EAM-Lösungen
- Interview mit Patrick Humbert-Verri
- Partner und COO
- Probus Pleion
«Technologie ist ein grossartiger Verbündeter. Sie erleichtert das Leben einer hochmobilen Kundschaft.»
Für Probus Pleion vertritt Patrick Humbert-Verri ein Modell, das die Standardisierung im Wealth Management ablehnt und auf die Koordination ausgewiesener Spezialisten setzt. Angesichts immer komplexerer Bedürfnisse von Familien und Unternehmern versteht er seine Rolle als die eines Dirigenten an der Schnittstelle von Family Office, Private Banking und ganzheitlicher Beratung.
Von Levi-Sergio Mutemba
Patrick Humbert, Sie betreuen Kunden mit sehr unterschiedlichen Erwartungen. Wie definieren Sie heute den Aufgabenbereich eines Family Office?
Unsere Erfahrung ist zweigeteilt. Einerseits betreiben wir innerhalb der Gruppe ein «echtes» Family Office für einen einzelnen Kunden mit zwei Vollzeitmitarbeitenden. Sie kümmern sich um alles, was nichts mit Zahlen zu tun hat: Hauspersonal, Immobilien und Concierge-Dienstleistungen. Andererseits bieten wir eine Vielzahl von Services rund um unsere Kunden an. Doch die grundlegende Frage bleibt stets dieselbe: «Was verstehen Sie unter Office?» Jede Vorstellung ist anders.
Inwiefern unterscheidet sich diese Wahrnehmung von Kunde zu Kunde?
Die Unterschiede sind enorm, weil der Begriff nicht klar definiert ist. Für manche ist es eine Gesellschaft, die sich ausschliesslich um Finanzen und Vermögen im engsten Sinne kümmert. Für andere ist es ein Luxus-Concierge, der jederzeit verfügbar ist. Für uns ist der Umfang sehr breit. Wir haben sieben Dienstleistungsfelder definiert – von der Vermögensanlage bis zur Nachfolge- und Steuerplanung.
Besteht angesichts dieses Booms nicht die Gefahr, dass «falsche» Family Offices entstehen, die den Titel zu Unrecht tragen?
Das ist ein klassisches Szenario. Nach einem Cash Event verfügt jemand über 100 bis 300 Millionen Franken. Er gründet ein Family Office, stellt einen Vermögensverwalter, einen Steuerexperten, einen Concierge ein, später eine Buchhalterin und HR-Verantwortliche… Sehr schnell explodieren die Kosten. In der Hoffnung auf Skaleneffekte holt er weitere Kunden dazu und betreibt ein improvisiertes Multi-Family Office. Am Ende entsteht eine kleine Struktur, die zwar vieles anbietet, aber nichts in der Qualität eines echten Spezialisten. Man sagt, Vermögensverwaltung sollte nicht mehr als 1% pro Jahr kosten. Wenn sich Gehälter und Infrastruktur stapeln, braucht es ein enormes Vermögen, um unter dieser Schwelle zu bleiben.
Sie sehen sich eher als Hausarzt oder Dirigent. Warum ist dieses Modell effizienter?
Unabhängigkeit bedeutet zu wissen, wo man Kompetenz findet. Wir verstehen uns als Koordinatoren. Für spezifische Bedürfnisse holen wir die besten externen Spezialisten. Es ist wie bei einem Werkzeugkasten: Für jede Schraube braucht es den passenden Schlüssel – nicht einen verstellbaren, der am Ende alles beschädigt. Dazu gehören auch informelle Dienstleistungen, etwa den Briefkasten zu leeren oder ein Auto zur Motorfahrzeugkontrolle zu bringen, wenn ein Kunde abwesend ist. Das ist echtes Private Banking.
Ist diese Rolle beim Übergang zur nächsten Generation besonders wichtig?
Absolut. Die nächste Generation sucht mehr Sinn und erwartet eine sofortige digitale Interaktion. Als Vertrauensperson, die die Geschichte der Familie kennt und zugleich moderne Instrumente beherrscht, fungieren wir als Brücke. Wir helfen, die Vorstellungen des Gründers in eine Sprache zu übersetzen, die die Erben akzeptieren – und verhindern so, dass Vermögen aus Mangel an Kommunikation fragmentiert wird.
Welche Rolle spielt die Technologie bei dieser Demokratisierung des Family Office?
Technologie ist ein grossartiger Verbündeter. Sie erleichtert das Leben einer hochmobilen Kundschaft. Ich kann innerhalb weniger Minuten eine Videokonferenz zwischen einem in der Schweiz lebenden Kunden und einem Steuerexperten am anderen Ende der Welt organisieren. KI hilft uns zudem, 90% einer komplexen Rechtsfrage vorzuanalysieren. Doch Emotionen kann kein Algorithmus steuern. Wenn eine Blase platzt, wird kein Roboter den Kunden beruhigen. Vertrauen entsteht durch Service – und bleibt durch menschliche und finanzielle Resultate erhalten.
Patrick Humbert-Verri
Probus Pleion
Patrick Humbert-Verri begann seine Bankkarriere 1994 bei der Banque Cantonale Vaudoise. Nach einer dreijährigen Ausbildung in einer Filiale arbeitete er im Bereich der gefährdeten Kredite, bevor er 2001 seine Tätigkeit in der Kundenberatung aufnahm. Anschliessend durchlief er verschiedene Positionen in der Kundenberatung und im Management. Im Jahr 2015 wechselte er zu Probus Pleion, einem Vermögensverwalter mit rund 200 Mitarbeitenden und einem verwalteten Vermögen von über 4 Milliarden CHF. Hier konnte er seine Fähigkeiten im Bereich des Projektmanagements und der Koordination der Unterstützung für Vermögensverwalter in die Gruppe einbringen. Seit 2019 – und dem direkten Anschluss des Unternehmens an die FINMA – verantwortet er das Risikomanagement und die Geschäftstätigkeit des Unternehmens.
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