Übergang
Dominik Buholzer
Finews
Jüngster Spross eröffnet Aquila neue Chancen
In einem Umfeld, geprägt von wachsendem regulatorischem Druck, veränderten Kundenerwartungen und dem Aufkommen von KI-Agenten, müssen Privatbanken ihr Geschäftsmodell grundlegend überdenken. Kim-André Potvin beleuchtet die Anpassungshebel einer Nischenbank – zwischen Differenzierung, Nähe und der Integration neuer Technologien.
Von Jérôme Sicard
Welche grundlegenden Veränderungen müssen sich private Banken in der Schweiz heute stellen?
Die Veränderungen sind tiefgreifend. Zunächst hat sich die Kundenbeziehung grundlegend gewandelt – und dieser Trend wird anhalten. Sie folgt nicht mehr den gleichen Mustern wie früher. Die Erwartungen in Bezug auf Interaktion, Reaktionsgeschwindigkeit und Personalisierung sind heute deutlich höher als noch vor wenigen Jahren.
Gleichzeitig hat sich das regulatorische Umfeld so stark verdichtet, dass es mittlerweile eine zentrale Realität darstellt, mit der sich der Sektor auseinandersetzen muss. In einem von erheblichen Turbulenzen geprägten Umfeld nehmen die Anforderungen an Transparenz und Kontrolle weiter zu – mit entsprechenden operativen und wirtschaftlichen Auswirkungen für alle Institute.
Schliesslich ist in einem reifen Markt offensichtlich, dass sowohl die Vielfalt als auch die Tiefe des Angebots die Differenzierung entscheidender denn je machen.
Auf welche Bereiche konzentriert Bonhôte heute ihre Investitionen, um Wachstum und Differenzierung zu unterstützen?
Unsere Positionierung ist die einer Nischenbank, die sich im Laufe der Zeit auf zentrale, sich ergänzende Kompetenzen gestützt entwickelt hat. Die Vermögensverwaltung bildet dabei selbstverständlich die Grundlage – sie ist unser Kerngeschäft. In den letzten Jahren haben wir dieses Spektrum erweitert, insbesondere durch die Integration von Dienstleistungen in der Vermögensplanung und -konsolidierung. Über die Vermögensverwaltung hinaus hat die Bank spezifische Kompetenzen entwickelt, insbesondere in den Bereichen Immobilien, Edelmetalle und eigene Fonds, wodurch wir unser Angebot erweitern können, ohne unsere Positionierung zu verwässern.
Hinzu kommen identitätsstiftende Schwerpunkte, die für uns von grosser Bedeutung sind. Dazu gehören beispielsweise die Begleitung von Unternehmern, Dienstleistungen für externe Vermögensverwalter, unser Engagement in Kunst und Philanthropie sowie unsere regionale Präsenz. Wir verfügen über Standorte in Neuenburg, Genf, Lausanne, Bern, Biel, Solothurn und Zürich. Dies unterstreicht unseren Anspruch, mit unseren Kunden enge und persönliche Beziehungen aufzubauen.
Unsere Grundsätze sind klar: Wir setzen auf Unabhängigkeit, die Kontrolle der Wertschöpfungskette und schnelle Entscheidungswege. Für jeden unserer Kunden verfolgen wir einen individuellen, massgeschneiderten Ansatz. Auf all diesen Ebenen konzentrieren wir heute unsere Investitionen. Indem wir unsere Stärken weiter ausbauen, schärfen wir unsere Differenzierung und fördern unser Wachstum.
Was werden private Banken morgen können müssen, was sie heute noch nicht beherrschen?
Die Herausforderung besteht darin, künstliche Intelligenz und menschliche Intelligenz sinnvoll miteinander zu verbinden. KI ermöglicht es bereits heute, grosse Datenmengen, die wir aggregieren, schneller und präziser zu analysieren. Sie schafft Freiräume und erweitert unsere Fähigkeiten, ersetzt jedoch keineswegs das Wesentliche. Im Zentrum unseres Geschäfts steht weiterhin die Fähigkeit, Lebensverläufe zu verstehen, sensible Entscheidungen zu begleiten und in entscheidenden Momenten – etwa bei Nachfolgeregelungen – präsent zu sein. Die Privatbank der Zukunft wird daher jene sein, die Technologie nutzt, um die Qualität ihrer Beratung und Dienstleistungen zu stärken – und nicht zu verwässern.
Wie können private Banken ihr Image bei jüngeren Generationen erneuern?
Dies ist ein sensibler Punkt, denn es geht nicht darum, mit traditionellen Codes zu brechen, sondern sie neu zu interpretieren. Wenn es um Glaubwürdigkeit geht, bleiben Solidität, Sorgfalt und Diskretion zentrale Merkmale. Doch sie reichen nicht mehr aus. Jüngere Generationen erwarten mehr Zugänglichkeit, flüssigere Interaktionen und eine Form von Nähe, die auch das Verständnis ihrer kulturellen, generationellen und gesellschaftlichen Referenzen einschliesst.
Diese Entwicklungen erfordern ein Umdenken in der Kundenbeziehung: durch die Diversifizierung der Kanäle, gezieltere Interaktionen, mehr inhaltlichen Mehrwert sowie den Zugang zu Netzwerken und externen Kompetenzen. Es geht also weniger darum, das Image zu modernisieren, als vielmehr darum, die Beziehung zu erweitern und ihr eine neue Dimension zu geben.
Bieten Neobanken Ansätze, von denen sich private Banken inspirieren lassen können?
Die Erwartungen der Kundensegmente unterscheiden sich grundlegend. Private Banking basiert auf einer langfristigen, personalisierten und gelebten Beziehung. Neobanken hingegen haben sehr hohe Standards in Bezug auf Einfachheit und digitale Zugänglichkeit gesetzt. In diesem Bereich lassen sich durchaus Lehren ziehen, insbesondere bei der Entwicklung von benutzerfreundlicheren E-Banking-Lösungen.
Wo sehen Sie derzeit die wichtigsten Wachstumschancen?
In den letzten 30 Jahren hat die Bank ein starkes Wachstum verzeichnet, und diese Dynamik bleibt weiterhin ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Wir wollen sie fortsetzen, indem wir organisches Wachstum mit gezielten Akquisitionen kombinieren – im Einklang mit unseren strategischen Schwerpunkten. Daran arbeiten wir aktiv gemeinsam mit Jean Berthoud, Präsident des Verwaltungsrats und Hauptaktionär der Bank.
Welche standardisierten Praktiken grosser Banken möchten Sie vermeiden?
Eine übermässige Standardisierung, insbesondere eine starre Segmentierung der Kundschaft. Bei Bonhôte verfolgen wir bewusst einen anderen Ansatz. Jeder Kunde wird in seiner Individualität betrachtet und erhält ein einzigartiges Angebot. Kurze Entscheidungswege und die Integration der Wertschöpfungskette sind entscheidende Faktoren, um diese Agilität zu bewahren.
Was können Sie umgekehrt noch von grossen Banken lernen?
Grosse Institute haben einen Vorsprung in der Nutzung von Marketing- und digitalen Hebeln. Für eine Bank unserer Grösse geht es nicht darum, in Bezug auf Ressourcen zu konkurrieren, sondern darum, bewährte Praktiken zu übernehmen, um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, die Positionierung zu schärfen und die eigene Expertise besser zur Geltung zu bringen – insbesondere über digitale Kanäle und soziale Netzwerke. Dies ist ein Entwicklungsfeld, das ein auf Nähe und personalisierte Beziehung ausgerichtetes Modell sinnvoll ergänzt.
Welche Rolle spielt heute ein CEO in einer Privatbank?
Sie hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Es geht nicht mehr nur darum, eine Strategie zu definieren oder Risiken zu überwachen, sondern darum, kontinuierlich die Verbindung zwischen strategischer Vision und operativer Umsetzung sicherzustellen. Der CEO muss die Umsetzung orchestrieren, die konsequente Umsetzung von Entscheidungen gewährleisten und die Organisation an den Erwartungen der Kunden ausrichten.
In einem komplexeren Umfeld – geprägt durch deutlich strengere regulatorische Anforderungen als noch vor zwanzig Jahren sowie durch volatilere Märkte im Zusammenhang mit geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen – kommt dem CEO auch eine zentrale Rolle in der Klarheit zu. Es liegt an ihm, komplexe Themen verständlich zu machen, zu erklären und zu verbinden. In diesem Sinne ist er zugleich Stratege, Umsetzer und Vermittler.
Kim-Andrée Potvin
Bank Bonhôte
Seit 2025 ist Kim-Andrée Potvin CEO der Banque Bonhôte, nachdem sie dort ein Jahr lang als COO tätig war. Zuvor war sie für das operative Geschäft von Bamboo Capital Partners, der Genfer Boutique, die im Bereich Impact Investing tätig ist, verantwortlich. Kim-Andrée arbeitete für die Bank Landolt in der gleichen Rolle als COO und für die BNP Paribas-Gruppe, wo sie verschiedene Führungspositionen inne-hatte. Im Jahr 2014 war sie zum COO von BNP Paribas in der Schweiz ernannt worden, um dort die Entwicklung der Finanz-, Betriebs- und IT-Plattformen zu steuern. Kim-Andrée studierte an der McGill University, wo sie einen Bachelor in Finanzen und internationalem Handel erwarb.
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Als drittplatzierte Bank im SPBIX baut Banque Heritage ihr Branding auf Kohärenz und Langfristigkeit auf. In einem Umfeld, in dem sich die Botschaften zunehmend angleichen, setzt sie bewusst auf die Übereinstimmung von Identität, Positionierung und gelebter Praxis. Sylvia Demeyrier erläutert eine über die Zeit entwickelte Herangehensweise, bei der Stimmigkeit zum zentralen Differenzierungsfaktor wird.
Von Jérôme Sicard
Banque Heritage hat im SPBIX den dritten Platz erreicht, einem Index, der bewertet, wie Schweizer Banken ihre Markenidentität aufbauen. Was genau misst dieser Index?
Der SPBIX ist ein jährlich erhobener Index, der analysiert und bewertet, wie rund sechzig Schweizer Privatbanken ihre Identität zum Ausdruck bringen und konkret umsetzen. Er misst die Kohärenz zwischen Positionierung, Purpose, Werten, Kultur und Kommunikation, um jene Institute zu identifizieren, die sich tatsächlich differenzieren können.
Welche Hauptkriterien werden im SPBIX berücksichtigt?
Der Index basiert auf rund dreissig Kriterien, die sich auf zwei komplementäre Dimensionen verteilen: Identity und Activation. Die Dimension Identity analysiert die Grundlagen der Marke, während Activation deren Umsetzung misst. Erstere bewertet insbesondere die Klarheit der Positionierung, die Relevanz des Purpose und die Kohärenz der Werte. Letztere fokussiert auf deren konkrete Verankerung in Kultur, Teams und Kommunikation.
Wie haben Sie diesen hervorragenden dritten Platz erreicht?
Diese Auszeichnung ist das Ergebnis einer sechsmonatigen Grundlagenarbeit, die in enger Zusammenarbeit mit dem Marketing- und Kommunikationsteam, verschiedenen Mitarbeitenden, dem Executive Committee und unserem Chairman durchgeführt wurde.
Wir haben uns bewusst auf das Wesentliche zurückbesonnen: unsere unternehmerische Verankerung, die Geschichte der Gründerfamilie – seit Langem im Rohstoffsektor tätig – sowie unsere Ursprünge als Family Office.
Dabei ging es nicht nur um Rückblick, sondern auch darum, unsere strategische Ausrichtung zu schärfen, unsere Ziele zu präzisieren und darzulegen, wie wir uns in einem sich stark wandelnden Umfeld weiterentwickeln wollen.
Unser Purpose – Sharing Success – bringt dies direkt zum Ausdruck. Ziel ist es, das, was den Erfolg der Gründerfamilien geprägt hat, in den Dienst unserer Kunden zu stellen. So verbinden wir Herkunft und Ambition.
Wie definieren Sie Branding für eine Bank wie Heritage?
Es geht nicht um Ästhetik, sondern um Alignment – zwischen dem, was man ist, sagt und tut. Es bedeutet auch, eine klare Position einzunehmen. Wir wollen nicht allen gefallen und nicht alles abdecken. Nur so bleiben wir wirklich relevant. Das ist eine bewusste Entscheidung – und sie erfordert Verzicht. Wer alle ansprechen will, sagt am Ende nichts mehr. Eine starke Marke hingegen weiss genau, wen sie anspricht und warum. Bei Heritage richten wir uns in erster Linie an Unternehmer und Unternehmerfamilien, die eine Bank suchen, die die Logik der Wertschöpfung hinter ihrem Vermögen versteht – und nicht nur dessen Verwaltung.
Sie haben kürzlich an der Markenwahrnehmung der Bank gearbeitet. Was stand dabei im Fokus?
Wir wollten das Bild einer traditionellen Privatbank hin zu einem dynamischen Partner weiterentwickeln, der mit seinen Kunden mitdenkt und an ihrer Seite handelt. Unser Name Heritage ist eine Stärke – sehr aussagekräftig, fast selbsterklärend. Gleichzeitig kann er jedoch auch eine zu konservative Wahrnehmung erzeugen. Deshalb haben wir unseren Auftritt neu ausgerichtet, hin zu mehr Modernität. Wir sind von einer impliziten Haltung – „wir sind schon lange da“ – zu einem aktiveren Versprechen übergegangen: „wir begleiten Sie dabei, voranzukommen und zu prosperieren – über Generationen hinweg.“
Zugleich haben wir eine zentrale Überzeugung bekräftigt: Private Banking ist in erster Linie ein People Business. Wir wollen nachhaltige emotionale Verbindungen schaffen und zeigen, dass hinter Zahlen und Analysen vor allem Menschen stehen – mit Empathie, Nähe und echtem Engagement.
Wie sollen Kunden und Interessenten Heritage wahrnehmen?
Als ein solides, engagiertes Haus, das hält, was es verspricht – und vor allem als eine Bank, die unternehmerische Realitäten versteht und Entscheidungen begleitet, die Vermögen langfristig prägen. Als eine Bank, die versteht, hinterfragt, wenn nötig, und an Ihrer Seite handelt – ohne Standardlösungen, sondern mit individuell entwickelten Antworten, geprägt von einer klar unternehmerischen Logik. Think. Act. Thrive. Das ist kein Slogan, sondern die Erfahrung, die wir bieten.
Auf welchen Pfeilern basiert Ihr Markenauftritt heute?
Wir stützen uns auf drei zentrale Pfeiler: Unabhängigkeit, gewährleistet durch unsere familiäre Struktur und offene Architektur. Langfristige Perspektive, tief verankert in unserer DNA als Familienunternehmen. Nähe, die es uns ermöglicht, wirklich differenzierende Beziehungen zu unseren Kunden aufzubauen.
Auf den ersten Blick nichts Neues – entscheidend ist jedoch die konsequente Umsetzung. Diese zeigt sich in unserer Governance, unserer offenen Architektur und der echten Nähe zwischen unseren Teams und den von uns betreuten Familien.
Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Elemente für den Aufbau einer starken Marke im Finanzsektor?
Zunächst Glaubwürdigkeit – sie basiert auf Kompetenz.
Dann Konstanz, die Glaubwürdigkeit in Vertrauen überführt. In einem sich ständig wandelnden Umfeld ist die Marke oft der stabilste Anker.
Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie dient nicht nur der Verbreitung von Botschaften, sondern bringt zum Ausdruck, was ein Unternehmen wirklich ist und wie es sich entwickelt. In gewisser Weise spiegelt der Markenwert auch die Energie eines Unternehmens wider – die Energie, die es freisetzt und nach aussen trägt.
Gerade in unsicheren Zeiten offenbart Kommunikation grundlegende Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Vertrauen und Ausdauer. Eine starke Marke versucht nicht zu gefallen. Sie setzt sich durch ihre Stimmigkeit durch – und entsteht über die Zeit.
Welche Werte sind für Sie entscheidend?
An erster Stelle Authentizität. Wir müssen im Einklang mit dem stehen, was wir sind – ohne Inszenierung. Das beginnt bei der Führung, denn eine Marke kann nur dann wirken, wenn sie täglich gelebt wird.
Dann Verantwortung. In unserer Struktur trägt jeder Mitarbeitende Verantwortung für seinen Beitrag – jede Interaktion zählt. Und schliesslich Anspruch – in der Reflexion wie in der Umsetzung. Am Ende geht es immer um Kohärenz.
Wie wollen Sie die Positionierung der Banque Heritage weiterentwickeln?
Die Entwicklung ist bereits im Gange. Wir wollen unsere Klarheit und Einzigartigkeit weiter stärken, ohne uns von unserer Identität zu entfernen – einer unabhängigen, unternehmerisch geprägten Bank mit langfristigem Fokus auf Vermögensaufbau, -strukturierung und -übertragung.
In einem Umfeld, in dem sich Angebote zunehmend angleichen, liegt der Unterschied weniger im Angebot selbst als in dessen Umsetzung – und in der Art, wie es kommuniziert wird. In einem gesättigten Markt wird Klarheit zur Differenzierung – und damit zu einem entscheidenden Vorteil.
Sylvia Demeyrier
Banque Heritage
Sylvia Demeyrier leitet den Bereich Marketing & Communications der Banque Heritage in Genf. Sie verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in Marketing, Markenstrategie und Kommunikation in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Rohstoffe und Luxus, unter anderem bei Edmond de Rothschild, Cargill und Unilever. Sie ist Absolventin der ESSEC in Paris, besitzt einen MBA des IFM in Genf und hat ein Executive Leadership-Programm an der INSEAD absolviert.
Die Top 10 des Switzerland SPBIX 2026
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Mit Aquila Investment Partner reiht sich ein neues Unternehmen in der Aquila-Gruppe ein. Der neue Bereich will sich als Lösung in sensiblen Übergangsphasen positionieren.
Von links: Nicolas Peter, Claudio Henseler und Reto Hartmann von Aquila Investment Partner. (Bild: zVg)
Aquila betreibt mit ihrer All-in-One-Lösung ein einzigartiges Modell für unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz. Über 85 Partnergesellschaft sind unter einem Dach vereint. Sie profitieren von Legal-, Compliance- und Riskmanagement-Leistungen, Treuhand und Buchhaltung, einem IT-Service genauso wie einen Bankzugang
Rollenverteilung innerhalb der Gruppe geschärft
Was ursprünglich mit einzelnen Mandaten aus dem persönlichen Netzwerk begann – zunächst mit einer überschaubaren Zahl von «Friends-and-Family»-Kunden – entwickelte sich schrittweise zu einem eigenständigen Geschäftsmodell.
Der erste eigentliche Wachstumsschub erfolgte, als ein Aquila Partnergesellschaft beschloss, sich aus der klassischen Vermögensverwaltung zurückzuziehen und sich künftig auf Finanzplanung zu konzentrieren. Darauf folgten in den letzten Jahren zwei weitere Integrationen von Vermögensverwaltern.
Im vergangenen Jahr entschied die Aquila, daraus einen eigenständigen Bereich zu schaffen: Aquila Investment Partner. «Wir sind sozusagen ein Spin-off der führenden Schweizer Plattform für unabhängige Vermögensverwalter», sagt Managing Partner Nicolas Peter.
Damit entsteht eine strukturierte Alternative zum häufig beobachteten Szenario, wonach Kunden nach dem Rückzug eines Vermögensverwalters wieder zu einer Bank zurückkehren.
«Wir wollen uns als führende Plattform und All-in-One Lösung für unabhängige Vermögensverwalter positionieren. Die Nachfolgeplanung ist ein wichtiges Thema – für diejenigen, die bereits darüber nachdenken müssen, und für alle, die sich frühzeitig darauf vorbereiten möchten oder Lösungen anbieten können. Wir teilen unsere Erfahrung und zeigen Ihnen Möglichkeiten, die wir gemeinsam mit unseren Partnergesellschaften bieten können», sagt Jürg Furrer, CEO der Aquila AG.
Das Vertrauen der Kunden behalten
Der Schweizer Markt ist stark fragmentiert. Während grössere Vermögensverwalter mit mehr als einer Milliarde Franken Assets under Management attraktive Übernahmeziele darstellen, bleibt für die grosse Mehrheit kleinerer Anbieter der Zugang zu professionellen Nachfolgelösungen schwierig.
Entscheidend sei dabei weniger die juristische Struktur als vielmehr das Vertrauen der Kunden – schliesslich bleibe Vermögensverwaltung ein «People’s Business», so Nicolas Peter. Die Verantwortlichen verfügen inzwischen Erfahrung aufgrund von bereits mehreren erfolgreich umgesetzten Transaktionen und sehen sich als erfahrener Sparringspartner in sensiblen Übergangsphasen.
Der Übergabeprozess wird deshalb eng begleitet. Ehemalige Inhaber bleiben in der Regel während einer Übergangsphase eingebunden, nehmen an Kundengesprächen teil und stellen den Wissenstransfer sicher. Dieser strukturierte Ansatz reduziert Abwanderungsrisiken und stabilisiert die AuM-Basis.
Plattformmodell als Zukunftsoption
Neben klassischen Nachfolgefällen adressiert Aquila Investment Partner auch Relationship Manager von Banken, die sich nicht selbständig machen wollen, aber eine unternehmerische Lösung unter einem bestehenden Dach suchen.
Als Teil der Aquila-Gruppe mit zentraler Infrastruktur, Skaleneffekten und Expertise ist die Aquila Investment Partner AG operativ gut aufgestellt – bleibt jedoch offen für weiteres Wachstum. Ein strategischer Eckpfeiler bildet dabei ein strukturiertes Nachfolgemanagement als Differenzierungsmerkmal im fragmentierten Schweizer Vermögensverwaltungsmarkt.
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Secondaries sind auf den privaten Märkten nicht länger nur ein Randsegment. Mit steigenden Volumina und sich entwickelnden Strukturen etablieren sie sich als ein zentraler Bereich. Roman Eggler erklärt hier, wie Portfolios aufgebaut werden, wo die Disziplinpunkte liegen und was die aktuellen Marktbedingungen in Bezug auf Bewertung und Chancen bedeuten.
Von Jérôme Sicard
Wie ist das Gesamtportfolio von Coller Capital allokiert?
Auf Unternehmensebene verteilt sich die Allokation im Wesentlichen auf die beiden Hauptsegmente des Sekundärmarktes: LP-geführte Transaktionen und GP-geführte Transaktionen, einschliesslich Continuation Vehicles. Aus Kapitalallokationssicht entspricht dies ungefähr einer 50/50-Aufteilung. Beide Transaktionstypen bieten unterschiedliche Vorteile: LP-geführte Secondaries ermöglichen einen diversifizierten Zugang zu reifen Portfolios zu attraktiven Bewertungen, mit effizientem Kapitaleinsatz und einem stabileren Renditeprofil. GP-geführte Secondaries hingegen bieten Zugang zu ausgewählten Assets mit hoher Überzeugung und starker Sponsor-Ausrichtung, wodurch häufig zusätzliche Wertschöpfungspotenziale erschlossen werden. Plattformübergreifend liegt der Fokus auf dem Aufbau breit diversifizierter Portfolios mit Exposure zu Tausenden von Unternehmen über Hunderte von Fonds hinweg – über verschiedene Vintages, Regionen und Sektoren.
Wie gehen Sie bei der Portfoliokonstruktion vor, um Diversifikation, Renditepotenzial und Risiko für Wealth-Investoren auszubalancieren?
Die Portfoliokonstruktion wird in erster Linie durch die Struktur bestimmt, wobei Diversifikation das zentrale Prinzip darstellt. Wir steuern Risiken durch eine breite Streuung über Fonds, zugrunde liegende Unternehmen, Vintages und Regionen hinweg und zielen gleichzeitig darauf ab, für Investoren konsistente und attraktive Ergebnisse zu erzielen.
Der Fokus liegt primär auf Buyout-Strategien, ergänzt durch eine kleinere Allokation in Growth Equity. Für Investoren bietet dieser Ansatz zwei wesentliche Vorteile: einen unmittelbaren Zugang zu Portfolios mit etablierten operativen Track Records und klareren Leistungsdaten sowie einen breiten Zugang zu führenden Managern, der für Einzelinvestoren nur schwer direkt aufzubauen wäre. Ein wesentliches Merkmal von Secondaries ist, dass wir in bestehende Portfolios und nicht in Blind Pools investieren. Dadurch können wir die zugrunde liegenden Assets detailliert analysieren, Investments neu beurteilen und Risiken mit hoher Transparenz steuern.
Wie gewichten Sie aktuell Buyout- und Venture-Exposure bei der Konstruktion eines Secondaries-Portfolios?
Die Gewichtung liegt klar auf Buyout. Venture-Capital- und Growth-Strategien weisen eine geringere Vorhersehbarkeit hinsichtlich der Cashflow-Generierung auf, was die Analyse erschwert. Unser Ansatz konzentriert sich daher auf grössere Buyout-Transaktionen, typischerweise im Mid- bis Large-Cap-Segment, wo Datenverfügbarkeit und Transparenz deutlich höher sind. Dies ermöglicht fundiertere Analysen und verlässlichere Cashflow-Prognosen, was zentral für unseren Investmentprozess ist.
Welche Rolle spielt die Transparenz auf Ebene der zugrunde liegenden Assets in Secondaries-Portfolios?
Die Transparenz auf Asset-Ebene ist zentral. Im Gegensatz zu Primärinvestitionen, bei denen Kapital in Blind Pools investiert wird, ermöglichen Secondaries den Zugang zu bereits aufgebauten und teilweise gereiften Portfolios. In der Regel steigen wir in Jahr vier oder fünf des Lebenszyklus ein, wenn bereits umfangreiche Informationen vorliegen. Dies erlaubt eine detaillierte Analyse der zugrunde liegenden Unternehmen sowie ein vollständiges Re-Underwriting des Portfolios. Diese Transparenz, kombiniert mit einer breiten Diversifikation über oft Hunderte oder sogar Tausende von Unternehmen, ist ein zentraler Treiber für Risikomanagement und stabile Renditen.
Wie beeinflussen die aktuellen Marktdynamiken Pricing und Opportunitäten im Secondaries-Markt? Wo sehen Sie derzeit die attraktivsten Einstiegspunkte?
Secondaries generieren Wert sowohl durch das Wachstum der zugrunde liegenden Assets als auch durch den Erwerb von Positionen mit Abschlag, wobei der Grossteil der Wertschöpfung aus dem Asset-Wachstum stammt. In Phasen von Marktstress oder eingeschränkter Liquidität steigt das Angebot an Verkäufern, was attraktive Einstiegsmöglichkeiten schaffen kann. Die Preisgestaltung hängt jedoch stark von der Qualität der Assets ab. Hochwertige Buyout-Portfolios werden in der Regel mit moderaten Abschlägen von etwa 10 bis 20 % gehandelt, während Portfolios geringerer Qualität oder im Venture-Bereich oft höhere Abschläge aufweisen.
Aktuell beobachten wir einen breiten und aktiven Markt. Unsere Fähigkeit, ein sehr grosses Dealflow-Volumen zu analysieren und gleichzeitig nur einen kleinen Teil davon umzusetzen, ermöglicht eine hohe Selektivität. Besonders attraktiv erscheinen derzeit Credit Secondaries, getrieben durch die Verfügbarkeit hochwertiger Assets. Gleichzeitig bleiben GP-geführte Transaktionen, insbesondere Continuation Vehicles, eine wichtige Quelle für Opportunitäten.
Secondaries gehören zu den am schnellsten wachsenden Segmenten der Private Markets. Was treibt dieses Wachstum?
Das Wachstum der Secondaries ist eng mit der Expansion der Primärmärkte verbunden. Der Sekundärmarkt ist im Vergleich zum gesamten Private-Markets-Universum nach wie vor relativ klein und macht nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der gesamten Assets aus.
Auf der Angebotsseite wirken zwei zentrale Treiber: Institutionelle Investoren nutzen Secondaries zunehmend zur aktiven Steuerung und Rebalancierung ihrer Portfolios. Gleichzeitig haben sich GP-geführte Transaktionen zu einer wichtigen Quelle für Dealflow entwickelt, da sie es Sponsoren ermöglichen, hochwertige Assets länger zu halten und gleichzeitig Liquidität für bestehende Investoren zu schaffen.
Auf der Nachfrageseite bieten Secondaries ein attraktives Risiko-Rendite-Profil. Historisch haben sie zweistellige Netto-Renditen im mittleren Bereich erzielt – bei geringerer Volatilität und weniger Verlusten im Vergleich zu anderen Private-Market-Strategien. Dies macht sie besonders attraktiv als Kernallokation, insbesondere für Wealth-Investoren mit diversifizierten Portfolios.
Wo sehen Sie mit Blick auf 2026 die grössten Chancen im Secondaries-Markt?
Wir erwarten, dass die Opportunitäten sowohl im LP- als auch im GP-geführten Segment stark bleiben. Der Markt wächst weiter und hat sein volles Potenzial im Verhältnis zur Grösse der Private Markets noch nicht ausgeschöpft. Marktvolatilität, Liquiditätsengpässe und der Bedarf an Portfoliorebalancing werden weiterhin für Dealflow sorgen. Insbesondere Credit Secondaries und GP-geführte Transaktionen dürften zentrale Opportunitätsfelder bleiben. Gleichzeitig bleibt Selektivität entscheidend, da die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Transaktionen erheblich sind.
Wie wird sich die Rolle von GP-geführten Secondaries in den kommenden Jahren entwickeln?
GP-geführte Secondaries haben stark an Bedeutung gewonnen und machen heute rund die Hälfte des gesamten Transaktionsvolumens im Sekundärmarkt aus. Dieses Segment war vor zehn Jahren praktisch nicht existent und ist heute ein zentraler Bestandteil des Marktes.
Wir erwarten weiteres Wachstum, getrieben durch den Bedarf an Liquiditätslösungen sowie den Wunsch von GPs, hochwertige Assets länger zu halten. Diese Transaktionen entstehen nicht aus einer Notlage heraus, sondern mit dem Ziel, zusätzliche Wertschöpfung zu generieren.
Aus Portfoliosicht sind GP-geführte Transaktionen tendenziell konzentrierter und direkter, was ein höheres Renditepotenzial mit sich bringen kann. Gleichzeitig bleiben die Ergebnisse stark deal-spezifisch und hängen von Asset-Qualität, Struktur und Einstiegspreis ab. Insgesamt dürften sowohl LP- als auch GP-geführte Märkte weiter wachsen und die Rolle von Secondaries als Kernallokation in Private Markets weiter stärken.
Roman Eggler
Coller Capital
Roman Eggler ist Managing Director und Head of DACH Private Wealth Distribution bei Coller Capital in Zürich. Vor seinem Eintritt bei Coller Capital war er Managing Director in der Client Solutions Group bei Goldman Sachs Asset Management. Zuvor war er unter anderem bei Deutsche Bank, Polaris Investment Advisory, EWM Global sowie IBM Global Business Services tätig.
Roman Eggler verfügt über einen BA HSG in Betriebswirtschaftslehre sowie einen MA HSG in Marketing, Services and Communication Management der Universität St. Gallen. Zudem ist er Chartered Alternative Investment Analyst und hat das Oxford Private Markets Programme an der Saïd Business School der University of Oxford absolviert.
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swisspartners und Red Speics haben sich entschieden, näher zusammenzurücken, um Unternehmern, die sich in einem Nachfolgeprozess befinden, Lösungen für die Unternehmensübernahme anzubieten. Durch die Kombination von operativer Expertise, Vermögensstrukturierung und steuerlicher Kompetenz wollen beide Akteure eine integrierte Antwort auf die zunehmende Komplexität von Unternehmensnachfolgen bieten.
Von Jérôme Sicard
Was war der Beweggrund für die Partnerschaft zwischen Red Speics und swisspartners? Welchen strategischen Mehrwert bringt sie einem Unternehmer, welche heute ihre Nachfolge plant?
Die Partnerschaft basiert auf einer einfachen Erkenntnis. Unternehmer können nicht alle Aspekte einer Nachfolgeregelung allein abdecken. Nachfolge umfasst steuerliche Themen, rechtliche Strukturierung, Erbschaftsplanung und Vermögensverwaltung. Diese Expertise eigenständig aufzubauen, würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. swisspartners verfügt bereits über starke Kompetenzen in diesen Bereichen, es fehlt jedoch an einer vertieften operativen Sicht der einzelnen Unternehmen. Durch die Kombination unserer Stärken können wir eine umfassendere Dienstleistung anbieten. swisspartners bringt Expertise in Steuern, Treuhand und Wealth Management ein, während ich mich darauf konzentriere, die DNA eines Unternehmens, seine Struktur und seine strategische Ausrichtung zu verstehen. Es geht nicht um ein «Win-win»-Konzept, sondern um Komplementarität. Gemeinsam können wir unseren Kunden einen ganzheitlichen Service bieten.
Warum unterschätzen viele Unternehmer nach wie vor die Komplexität eines Nachfolgeprozesses?
Ich denke, es gibt mehrere Faktoren, die für sich genommen nicht besonders komplex sind, in ihrer Kombination jedoch über die Zeit eine Herausforderung sind. Viele Unternehmer orientieren sich an einem mentalen Meilenstein – in der Regel dem Ruhestand mit 65 oder 67 – und beginnen erst dann, sich mit der Nachfolge zu beschäftigen, wenn sie sich diesem Punkt nähern.
In Wirklichkeit müssten sie deutlich früher beginnen. Häufig wird die Entscheidung über Jahre hinausgeschoben, und wenn sie dann getroffen wird, versucht man, den Prozess zu beschleunigen. Doch eine Nachfolge umfasst die Identifikation eines geeigneten Nachfolgers, die Strukturierung der Finanzierung, Fragen der Eigentumsverhältnisse, potenzielle Erben, Immobilien sowie Kundenbeziehungen.
Es gibt auch menschliche Herausforderungen. Ein Nachfolger muss den Übergang vom Angestellten zum Unternehmer vollziehen und dabei Verantwortung sowie häufig auch Schulden übernehmen. Gleichzeitig reduzieren Unternehmer gegen Ende ihrer Tätigkeit oft die Investitionen, was das Unternehmen schwächen kann. Es ist also nicht ein einzelner Faktor – sondern die Summe strategischer, finanzieller und menschlicher Aspekte, die den Prozess komplex macht.
Wann sollten Unternehmer realistisch mit der Nachfolgeplanung beginnen – und was passiert, wenn sie zu spät anfangen?
Idealerweise sollten Unternehmer sieben bis zehn Jahre im Voraus mit der Nachfolgeplanung beginnen. Es gibt keine exakte Regel, aber dieser Zeitraum ermöglicht es, verschiedene Optionen zu prüfen und sich angemessen vorzubereiten. Wenn sie zu spät beginnen, verlassen sie sich oft auf ein einziges Szenario – etwa einen bestimmten internen Nachfolger – ohne Alternativen zu prüfen. Und selbst wenn ein Nachfolger identifiziert ist, kann es sein, dass diese Person letztlich entscheidet, die Verantwortung nicht zu übernehmen.
Nachfolgeplanung erfordert mehrere Szenarien. Die einfachsten Optionen sind der Verkauf an einen externen Käufer oder die Übergabe innerhalb der Familie, aber auch diese sind nicht garantiert. Ohne ausreichend Zeit verlieren Unternehmer Flexibilität und erhöhen das Umsetzungsrisiko.
Sie unterscheiden zwischen einem «sellable» und einem «transferable» Unternehmen. Was sind die wesentlichen Unterschiede? Wie beeinflussen sie Bewertung, Finanzierung und die zukünftige Rolle des Gründers?
Ich verwende diese Begriffe, um zu unterscheiden, wie und an wen ein Unternehmen übergeben wird. Ein «transferable» Unternehmen wird intern weitergegeben, an ein Familienmitglied oder einen Mitarbeitenden. Ein «sellable» Unternehmen wird an eine externe Partei verkauft. Der wesentliche Unterschied liegt in Information und Risiko. Interne Nachfolger kennen das Unternehmen, die Kunden, die Strukturen und die Risiken. Externe Käufer müssen alles von aussen analysieren, was die Unsicherheit erhöht.
Diese Unsicherheit wirkt sich direkt auf die Bewertung aus. Externe Käufer berücksichtigen respektive gewichten Risiken stärker und arbeiten mit strukturierten Bewertungsmethoden wie Multiples oder Discounted Cashflow. Interne Übergaben sind stärker beziehungsgetrieben, bringen jedoch oft komplexe Finanzierungsfragen mit sich, da Nachfolger in der Regel auf Banken oder den Verkäufer angewiesen sind, die Transaktion zu ermöglichen. Prozess, Bewertung und auch die Rolle des Gründers unterscheiden sich somit deutlich.
Welche Faktoren werden – über finanzielle Kennzahlen hinaus – am häufigsten unterschätzt?
Der am meisten unterschätzte Faktor ist die Fähigkeit, loszulassen. Unternehmer glauben oft, sie könnten das Eigentum übertragen und gleichzeitig die Kontrolle behalten, etwa als Mehrheitsaktionär oder durch eine starke operative Präsenz. In der Realität führt dies zu dysfunktionalen Situationen.
Eine erfolgreiche Übergabe erfordert die Akzeptanz, dass sich das Unternehmen verändert, Entscheidungen anders getroffen werden und Fehler passieren können. Dieses Loslassen ist besonders schwierig, wenn das Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Ohne diesen Schritt kann die Nachfolge nicht wirklich gelingen.
Immer mehr Unternehmen stehen vor Nachfolgefragen, während weniger Familienmitglieder bereit sind, die Nachfolge anzutreten. Wie verändert diese Entwicklung den Markt – und was bedeutet das für Unternehmer?
Unternehmer müssen akzeptieren, dass die Übergabe ihres Unternehmens nicht mehr so selbstverständlich ist wie früher. Mit weniger internen Nachfolgern müssen Unternehmen als attraktive Ziele für externe Käufer positioniert werden. Gleichzeitig entstehen dadurch Chancen. Es gibt ein wachsendes Potenzial für Konsolidierungen, bei denen mehrere Unternehmen zusammengeführt werden, um effizientere Strukturen zu schaffen, Kosten zu teilen oder technologische Vorteile zu nutzen.
Dies erfordert jedoch eine externe Moderation und eine klare strategische Vision. Viele Unternehmen bleiben aus historischen oder persönlichen Gründen fragmentiert, obwohl eine Zusammenführung sinnvoll wäre. Für Unternehmer bedeutet dies, ihr Unternehmen aktiv auf Marktstandards auszurichten und offen für breitere strategische Optionen zu sein.
Durch die Partnerschaft zwischen Red Speics und swisspartners wird die Nachfolge in einem breiteren Rahmen eingebettet, der auch Vermögensplanung und langfristige Finanzstrategie umfasst. Wie verändert das den Ansatz der Unternehmer?
Ziel ist ein integrierter und unabhängiger Ansatz. Unternehmer brauchen keinen klassischen Berater, der ihnen sagt, was sie tun sollen. Sie brauchen jemanden, der ihre Realität versteht und sie glaubwürdig herausfordert. Das erfordert Erfahrung und den richtigen Ton – nicht Lösungen aufzudrängen, sondern Reflexion anzustossen.
Der Prozess ist schrittweise. Selbst wenn man ein Unternehmen schnell versteht, kann man nicht sofort mit direkten Aussagen kommen. Man muss den Unternehmer begleiten, die richtigen Fragen stellen und Vertrauen aufbauen. Am Ende ermöglicht dieser Ansatz, sowohl das Unternehmen als auch das private Vermögen kohärent und strukturiert auf die nächste Phase vorzubereiten.
Peter Schweighofer
Red Speics
Peter Schweighofer ist CEO von Red Speics. In den vergangenen 13 Jahren hat er seinen Fokus auf den Bereich Private Equity gelegt und als operativ tätiger CEO gewirkt. In dieser Zeit hat er sowohl global agierende als auch lokal verankerte Unternehmensgruppen begleitet und dabei finanzielle sowie operative Restrukturierungen umgesetzt. Zudem hat er strategische Neuausrichtungen initiiert und vorangetrieben. Vor seiner Tätigkeit als CEO hat er umfangreiche Erfahrungen im Finanzsektor gesammelt. Er hat als Multi-Asset-Manager gearbeitet, war im Investment Banking tätig und hat als Partner bei einem unabhängigen Vermögensverwalter gewirkt.
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