Allokation

Real Assets Lösungen

  • Interview mit Anastasia Amoroso
  • Chief Investment Strategist
  • iCapital

” Private Debt:Die hohen Renditen machen die Anlageklasse attraktiv.”

Das Umfeld für Private Equity-Investitionen wird derzeit stark vor von der Geldpolitik der Nationalbanken beeinflusst. In den USA bringen die Wahlen eine zusätzliche Dynamik in die Märkte. Laut Anastasia Amoroso ist eine Rückkehr von Transaktionen im Bereich Private Equity spürbar und auch Private Debt bleibt weiterhin atttraktiv.

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Kurz vor den Wahlen in den USA stehen die Finanzmärkte stark im Fokus. Wie schätzen Sie diese Situation ein?

In der Regel reagieren die Märkte erst kurz vor den Wahlen. Je näher die Präsidentschaftswahl in den USA rückt, desto mehr werden sich die Märkte auf die Prognosen konzentrieren und sich auf mögliche Ergebnisse einstellen. Um uns auf beide unterschiedlichen Szenarien vorzubereiten, halten wir gegenwärtig unsere Investitionen in die Aktienmärkte aufrecht, wobei wir uns mehr von der lockeren Politik der Fed leiten lassen als von den Wahlprognosen.

Wie hat sich die Geldpolitik in den Jahren 2023 und 2022 auf den Private-Equity-Markt ausgewirkt?

Die hohen Leitzinsen waren insbesondere für Buyout-Deals 2023 eine Herausforderung. Dies führte aber auch dazu, dass sich die Strategien der Manager weiterentwickelt haben. Sie konzentrieren sich jetzt weniger auf Kredite als vielmehr auf die Steigerung von Erträgen, Rentabilität und Margenausweitung. Dieser Wandel bedeutet eine strategische Neuausrichtung im Private-Equity-Sektor, weg von der Abhängigkeit von Fremdkapital.

Wie hat sich der gesamte Markt auf diese Veränderungen eingestellt?

Die Anpassung zeigt sich wie bereits angetönt in der geringeren Abhängigkeit von Fremdkapital bei Buyout-Transaktionen und in der Hinwendung zu operativen Verbesserungen. Gegenwärtig ist aber deshalb ein deutlicher Trend zu Growth-Equity-Transaktionen zu beobachten, die mehr auf Eigenkapital als auf Fremdkapital setzen. Ausserdem, und das ist für Investoren wichtig, hat sich die Zeitspanne verlängert, von der Investition bis zum Ausstieg.

Trotz diesen Anpassungen scheint die Dynamik im Bereich Private Equity hoch. Was ist hier der Grund?

Der Private-Equity-Markt erlebt derzeit eine faszinierende Dynamik. Growth-Equity-Transaktionen haben im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2008 – dem Beginn der Datenerfassung – die Zahl der Leveraged Buyouts übersteigt. Auch diese Verschiebung deutet auf eine breitere strategische Neuausrichtung der Branche hin, die sich auf die langfristige Wertschöpfung und nicht auf kurzfristige Leverage-Gewinne konzentriert. Darüber hinaus hat der verlängerte Zeitraum zwischen Investition und Exit die Transaktionslandschaft verändert und sich auf die Mittelbeschaffung und die Gewinnausschüttung an die Investoren ausgewirkt.

Wie beurteilen Sie nach einem starken Jahr 2023 den Bereich Private Debt?

Wir sehen nach wie vor Renditen von fast 12 Prozent, was am oberen Ende der historischen Spanne für private Kredite liegt. Diese hohe Rendite macht Private Debt für Anleger auch 2024 attraktiv. Selbst bei möglichen Zinssenkungen durch die Zentralbanken bietet diese Anlageklasse eine überzeugende Überschussrendite gegenüber Bargeld.

Ein anderes Thema, das derzeit in der Branche diskutiert wird, ist die Rolle von Private Equity und Private Debt bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft. Wie sehen Sie das?

Die Dekarbonisierung als Megatrend bietet immense Chancen, insbesondere für Private Equity. Dazu gehören Bereiche wie saubere Energie, Elektrofahrzeuge, Kohlenstoffabscheidung und die Kreislaufwirtschaft. Der Privatsektor ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, die staatlichen Initiativen zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen zu ergänzen. Dazu sind private Investitionen in Billionenhöhe erforderlich sind. Weil bei diesen Themen viele kleine und mittlere Unternehmen eine Rolle spielen, spielt Private Equity und Private Debt eine wichtige Rolle.

Anastasia Amoroso

iCapital

Anastasia Amoroso ist Managing Director und Chief Investment Strategist bei iCapital. Sie tritt regelmässiger Gast in bekannten TV-Sendungen von CNBC und Bloomberg. Vor iCapital war sie Executive Director und Head of Cross-Asset Thematic Strategy bei J.P. Morgan Private Bank und verwaltete bei Merrill Lynch globale taktische Multi-Asset-Portfolios. Anastasia Amoroso hält einen Bachelor of Business Administration (B.B.A.) mit Schwerpunkt Finance der University of New Mexico ist CFA-Charterholderin.

Focus

Real Assets Lösungen

  • Interview mit David Arcauz
  • Managing Partner
  • Flexstone

“Das Small- und Mid-Cap-Segment erfordert weniger Leverage”

Angesichts der veränderten Marktbedingungen passen Private-Equity-Boutiquen ihre Strategien an. Die Konzentration auf das Small- und Mid-Cap-Segment ist beispielsweise eine der Optionen, die sie in Betracht ziehen, um ihr Wachstum zu festigen.

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Das Umfeld für Investoren im Bereich Private Markets ist anspruchsvoll geworden. Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes?

Angesichts der Herausforderungen, die Wirtschaftskrisen und sich verändernde Marktdynamiken mit sich bringen, nutzen Private-Equity-Firmen ein immer breiteres Spektrum an Instrumenten und Strategien. Sie konzentrieren sich etwa auf kleine bis mittelgrosse Investitionen, die Möglichkeiten zur Wertschöpfung auf lokaler Ebene bieten. Darüber hinaus gibt es einen Trend zur Branchenspezialisierung, der es Anlegern ermöglicht, sich auf bestimmte Themen zu konzentrieren, die mit globalen demografischen und wirtschaftlichen Trends übereinstimmen, wie beispielsweise das Gesundheitswesen aufgrund der alternden Bevölkerung. Und private Schulden werden immer wichtiger.

Welche konkreten Auswirkungen haben höhere Zinsen und auf welchen Teil des Marktes hat sich das besonders stark ausgewirkt?

Höhere Zinssätze haben erhebliche Auswirkungen auf das die grösseren Private-Equity-Deals, da dieser Markt stärker auf Fremdfinanzierung angewiesen ist. Die ist jedoch im Zuge der Zinswende teurer geworden. Wir haben daher festgestellt, dass sich grössere Transaktionen aufgrund einer Reduzierung der Fremdfinanzierung verlangsamen, während das Small- bis Mid-Cap-Segment weniger betroffen ist, da es im Allgemeinen weniger Fremdfinanzierung erfordert. Diese Widerstandsfähigkeit im Small- bis Mid-Cap-Bereich unterstreicht seine Attraktivität – auch in Zeiten wirtschaftlicher Belastung.

Wo kommt da Flexstone ins Spiel?

Flexstone spielt eine wichtige Rolle dabei, institutionelle Anleger durch die sich veränderten Landschaften zu führen. Je reifer und diversifizierter der Markt wird, desto wichtiger wird unsere Fähigkeit, massgeschneiderte Beratungs- und Anlagestrategien anzubieten. Gleichzeitig arbeiten wir an Co-Investments.

Auf welche Unternehmen konzentrieren Sie sich?

Generell konzentrieren wir uns vor allem auf Unternehmen mit einem Wert von unter 500 Millionen Euro, die einen erheblichen Teil des europäischen und US-amerikanischen Marktes repräsentieren. Dieser Fokus ermöglicht es uns mehr Einfluss auf die Unternehmen einzunehmen. Indem wir auf kleine bis mittelgrosse Unternehmen abzielen, erschliessen wir einen umfassenden Markt, der nicht nur beträchtlich ist, sondern auch das Potenzial für erhebliches Wachstum und Widerstandsfähigkeit gegenüber grösseren wirtschaftlichen Schwankungen bietet.

Wie kann man die Schweizer Identität bewahren und gleichzeitig global expandieren?

Es ist uns gelungen, die lokale Schweizer Identität zu bewahren, indem wird unseren Ursprüngen treu geblieben sind und den Hauptsitz in Genf beibehalten. Gleichzeitig haben wir unsere globale Reichweite durch eine Präsenz in New York, Paris und Singapur erweitert, das uns erlaubt, Investitionsmöglichkeiten auf globaler Ebene anbieten zu können.

Wie gehen Sie beim Aufbau von Kundenportfolios vor?

Statt standardisierte Produkte anzubieten, arbeiten wir eng mit jedem Kunden zusammen, um seine spezifischen Bedürfnisse, Ziele und Einschränkungen zu verstehen. Diese Flexibilität ermöglicht es den Kunden, so weit wie sie möchten in den Investitionsprozess involviert zu sein und sicherzustellen, dass ihre Private-Equity-Allokationen mit ihrer gesamten strategischen Vermögensallokation im Einklang stehen.

Schauen wir noch einmal auf die Schweiz: Können Sie beschreiben, wie wichtig lokales Wissen für Ihre Anlagestrategie ist?

Lokale Kenntnisse sind für unsere Anlagestrategie von entscheidender Bedeutung, insbesondere wenn es um Investitionen in kleine bis mittelgrosse Unternehmen geht. Dies ist in allen Märkten der Fall, in denen wir tätig sind. Diese Investitionen erfordern ein Verständnis der lokalen Marktdynamik, Vorschriften und kulturellen Nuancen. Nur so können auch Chancen erkannt werden und Werte in Märkten zu schaffen. Was die Schweiz betrifft, sehen wir eindeutig eine Nachfrage nach Investitionen, insbesondere spät im Zyklus. Gleichzeitig sehen wir, dass es für Anleger nicht so viele Chancen gibt, wie sie sich das vielleicht wünschten.

David Arcauz

Flexstone Partners

David Arcauz leitet von Genf aus leitet europäische Investitionen und ist Mitglied des Global Advisory Investment Committee sowie des European and Asian Investment Committees. Bevor Arcauz im September 2016 zu Euro Private Equity, einem Vorgänger von Flexstone Partners, stiess, arbeitete er sechs Jahre lang als Partner für Adams Street Partners in London. Davor war er fünf Jahre lang bei UBS Global Wealth Management und bei Swiss Life Private Equity Partners tätig. Arcauz begann seine Karriere als Kreditanalyst bei der Banque Cantonale Vaudoise in Lausanne und arbeitete anschliessend als Corporate Finance-Berater für KPMG in Zürich. Er hat einen Master of Law der Universität Lausanne und ist CFA Charterholder.

Outlook

Real Assets Lösungen

  • Remy Pomathios & Matthieu Roumagnac
  • Leiter der Private Markets & Real Assets Investments
  • Indosuez Wealth Management

Private Markets beginnen einen neuen Zyklus

Private Markets haben sich zu einer eigenständigen Anlageklasse entwickelt. Die starke Verbreitung und die steigenden Zinsen führen zu einer grundlegenden Veränderung des Sektors. Auffällig sind die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Fondsmanagern.

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Das Jahr 2023 war ein Wendepunkt für Private Markets, da die anhaltende Inflation und die Aussicht auf dauerhaft höhere Zinsen den Grundstein für die “neue Normalität” des gesamtwirtschaftlichen Umfelds legten. Längerfristig könnte dieses neue Umfeld die Private-Markets-Anleger zugutekommen, da nun die Fondsmanager ihre Fähigkeit, Wert durch operative Verbesserungen statt durch Financial Engineering zu generieren, unter Beweis stellen können. Bei Investitionen in Private Markets ist daher eine genaue Analyse und Selektivität wichtiger denn je. Nicht börsenkotierte Vermögenswerte stehen vor Transformationsherausforderungen, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und Umwelt. Deswegen werden nur Fondsmanager weiterhin hervorragende Ergebnisse erzielen, die tief in das operative Geschehen eingebunden sind.

Die erfahrensten und anspruchsvollsten Manager mit nachgewiesener operativer Expertise werden überproportional von dem neuen Paradigma profitieren, da sie sowohl eine Anziehungskraft in Bezug auf die Kapitalbeschaffung als auch einen privilegierten Zugang zu Transaktionen vereinen. Ein starkes Investmentteam reicht nicht mehr aus. Es muss durch Fachleute ergänzt werden, die sich ausschliesslich auf die Begleitung der Portfoliounternehmen konzentrieren, um sie bei der Umsetzung der Wertschöpfungspläne zu unterstützen. Infolgedessen ist mit einer beschleunigten Konsolidierung innerhalb der Branche zu rechnen, welche die marktbeherrschenden Akteure stärken könnte. Die Übernahmen von Fondsmanagern durch grössere Konkurrenten hat bereits begonnen, wobei im Jahr 2023 mehrere bedeutende Transaktionen stattgefunden haben. Der Konsolidierungstrend befindet sich noch in der Anfangsphase, die Anlageklasse wird sich weiterentwickeln, nicht zuletzt angetrieben durch neue Arten von Anlegern – insbesondere auch von vermögenden Privatpersonen.

Neue Chancen im 2024

Im Bereich Private Equity sehen wir ermutigende Anzeichen auf dem Markt für Unternehmensfusionen und -übernahmen, da sich die Transaktionsdynamik im dritten Quartal 2023 leicht erholt hat. Wir rechnen mit einer allmählichen Erholung der Aktivität im Jahr 2024, die zu einem Anstieg der Ausschüttungen an die Anleger führen könnte. Die Anpassung der Einstiegsbewertungen nach unten könnte sich im Laufe des Jahres 2024 noch beschleunigen. Die ursprünglich für 2022 oder 2023 geplanten und aufgrund des makroökonomischen Umfelds verzögerten Veräusserungen werden letztendlich stattfinden müssen, da die Fondsmanager unter Druck stehen, Kapital an ihre Anleger zurückzuzahlen. Wir sind daher überzeugt, dass Private-Equity-Fonds 2024 von attraktiven Einstiegspreisen in einem Markt profitieren werden, der unserer Ansicht nach ein Käufermarkt sein wird. Das grosse Reservoir an kleinen und mittleren Unternehmen wird weiterhin ein relevantes Segment bleiben.

Der Bereich Private Debt sah in den letzten 18 Monaten vor dem Hintergrund steigender Zinsen eine starke Beschleunigung der Kapitalaufnahme. Die Anleger sollten jedoch auch hier vorsichtig und selektiv vorgehen, da die Ausfallraten in den nächsten zwei Jahren aufgrund des Drucks durch die Zinsdeckungsquoten deutlich steigen könnten. Ergänzend zu den traditionellen direkten Strategien werden nach Investitionen in notleidende Anleihen (Distressed Debt) und strukturiertem Kapital attraktive Untersegmente sein, die vom aktuellen Umfeld profitieren dürften, um sich am Markt für Private Debt zu positionieren. Schliesslich sollten Infrastrukturanlagen weiterhin das strukturelle Defizit an Kapital zur Finanzierung der Energiewende und der Digitalisierung ganzer Gesellschaftsbereiche zugutekommen.

Die anhaltende Inflation wird in den kommenden Jahren zweifellos einen Performancetreiber darstellen, insbesondere bei Real Assets. Nach mehr als 15 Jahren mit niedrigen Zinsen und vernachlässigbarer Inflation treten die Private Markets in eine neue Phase ein. Ebenso wie die Wirtschaft befinden sie sich in einem tiefgreifenden Wandel. Mit einer langfristigen Vision und abseits der Volatilität der öffentlichen Märkte verfügen sie über die notwendigen Instrumente, um weiterhin eine Outperformance zu erzielen.

Aktuelle Lage bei Immobilien

Seit über 12 Monaten sind im Bereich der Immobilien Korrekturen von durchschnittlich 10 % bis 20 % im Gange und haben das Investitionsvolumen bis 2023 um fast 40 % beeinträchtigt. Der inflationsbedingte Anstieg der Mieten im Jahr 2023 dürfte sich 2024 fortsetzen. Die restriktiveren Kreditbedingungen und die steigenden Fremdkapitalkosten haben den Abwärtstrend beschleunigt, der sich bis Mitte 2024 fortsetzen könnte und attraktive Möglichkeiten eröffnet. Zu beachten ist, dass einige Sektoren eine relative Widerstandsfähigkeit aufweisen,

insbesondere Hotels und Betriebsvermögen, die ihre Vor-COVID-Performance wieder erreicht oder in einigen Fällen sogar übertroffen haben und von einem starken Nachfrage-/Angebotsungleichgewicht in Europa getrieben werden. Auch der Einzelhandel erwirtschaftet weiterhin solide Renditen. Der Bereich Luxusimmobilien scheint kaum von den Zinsbewegungen beeinflusst, die sich einem Höchststand zu nähern scheinen. Daher könnte sich in einigen Segmenten eine allmähliche Erholung materialisieren. Dies gilt insbesondere für Logistikimmobilien und die besten Büroimmobilien mit guter Umweltbilanz, die in CBD-Zonen mit niedrigen Leerstandsraten liegen. Auch Wohnimmobilien profitieren weiterhin von soliden Fundamentaldaten.

Startups

Real Assets Lösungen

  • Interview mit Andreas Bezner
  • Mitgründer & Managing Partner
  • Stableton

«Die Stimmung im Technologiesektor hat sich spürbar verbessert»

Der Private-Equity-Markt sah sich 2023, durch externe Faktoren mit starken Herausforderungen konfrontiert. Dies führte zu einer zunehmenden Vorsicht bei Risikokapitalgebern. Dennoch bieten Private Equity und Risikokapital weiterhin langfristige Investitionsmöglichkeiten, sagt Andreas Bezner.

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Wie nehmen Sie den Markt im Bereich Private Equity wahr auch aus Sicht der Venture-Investoren?

Nach den Exzessen von 2021 ergeben sich nun attraktive Anlagechancen. Gerade Sekundärstrategien, also der Kauf und Verkauf bereits emittierter Privatmarkt-Anlagen, haben an Bedeutung gewonnen. Sie ermöglichen Anlegern den Erwerb zuvor illiquider Vermögenswerte, schnellere Renditen und eine verbesserte Portfolioliquidität. Dieses Segment erfreut sich bei Anlegern derzeit grösster Beliebtheit.

Wie schätzen Sie die Nachfrage und den Ausblick für privat gehaltene Technologieunternehmen ein, insbesondere aufgrund der Trendwende der Zinspolitik – in den USA wird ja sogar mit Zinssenkungen gerechnet?

Die Stimmung gegenüber privaten Technologieunternehmen hat sich dank prognostizierter Zinssenkungen und sinkender Inflationserwartungen spürbar verbessert. Der Markt ist derzeit ein Käufermarkt, bedingt durch den Liquiditätsbedarf einiger Marktteilnehmer.

Was zeichnet den Technologiesektor aus – insbesondere, wenn es um privat gehaltene Firmen geht?

Der private Markt wächst schnell und erreicht fast die Grösse aller börsennotierten kleinen und mittelgrossen Unternehmen. Tech-Unicorns sind mittlerweile ein fester Bestandteil des täglichen Lebens und der Medienberichterstattung geworden. Dementsprechend gross ist das Interesse der Anleger an diesem Thema, obwohl der Zugang zu diesen Unternehmen bisher eingeschränkt war.

Welche M&A-Transaktionen erwarten sie in diesem Bereich?

Für das Jahr 2024 erwarten wir mehrere Börsengänge, worauf auch der deutliche Aufwärtstrend der Preise auf dem Sekundärmarkt schliessen lässt. Ausserdem entwickeln sich die Bewertungen privater Technologieunternehmen in der Regel mit einer Zeitverzögerung von etwa 9 bis 12 Monaten am besten, nachdem börsennotierte Technologieunternehmen deutliche Kursgewinne erzielt haben. Es wird erwartet, dass diese Faktoren den Index im Jahr 2024 zu neuen Höchstständen treiben werden.

Was lässt sich aufgrund Ihres 2023 gemeinsam mit Morningstar Indexes aufgelegten Indexes bezüglich des Risikoappetit der Investoren aussagen?

Anhand der Morningstar-Indizes können wir feststellen, dass die Risikobereitschaft der Anleger im Laufe des letzten Jahres wieder zugenommen hat. Dennoch gibt es immer noch zu wenige, die von dieser Anlagemöglichkeit wissen. Sie bietet eine Menge von Vorteilen, darunter eine deutlich verbesserte Liquidität des ansonsten semi-liquiden Produkts, eine hohe Transparenz, einen systematischen Ansatz, der immer in die wertvollsten Unternehmen investiert, und zuletzt niedrige Gebühren ohne jegliche Performancegebühren. Dies sind Schlüsselfaktoren, die dazu beigetragen haben, dass mehr Anleger bereit sind, den Schritt in Privatmarktanlagen zu wagen.

In welche Richtung wird sich der Index 2024 weiterentwickeln? Was sind hier Ihre Prognosen und Pläne?

Morningstar plant, den Index im Februar zu verbessern, indem die weniger liquiden Unternehmen entfernt werden. Diese Änderung wird die Gesamtliquidität verbessern und den Index repräsentativer für den breiteren privaten Markt machen. Ausserdem wird der Index zahlreiche neue Branchen abbilden, insbesondere die künstliche Intelligenz mit Unternehmen wie OpenAI (ChatGPT), Anthropic oder Databricks.

 

Andreas Bezner

Stableton

Andreas Bezner ist CEO, CIO und Mitbegründer von Stableton. Er hat einen Master-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und ist CFA Charterholder. Bezner hat durch seine verschiedenen Rollen in der Transaktionsberatung, im Technologie-Portfoliomanagement, als Hedgefonds-Manager und durch über 70 direkte Venture-Capital-Sekundärmarkttransaktionen bei Stableton umfangreiche Anlageerfahrung gesammelt.

Cleantech

Real Assets Lösungen

  • Interview mit Willem van Hasselt & Robin Henri
  • Leiter Investor Relations & Projektmanager Investment
  • Solar Impulse Foundation

„Der Kapitalzufluss in Cleantech-Unternehmen bleibt stark.“

Nach Jahren der Forschung und Entwicklung hat die Solar Impulse Foundation der Finanzwelt ihre Auswahl von 1500 Innovationen mit dem Label Cleantech präsentiert. Investoren erhalten über die neugeschaffene Plattform Runway, die sie mit den Innovatoren in Verbindung bringt, Zugang. Parallel dazu wurden zwei private Investmentfonds aufgelegt, wie Willem van Hasselt und Robin Henri erläutern.

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Was war die Idee hinter der Einführung der Runway-Plattform?

Das ursprüngliche Ziel unserer Stiftung bestand darin, globale Innovatoren im Bereich Cleantech zu identifizieren. Wir haben das Solar Impulse Efficient Solution Label entwickelt, das sich auf bestehende Lösungen konzentriert, die sowohl sauber als auch profitabel sind. Das Label wird an Produkte, Dienstleistungen und Prozesse verliehen, die eine glaubwürdige wirtschaftliche Leistung erbringen und gleichzeitig die gängigen Optionen auf ihrem Markt in Bezug auf geringere Umweltauswirkungen übertreffen. Dann stellten wir fest, dass eine starke Nachfrage nach Kapital bestand, da Start-ups auf der ganzen Welt viele Lösungen entwickelt hatten, für die Investitionen zur Skalierung erforderlich waren.

Und so kam es zur Entwicklung der Runway-Plattform?

Ja, diese wurde geschaffen, um die Lücke zwischen Innovatoren im Bereich sauberer Technologien und Investoren zu schliessen. Innovatoren mit ausgewiesenen Lösungen, die Kapital für ihr Wachstum suchen, sollten über Runway Investoren finden, die aktiv nach tragfähigen Nachhaltigkeitsprojekten suchen.

Wie können Vermögensverwalter an diesem Projekt partizipieren?

Erstens, indem sie über die Plattform die 1500 gekennzeichneten Lösungen entdecken, die im Rahmen des Kennzeichnungsprozesses der Solar Impulse Foundation einer strengen Bewertung unterzogen wurden. Sie erhalten in einem ersten Schritt personalisierte Leads, die zu ihrer Investitionsstrategie passen, und haben ausserdem direkten Zugriff auf Pitch-Decks, um die Start-ups schnell zu bewerten. Es gibt also verschiedene Zugangsebenen für Investoren: Einerseits als World Alliance-Mitglied mit priorisiertem Zugang, als Change-Maker mit optimierten Möglichkeiten zur Lead-Generierung und Interaktion sowie als Pioniere, die massgeschneiderte Unterstützung von der Solar Impulse Foundation erhalten.

Die Entwicklung dieser Plattform bedeutete jedoch ein Strategiewechsel?

In einem gewissen Sinn, ja. Unser ursprüngliches Ziel als Stiftung bestand darin, die verfügbaren Cleantech-Lösungen zu identifizieren und zu bewerten. Nachdem wir dies getan haben, konzentrieren wir uns darauf, diese Unternehmen und ihre Technologien voranzutreiben. Nachdem wir erkannt hatten, dass eine starke Nachfrage nach Kapital und eine starke Nachfrage von Cleantech-Investoren besteht, haben wir natürlich unsere Investment-Matchmaking-Aktivitäten ins Leben gerufen. Selbst vor dem Hintergrund steigender Zinsen und geringerer VC-Investitionsvolumina beobachten wir immer noch eine gute Widerstandsfähigkeit des Cleantech-Sektors, die unserer Einschätzung nach im Laufe der Zeit noch weiter zunehmen wird.

Wie können Sie sicherstellen, dass Cleantech-Investoren die qualifizierten Informationen erhalten, die sie benötigen?

Runway gewährleistet ein vertrauenswürdiges Netzwerk mit einem Validierungsprozess durch unabhängige Experten und einer aktiven Überwachung aller Investoren. Innovatoren kontrollieren ausserdem, was sie mit wem teilen wollen. Dieser Ansatz gewährleistet eine strenge Auswahl von Cleantech-Innovatoren, die der Nachhaltigkeit Priorität einräumen.

Zur Finanzierung der Lösungsanbieter haben Sie auch zwei Fonds mit-initiert. Wie hängen diese mit der Plattform zusammen?

Gemeinsam mit BNP und Rothschild haben geholfen, zwei Fonds zu lancieren, die in unsere zertifizierten Lösungsanbieter investieren. Das Bindeglied hierzu ist unser Label. Der BNP Paribas Solar Impulse Venture Fund ist ein 150-Millionen-Euro-Investmentfonds. Ziel ist die Minderheitsbeteiligung an Startups, vor allem in Europa, Nordamerika und Israel. Mit den Rothschild’s Five Arrows Sustainable Investments (FASI) streben wir eine Fondsgrösse von 250 Millionen Euro an. Die Fonds investieren in Unternehmen, die von der Solar Impulse Foundation ausgezeichnet wurden.

Willem van Hasselt, Solar Impulse Foundations

Willem van Hasselt verfügt über einen Research Master-Abschluss in Sinologie und einen beruflichen Hintergrund in den Bereichen Finanzkommunikation für institutionelle Anleger, strategische Kommunikationsplanung, Verbrauchererkenntnisse und Markttrendforschung.

 Robin Henri,  Solar Impulse Foundation

Robin Henri hat einen Master of Science in Materialwissenschaften und Ingenieurwesen mit Nebenfach Energie. Sein beruflicher Werdegang, der Rollen in den Bereichen Betrieb, Kundenbeziehungen und Projektmanagement umfasste, war massgeblich an der Gestaltung seines Ansatzes für Nachhaltigkeit und Impact Investing beteiligt.

Real Estate

Real Assets Lösungen

  • Interview mit Corinne Dubois
  • Senior Economist
  • Wüest Partner

«Starke Nachfrage und geringes Leerstandsrisiko sind Anzeichen für einen stabilen Wohnungsmarkt im Jahr 2024»

Nach Jahren sehr niedriger Finanzierungskosten und weniger Anlagealternativen für Investoren ist der Kontext für Immobilien nunmehr nicht mehr so günstig. Dennoch sind die Aussichten für den Wohnimmoblienmarkt auch im Jahr 2024 weiterhin solide. Die Nachfrage ist nach wie vor hoch und das Leerstandsrisiko gering, was den Investoren stabile Einnahmen sichert, wie uns Corinne Dubois, Senior Economist bei Wüest Partner, erläutert.

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Welche Faktoren werden sich 2024 auf den Schweizer Immobilienmarkt auswirken?

In diesem Jahr rechnen wir mit einer robusten Wirtschaftsleistung, wenn sie auch niedriger ausfallen dürfte als der Durchschnittswert der letzten Jahre: Die Beschäftigung dürfte 2024 um 1 % wachsen, gegenüber 2,2% im Jahr 2023. Die Zuwanderung dürfte daher zurückgehen, das Bevölkerungswachstum dagegen im kommenden Jahr um +0,7% steigen. Die Inflation hat in den letzten Monaten zwar deutlich nachgelassen, aber einige Risikofaktoren bestehen immer noch. Die Strompreise werden 2024 anziehen, und auch die Mieten. Daher ist für 2024 mit einer Inflation in Höhe von 1,9 % zu rechnen. Aufgrund der anhaltenden Inflationsrisiken ist es auch wenig wahrscheinlich, dass die Schweizerische Nationalbank die Zinsen vor der zweiten Jahreshälfte wieder senkt.

Wird sich der Bausektor, der 2023 stagnierte, wieder erholen?

Aktuell sehen wir nur wenige positive Signale im Bausektor. Die Preise sind nach wie vor hoch, und es gibt viele regulatorische Einschränkungen und Widerstände. Zudem ist von Lohnerhöhungen auszugehen, was die Belastung der Unternehmen in die Höhe treibt. Die Investitionen in den Neubau dürften weiter zurückgehen: um -0,8 % bei Mehrfamilienhäusern und -1,0 % bei Gewerbebauten.

Ist im Mehrfamilienhaussektor im Vergleich zu 2023 mit einer Entspannung zu rechnen?

Trotz des Bevölkerungswachstums sind die Impulse auf den Neubausektor gering. Auf kurze Sicht ist somit eine Entspannung auf dem Mietwohnungsmarkt eher unwahrscheinlich. Seit 2020 lässt sich zudem ein kontinuierlicher Rückgang bei den leerstehenden Wohnungen beobachten. Auf Landesebene, aber auch in den meisten Kantonen, ist der Prozentsatz leerstehender Wohnungen zu gering, weshalb man von einem permanenten Anstieg der Mieten ausgehen kann. Für Investoren bedeuten die hohe Nachfrage und das geringe Leerstandsrisiko, dass der Wohnimmobilienmarkt solide und stabil ist.

Wie steht es um den Sektor des individuellen Wohneigentums?

Anfang 2023 haben sich die langfristigen Festhypothekenzinsen stabilisiert und sind derzeit sogar leicht rückläufig. Zwar sind sie gegenüber 2021 immer noch teuer, aber der Höhepunkt ist nunmehr überschritten. Aufgrund der gestiegenen Zinsen ist die Nachfrage nach Wohneigentum deutlich zurückgegangen, aber es gibt auch positive Faktoren: das Bevölkerungswachstum, die spärlichen Alternativen auf dem Mietwohnungsmarkt, die stabile Beschäftigung und das geringe Risiko der Arbeitslosigkeit. Für 2024 wird bei Eigentumswohnungen ein Preisanstieg um 1,2 % und bei Einfamilienhäusern um 0,3 % erwartet.

Ist bei Büro- und Gewerbeimmobilien das Ende des Tunnels in Sicht?

Der Bürosektor ist derzeit widersprüchlichen Einflüssen ausgesetzt. Einerseits kurbeln die neu geschaffenen Arbeitsplätze die Nachfrage an: Schätzungen zufolge besteht ein zusätzlicher Bedarf an Büroflächen von 210.000 m2. Andererseits können die Unternehmen durch den wachsenden Einsatz von Telearbeit und Desk-Sharing Platz sparen. Generell bleibt die Nachfrage in den besten Lagen hoch, vor allem in den Stadtzentren, Randlagen dagegen geraten stärker unter Druck.

Sind Immobilienfonds angesichts dieser Entwicklungen weiterhin eine sichere Anlage?

Immobilienaktiengesellschaften haben im Jahr 2023 wieder positive Renditen erzielt. Dies gilt jedoch nicht für Immobilienfonds: ihre Renditen sind weiterhin negativ. Die Agios sind jedoch in letzter Zeit stark gesunken und liegen unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Eine positive Entwicklung der Immobilienfonds in der Zukunft wird immer wahrscheinlicher, aber ein genauer Zeitpunkt für eine solche Erholung lässt sich noch nicht ermitteln.

 

Corinne Dubois

Wüest Partner

Corinne Dubois kam 2022 als Senior Economist zu Wüest Partner. Hier nimmt sie diverse Research-Aufgaben wahr und beteiligt sich an Veröffentlichungen zum Thema Wirtschaft und Immobilienmärkte. Die Volkswirtin Corinne Dubois hat zudem einen Doktor der Naturwissenschaften an der EPFL erworben. Ausserdem lehrte sie fast zehn Jahre lang Wirtschaftswissenschaften an mehreren Schweizer Universitäten wie der EPFL und der Universität Freiburg.