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  • Interview mit Nicole Curti
  • Präsidentin
  • Alliance of Swiss Wealth Managers

« Das Segment der unabhängigen Vermögensverwalter wird heute als strukturierendes Element der Branche anerkannt ».

Im Nachgang der von der Alliance organisierten Custodian Bank Awards blickt Nicole Curti auf die strategischen Prioritäten des Sektors: Konsolidierung, Druck auf Geschäftsmodelle sowie Herausforderungen rund um die Nachfolge. Drei zentrale Themen zeichnen sich ab: die Sichtbarkeit des Berufs stärken, ein noch fragmentiertes Ökosystem strukturieren und das Aufkommen der nächsten Generation begleiten – sowohl auf Kunden- als auch auf Verwalterseite.

Von Jérôme Sicard

Was möchten Sie bis 2028 mit der Alliance erreicht haben?

Aus meiner Sicht ist es zentral, zur weiteren Strukturierung des Sektors beizutragen und gleichzeitig dessen DNA zu bewahren. Die Alliance soll weiterhin eine Plattform sein, auf der Akteure, die gleichzeitig Wettbewerber und voneinander abhängig sind – Vermögensverwalter, Banken, Regulatoren, Prüfer usw. – miteinander in Dialog treten und sich austauschen können.

Bis 2028 geht es darum, die Sichtbarkeit und das Verständnis für den Beruf des unabhängigen Vermögensverwalters in der breiten Öffentlichkeit zu stärken. Noch heute ist vielen Privatkunden oder sogar Relationship Managern in Banken nicht klar, was wir konkret tun und weshalb wir eine glaubwürdige Alternative zu Banken darstellen.

Ich wünsche mir zudem, dass die Alliance mehr Synergien zwischen ihren Mitgliedern ermöglicht, insbesondere unter Gründern. Erste Initiativen bestehen bereits – nun gilt es, diese zu strukturieren und weiter auszubauen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Nachfolge. In den kommenden Jahren wird die Frage der Übergabe – sowohl auf Kunden- als auch auf Verwalterseite – unumgänglich. Wenn es uns gelingt, diesen Übergang unter Einbezug einer neuen Generation zu begleiten, wäre das ein grosser Erfolg.

Was sind heute die wichtigsten Handlungsfelder für EAMs in der Schweiz?

Derzeit drehen sich viele Diskussionen um die Profitabilität: Margendruck, steigende Kosten, Wachstumsbedarf, Rekrutierung und Teamstrukturierung. Das sind reale Themen, insbesondere für etablierte Strukturen.

Die Stärke des unabhängigen Vermögensverwalters liegt jedoch gerade in seiner Fähigkeit, eine persönliche Beziehung zu seinen Kunden zu pflegen. Das setzt eine Unternehmensgrösse voraus, die diese Qualität ermöglicht. Die zentrale Herausforderung ist daher nicht nur Wachstum, sondern die Kohärenz des Geschäftsmodells.

In welchen Bereichen sollte sich die Alliance weiter stärken?

Ein erstes zentrales Thema ist die Aufklärung. Es gilt, besser zu erklären, was ein unabhängiger Vermögensverwalter ist und warum dieses Modell den Bedürfnissen heutiger Privatkunden entsprechen kann. Das Problem ist nicht nur die Konkurrenz durch Banken, sondern auch, dass sich viele Kunden diese Frage gar nicht stellen. Der Markt bleibt stark fragmentiert, mit zahlreichen Akteuren, und die Wahl basiert oft eher auf einer Person als auf einer Marke.

Dennoch sind interessante Entwicklungen zu beobachten: Anwälte verweisen ihre Kunden zunehmend an unabhängige Vermögensverwalter. Das zeigt, dass das Modell an Glaubwürdigkeit gewinnt.

Zudem sollte die Alliance den Dialog mit Regulatoren und anderen Branchenverbänden weiter strukturieren. Ziel ist nicht Lobbying, sondern der Aufbau von Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

Schliesslich ist – wie bereits erwähnt – das Thema NextGen zentral. Sowohl auf Kunden- als auch auf Verwalterseite wird die Nachfolge zu einer Schlüsselherausforderung. Viele Gründer stehen vor einem Wendepunkt, und dieser Übergang muss vorbereitet werden.

Die Alliance feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Welche strukturellen Veränderungen haben den Sektor geprägt?

Die erste grosse Veränderung ist die Konsolidierung im Bankensektor. Die Anzahl der Akteure ist deutlich gesunken, was das Umfeld stark verändert hat. Bei den unabhängigen Vermögensverwaltern markierte die Einführung der Regulierung im Jahr 2022 einen Wendepunkt. Sie brachte mehr Auflagen und höhere Kosten, aber auch mehr Legitimität. Gleichzeitig hat sie zur Bereinigung des Marktes beigetragen: Einige Akteure sind verschwunden oder haben sich gegen den Eintritt in den regulierten Rahmen entschieden.

Gleichzeitig bleibt der Sektor sehr dynamisch. Es werden weiterhin zahlreiche neue Gesellschaften gegründet. Dies zeigt sowohl die Attraktivität des Modells für Banker als auch eine Entwicklung auf Kundenseite, wo eine zunehmende Reife und Offenheit gegenüber alternativen Lösungen erkennbar ist.

Was nehmen Sie aus dieser Ausgabe der Custodian Bank Awards mit?

Was mich besonders beeindruckt hat, ist eine Botschaft, die unter anderem von Sergio Ermotti klar formuliert wurde: Der Finanzplatz Schweiz kann nicht allein von den Schwierigkeiten anderer Regionen profitieren. Wenn das Wealth Management in der Schweiz gut funktioniert, darf das nicht nur daran liegen, dass es anderswo schlechter läuft. Das ist weder eine Strategie noch ein nachhaltiges Wertversprechen.

Das zwingt die Branche, sich grundlegende Fragen zu stellen: Was ist unser echter Mehrwert? Was unterscheidet uns – über Stabilität und Kontext hinaus? Die Antworten liegen meines Erachtens in der Servicequalität, in der Fähigkeit, massgeschneiderte Lösungen anzubieten, in der Tiefe der Expertise und vor allem in der Vielfalt des Schweizer Modells, in dem Banken und unabhängige Vermögensverwalter nebeneinander existieren.

Gerade diese Komplementarität ist eine Stärke des Marktes. Und genau das versucht die Alliance zu fördern, indem sie ein Ökosystem belebt, in dem Akteure – selbst als Wettbewerber – miteinander im Dialog stehen und gemeinsam vorankommen.

Ein weiterer Punkt ist das Engagement der Banken bei dieser Ausgabe. Ihre Präsenz und ihr Interesse bestätigen, dass das Segment der unabhängigen Vermögensverwalter heute als strukturell bedeutend anerkannt wird.

Was zeichnet heute eine Depotbank für unabhängige Vermögensverwalter aus?

Die Erwartungen sind hoch. Finanzielle Solidität bleibt eine Grundvoraussetzung, ebenso wie stabile Teams und eine gute Reputation. Die Differenzierung erfolgt jedoch zunehmend in anderen Bereichen: Operative Exzellenz ist entscheidend, ebenso wettbewerbsfähige Preise. Vor allem aber ist Technologie zu einem zentralen Faktor geworden. Vermögensverwalter erwarten integrierte Systeme, die sich mit ihren eigenen Tools verbinden lassen und ein hohes Mass an Automatisierung bieten. Es geht längst nicht mehr nur um die Ausführung von Aufträgen, sondern um eine effiziente und reibungslose Infrastruktur.

Haben die Depotbanken die Transformation der unabhängigen Vermögensverwalter erkannt?

Grundsätzlich ja – allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmass. Nicht alle Banken entwickeln sich im gleichen Tempo, was unter anderem von ihren Ressourcen und Strategien abhängt. Klar ist jedoch, dass das Segment heute als strategisch relevant gilt. Die Schweiz bleibt ein sehr spezifischer Markt mit einer Dichte und Dynamik, die es anderswo kaum gibt.

Es zeichnet sich zudem eine klarere Rollentrennung ab: Banken entwickeln sich zu Plattformen für Verwahrung, Ausführung und operative Infrastruktur, während sich unabhängige Vermögensverwalter auf die Kundenbeziehung und Beratung konzentrieren.

Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial. Banken könnten proaktiver auf Vermögensverwalter zugehen, insbesondere im Bereich Asset Management. Heute sind diese Interaktionen teilweise noch zu zurückhaltend.

Nicole Curti

ASV/ASWM

Nicole Curti ist Managing Partnerin von Capital Y, der Genfer Boutique, und seit März 2022 Präsidentin der ASV-ASWM, der Allianz der Schweizer Vermögensverwalter. Sie ist seit 25 Jahren in der Vermögensverwaltung tätig. Zunächst arbeitete sie zehn Jahre lang bei Lombard Odier, insbesondere in der Abteilung Key Clients. Anschliessend gründete und leitete sie die Schweizer Tochtergesellschaft von Stanhope Capital, bevor sie zu Capital Y kam. Nicole gehört mehreren Verwaltungs- und Beiräten an und ist zudem Mitglied des Zentralausschusses von Swiss Athletics. Sie hat einen Bachelor in Politikwissenschaften der Universität Lausanne und einen MBA der ESADE Business School in Barcelona.

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Frédéric de Poix
NS Partners
« Wachstum ist nur sinnvoll, wenn es auf den richtigen Talenten und den richtigen Instrumenten basiert »

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SPHERE

The Swiss Financial Arena

Seit der Gründung im Jahr 2016 unterstützt und vernetzt SPHERE die Community der Schweizer Finanzbranche. SPHERE ermöglicht den Austausch, sei es mit dem vierteljährlich erscheinenden Magazin, den beiden Sonderausgaben für institutionelle Anleger, der Website, den Newsletter und den Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch durchgeführt werden. Toutes les parties prenantes de la finance, l’un des plus importants secteurs économiques de Suisse, ont ainsi à leur disposition une plateforme où il leur est possible d’échanger, de s’informer et de progresser.

EINORDNUNG

PubliSphere

    • Henriette Le Mintier
    • Anlageverwalterin
    • LBP AM

Anleihen: Warum sich ein Absolute-Return-Ansatz auszahlt

Ein auf den Absolute Return ausgerichteter Ansatz der Vermögensverwaltung kann Anlegern unabhängig von den Marktbedingungen Stabilität und Visibilität bieten. Sie ermöglicht es zudem, sich in einem unsicheren Umfeld agil zu bewegen, indem die Performancequellen diversifiziert und die Risiken kontrolliert werden.

Anfang 2026 ist die globale Wirtschaftslage nach wie vor gut. Nachdem die Konjunktur den protektionistischen Einbrüchen von 2025 besser standgehalten hat als erwartet, ist das Wachstum nun weitgehend stabil. Dennoch ist das geopolitische Umfeld weiterhin von zahlreichen Spannungen geprägt.

Die Wirtschaft profitiert kurzfristig von einem günstigen Finanzierungsumfeld und insbesondere von umfassenden fiskalischen Impulsen in den USA, Japan, Deutschland oder China. Gleichzeitig kehrt die Inflation in den meisten Ländern auf das angestrebte Niveau zurück. Angesichts der weiterhin starken politischen und geopolitischen Spannungen sowie des langfristig strukturell begrenzten Wachstumspotenzials – infolge der demografischen Entwicklung, des Klimawandels und des Dynamikverlusts bei der Globalisierung – wird tendenziell jedoch der Anlagehorizont verkürzt.

Die Vorteile des Absolute-Return-Ansatzes

Diese Unwägbarkeiten sprechen für eine Anleiheverwaltung mit Fokus auf den Absolute Return, die auf einer breiten Diversifizierung von Anlagen, Performancequellen und Finanzinstrumenten beruht, ohne durch eine Benchmark eingeschränkt zu werden. Diese Flexibilität und die Nutzung verschiedenster Performancetreiber ermöglichen es, die Dekorrelation zwischen den Assetklassen zu verstärken, mögliche Marktschocks abzufedern und aktiv an Aufwärtsbewegungen zu partizipieren.

Genau dieses Ziel verfolgt unser Anlageansatz, der auf einer disziplinierten Verwaltung der risikobereinigten Ertragsquellen basiert. Die Kombination mehrerer sich ergänzender Strategien zielt darauf ab, die Renditeaussichten zu verbessern, sich abzusichern und die Volatilität zu reduzieren. Zu diesen Strategien gehören u. a. Anlagen in Staats- und Unternehmensanleihen, Basisstrategien – d. h. die Ausnutzung von Performanceunterschieden zwischen zwei Märkten, Produkten oder Assetklassen ohne Richtungsrisiko (Direktionalität) – sowie die Identifizierung von Chancen bei Neuemissionen.

Risiko- und Chancenmanagement

Seit Jahresbeginn haben sich die Bewertungsniveaus an einer Reihe von Anleihenmärkten weiter angespannt, z.B. bei den Staatsanleihen der USA und Großbritanniens sowie am Kreditmarkt. Vor diesem Hintergrund reduzieren wir das Engagement in . High-Yield-Unternehmensanleihen[1]. aufgrund der derzeit sehr niedrigen Risikoprämien. Bei der Desensibilisierung spielen auch Kernstrategien eine zentrale Rolle, indem wir Long-Positionen in sorgfältig ausgewählten Anleihen eingehen, die durch Kreditindizes abgesichert sind.

Dagegen sehen wir Chancen bei bestimmten Primäremissionen von Investment-Grade-Unternehmen [2] und im Sektor der Finanzanleihen. Dieser selektive Ansatz führte zu Investitionen in Unternehmen, die vom deutschen Konjunkturprogramm profitieren können und in Ländern liegen, die an Deutschland angrenzen. Wir bleiben auch in defensiveren Sektoren positiv, wie z.B. Telekommunikation, mit einer starken Auswahl an Emittenten, die mit dem Thema der künstlichen Intelligenz verbunden sind. So haben wir Titel wie Swisscom oder Addeco aufgrund ihrer defensiven Dimension ausgewählt.

Auf Sektorebene halten wir Anleihen europäischer Banken für attraktiv, da diese ihre Ergebnisse verbessern konnten und keine hohen Aktionärsausschüttungen vorgenommen haben, was den Bonitätskennzahlen zugutekommt. Im Rahmen unseres Diversifikationsziels legen wir aktuell den Schwerpunkt auf südeuropäische Staatsanleihen, die unserer Ansicht nach einen attraktiven risikobereinigten Carry bei gleichzeitig relativ geringer Volatilität bieten.

Ferner dürfte der Einsatz von Derivaten sowie von Kreditarbitrage-Strategien die Volatilität begrenzen und gleichzeitig einen positiven Beitrag erbringen. In einer Welt, in der instabile geopolitische Beziehungen die neue Normalität darstellen, sind Flexibilität und die Absicherung der Vermögensallokation entscheidende Faktoren für die Wertentwicklung.

Redaktionsschluss: 25.02.2026

Haftungsausschluss: Anlagen an den Finanzmärkten sind mit Risiken, insbesondere dem Risiko eines Kapitalverlusts, verbunden. Die ausgedrückten Meinungen entsprechen den Einschätzungen des Verfassers. LBP AM übernimmt dafür keine Haftung. Diese Informationen werden zur Veranschaulichung bereitgestellt und stellen daher weder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers noch eine Anlageberatung oder Finanzanalyse dar. Die genannten Unternehmen und Sektoren dienen als Beispiele. Weder ihr Vorhandensein im verwalteten Portfolio noch ihre Wertentwicklung sind garantiert.

[1] Als spekulativ erachtete „Hochzinsanleihen“, deren Kreditrating gemäß den wichtigsten Ratingagenturen zwischen „C“ und „BB+“ liegt.

[2] Anleihen mit einem Rating von „BBB-“ bis „AAA“.

 

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    EAM-Lösungen

    • Interview mit Frédéric de Poix
    • Chief Executive Officer
    • NS Partners

    « Wachstum ist nur sinnvoll, wenn es auf den richtigen Talenten und den richtigen Instrumenten basiert »

    Frédéric de Poix wurde im vergangenen Dezember zum CEO von NS Partners ernannt – eine Premiere in der Geschichte der Gruppe – und hat damit die Leitung eines der bedeutendsten Vermögensverwalter der Schweiz in einem Umfeld tiefgreifender Transformation übernommen. Zwischen Wachstumsherausforderungen, Generationenwechsel und regulatorischem Druck erläutert er die Prioritäten der Gruppe.

    Von Jérôme Sicard

    Welche Prioritäten sind mit Ihrem neuen Mandat verbunden?

    Wenn man CEO eines Unternehmens wie dem unseren wird, ergeben sich zwei zentrale Achsen ganz natürlich: Erstens die Organisation des Wachstums und zweitens die Steigerung der Effizienz. Darüber hinaus ist ein dritter Aspekt entscheidend: die Sicherstellung einer klaren Kohärenz zwischen unseren drei Geschäftsbereichen – Wealth Management, Asset Management und Fondsstrukturierung – um die Ziele auszurichten und die Verständlichkeit unseres Modells zu stärken.

    Die Organisation des Wachstums konzentriert sich in unserem Geschäft in erster Linie auf die Entwicklung der verwalteten Vermögen. Dies kann durch Akquisitionen oder Zusammenschlüsse erfolgen, aber vor allem durch organisches Wachstum, insbesondere durch die Rekrutierung neuer Relationship Manager. Beide Ansätze sind komplementär, erfordern jedoch einen langfristigen Zeithorizont.

    Dieses Wachstum basiert vor allem auf unserer Fähigkeit, Performance zu liefern – insbesondere durch unsere Expertise in alternativen Anlagen und in der Fondsauswahl. Dies ist zentral, da nachhaltige Performance das Vertrauen unserer Kunden langfristig stärkt.

    Die zweite Achse ist die Effizienz. Es geht darum sicherzustellen, dass unser Modell reibungslos funktioniert – mit den richtigen Systemen und den richtigen Mitarbeitenden. Eine gut dimensionierte Organisation ist entscheidend für die Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit des Unternehmens.

    Über diesen beiden Dimensionen steht ein fundamentaler Faktor: die Talente. Unser Geschäft basiert vollständig auf ihnen. Es gilt, sie zu identifizieren, zu gewinnen, zu begleiten und weiterzuentwickeln – sowohl auf Seiten der Portfoliomanager als auch im Kundenkontakt.

    Seit dem Bezug unserer neuen Büros an der Rue du Mont-Blanc befinden wir uns in einer sehr positiven Dynamik. Es herrscht neue Energie, die Teams arbeiten mit Freude, und das ist im Alltag spürbar. Es ist auch Aufgabe des CEO, diesen Enthusiasmus zu fördern und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Talente voll entfalten können.

    NS Partners hat sowohl das Executive Committee als auch den Aktionärskreis erweitert. Wie verändert diese breitere Governance die unternehmerische Dynamik?

    Diese Entwicklung ist in erster Linie durch eine Nachfolgefrage motiviert. Wie viele unabhängige Unternehmen stehen wir vor einem Generationenwechsel bei den langjährigen Partnern.

    Wir haben uns bewusst für die Unabhängigkeit entschieden, was bedeutet, dass wir die Zukunft intern vorbereiten müssen. Dazu gehört die Integration jüngerer Partner, die schrittweise Verantwortung übernehmen. Dieser Übergang erfolgt über einen längeren Zeitraum und wird eng begleitet.

    Parallel dazu haben wir unsere Governance neu gestaltet. Das Executive Committee wurde erneuert, mit klar definierten Verantwortlichkeiten. Meine Rolle ist heute transversal: Ich vertrete nicht mehr einen einzelnen Geschäftsbereich, sondern die gesamte Gruppe und treffe Entscheidungen zwischen verschiedenen Geschäftslinien. Dieses neue Modell ermöglicht auch schnellere Entscheidungsprozesse.

    Neue Partner bringen zudem eine sehr positive Dynamik: Sie hinterfragen bestehende Praktiken, fordern unsere Systeme heraus und bringen neue Ideen ein. Das veranlasst uns, Themen wie Tools, Prozesse oder Vergütungsmodelle grundlegend zu überdenken – stets mit dem Ziel, die Interessen mit jenen unserer Kunden in Einklang zu halten.

    Das Modell unabhängiger Vermögensverwalter verändert sich im Zuge steigender regulatorischer, technologischer und organisatorischer Anforderungen. Wie sehen Sie die Weiterentwicklung der Rolle des Managements innerhalb von EAM-Strukturen in diesem neuen Umfeld?

    Sie ist deutlich anspruchsvoller geworden. Die regulatorischen Anforderungen nehmen stetig zu, ebenso wie die Compliance-Vorgaben und die Häufigkeit interner und externer Kontrollen. Gleichzeitig erfordern technologische Entwicklungen eine Anpassung von Prozessen, insbesondere bei repetitiven Aufgaben.

    Das Management muss daher ständig die Balance zwischen Systemen und Menschen finden. Es geht nicht mehr nur um die Führung eines Geschäfts, sondern um die Steuerung einer sich kontinuierlich weiterentwickelnden Organisation.

    Ein stabiler Zustand ist heute kaum mehr gegeben – alles muss regelmässig hinterfragt werden: Tools, Teams und Prozesse. Kontinuierliche Verbesserung ist zur Pflicht geworden.

    Wir beobachten zudem einen strukturellen Wandel hin zu einem stärker institutionellen Modell, der wahrscheinlich mit einer Konsolidierung des Sektors einhergeht.

    NS Partners vereint Wealth Management, Asset Management und eine Management Company in Luxemburg. Was ist die strategische Logik dahinter?

    Unser Modell basiert auf Integration. Wealth Management dient der Kundenakquisition und -betreuung. Asset Management bildet den Kern unserer Expertise, insbesondere in alternativen Anlagen und der Fondsauswahl. Die Management Company in Luxemburg übernimmt die Strukturierung und Administration von Fonds. Das Zusammenspiel dieser drei Bereiche ermöglicht es uns, die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken – von der Kundenbeziehung bis zur Produktstrukturierung – in einem kohärenten und transparenten Modell.

    Gleichzeitig entwickeln sich diese Bereiche unterschiedlich: Die Management Company wächst schneller, bei geringeren Margen, während das Asset Management langsamer wächst, aber höhere Rentabilität aufweist. Die Herausforderung besteht darin, diese Dynamiken ausgewogen zu steuern.

    Was sind aktuell Ihre wichtigsten Wachstumstreiber?

    Sie stützen sich auf mehrere sich ergänzende Wachstumsachsen. Die erste bleibt der Ausbau der privaten Kundschaft, hauptsächlich in der Schweiz, durch die Rekrutierung neuer Vermögensverwalter. Die zweite betrifft die Stärkung unserer Expertise in den Bereichen alternative Anlagen und Fondsselektion, die einen zentralen Wettbewerbsvorteil und einen wesentlichen Performancetreiber darstellt. Darüber hinaus prüfen wir auch gewisse Segmente wie Private Markets, insbesondere über Evergreen-Strukturen, verfolgen dabei jedoch einen zurückhaltenderen Ansatz. Es handelt sich um andere Anlageuniversen mit anderen Akteuren und anderen Dynamiken. Schliesslich treiben wir auch den Ausbau unserer Plattform für Fondsstrukturierung weiter voran, insbesondere in Luxemburg.

    Sind unabhängige Vermögensverwalter, die sich zunehmend professionalisieren und strukturieren, in der Lage, sich als Alternative zu traditionellen Privatbanken zu positionieren?

    Sie können es – vorausgesetzt, sie stehen zu ihrer Eigenständigkeit. Banken verfügen aufgrund ihrer Grösse über zunehmend industrialisierte Modelle, was nachvollziehbar ist. Demgegenüber können wir eine massgeschneiderte Betreuung anbieten, die auf die spezifischen Bedürfnisse jedes einzelnen Kunden ausgerichtet ist, und dies auf Basis einer offenen Architektur, die es uns ermöglicht, die besten Lösungen am Markt frei auszuwählen.

    Diese Fähigkeit zur Individualisierung ist ein zentraler Differenzierungsfaktor. Sie bringt jedoch auch erhebliche Anforderungen mit sich. Um ein solches Serviceniveau in einem strengen regulatorischen Umfeld zu gewährleisten, sind leistungsfähige Systeme und starke Kontrollfunktionen erforderlich. Das unabhängige Modell ist somit flexibler, aber auch anspruchsvoller.

    Angesichts der zunehmenden Grösse von EAM-Strukturen wie NS Partners: Ist mit einer weiteren Verschärfung der Regulierung zu rechnen?

    Diese ist bereits im Gange und hat im Grunde nie wirklich nachgelassen. Die Anforderungen steigen kontinuierlich – sei es seitens der Aufsichtsbehörden, der Banken oder der Wirtschaftsprüfer. Dies führt zu einer zunehmenden Komplexität sowie zu steigendem Kostendruck. Für gut strukturierte Akteure stellt diese Entwicklung jedoch auch eine Differenzierungschance dar. Bei NS Partners haben wir diese Entwicklungen bereits seit mehreren Jahren antizipiert.

    Zudem gewinnt eine weitere Dimension an Bedeutung: der Faktor Zeit. Wir müssen heute zunehmend antizipieren, wie bestimmte Entscheidungen in einigen Jahren wahrgenommen werden könnten, was in all unseren Tätigkeiten eine erhöhte Sorgfalt erfordert.

    In einem zunehmend unsicheren und fragmentierten Marktumfeld: Wie passt ein unabhängiger Vermögensverwalter wie NS Partners heute die Konstruktion und das Management seiner Portfolios an?

    Wir haben unseren Ansatz rund um ein relativ stabiles Gleichgewicht strukturiert: etwa ein Drittel interne Fonds, ein Drittel externe Fonds und ein Drittel Direktanlagen. Diese Architektur bietet mehrere Vorteile. Sie zwingt uns zunächst, mit den besten Marktteilnehmern wettbewerbsfähig zu bleiben. Wenn eine externe Lösung überzeugender ist, integrieren wir sie ohne Zögern.

    Zudem ermöglicht sie uns den Zugang zu einem aussergewöhnlich breiten Informationsfluss. Unsere Teams treffen jährlich zwischen 600 und 800 Portfoliomanager, was die Tiefe unseres Netzwerks widerspiegelt und ein zentrales Element unseres Know-hows darstellt. Schliesslich bietet sie eine hohe Flexibilität in der Portfoliokonstruktion. Wir können die Allokationen an die Präferenzen unserer Kunden anpassen und gleichzeitig eine disziplinierte Investmentstrategie beibehalten. In einem unsichereren und stärker fragmentierten Umfeld stellt diese Anpassungsfähigkeit aus meiner Sicht einen entscheidenden Vorteil dar.

    Frédéric de Poix

    NS Partners

    Frédéric de Poix trat 2013 in NS Partners ein und wurde im Dezember 2025 zum CEO ernannt, nachdem er mehrere Jahre den Bereich Wealth Management geleitet hatte. Er begann seine Karriere 1985 als Kaffeehändler bei Sucres et Denrées und war später Regional Manager bei Finagrain, einer Tochtergesellschaft der Continental Grain Company. Anschliessend war er 15 Jahre im Private Wealth Management bei Morgan Stanley und Hyposwiss tätig. Er verfügt über einen Bachelor of Business Administration der EPSCI / ESSEC Group (Frankreich).

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    LEADERS

    • Mathias Baitan
    • Geschäftsführer
    • Institut Supérieur de Formation Bancaire

    „Die Frage der Kompetenzen ist für den gesamten Sektor strategisch geworden“

    Die Bankberufe entwickeln sich mit hoher Geschwindigkeit – getrieben durch Digitalisierung, Regulierung und neue Erwartungen der Kunden. Mit der Schaffung seines Observatoriums möchte das ISFB diese Veränderungen besser analysieren und die zukünftigen Kompetenzbedürfnisse des Sektors antizipieren. Sein Direktor Mathias Baitan erläutert die Ziele dieser Initiative und zieht zugleich Bilanz über das Jahr 2025 eines Instituts, das sein Wirkungsfeld gezielt erweitert.

    Von Jérôme Sicard

    Das von Ihnen initiierte ISFB-Observatorium für bank- und finanzwirtschaftliche Kompetenzen ist nun in die operative Phase eingetreten. Welche Ziele verfolgt es?

    Das wichtigste Ziel besteht darin, die Entwicklung der Bankberufe besser zu verstehen, um jene Kompetenzen zu antizipieren, die der Sektor künftig benötigen wird. Der Finanzplatz befindet sich in einem raschen Wandel – unter dem Einfluss von Regulierung, Digitalisierung, demografischen Entwicklungen sowie veränderten Kundenerwartungen. In diesem Kontext ist es entscheidend, über ein Instrument zu verfügen, das diese Entwicklungen strukturiert und unabhängig analysieren kann.

    Das ISFB-Observatorium hat genau dieses Ziel: diese Transformationen zu dokumentieren und Finanzinstituten Analysen zur Verfügung zu stellen, die ihnen helfen, ihre Strategien in den Bereichen Ausbildung, Rekrutierung und Kompetenzentwicklung auszurichten.

    Was sind die Prioritäten dieses Observatoriums?

    Die erste Priorität besteht darin, innerhalb des Finanzplatzes eine Diskussion über die Entwicklung der Kompetenzen anzustssen. Die Veränderungen im Sektor sind real, und es ist wichtig, sich dieser Entwicklungen gemeinsam bewusst zu werden, um notwendige Anpassungen frühzeitig zu antizipieren.

    Als Referenzinstitut für bank- und finanzwirtschaftliche Kompetenzen in der Westschweiz haben wir eine katalytische Rolle zu spielen. Das bedeutet, den Dialog mit unseren Mitgliedern, aber auch mit unseren Partnern und den Behörden zu führen, um gemeinsam über die zukünftigen Entwicklungen nachzudenken.

    Langfristig besteht die Ambition darin, besser zu verstehen, wie sich die zentralen Funktionen des Sektors verändern: Welche Kompetenzen entstehen neu? Welche wandeln sich? Und welche könnten nach und nach verschwinden? Diese Beobachtungs- und Antizipationsarbeit wird es ermöglichen, sich wirksam auf die laufenden Transformationen vorzubereiten.

    Acht Gründungsbanken stehen ebenfalls hinter diesem Projekt. Was sagt diese Mobilisierung Ihrer Meinung nach über die aktuellen Anliegen des Sektors aus?

    Diese Mobilisierung zeigt, dass die Frage der Kompetenzen für den gesamten Sektor strategisch geworden ist. Die Banken sehen sich mit tiefgreifenden Veränderungen ihrer Tätigkeiten konfrontiert. Sie müssen neue regulatorische Anforderungen integrieren, technologische Kompetenzen entwickeln und gleichzeitig weiterhin eine Beratung auf höchstem Niveau für ihre Kunden gewährleisten.

    Dass mehrere Institute die Schaffung dieses ISFB-Observatoriums unterstützen wollten, zeigt einen gemeinsamen Willen, diese Entwicklungen besser zu antizipieren und kollektive Antworten darauf zu finden. Gleichzeitig wissen wir, dass die Möglichkeiten zur strategischen Vorausschau je nach Grösse der Organisationen unterschiedlich sind. Ein Ziel des Observatoriums besteht gerade darin, diese Analysen mit dem gesamten Finanzplatz der Westschweiz zu teilen, damit alle Akteure davon profitieren können – unabhängig von ihren eigenen Ressourcen in diesem Bereich.

    Welche Analysen oder Instrumente werden Sie den Finanzinstituten in der Westschweiz konkret zur Verfügung stellen?

    Das Observatorium wird verschiedene Arten von Arbeiten hervorbringen.

    Zum einen regelmässige Analysen zur Entwicklung von Berufen und Kompetenzen im Finanzsektor. Ziel ist es, die laufenden Veränderungen besser zu dokumentieren und jene Bereiche zu identifizieren, in denen sich die Kompetenzanforderungen besonders schnell verändern. Dafür arbeiten wir mit der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften der Universität Genf sowie mit der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Freiburg zusammen.

    Zum anderen möchten wir unser Referenzmodell für Funktionen und Kompetenzen leichter zugänglich machen, um zu einem besseren Verständnis der Berufe des Sektors und ihrer Entwicklung beizutragen.

    Darüber hinaus haben wir eine Zusammenarbeit mit der Stiftung Nomads initiiert, um mögliche Synergien zwischen verschiedenen Branchen zu untersuchen. In diesem Rahmen möchten wir uns von einer Prospektivmethode inspirieren lassen, die Nomads gemeinsam mit der Universität Genf und verschiedenen Akteuren aus der Romandie entwickelt hat, um Kompetenzen und Berufe der Zukunft besser zu identifizieren.

    Die Ambition besteht darin, diese unterschiedlichen Ansätze zu kombinieren, um dem Finanzplatz der Westschweiz Analysen zur Verfügung zu stellen, die helfen, kommende Transformationen frühzeitig zu erkennen.

    Sie haben kürzlich den Jahresbericht 2025 des ISFB veröffentlicht. Wie würden Sie die Fortschritte des Instituts im vergangenen Jahr zusammenfassen?

    Dem Institut geht es gut. Das Jahr 2025 war ein Jahr der Konsolidierung und Weiterentwicklung für das ISFB. Wir haben unsere Ausbildungsprogramme weiter gestärkt und neue Angebote in Schlüsselbereichen für den Finanzplatz entwickelt, insbesondere rund um künstliche Intelligenz, Datenmanagement und Risikomanagement. Gleichzeitig haben wir unsere Zusammenarbeit mit den Institutionen des Finanzplatzes intensiviert.

    Die Schaffung des Observatoriums für bank- und finanzwirtschaftliche Kompetenzen stellt einen wichtigen Schritt dar, weil sie die Rolle des Instituts über die reine Weiterbildung hinaus erweitert. In diesem Zusammenhang haben wir auch unsere Forschungskapazitäten mit dem Eintritt von Christelle Zagato verstärkt.

    PZudem hat unser Bereich Karriereentwicklung mit der Ernennung seiner Leiterin Evelyne Rechemann einen wichtigen Impuls erhalten. Dieser Bereich ermöglicht es uns heute, unsere Mitgliedsinstitutionen durch Assessments, Kompetenzbilanzen oder Unterstützung im Rekrutierungsprozess zu begleiten.

    Welche Kennzahlen aus dem Jahresbericht sind besonders hervorzuheben?

    Unser Jahresbericht zeigt vor allem das Ausmass der Leistungen, die das Institut im Dienst des Finanzplatzes erbringt. Das ISFB ist ein gemeinnütziger Verein von öffentlichem Interesse, dessen Aufgabe darin besteht, die kollektiven und individuellen Kompetenzen des Bank- und Finanzsektors in der Westschweiz zu stärken – zum Nutzen sowohl der Wettbewerbsfähigkeit der Institute als auch der Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeitenden.

    Eine bemerkenswerte Entwicklung ist seit 2022 der kontinuierliche Anstieg der Zahl zertifizierter Fachpersonen im Rahmen der ISFB-Programme. Gleichzeitig hat sich die Sichtbarkeit unserer kollektiven Marke weiter verstärkt, die heute ein anerkannter Referenzpunkt für Kompetenzen im Finanzsektor der Westschweiz darstellt.

    Der Anhang zum Jahresbericht mit den detaillierten Finanzresultaten wird unseren Mitgliedern anlässlich unserer Generalversammlung vorgelegt. Ich kann jedoch bereits sagen, dass die finanziellen Ergebnisse für das Jahr 2025 ausgezeichnet sind und vollständig unseren Erwartungen entsprechen.

    Sie sprechen zunehmend vom ISFB als einer Plattform für Kompetenzen und Karriere – über die klassische Weiterbildung hinaus. Wie verändert diese Entwicklung die Rolle des Instituts innerhalb des Finanzplatzes?

    Tatsächlich muss sich das traditionelle Modell von Branchenverbänden weiterentwickeln, um den Bedürfnissen und Erwartungen unserer Zeit gerecht zu werden. Das ISFB bildet hier keine Ausnahme. Seit Anfang 2023 haben wir eine tiefgreifende Transformation des Instituts eingeleitet, um unsere Mission zu erweitern und unsere Mitglieder besser bei Fragen der Wettbewerbsfähigkeit der Institute und der Beschäftigungsfähigkeit der Fachkräfte zu unterstützen.

    Das ISFB ist heute nicht mehr nur ein Zentrum für Weiterbildung. Es ist zu einem eigentlichen Kompetenz- und Karrierezentrum für den Finanzplatz der Westschweiz geworden. Unser Ziel ist es, sowohl eine Referenzbasis für Kompetenzen der Branchenfachleute zu schaffen als auch Arbeitgebern einen Ort für Austausch und Reflexion über die Entwicklung der Berufe zu bieten.

    In diesem Sinne haben wir eine stärker ganzheitliche Sicht auf berufliche Laufbahnen entwickelt. Eine Karriere besteht nicht nur aus einer Abfolge von Weiterbildungen. Sie ist ein Kontinuum aus verschiedenen Phasen – der Einstieg ins Berufsleben, Entwicklungsphasen, Übergänge, schwierigere Momente oder auch die Vorbereitung auf den Ruhestand.

    Weiterbildung bleibt selbstverständlich ein zentraler Hebel für Entwicklung und Beschäftigungsfähigkeit. Sie steht jedoch neben anderen wichtigen Dimensionen, etwa dem Zugang zu professionellen Netzwerken, der Beobachtung von Branchenpraktiken oder der Entwicklung von Anpassungsfähigkeit angesichts der Veränderungen der Berufe.

    Mathias Baitan

    Institut Supérieur de Formation Bancaire

    Mathias Baitan leitet das ISFB seit Ende 2022. Zuvor war er über 20 Jahre bei der BCGE tätig, unter anderem als Leiter HR, Stabschef des CEO sowie als Leiter Administration. Parallel dazu war er als Dozent an der Hochschule für Wirtschaft der Haute école spécialisée de Suisse occidentale (HEG-Genf) tätig.

     

     

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    Seit der Gründung im Jahr 2016 unterstützt und vernetzt SPHERE die Community der Schweizer Finanzbranche. SPHERE ermöglicht den Austausch, sei es mit dem vierteljährlich erscheinenden Magazin, den beiden Sonderausgaben für institutionelle Anleger, der Website, den Newsletter und den Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch durchgeführt werden. Toutes les parties prenantes de la finance, l’un des plus importants secteurs économiques de Suisse, ont ainsi à leur disposition une plateforme où il leur est possible d’échanger, de s’informer et de progresser.

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      • Jérôme Sicard
      • Mitgründer
      • SPHERE

    Der unaufhaltsame Aufstieg der privaten Märkte

    Innerhalb von zwanzig Jahren haben die privaten Märkte die Kapitalflüsse, die Unternehmensfinanzierung und die Wertschöpfung grundlegend neu geordnet. Lange Zeit als alternative Anlageklasse betrachtet, etablieren sich Private Equity, Venture Capital und Private Debt heute als tragende Pfeiler der Realwirtschaft. Diese strukturelle Verschiebung markiert eine nachhaltige Verlagerung von Innovation und Investitionen weg von den kotierten Märkten.

    Seit Mitte der 2000er-Jahre hat sich die Weltwirtschaft tiefgreifend verändert und damit auch die Mechanismen der Wertschöpfung und Finanzierung. Für professionelle Investoren äussert sich diese Entwicklung in der zunehmenden Bedeutung der privaten Märkte. Im Jahr 2005 erfolgte der Grossteil institutioneller Investitionen und Unternehmensfinanzierungen noch über die Börsen oder das Bankensystem. Zwanzig Jahre später präsentiert sich das Bild grundlegend anders. Private Equity, Venture Capital und Private Debt nehmen heute eine zentrale Rolle in der globalen Realwirtschaft ein. Ihr rasches und strukturiertes Wachstum hat sie vom Status einer Alternative zu einem eigenständigen, umfangreichen und kontinuierlich expandierenden Ökosystem gemacht.

    Diese Entwicklung ist im Gesamtzusammenhang der globalen Finanzmärkte zu betrachten. Im Jahr 2025 liegt das weltweite BIP bei rund 113’000 Milliarden US-Dollar. Die globale Börsenkapitalisierung bewegt sich zwischen 125’000 und 150’000 Milliarden. Die USA dominieren weiterhin die kotierten Märkte mit einer Kapitalisierung von nahezu 70’000 Milliarden US-Dollar – dem grössten Aktienmarkt der Wirtschaftsgeschichte. Hinter dieser scheinbaren Stabilität ist jedoch ein Rückgang der Anzahl kotierter Unternehmen zu beobachten. 2005 gab es weltweit rund 52’000 börsenkotierte Gesellschaften; 2015 waren es etwas mehr als 43’000, heute liegt die Zahl bei etwa 44’000. Diese Entwicklung ist kein statistischer Zufall. Sie verweist auf die allmähliche Erosion der Börsenkotierung als natürlicher Finanzierungsweg für Unternehmen. Regulatorische Verschärfungen wie Sarbanes-Oxley belasteten den US-Markt, Fusionen und Übernahmen reduzierten die Vielfalt der Emittenten, und Private-Equity-Gesellschaften nahmen tausende Firmen von der Börse. IPOs, lange Zeit Wachstumstreiber der Aktienmärkte, wurden seltener. Vor allem aber hat sich die Präferenz vieler Unternehmen – insbesondere im Technologiesektor – hin zu flexibleren, schnelleren und diskreteren privaten Kapitalquellen verschoben, die Wachstum ausserhalb des Rampenlichts der Märkte ermöglichen.

    Während sich das kotierte Universum verkleinerte, entwickelte sich der nicht kotierte Bereich in die entgegengesetzte Richtung. 2005 wurde die Zahl der von Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds finanzierten Unternehmen auf rund 20’000 geschätzt. Zehn Jahre später waren es bereits über 50’000. Im Jahr 2025 liegt diese Zahl bei rund 215’000 Unternehmen. Dieses spektakuläre Wachstum folgt einem langfristigen Trend, der etwa alle acht bis zehn Jahre eine Verdoppelung aufweist. Der nicht kotierte Bereich ist damit zum wichtigsten Raum für unternehmerische Entwicklung weltweit geworden. Er stellt ein bedeutendes Reservoir für Innovation dar und trägt direkt zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur digitalen Transformation, zur Energiewende und zur umfassenden Neugestaltung von Wertschöpfungsketten bei.

    Auch makroökonomisch lässt sich diese Entwicklung ablesen. 2005 machten private Märkte vermutlich weniger als ein Prozent der globalen Wertschöpfung aus. 2025, mit über 200’000 finanzierten Unternehmen und kumulierten Umsätzen zwischen 15’000 und 25’000 Milliarden US-Dollar, liegt ihr Anteil bei vier bis sechs Prozent des weltweiten BIP. Innerhalb von zwanzig Jahren hat sich ihr Beitrag zur globalen Wertschöpfung damit vervierfacht, während sich die Zahl der betroffenen Unternehmen verzehnfacht und die verwalteten Vermögen verfünffacht haben. Diese Entwicklung verdeutlicht den strukturellen Wandel: Ein wachsender Teil der wirtschaftlichen Aktivität findet heute ausserhalb der Börsen statt.

    Die zunehmende Bedeutung der privaten Märkte zeigt sich auch in den verwalteten Vermögen. 2005 belief sich das gesamte Private-Equity-Volumen auf rund 1’000 Milliarden US-Dollar. Zwanzig Jahre später liegt es bei über 5’000 Milliarden. Im gleichen Zeitraum wuchs Venture Capital – getragen durch digitale Technologien, künstliche Intelligenz und Biotechnologie – von rund 180 Milliarden auf etwa 600 Milliarden. Zusammen repräsentieren Private Equity und Venture Capital heute rund 6’000 Milliarden US-Dollar an Vermögen.

    Dieses Bild wäre jedoch unvollständig ohne Private Debt. 2005 belief sich dessen Volumen auf kaum 120 Milliarden US-Dollar. 2025 nähert es sich 2’000 Milliarden und ist damit die dynamischste Anlageklasse der letzten zwei Jahrzehnte, mit einem Wachstum um das Fünfzehnfache. Diese Entwicklung ist in erster Linie auf den schrittweisen Rückzug der Banken aus der Finanzierung von KMU und Mid-Caps nach der Krise von 2008 zurückzuführen, bedingt durch strengere regulatorische Anforderungen. Private-Debt-Fonds haben diesen Raum zunehmend besetzt, sodass Direct Lending heute eine zentrale Komponente der nicht kotierten Finanzierung darstellt. Der Zinsanstieg seit 2022 hat diese Dynamik zusätzlich verstärkt, da er im Vergleich zu traditionellen Anleihen attraktive Renditen ermöglicht.

    In diesem Umfeld nehmen die USA über alle Segmente hinweg eine dominante Stellung ein. Sie vereinen rund 50 bis 55 Prozent des globalen Private Equity, 60 bis 65 Prozent der Private Debt sowie einen vergleichbaren Anteil am Venture Capital. Diese Dominanz erklärt sich durch die Tiefe des Binnenmarkts, die Stärke institutioneller Investoren, eine historisch verankerte Risikokultur und ein unvergleichliches Innovationsökosystem. Bis 2030 dürfte diese zentrale Rolle bestehen bleiben. Während der Aufstieg Asiens und der Golfstaaten den US-Anteil im Private Equity leicht verringern könnte, erscheint die US-Dominanz in der Private Debt deutlich schwerer in Frage zu stellen.

    Bis 2030 dürfte die Entwicklung der privaten Märkte klar auf Wachstum ausgerichtet bleiben. Die Zunahme der verwalteten Vermögen, die steigende Zahl finanzierter Unternehmen und die höhere Qualität jener Firmen, die privat bleiben, könnten die kumulierten Umsätze der von Private Equity und Venture Capital finanzierten Unternehmen auf 20’000 bis 30’000 Milliarden US-Dollar anheben. Dies entspräche einer Wertschöpfung von 5’000 bis 8’000 Milliarden. Bei einem globalen BIP von rund 130’000 Milliarden US-Dollar würde ihr Beitrag bei etwa fünf bis sechs Prozent liegen.

    Die Projektionen bis 2030 bestätigen eine robuste Expansion der privaten Märkte. Private Equity könnte 7’500 Milliarden US-Dollar an verwalteten Vermögen erreichen, Private Debt rund 3’000 Milliarden und Venture Capital nahe 1’000 Milliarden. Diese Dynamik beruht auf klar identifizierbaren strukturellen Treibern: Renditesuche, Globalisierung der Investoren, Wachstum des Direct Lending, zunehmende Bedeutung Asiens und die Neugestaltung industrieller und energetischer Wertschöpfungsketten. Eine schrittweise Normalisierung der Exits – über IPOs oder Sekundärtransaktionen – dürfte diese Entwicklung zusätzlich stützen.

    Dieses Szenario ist jedoch nicht frei von Risiken. Eine länger anhaltende globale Rezession könnte von Private Equity finanzierte Unternehmen schwächen. Strengere Regulierung könnte das Wachstum von Private Debt bremsen. Ein dauerhaft höheres Zinsniveau würde die Fremdkapitalkosten bei LBO-Transaktionen erhöhen. Keiner dieser Faktoren stellt jedoch den grundlegenden Trend in Frage. Innerhalb von zwanzig Jahren sind die privaten Märkte zu einem zentralen Pfeiler der globalen Finanzwelt und zu einem entscheidenden Motor der Wertschöpfung geworden. Die Verlagerung von Kapital in den nicht kotierten Bereich ist längst kein konjunkturelles Phänomen mehr, sondern Ausdruck eines nachhaltigen strukturellen Wandels des Wirtschaftssystems.

    Investitionsdynamiken
    Werden alle Segmente der privaten Märkte zusammen betrachtet – Private Equity, Venture Capital, Private Debt, Infrastruktur, nicht kotierte Immobilien, Secondaries und hybride Strategien –, übersteigt ihr Gesamtvolumen mittlerweile 10’000 Milliarden US-Dollar. Ein bedeutender Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung hat sich damit in den nicht kotierten Bereich verlagert. Dennoch bleibt ihr Anteil am globalen BIP mit vier bis sechs Prozent noch vergleichsweise moderat. Ihr wirtschaftliches Gewicht mag geringer sein als das der grossen börsenkotierten Konzerne, doch ihre Rolle für Innovation, Transformation und zukünftiges Wachstum übersteigt ihren unmittelbaren Beitrag zur Wertschöpfung deutlich.

    Kotierte Unternehmen generieren hingegen einen kumulierten Umsatz von 60’000 bis 80’000 Milliarden US-Dollar. Die 2’000 grössten von ihnen stehen für nahezu die Hälfte dieses Volumens. Gleichzeitig tragen sie nur rund 10 bis 12 Prozent zur globalen Wertschöpfung im Sinne des BIP bei. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass Umsatz nur bedingt ein Mass für Wertschöpfung ist. Während kotierte Unternehmen die bestehende wirtschaftliche Aktivität konzentrieren, erfassen private Märkte einen wachsenden Anteil der Investitions-, Innovations- und Wachstumsdynamik. Für Investoren ist dies heute eine zentrale analytische Perspektive.

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