EAM-Lösungen
- Felix Oeschger & Kurt Moosman
- Vorstandsmitglied & Präsident
- Swiss Single Family Office Association
«Family Offices tragen bedeutend zum Wohlstand unseres Landes bei»
Rund 250 bis 300 Single Family Offices verwalten in der Schweiz gegen 600 Milliarden Franken und sind damit ein bedeutender Teil der Vermögensverwaltungsindustrie. Dies zeigt der Bericht der SFOA, der gemeinsam mit der Universität St. Gallen und der UBS erstmals publiziert wurde. Kurt Moosmann und Felix Oeschger nehmen zu den Ergebnissen und den Branchenentwicklung Stellung.
Wie würden Sie die Schweizer Single-Family-Office-Landschaft beschreiben?
Kurt Moosmann. Die Schweizer Single Family-Offices agierten in der Vergangenheit sehr zurückhaltend. Sie traten nur selten in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Dies ist vor allem der hiesigen Kultur der Diskretion geschuldet. Eine Mehrheit der Family Offices verwaltet aber auch Anteile von Familienunternehmen, die von der Gesellschaft deutlich mehr wahrgenommen werden. Die Branche ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Dies liegt auch daran, dass ausländische Unternehmer und vermögende Privatpersonen in die Schweiz zogen. Massgebend dafür sind nicht zuletzt die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der starke Finanzplatz. Heute spielen Single Family Offices eine gewichtige volkswirtschaftliche Rolle in der Schweiz.
Wie unterstützt die neu gegründete Swiss Family Office Association ihre Mitglieder?
Felix Oeschger. Die SFOA wurde aus dem Bedürfnis heraus gegründet, eine einheitliche Stimme für Family Offices in der Schweiz zu schaffen. UUnsere Ambition ist es, dass der Verband die koordinierte und wirkungsvolle Interessensvertretung der in der Schweiz ansässigen Single Family Offices ermöglicht. Dazu zählt nicht zuletzt auch die Festlegung neuer Governance- und Industriestandards, die Förderung von Fachwissen und die Kontaktpflege zu Behörden und Parlamentarier. Diese Kontakte sind gerade im Hinblick auf die sich anbahnenden regulatorischen Anforderungen für uns wichtig.
Wir erachten aber auch die weitere Professionalisierung der Family Offices als eine unserer Kernaufgaben. Wir sind daher in Partnerschaften mit akademischen Institutionen wie dem International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne eingegangen, um auf Family-Office-Experten zugeschnittene Programme und Zertifizierungen anzubieten.
Ein Schwerpunkt ist die Regulierung. Was sind hier die Herausforderungen?
Kurt Moosmann. Die globale Zunahme von Privatvermögen hat zu einem raschen Anstieg der Anzahl von Single Family Offices geführt. Zunehmend sind auch Unternehmerfamilien daran interessiert, ihre vielfältigen Bedürfnisse durch ein vom Unternehmen getrenntes Family Office zu verwalten, denn oft gehen diese Interessen weit über das operative Unternehmen hinaus. Die digitale Transformation, die steuerlichen und geopolitischen Entwicklungen sowie die Wünsche der nächsten Generation, neue Technologien und entsprechende Anlagemöglichkeiten zu erkunden, sind massgebend für die Entwicklung der Bedürfnisse, Visionen und Wünsche von Familien. An dieser Dynamik müssen sich die Family Offices ausrichten.
Es versteht sich von selbst, dass deshalb für uns der Austausch mit Behördenvertretern ein wichtiger Teil unserer Arbeit darstellt. Wir wollen sicherstellen, dass das wirtschaftliche und regulatorische Umfeld für das Wachstum und die Nachhaltigkeit von Family Offices in der Schweiz förderlich bleibt. Grosse Sorge bereitet uns aktuell die Erbschaftsinitiative der Jungsozialisten.
Welche Aussagen im Bereich der Regulierung hat Sie aufhorchen lassen?
Kurt Moosmann. Zu den wichtigsten Herausforderungen der SFO gehört die Sicherstellung attraktiver Rahmenbedingungen. Um die Standortattraktivität für SFOs zu erhöhen, prüfen wir mittelfristig die Idee eines auf Selbstregulierung basierenden Zulassungssystems zum Schutz der Branche. Diese Idee findet unter unseren Mitgliedern klare Unterstützung. Als ersten Schritt haben wir nun die Erarbeitung von gemeinsamen Best Practices begonnen, die sodann zum führenden Industriestandard führen sollen.
Welche sind die wichtigsten Ergebnisse des Berichts „Swiss Single Family Office Landscape“, der diesen Frühling publiziert wurde?
Felix Oeschger. Letztlich ist es die Summe der Informationen, die ein genaueres Bild über die Branche schaffen. Persönlich überrascht war ich, davon wie gross die Family Office Branche ist. Das Nettovermögen, das von Family Offices verwaltet wird, wird auf konservativ CHF 600 Milliarden geschätzt, wobei ein erheblicher Teil auf Familienunternehmen und strategische Beteiligungen entfällt. Ungefähr 70 Prozent der SFOs haben ein Familienunternehmen und 82 Prozent halten strategische Investitionen, vor allem in den Bereichen Immobilien, Industrie und Finanzwesen. Ein sehr wichtiger Punkt ist auch die geographische Orientierung der Single Family Offices, da rund ein Drittel des gesamten Vermögens in der Schweiz investiert wird. Die wirtschaftliche Bedeutung ist somit signifikant und trägt bedeutend zum Wohlstand des Landes bei.
Welche Trends werden die Zukunft der Schweizer SFOs prägen und wie gehen diese mit der Frage der Nachfolgeplanung um?
Kurt Moosmann. Wir sehen einen anhaltenden Trend zur Professionalisierung und Spezialisierung. Entscheidend scheint mir die Tatsache, dass die SFOs an der Schnittstelle zwischen Family und Corporate Governance stehen, und die Unternehmensnachfolge massgeblich prägen. Diese fiduziarische Verantwortung zu Gunsten der nächsten Generation(en) gilt es hervorzuheben und neue Wege anzustossen, welche es uns erlauben wird, die Familienvermögen strukturiert, geordnet und erhaltend zu übertragen.
Hierzu gilt es, die notwendige Rechtsgrundlage sicherzustellen. Es kann nicht im Interesse der Schweiz sein, dass heute eine Schweizer Familie mit grösseren Betriebsvermögen ins Ausland gehen muss, um den Nachlass ordentlich und nicht konfiskatorisch auf die Nachkommen zu transferieren. Mit einem geordneten Übergang wird nicht nur sichergestellt, dass das Finanz- und Humankapital werterhaltend weitergegeben wird. Vielmehr erhöht man dadurch auch die Chancen, dass die Wertschöpfung weiterhin in der Schweiz stattfindet.
Was sind Ihre wichtigsten Prioritäten für den SFOA in den kommenden Jahren?
Kurt Moosmann. Ich bin von der Bedeutung der weiteren Professionalisierung unserer Branche überzeugt. Dazu müssen wir das Bildungsangebot weiter stärken. Nur so sind wir in der Lage, Familien in der nachhaltigen und generationenübergreifenden Planung zu unterstützen. Wichtig sind aber auch die Rahmenbedingungen. Die zunehmend unternehmenskritische Atmosphäre in der Schweiz bereitet uns grosse Sorgen. Wir brauchen Rahmenbedingungen, welche die nachhaltige Entwicklung des Unternehmertums garantieren. Es gilt wieder vermehrt darauf zu achten, dass die Familienunternehmen als Wirbelsäule unsere Volkswirtschaft wahrgenommen werden, die es zum Wohle einer breiten Gemeinschaft zu schützen und zu fördern gilt.
Felix Oeschger. Ich kann dem nur zustimmen. Als Standesorganisation wollen wir unseren Mitgliedern ermöglichen, gegenseitig voneinander zu lernen. Wir müssen aber unserer Anliegen auch verstärkt gegen aussen vermitteln. Hinter Family Offices stecken oft Familienunternehmen, die einen massgebenden Beitrag an den Wohlstand in der Schweiz leisten. Viele Family Offices investieren gerne in innovative Start-ups und Wachstumsunternehmen, oder tragen mit ihren Stiftungen massgeblich dazu bei, dass Kultur, Kunst, Sport und andere öffentliche Interessen alimentiert werden.
Das bringt nicht nur finanzielle Erträge, sondern hilft auch dabei, ein dauerhaftes Vermächtnis zu schaffen, das mit den Werten der Familie übereinstimmt. So hat beispielsweise ein Family Office vor kurzem einen nahtlosen Übergang der Führung an die nächste Generation ermöglicht und gleichzeitig eine bedeutende Bildungsstiftung ins Leben gerufen. Diese Geschichten verdeutlichen die vielfältigen und sinnvollen Beiträge, die Family Offices über die Vermögensverwaltung hinaus leisten.
Kurt Moosmann & Felix Oeschger
Swiss Single Family Office Association
Dr. Kurt Moosmann ist Präsident der SFOA und Executive Vice-Chairman der Elsa Peretti Holding. Daneben agiert er als Verwaltungsrat in Familienunternehmen und ist als Stiftungsrat tätig. Davor verantwortete er in leitender Funktion Family Offices im In-und Ausland.
Felix Oeschger ist heute Strategie-Chef der Gaydoul-Group und Vorstandsmitglied der SFOA. Davor war er in verschiedenen leitenden Funktionen in der Vermögensverwaltung tätig.
Breites Spektrum
Pierre Ricq
Union Bancaire Privée
„Zwischen Vermögensverwalter und Family Officer unterscheiden“
Best practice
Alain Zell
Capitalium
„Performance Watcher - ein wertvolles Instrument, um den Wert unserer Ergebnisse richtig einzuschätzen“.
Thema Gold 4/4
Frédéric Dawance & Thierry Zen Ruffinen
de Pury Pictet Turrettini
„Wir müssen uns auf zwei Achsen bewegen, um den Goldhandel zu sanieren und zu verbessern“.
Private Markets
Cédric Dingens & Angel Sanz
NS Partners
„Evergreen: genug Möglichkeiten, um einen Dachfonds zu rechtfertigen“.
Sphere
The Swiss Financial Arena
Seit der Gründung im Jahr 2016 unterstützt und vernetzt SPHERE die Community der Schweizer Finanzbranche. SPHERE ermöglicht den Austausch, sei es mit dem vierteljährlich erscheinenden Magazin, den beiden Sonderausgaben für institutionelle Anleger, der Website, den Newsletter und den Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch durchgeführt werden. Toutes les parties prenantes de la finance, l’un des plus importants secteurs économiques de Suisse, ont ainsi à leur disposition une plateforme où il leur est possible d’échanger, de s’informer et de progresser.

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