleichbar. Mit dem Aufkommen von Evergreen-Fonds und semi-liquiden Lösungen erhalten Investoren heute Zugang zu Produkten in institutioneller Qualität. Diese waren früher den grössten Pensionskassen und Staatsfonds vorbehalten, die in geschlossene Strukturen mit Kapitalabrufen und Bindungsfristen von fünf, zehn oder mehr Jahren investierten.
Heute bieten wir bei Apollo beispielsweise sieben semi-liquide Lösungen im Bereich der privaten Märkte an. Sie decken verschiedene Anlageklassen in Europa ab und stellen Vermögensverwaltern das Beste unserer Plattform zur Verfügung. Diese Strukturen bieten mehr Flexibilität in Bezug auf den akzeptierten Liquiditäts- beziehungsweise Illiquiditätsgrad in den Portfolios und ermöglichen eine sofortige Allokation in grosse, vollständig investierte Portfolios.
Erleben die privaten Märkte mit der Entwicklung von Evergreen-Fonds, einem aktiveren Sekundärmarkt und zunehmender Standardisierung so etwas wie einen «UCITS-Moment»?
Private Märkte entwickeln sich rasant weiter und bieten deutlich mehr Strukturen und Zugangspunkte für Investoren. Ein bloss erweiterter Zugang ohne begleitende Vermittlung führt jedoch nicht wirklich weiter. Umso wichtiger ist es, das Verständnis und das Vertrauen innerhalb der breiten Investorenbasis weiter zu stärken. Vor diesem Hintergrund haben wir erhebliche Ressourcen in Initiativen für Distributoren, Berater und Kunden investiert, um besser zu vermitteln, welche Rolle private Märkte in Portfolios spielen können. So stellen wir unter anderem Modellportfolios zur Verfügung, die den ergänzenden Einsatz privater Strategien neben traditionellen Allokationen aufzeigen – mit dem Potenzial für Alpha, das von den kotierten Märkten entkoppelt ist.
Véronique Fournier
Apollo Global Management
Véronique Fournier ist 2022 zu Apollo gestossen und verantwortet als Head of EMEA Distribution den Bereich Global Wealth Management Solutions mit Sitz in Zürich. Zuvor war sie acht Jahre bei Barings tätig, zuletzt als Managing Director und Co-Head European Distribution. Davor hatte sie verschiedene Vertriebsfunktionen bei Schroder Investment Management, Aviva Investors und InterSec Research inne. Véronique Fournier verfügt über einen Bachelor of Science in Economics der London School of Economics and Political Science sowie einen Master of Arts in International Economics der University of Essex.
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Banque Heritage hat Zürich zu einer der tragenden Säulen ihrer Entwicklung in der Schweiz gemacht. An der Spitze des Zürcher Standorts erläutert Michael Welti die entscheidenden Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Verankerung ausserhalb von Genf sowie ein Private-Banking-Modell, das bewusst eine enge Nähe zum Family-Office-Ansatz pflegt. Unternehmerische Kultur, unabhängige Beratung und die konsequente Ausrichtung der Interessen prägen dabei eine klare und differenzierende Vision des Schweizer Private Bankings.
Von Jérôme Sicard
Sie sind nach der Fusion mit der Sallfort Privatbank zu Banque Heritage gestossen. Wie beurteilen Sie fünf Jahre später die Entwicklung der Bank in Zürich?
Ich bin vor etwas mehr als vier Jahren zu Banque Heritage gekommen, kurz nachdem die Fusion bereits abgeschlossen war. Rückblickend lässt sich sagen, dass die Entwicklung des Zürcher Standorts bemerkenswert war. Wir kamen aus der Covid-Zeit, die viele Institute – auch unseres – dazu gezwungen hat, ihre Positionierung und ihr Betriebsmodell grundlegend zu überdenken.
Zürich wurde früh klar als strategische Priorität definiert. Wir haben stark in Mitarbeitende investiert, unseren Kundenstamm sowie die verwalteten Vermögen deutlich ausgebaut und den Standort als zentrales Private-Banking-Zentrum neben Genf neu positioniert. Ein wichtiger Meilenstein war der kürzliche Umzug unseres Büros vom Stadtrand ins Stadtzentrum, wodurch wir unseren Partnern und Kunden wesentlich nähergekommen sind. Heute ist Zürich eine der tragenden Säulen der Bank.
Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren für eine in Genf verwurzelte Privatbank, die sich nachhaltig in Zürich etablieren will?
Es gibt drei entscheidende Ebenen.
Erstens: Marke und Aktionärsstruktur. Eine klare, unabhängige Eigentümerstruktur und ein starkes unternehmerisches Erbe sind zentral. Sind diese Grundlagen solide, rückt die geografische Herkunft in den Hintergrund.
Zweitens: die Menschen. Dieser Punkt wird häufig unterschätzt. Es braucht die richtigen Persönlichkeiten in den richtigen Funktionen – mit der passenden Haltung. Viele Organisationen scheitern nicht an ihrer Strategie, sondern an einer falschen personellen Ausrichtung.
Drittens: die Kultur – oder der Charakter. Neugier, Motivation und die Bereitschaft, Veränderungen anzunehmen, sind entscheidend. Ohne diese Offenheit gelingt keine Neupositionierung. Bei Banque Heritage waren Neugier und unternehmerisches Denken zentrale Treiber unseres organischen Wachstums.
Banque Heritage positioniert sich als innovativ und zukunftsorientiert. Wie zeigt sich das konkret im Private Banking und in den Kundenbeziehungen in Zürich?
Innovation bedeutet für uns nicht Technologie um ihrer selbst willen, sondern Befähigung. Wir wollen Bankerinnen und Banker, die innerhalb eines klaren Rahmens Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen können. Das ist unternehmerisches Handeln im Alltag.
Wir vermeiden bewusst eine Überstrukturierung. Wenn eine Organisation von Handbüchern statt von Menschen gesteuert wird, verliert sie an Agilität. Unser Modell basiert auf Kundennähe, Flexibilität und offener Architektur. Wir produzieren keine eigenen Produkte, sondern wählen die besten verfügbaren Lösungen aus oder entwickeln sie bei Bedarf.
In diesem Sinne agieren wir sehr ähnlich wie ein Family Office – allerdings mit Banklizenz. Wir versetzen uns konsequent in die Lage unserer Kunden und gestalten unsere Dienstleistungen entsprechend. Diese Kundenorientierung ist kein Schlagwort, sondern fest in unserer Arbeitsweise verankert.
Die Bank erzielt solide Resultate, verfügt über starke Kapitalquoten und bietet ein breites Spektrum von Private Banking bis Advisory. Wie entsteht daraus ein Wettbewerbsvorteil?
Unsere Kundinnen und Kunden sind überwiegend Unternehmerinnen und Unternehmer – aktiv oder im Ruhestand – mit sehr spezifischen Erwartungen an eine Bank. Sie stellen Fragen zur Eigentümerstruktur, zur Stabilität, zur Governance und zur langfristigen Ausrichtung
Da wir keine eigenen Produkte vertreiben, ist unsere Beratung wirklich unabhängig. Zudem investieren wir auf Aktionärsebene gemeinsam mit unseren Kunden. Diese Interessenangleichung verändert den Dialog grundlegend.
Anstatt standardisierte Lösungen zu vertreiben, beginnen wir mit einem konkreten Anliegen und entwickeln darauf abgestimmt eine Investition oder Dienstleistung. Dieser Ansatz trifft den Nerv unternehmerischer Kunden und unterscheidet uns sowohl von Grossbanken als auch von reinen Vermögensverwaltern.
Wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand des Schweizer Bankenplatzes?
Die Schweiz bleibt ein einzigartiger Finanzplatz. Ihre zentralen Stärken sind Vertrauen, politische Stabilität, Diskretion und eine ausgeprägte regulatorische Kompetenz. In einer Welt zunehmender geopolitischer Fragmentierung, wachsender Spannungen und regulatorischer Unsicherheit gewinnen diese Qualitäten weiter an Bedeutung.
Für vermögende Personen steht heute nicht mehr primär die Rendite im Vordergrund, sondern der Schutz – von Familie, Vermögen und langfristigem Erbe. Die Schweiz bietet dafür einen institutionellen Rahmen, der seine Widerstandsfähigkeit über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, bewiesen hat. Deshalb spielt sie weiterhin eine Schlüsselrolle in der internationalen Vermögensplanung.
Der Schweizer Finanzplatz muss nicht zwingend der innovativste sein, um relevant zu bleiben – insbesondere im Private Banking. Die meisten technologischen Innovationen sind im Retailgeschäft getrieben. Im Segment der Ultra-High-Net-Worth-Individuals liegen die eigentlichen Herausforderungen anderswo: in der Strukturierung komplexer globaler Vermögen, in der generationenübergreifenden Governance und im Erhalt von Vermögen in einem stabilen und berechenbaren Rechtsraum.
Worin unterscheidet sich der Zürcher Markt für Banque Heritage vom Genfer?
Es gibt Unterschiede in den Kundenclustern. Zürich ist stärker auf Europa, Osteuropa und global tätige Unternehmer ausgerichtet, während Genf traditionell engere Verbindungen zu Lateinamerika und internationalen Familienstrukturen aufweist.
Grundsätzlich denken wir jedoch nicht in Standorten. Unsere Arbeitssprache ist Englisch, unser Mindset international, und unsere Kunden bewegen sich selbstverständlich zwischen verschiedenen Hubs. Intern verstehen wir uns als eine integrierte Private-Banking-Plattform – nicht als regionale Silos.
Welche Ambitionen verfolgen Sie aktuell in Zürich?
Wachstum hat zwei Dimensionen: organisch und anorganisch. In letzter Zeit war unser Wachstum ausschliesslich organisch – und sehr stark. Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen.
Ein zentraler Hebel ist die Rekrutierung. Banque Heritage gehört zu den wenigen verbliebenen Privatbanken in der Schweiz, die erfahrene Kundenberater anzieht, die Eigenständigkeit, Kundennähe und Freiheit von übermässiger Bürokratie suchen.
Strategisch wollen wir das vertiefen, was wir am besten können: Vermögensverwaltung, einschliesslich der Zusammenarbeit mit externen Vermögensverwaltern. Wir streben keine unnötige Ausweitung der Geschäftsfelder an. Offene Architektur, starke Partnerschaften und ein klarer Fokus bleiben die Eckpfeiler unseres Modells.
Michael Welti
Banque Heritage
Michael Welti leitet den Bereich Private Banking der Banque Heritage, deren Managing Partner er ist. Mit über dreissig Jahren Erfahrung gilt er heute als anerkannter Experte in der Vermögensverwaltung und in der Finanzberatung. Im Verlauf seiner Karriere hat Michael Welti massgeblich zu strategischen Entwicklungen beigetragen und führende Teams bei renommierten Schweizer Finanzinstituten wie UBS, UBP und REYL Intesa Sanpaolo geleitet. Er ist 2021 zur Banque Heritage gestossen.
Michael Welti verfügt über das Zertifikat Wealth Management Advisor und hat zudem mehrere Executive-Programme am Swiss Finance Institute sowie an der Universität Zürich absolviert.
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Michael Welti
Banque Heritage
« In vielerlei Hinsicht ähnelt unser Ansatz dem eines Family Office. »
Julie Guittard & Mathieu Raynot
Michael Page
„Der Einsatz von KI erfordert eine klare strategische Vision“
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Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz werden Rechenzentren zu zentralen strategischen Infrastrukturen.
Bis vor wenigen Jahren waren Rechenzentren auf das Speichern von Dateien und den Betrieb von Standardsoftware beschränkt. Heute befinden sie sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Als „digitale Fabriken“ konzipiert, müssen sie nun immer komplexere, stromintensivere und latenzempfindlichere KI-Workloads bewältigen. Diese Transformation markiert einen tiefgreifenden strukturellen Wandel in der globalen digitalen Infrastruktur.
Einer der Hauptkatalysatoren für diese Entwicklung ist die rasche Demokratisierung der KI. Der spektakuläre Aufstieg generativer KI-Tools hat digitale Anwendungen grundlegend verändert. Anfragen steigen explosionsartig, Formate werden komplexer – sie integrieren Text, Bilder und Video. Gleichzeitig wachsen die Erwartungen der Nutzer an Geschwindigkeit und Reibungslosigkeit. Diese Dynamik übt einen beispiellosen Druck auf die bestehenden Rechenleistungen aus.
Angesichts dieser Nachfrage hat die Branche massive investiert. Die globalen Ausgaben für Rechenzentren haben Rekordwerte erreicht, aber das Angebot hat weiterhin Schwierigkeiten, Schritt zu halten. In grossen Märkten sind die Leerstandsquoten historisch niedrig, was auf einen strukturellen Mangel an KI-Kapazitäten hinweist. Diese Knappheit verleiht den Rechenzentrumsbetreibern mehr Macht, sowohl bei der Preisgestaltung als auch bei der Sicherung langfristiger Verträge mit grossen Tech-Unternehmen.
Dieses Phänomen beschränkt sich nicht mehr auf die Vereinigten Staaten. Während die USA dank ihrer technologischen Führungsrolle weiterhin an vorderster Front stehen, internationalisiert sich KI rasch. Europa, China und andere Schlüsselregionen beschleunigen den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur, um ihre technologische Souveränität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen. Weltweit könnte sich der Energieverbrauch der Rechenzentren bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als verdoppeln, was das Ausmass der noch benötigten Investitionen verdeutlicht.
In diesem Zusammenhang sind Rechenzentren eine strategische Säule der KI-Wirtschaft. Sie sind längst mehr als reine technische Infrastruktur – sie sind kritische Vermögenswerte für Wachstum, Resilienz und digitale Transformation. Für Akteure, die diese Anforderungen vorhersehen und schnell geeignete Kapazitäten bereitstellen können, ergeben sich enorme Chancen.
Andrew Ye
Andrew Ye kam 2024 als Anlagestratege zu Global X ETFs. Er ist für die Abdeckung der Themenbereiche Disruptive Technology und People & Demographics verantwortlich. Er hat einen Doppelabschluss in Wirtschaft und Recht (University of New South Wales, Australien) und ist CFA Charterholder.
Prospekte und KID-Dokumente sind erhältlich unter www.globalxetfs.eu
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In den USA haben im Herbst die Insolvenzen von First Brands und Tricolor die Debatte über die Entwicklung des Private-Debt-Marktes neu entfacht. Zwischen zunehmendem Wettbewerbsdruck, einer Lockerung der Underwriting-Standards und der breiteren Öffnung einer Anlageklasse, die historisch einem engen Investorenkreis vorbehalten war, werfen diese Ereignisse Fragen zur Tragfähigkeit des Modells auf. Markus Geiger analysiert die Situation.
Von Levi-Sergio Mutemba
Ist die Insolvenz von First Brands symptomatisch für den tatsächlichen Zustand des Private Credit?
In den USA sorgen einzelne Fälle derzeit für Schlagzeilen, etwa jener von First Brands. Diese Beispiele werden häufig herangezogen, um eine Verschlechterung der Qualität – konkret im Bereich Private Credit – zu illustrieren. Zur Einordnung ist jedoch festzuhalten, dass First Brands, ein Unternehmen aus dem Automobilsektor, Betrug begangen hat, genauer gesagt durch die mehrfache Verpfändung desselben Sicherungsobjekts bei verschiedenen Kreditgebern. Zudem entfielen lediglich rund 2 % der Bilanz auf Private-Debt-Finanzierungen. Der Fall ist daher nicht zwingend repräsentativ für das, was im Bereich der privaten Fremdfinanzierung – insbesondere im Segment des Corporate Direct Lending – üblich ist.
Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die Underwriting-Standards und -Prozesse?
Ein Ereignis wie jenes bei First Brands kann in einem zunehmend kompetitiven Markt immer vorkommen. Derzeit sind die Bedingungen auf den Private-Debt-Märkten zwar eher kreditnehmerfreundlich, liegen aber unter den Niveaus von 2021, wie beispielsweise der William-Blair-Index zeigt. Unser erster Senior-Loan-Fonds wurde im Sommer 2020 lanciert und investierte zu einem Zeitpunkt mit höheren Bewertungsniveaus als heute, ohne dass wir dabei auf Qualitätskriterien verzichtet hätten. Zudem sind die Eigenkapitalquoten im Vergleich zu den historischen Höchstständen der Kreditstatistiken heute deutlich höher – bei rund 61 % gegenüber 38 % damals – und die Verschuldungsgrade moderater, nämlich etwa das Fünffache heute gegenüber dem Siebenfachen im Jahr 2020.
Spiegelt sich das in tieferen Ausfallraten wider?
Die Ausfallraten bewegen sich im langfristigen Durchschnitt von rund 3 %. Transaktionen, die von Private-Equity-Fonds unterstützt werden, weisen tiefere Ausfallraten auf als sogenannte sponsorlose Transaktionen ohne Unterstützung eines Investmentfonds. Der wichtigste Auslöser für Ausfälle ist der Verschuldungsgrad, der für rund 26 % der Defaults verantwortlich ist. Das Marktsegment, in dem wir tätig sind – das Lower-Mid-Market-Segment –, zeichnet sich durch restriktivere Strukturen aus als grössere Deals, mit tieferem Leverage und einem geringeren Verhältnis von Kredit zu Unternehmenswert.
Wie gehen Sie mit Sicherheitenklauseln beziehungsweise Covenants um? Welches Schutzniveau verlangen Sie?
Wir gehen keine Engagements ein, wenn die Covenant-Struktur nicht unseren Anforderungen entspricht. Hundert Prozent unserer Investitionen enthalten Covenants mit einem hohen Schutzniveau, etwa begrenzte EBITDA-Normalisierungen oder quartalsweise Tests.
Wie erklären Sie Ihren Kunden nach den genannten Ereignissen Ihre Herangehensweise an Private Credit?
Unsere Vorgehensweise war von Beginn an vorsichtig und ist seit Lancierung unserer Strategie im Jahr 2018 unverändert geblieben. Ziel ist es, in qualitativ hochwertige Transaktionen zu investieren, und diesen Ansatz verfolgen wir konsequent weiter. Das wird zunehmend wichtiger. Wir raten unseren Kunden, mit Bedacht zu investieren und nicht ausschliesslich auf die Rendite zu schauen, sondern auch die Risiken der zugrunde liegenden Anlagen sorgfältig zu analysieren.
Kann Private Credit Ihrer Ansicht nach skaliert werden, ohne Risiken für die Finanzstabilität zu schaffen, obwohl attraktive private Anlagemöglichkeiten naturgemäss begrenzt sind?
Der Private-Debt-Markt wächst und wird zunehmend attraktiver, dennoch ist Vorsicht geboten. Der Markt dürfte weiter expandieren und dabei genügend qualitativ hochwertige Transaktionen bieten. Entscheidend ist aus Sicht des Asset Managers die Erfahrung, um Chancen und Risiken richtig einzuordnen. Die Beurteilung der Qualität eines Managers ist für Retail-Kunden möglicherweise weniger einfach, doch die Ausweitung dieses Angebots dürfte auch zu einer verstärkten Aufmerksamkeit seitens der Regulatoren für diese Produktkategorie führen.
Ein weiteres Risiko für Retail-Kunden ist die Liquidität, insbesondere bei Produkten mit Laufzeiten von acht bis zehn Jahren. Es ist zentral, dass Kunden klar über die Risiken informiert sind und die Illiquidität der zugrunde liegenden Anlagen verstehen. Semi-liquide Lösungen wie ELTIF 2.0 wurden eingeführt, um diesen Aspekten Rechnung zu tragen.
Wäre es für das Shadow Banking nicht besser, im «Schatten» zu bleiben?
Das ist eine berechtigte Frage, die auch aus regulatorischer Sicht gestellt werden sollte. Auf der Seite der Debt-Funds ist zunehmend Fremdkapital im Einsatz, wobei der Leverage häufig von Banken bereitgestellt wird. Das kann systemische Risiken schaffen. Dieser Markt ist längst kein Nischenmarkt mehr, sondern gewinnt stetig an Bedeutung, was auch ein stärkeres Engagement von Akteuren wie Regulatoren oder insbesondere Zentralbanken nach sich ziehen dürfte.
Markus Geiger
Oddo BHF
Markus Geiger ist seit 2018 bei Oddo BHF tätig und fungiert als Managing Director. Er präsidiert das Advisor Credit Committee und verantwortet die Verwaltung sowie die Weiterentwicklung des Private-Debt-Geschäfts innerhalb der Gruppe. Er promovierte an der Universität zu Köln und verfügt über einen Masterabschluss der ESCP Europe.
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