Tag der Erde

Die zu hohen Kosten des ökologischen Wandels

Anlässlich des Internationalen Tags der Erde, der 1970 zum ersten Mal begangen wurde, sprechen Pascal Dudle und Matthias Fawer über die entscheidende Bedeutung von starken Investitionen in eine Wirtschaft, die in der Lage ist, mit den grossen Umweltherausforderungen der Gegenwart umzugehen.

 

  • Pascal Dudle & Matthias Fawer
  • Vontobel Asset management

Anlässlich des Internationalen Tags der Erde, der 1970 zum ersten Mal begangen wurde, sprechen Pascal Dudle und Matthias Fawer über die entscheidende Bedeutung von starken Investitionen in eine Wirtschaft, die in der Lage ist, mit den grossen Umweltherausforderungen der Gegenwart umzugehen.

Die Welt steht vor einer Umweltkrise ungekannten Ausmasses. Die Menschheit sollte dem Kampf gegen den Klimawandel oberste Priorität einräumen, da er eng mit vielen anderen Umweltproblemen verbunden ist.

Um zu verhindern, dass die Temperaturen um mehr als 1,5 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau ansteigen, müssten die weltweiten CO2-Emissionen nach Angaben des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) bis 2030 um etwa 45 Prozent gegenüber dem Niveau von 2010 sinken und bis zum Jahr 2050 Netto-Null erreichen. Dazu sind enorme Investitionen notwendig. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) sind allein in den Schwellen- und Entwicklungsländern bis 2030 zusätzliche Investitionen von einer Billion US-Dollar pro Jahr in saubere Energien notwendig, um bis 2050 CO2-Neutralität erreichen zu können.

Das ist das Siebenfache der heutigen Investitionen und berücksichtigt dabei noch nicht einmal den Kapitalbedarf für Klimamassnahmen in anderen Ländern und Sektoren wie der Landwirtschaft, dem verarbeitenden Gewerbe oder auch für die notwendige Anpassung an die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels. Angesichts dieser Summen darf man aber nicht vergessen, dass die Kosten eines ungebremsten Temperaturanstiegs über die 1,5-Grad-Marke hinaus kaum zu beziffern wären.

Zu ihnen zählen auch die wirtschaftlichen und sozialen Kosten der Folgen des Klimawandels wie den Anstieg des Meeresspiegels, extremer Wetterereignisse sowie Nahrungsmittel- und Wasserknappheit. Investitionen in Klimaschutzmassnahmen sind daher nicht nur notwendig, sondern auch langfristig wirtschaftlich sinnvoll. Dem privaten Sektor kommt eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der globalen Umweltprobleme zu. Zum einen kann der Privatsektor mit Massnahmen zur Verringerung seines ökologischen Fussabdrucks und über Nachhaltigkeitsinitiativen zu einer nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Zukunft für alle beitragen. Vor allem aber übernehmen institutionelle Anleger sowie private Geldgeber eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung der Transformation.

Die Mittelbereitstellung für Unternehmen und Projekte, die zum Kampf gegen die globale Erwärmung und andere Umweltprobleme beitragen, stellt eine potenziell lohnende und wirkungsvolle Anlagestrategie dar. Die Mittelbereitstellung für Unternehmen und Projekte, die zum Kampf gegen die globale Erwärmung und andere Umweltprobleme beitragen, stellt eine potenziell lohnende und wirkungsvolle Anlagestrategie dar. Allerdings kann diese auch mit höheren Risiken verbunden sein und sorgfältige Analyse sowie professionelle Unterstützung sind daher wichtig. Das Anlagespektrum ist breit und reicht von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz über Lösungen für eine grüne Infrastruktur einschliesslich des öffentlichen Nahverkehrs, Bike-Sharing oder „grüner“ Gebäude. Auch Bereiche wie nachhaltige Landwirtschaft sowie Unternehmen, die nachhaltige Anbaumethoden oder Produkte zur Reduzierung der Umweltbelastung entwickeln sind unter langfristigen Anlageperspektiven attraktiv.

Innovative Lösungen für die Abfallbewirtschaftung können dazu beitragen, die Abfallmenge auf Deponien zu verringern und die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Private und institutionelle Investoren tragen schon heute zu einer nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Zukunft für alle bei und ihr Beitrag wird noch wichtiger werden. Der Tag der Erde erinnert zugleich daran, dass sich Übergang zu einer klimaneutralen Ökonomie nur gemeinsam bewältigen lässt.

 

Pascal Dudle

Head of Listed Impact

Pascal Dudle ist seit 2007 bei Vontobel Asset Management tätig und betreut die sozial- und umweltorientierten Impact-Strategien. Als Head of Listed Impact ist er Portfoliomanager der Clean Technology Portfolios. . Als Head of Listed Impact ist er Portfoliomanager der Clean Technology Portfolios. Zuvor war war er 10 Jahre bei Swiss Re tätig. In seiner letzten Position, von 2001 bis 2007, investierte er als Portfoliomanager sowohl in öffentliche als auch private Märkte und konzentrierte sich auf Umweltbereiche wie alternative Energien, Energieeffizienz und nachhaltige Forstwirtschaft. Pascal besitzt einen Master-Abschluss in Betriebswirtschaft der Universität Zürich und ausserdem eine CEFA-Qualifikation.

Matthias Fawer

Senior Analyst, ESG & Impact

Matthias Fawer ist seit Herbst 2016 bei Vontobel Asset Management tätig, als ESG & Impact Analyst. Bevor er zu Vontobel kam, war er seit 2013 in ähnlichen Funktionen bei der Vescore AG und der Notenstein Privatbank AG tätig (die 2016 von Vontobel übernommen wurde). Von 2000 bis 2013 war er Nachhaltigkeitsanalyst bei der Bank J. Safra Sarasin. Seit 2002 ist er Autor von Studien über Solarenergie und erneuerbare Energien und hält Vorträge an verschiedenen Kongressen. Matthias besitzt einen Master-Abschluss in Naturwissenschaften und einen Doktortitel des Instituts für Biotechnologie der ETH Zürich.

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    Sphere

    The Swiss Financial Arena

    Seit der Gründung im Jahr 2016 unterstützt und vernetzt SPHERE die Community der Schweizer Finanzbranche. SPHERE ermöglicht den Austausch, sei es mit dem vierteljährlich erscheinenden Magazin, den beiden Sonderausgaben für institutionelle Anleger, der Website, den Newsletter und den Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch durchgeführt werden. Toutes les parties prenantes de la finance, l’un des plus importants secteurs économiques de Suisse, ont ainsi à leur disposition une plateforme où il leur est possible d’échanger, de s’informer et de progresser.

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      • Pascal Hügli
      • Insight DeFi

    Ist Bitcoin nun das neue Schweizer Bankkonto?

    Die Schockwellen, die durch die Rettung der Credit Suisse ausgelöst wurden, sind noch nicht verklungen. In diesem fragilen Umfeld haben Kryptowährungen und die dezentralisierte Finanzwelt einige Argumente vorzubringen.

    Die sich zuspitzende Bankenkrise hält die Welt auf Trab. In den USA sieht sich die Notenbank mit einem Dilemma konfrontiert: Um ihr Vertrauen nicht zu verspielen, muss sie die Inflation weiterhin bekämpfen. Erhöht die Zentralbank den Zinssatz weiter, riskiert sie die prekäre Situation der angeschlagenen Regionalbanken zu verschlechtern.

    In der Schweiz musste die Credit Suisse mit der UBS zwangsfusioniert werden – alles mit der tatkräftigen Unterstützung durch die Schweizer Nationalbank. Beiden Banken wird uneingeschränkter Zugang zu den Einrichtungen der Schweizer Nationalbank ermöglicht. Die Übernahme durch die UBS ist also in Tat und Wahrheit eine durch die Schweizer Zentralbank gesponsorte Rettungsaktion.

    Turmbau zu Babel – made in Switzerland

    Mit dieser Molochisierung – die Zusammenführung zweier systemrelevanter Banken – wird ein noch grösserer Komplex geschaffen, der irgendwann auch die Macht der heute gottspielenden Zentralbanken übersteigen wird. Da die Probleme nur verdrängt, nicht aber gelöst wurden, dürfte eine abermalige Rettung in Zukunft vorprogrammiert sein – doch ist unklar, ob diese dann noch zu stemmen ist.

    Für viele ist eine solche Problematik jedoch Zukunftsmusik. Nach uns die Sintflut also. Was uns die Situation jedoch im Hier und Jetzt vor Augen führt: Immer mehr Menschen wird gerade bewusst, dass eine Bankeinlage ein ungesicherter Kredit ist, der an eine Gegenpartei gebunden ist. Vom einen auf den anderen Tag ist die Suche nach Alternativen einmal mehr losgetreten – wie schon zu Beginn der Finanzkrise von 2008.“

    Damals gab es noch keinen Bitcoin. Dieser hat kein Gegenparteirisiko und kann eigenständig gehalten werden. Der digitale Kryptowert wurde aber erst im Zuge der letzten Finanzkrise als mögliche Antwort geschaffen. Wie die vergangenen Tage zeigen, scheint das Narrative von Bitcoin als Alternative denn auch zu verfangen.

    Bankenkrise lässt Bitcoin steigen

    So ist das Kryptoasset seit den ersten Tumulten rund um die Silicon Valley Bank vor etwas mehr als einer Woche gegenüber dem US-Dollar um über 30% im Wert gestiegen. Gold hat über den ähnlichen Zeitrahmen eine Preissteigerung von ungefähr 6% hingelegt, während der Schweizer Franken im Vergleich zum US-Dollar nachgegeben hat. Bitcoin als Fluchtwährung also?

    Der eigentliche Grund dürfte zum heutigen Zeitpunkt jedoch anderswo liegen. So ist davon auszugehen: Der starke Anstieg des Bitcoins in dieser kurzen Frist ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Bitcoin-Investoren aufgrund der Schieflagen im Finanzsystem das Ende des aktuellen Zinsaufwärtszyklus antizipieren. Mittel- bis langfristig sollten die gegenwärtigen Ereignisse ein Bitcoin-Investment immer stärker legitimieren. Die Menschen werden Alternativen wollen und in einer digitalen Welt wird man nicht um Bitcoin herumkommen.

    Pascal Hügli

    Insight DeFi

    Nach mehreren Jahren im Finanzjournalismus, ist Pascal Hügli heute Inhaber von Insight DeFi, einer Content- und Beratungsagentur mit Fokus auf Kryptoassets. Als ausgewiesener Bitcoin-Experte unterrichtet er an der HWZ zu diesen Themen. Er klärt die breite Masse über die Ereignisse, Chancen und Risiken der neuen dezentralen Welt von Bitcoin und Co. auf. Neben einem ersten Sachbuch hat er 2022 auch ein Lehrbuch zum Kryptothema mit dem Titel «Bitcoin verständlich erklärt» “ veröffentlicht.

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      Energiewende

        • Maad Osta
        • Energie-Spezialist-Ingenieur
        • AtonRâ

      China: Das Reich in der Mitte und die Energiewende

      China spielt bei der Energiewende eine zentrale Rolle: bei der angestrebten Dekarbonisierung seiner Wirtschaft ebenso wie bei der Entwicklung und Produktion sauberer Technologien.

      Es macht kaum Sinn, über den Klimawandel zu sprechen, ohne auf China einzugehen. Das Reich der Mitte hat sich zu einem starken Energiekonsumenten entwickelt: Fast ein Viertel des weltweiten Energiebedarfs und der Treibhausgasemissionen entfallen heute auf China. Der Aufstieg zum grössten Energieakteur der Welt steht in direktem Zusammenhang mit dem starken chinesischen Wirtschaftswachstum der letzten Jahre. Industrialisierung und Urbanisierung sind hier die Stichworte. Eine Klimastrategie, bei der die spezifischen Auswirkungen dieses Landes nicht berücksichtigt sind, ist daher undenkbar.

      Trotz der seit 2005 fast verdoppelten CO2-Emissionen hat sich die Kohlenstoffintensität, das heisst die Menge der CO2-Emissionen im Verhältnis zum Pro-Kopf-BIP, fast halbiert. China trägt also mehr zur Umweltverschmutzung bei, aber das Wachstum erfolgt auf sauberere Weise. Im September 2020 kündigte die chinesische Regierung zum Erstaunen der internationalen Gemeinschaft einen langfristigen Dekarbonisierungsplan an. Erklärtes Ziel: CO2-Neutralität bis 2060. Bereits vor 2030 soll mit der Reduzierung der CO2-Emissionen begonnen werden. Zuletzt wurde im 14. Fünfjahresplan (2021-2025) das Ziel genannt, bis 2025 einen Anteil von 20% nicht-fossiler Primärenergiequellen zu erreichen (gegenüber aktuell 16%). Und der Kohleverbrauch soll ab 2025 zurückgefahren werden.

      Diese klimapolitischen Ambitionen werden bereits umgesetzt: 2022 investierte China rund 546 Milliarden US-Dollar in die Energiewende – das sind fast 50% der weltweiten Ausgaben. Die 546 Milliarden wurden vor allem für Investitionen in Photovoltaik, Windkraft und die Elektrifizierung des Verkehrswesens bereitgestellt.

      China hat ein doppeltes Interesse an sauberen Technologien (Cleantech): Erstens will es Lösungen zur Erreichung seiner Klimaziele entwickeln, und zweitens weltweit grösster Produzent all dieser Technologien werden. So wie die Petro-Monarchien die Versorgung mit fossilen Brennstoffen kontrollieren, hat China das Potenzial, der „Elektrostaat“ der Zukunft zu werden, also das Land, das die Lösungen für die Dekarbonisierung und Elektrifizierung der Welt liefert.

      Bei einem genaueren Blick auf die Herstellung der verschiedenen Cleantech-Produkte wird einem die Dominanz Chinas klar. Ob bei Solarmodulen (80% der weltweiten Produktion), Batterien (über 70%), Windturbinengondeln (55%) oder Elektrolyseuren (über40%) – China nimmt einen soliden Spitzenplatz ein. Auch bei der Raffination von Rohstoffen ist China ein beherrschender Akteur und kontrolliert fast 35% der weltweiten Nickelkapazitäten, 50-70% der Lithium- und Kobaltkapazitäten sowie 90% der Raffination von seltenen Erden. Damit hat China die Produktion eines Grossteils der Metalle, Komponenten und Technologien, die zur Dekarbonisierung der Welt nötig sind, fest im Griff.

      Die USA und Europa reagieren mit Massnahmen, die dieser Dominanz entgegenwirken sollen. Der Inflation Reduction Act der Regierung Biden beinhaltet finanzielle Hilfen für die inländische Clean-Tech-Produktion. In Europa wird ein Green Deal Plan ausgearbeitet, mit dem das gleiche Ziel, das heisst die Standortverlagerung, erreicht werden soll.

      Die Bemühungen des Westens um eine Verringerung seiner Abhängigkeit von China dürften jedoch kaum zu einer vollständigen Ausgrenzung Chinas führen. Erstens ist China nach wie vor der grösste Cleantech-Markt der Welt und kann sich daher selbst tragen. Zweitens macht Chinas starke Dominanz im den Wertschöpfungsketten vorgelagerten Bereich – Metallgewinnung und -raffination – das Land zu einem unverzichtbaren Akteur. Die Entwicklung einer Alternative ist in der für die Energiewende zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich.

      China ist und bleibt ein Hauptakteur der Cleantech-Produktion und die angestrebten Standortverlagerungen werden nicht auf seine Kosten gehen. Jedwede Klimastrategie ist nur unter Einbeziehung Chinas denkbar, und an internationaler Zusammenarbeit führt kein Weg vorbei, wenn der nachhaltige Übergang zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft gewährleistet sein soll.

       

      Maad Osta

      AtonRâ

      Maad Osta ist Inhaber eines Masters in Energiemanagement und nachhaltiger Entwicklung der EPFL und kam 2018 als Energieingenieur zu AtonRâ. Sein Haupttätigkeitsfeld ist die Grundlagenforschung für die Anlagestrategie «Sustainable Future». Zuvor arbeitete Maad Osta als Projektingenieur und später als Projektmanager für ein Unternehmen des Gas- und Energiesektors.

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        Better world

          • Jonathan Graas
          • Fondsmanager
          • Decalia

        „Das Kreislaufwirtschaft-Universum wächst unaufhörlich“

        Jonathan Graas ist dem Managementteam von Decalia beigetreten. Er wird sich dabei unter anderem denjenigen Fonds widmen, die sich thematisch mit den Megatrends und der Kreislaufwirtschaft beschäftigen. In der Kreislaufwirtschaft sieht er ein starkes Wachstumspotenzial, da sich Unternehmen zunehmend mit Fragen auseinandersetzen, welche die Grundlagen ihres eigenen Wirtschaftens betreffen.

        Welche wesentlichen Probleme kann die Kreislaufwirtschaft heute lösen?

        Da sehe ich zwei. Erstens trägt die Kreislaufwirtschaft durch die notwendige Reduzierung der CO2-Emissionen zur Bekämpfung der Erderwärmung bei und senkt den Ressourceneinsatz. Zweitens kann sie durch eine höhere Ressourceneffizienz den Verlust der Biodiversität bremsen. Natürlich greifen diese beiden Herausforderungen ineinander. Kurzfristig bietet die Kreislaufwirtschaft Lösungen für akute Probleme, die die internationalen Lieferketten gefährden oder die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe treiben.

        Welche Entwicklungsachsen wird die Kreislaufwirtschaft in erster Linie verfolgen?

        Neue Rechtsvorschriften werden die Dynamik in Europa, den USA und sogar in China beschleunigen. Weltweit können Unternehmen in den kommenden zehn Jahren und darüber hinaus mit politischer Unterstützung und starken Anreizen für Investitionen in unterschiedlichen Sektoren wie zum Beispiel in erneuerbare Energien rechnen.

        Gleichzeitig schärft sich das ökologische Bewusstsein der Verbraucher, die zunehmend Wert auf Themen wie Netto-Null und Biodiversität legen: Ethischer Konsum ist endgültig zu einer weit verbreiteten Haltung geworden.

        Wie integrieren Unternehmen diesen Wandel in ihre ESG-Politik?

        Nicht alle Unternehmen sind im gleichem Mass von diesen Trends betroffen. Wir beobachten, dass viele in diese Richtung investieren: Sie konzentrieren sich zum Beispiel auf erneuerbare Energien oder auf Green Tech für die Schwerindustrie. Inzwischen fliessen immer mehr Investitionen in diese Bereiche.

        Ausserdem ist festzustellen, dass Unternehmen den Anteil recycelbarer Produkte erhöhen und Verpackungen einsparen wollen, und dass sie bei ihren Herstellungsprozessen bevorzugt auf biologische Materialien statt auf Chemie setzen.

        Fakten schaffen sie auch bei der strengeren Kontrolle ihrer Lieferkette, der stärkeren Überwachung ihrer Lieferanten und durch mehr Transparenz bezüglich der Herkunft der Rohstoffe.

        An der Lieferkettenfront ist ferner eine zunehmende Relokalisierung der Produktionsstätten zu beobachten, um massive Unterbrechungen der Lieferketten zu vermeiden, wie dies seit der Covid-Krise der Fall ist.

        Wie viele Unternehmen überwachen Sie in Bezug auf das Anlagethema Kreislaufwirtschaft‘?

        Unser Ausgangsuniversum ist der MSCI World-Index mit seinen 1500 Unternehmen, von denen wir ein Drittel auf unserem Radar haben, da sie in Verbindung mit der Kreislaufwirtschaft stehen. Ich kann nicht mit bis zur Kommastelle exakten Zahlen aufwarten, doch klar ist, dass dieses Universum inzwischen immer grösser wird. Und genau das interessiert uns.

        Welche grossen Achsen verfolgt die Strategie des Fonds Decalia Circular Economy?

        Die Strategie hat einen ganz einfachen Namen: CIRCLE! Wir haben sechs Trends bzw. Unter-Anlagethemen festgelegt, die sich ergänzen und Diversifikationsvorteile bieten. Diese sechs Trends sind Circular-Models, Innovative-Technology, Renewables, Cleaner-Environment, Life-Preservation und Eco-Design. Für das Anlagethema als Ganzes verfolgen wir einen Top-Down-Ansatz und identifizieren dann für den Portfolioaufbau eine entsprechende Dynamik für jedes Unterthema nach dem Bottom-Up-Prinzip. Der Fonds ist in rund fünfzig Aktien investiert. Wir beschränken uns aber nicht nur auf „Best-in-Class“-Unternehmen, sondern haben auch Akteure aus Industrien mit hohem ökologischem Fussabdruck auf dem Radar, die die notwendigen Investitionen zur erheblichen Senkung ihrer CO2-Emissionen vornehmen. Sie werden den höchsten Impact erzielen. Wir brauchen Unternehmen, die auf Verbesserung setzen.

         

        Jonathan Graas

        Decalia

        Jonathan Graas ist leitender Portfoliomanager des Asset Management-Bereichs der Genfer Asset Management-Boutique Decalia. Er ist Mitglied des für den Decalia Sustainable SOCIETY zuständigen Fondsmanagerteams und Co-Manager des Decalia Circular Economy. Bei Decalia stiess er erneut auf Alexander Roose und Quirien Lemey, mit denen er bereits bei DPAM zusammengearbeitet hatte. Bei DPAM verwaltete er einen US-amerikanischen Nachhaltigkeitsfonds und war Co-Manager von zwei nachhaltigen Themenfonds mit einem verwalteten Vermögen von über 4 Milliarden Euro. Jonathan Graas verfügt über einen Maîtrise-Abschluss in angewandter Mathematik der Katholischen Universität Leuven und eine Maîtrise in internationaler Finanzwirtschaft der HEC Paris.

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          Die Agentur SPHERE ist auf Investor Relations spezialisiert. Sie gibt das Magazin SPHERE heraus, das den Fachleuten der Vermögensverwaltung und der Vermögensverwaltung in der Schweiz gewidmet ist, und organisiert Finanzveranstaltungen für dasselbe Publikum. Sie stützt sich auf die Kompetenzen und das solide Netzwerk ihrer Partner, die seit mehr als fünfzehn Jahren in der Banken- und Finanzindustrie tätig sind.

          Biotech-Branche

          • Daniel Koller
          • BB Biotech

          „Biotech: Zahlreiche Impulsgeber“

          Die Biotech-Industrie steht vor neuen Herausforderungen. Für Anleger bieten sich Chancen, ist Daniel Koller, Head Investment Management Team bei BB Biotech, überzeugt. Grosse Hoffnungen sieht er bei RNA-basierte Wirkstoffen.

          Herr Koller, welche Herausforderungen sehen Sie aktuell im Biotech-Sektor?

          Es dauert oft viele Jahre, bis das Produkt eines Biotechunternehmens erfolgreich ist. Das fängt mit Forschung und Entwicklung an und endet mit der Lancierung und Etablierung am Markt. Für Biotechs bedeutet das schon in normalen Zeiten eine lange finanzielle Durststrecke. Aktuell kommen erschwerend die heftigen Zinserhöhungen und das unsichere Kapitalmarktumfeld hinzu. Das schränkt die Handlungsfreiheit vieler Biotechunternehmen stark ein.

          Wie reagieren die Unternehmen auf diese Situation?

          Viele führende F&E- und Technologieunternehmen besinnen sich wieder auf die Gründung von Partnerschaften mit grösseren, rentablen und gut kapitalisierten Biotechnologie- und Pharmafirmen. Ausserdem greifen zahlreiche Unternehmen auf hybride Modelle zurück, wobei sie Partnerschaften für einige Produkte eingehen, aber andere Produkte in Eigenregie entwickeln und vermarkten.

          Sind damit auch verstärkt Übernahmen zu erwarten?

          Durchaus ja. Nach dem deutlichen Rückgang der M&A-Aktivitäten im Vergleich zum Spitzenjahr 2019 sind viele Pharmaunternehmen und Biotechriesen weiterhin in der Lage, kleinere und mittelgrosse Biotechfirmen zu übernehmen. Einigen Grossunternehmen stehen sogar Milliardenbeträge für M&A zur Verfügung. Wenn kleine und mittelgrosse Unternehmen nach wie vor vielversprechende Medikamente und Technologien entwickeln und die derzeit attraktive Bewertung beibehalten wird, dürften wir sogar eine Zunahme der M&A-Aktivitäten sehen.

          Welche Neuentwicklungen stehen in den Startlöchern?

          MRNA-Impfstoffe haben sich schon in der Pandemie bewährt. Jetzt sollen sie auch für Grippeimpfstoffe genutzt werden. Das dürfte für die Hersteller zu beachtlichen Marktanteilgewinnen führen. Weitere RNA-basierte Wirkstoffe wie siRNA oder Antisense, die bislang nur bei seltenen, häufig erblichen Krankheiten genutzt wurden, sollen nun auch bei weit verbreiteten Krankheiten wie kardiovaskuläre oder neurologische Indikationen zum Einsatz kommen. Wir erwarten beispielsweise auf diesem Gebiet von Alnylam oder Ionis beachtliche Fortschritte und Produktzulassungen in 2023. Beide Unternehmen sind in unserem Portfolio vertreten.

          Wie sieht es in der Krebstherapie aus? Hier wurden ja bereits Fortschritte angekündigt.

          Das stimmt. Hierbei handelt es sich um Antikörper-Wirkstoff Konjugate (ADC) im Bereich solider Tumore. Bei Brustkrebs spielen sei schon heute eine wichtige Rolle. Künftig sollen ADCs auch bei anderen Tumoren eingesetzt werden. Ihr Vorteil ist nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch ihre bessere Verträglichkeit. Damit dürften sie zu einem äusserst attraktiven Geschäftsfeld avancieren. Macrogenics, Incyte und Exelixis sind Unternehmen im Portfolio von BB Biotech, die ADCs zur Behandlung unterschiedlicher solider Tumore entwickeln.

          Daniel Koller

          BB Biotech

          Dr. Daniel Koller kam 2004 zu Bellevue Asset Management und ist seit 2010 Head Investment Management Team der BB Biotech. Davor war er als Investment Manager bei equity4life Asset Management AG und als Aktienanalyst bei UBS Warburg tätig. Er absolvierte ein Studium in Biochemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und promovierte in Biotechnologie an der ETH und bei Cytos Biotechnology, Zürich.

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          Equities

          • Stéphanie de Torquat
          • CIO
          • Silex

          Mit Aktienanteilen Werte generieren

          Trotz des nach wie vor belastenden Umfelds folgt der Aufschwung bei riskanten Anlagen im ersten Quartal einer gewissen Logik. Stéphanie de Torquat, CIO bei Silex, analysiert die Situation.

          Nach einem schwarzen Jahr für Anleger startete 2023 mit positiven Vorzeichen und einer breiten Hausse riskanter Anlagen. Obwohl diese Hausse scheinbar einen Widerspruch zum historischen Tempo der Zinserhöhungen darstellt, steht sie de facto im Einklang mit der derzeitigen Konjunkturphase,

          denn Aktienkurse sind nichts anderes als die Kombination von zwei Elementen: der Bewertung, dass heisst dem Preis, den Anleger bereit sind, für eine Einheit des erzielten Gewinns (Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV) zu zahlen einerseits, und der Höhe des erzielten Gewinns andererseits.

          Die Bewertung lässt sich leicht durch die Zinsentwicklung erklären. Wenn Anleger hohe Renditen mit akzeptablen Risiken erzielen können, wie dies derzeit der Fall ist, verlangen sie einen höheren Gewinn pro gezahlter Einheit. Die Folge ist ein Rückgang des KGV. Tendieren die Renditen jedoch gen Null, sind die Anleger eher bereit, teure Aktien zu kaufen, getreu dem TINA-Prinzip: There Is No Alternative. KGVs und Zinsen stehen somit in einem umgekehrten Verhältnis zueinander.

          Das Gewinnwachstum ist an die Dynamik der Wirtschaft gekoppelt, die einen entscheidenden Faktor für die Fähigkeit der Unternehmen zur Erzielung von Gewinnen darstellt.

          Der Makro-/Aktienzyklus besteht aus vier unterschiedlichen Phasen, die in den USA bereits gut erkennbar sind.

          1. 1. März 2020 bis Dezember 2021: Die Zentralbanken senken die Zinsen, um die Wirtschaft aus der Rezession herauszuholen. KGVs und Gewinne steigen und ermöglichen hohe Kurszuwächse am Aktienmarkt: +114% für den S&P 500-Index, +54% annualisiert.
          2. 2. Januar 2022 bis Dezember 2022: Die Zentralbanken heben die Leitzinsen an, um die Überhitzung der Wirtschaft zu dämpfen. Die Folge ist ein Rückgang der KGVs. Das Wirtschaftswachstum bleibt robust, die Unternehmensgewinne stabil, doch die Aktienmärkte korrigieren. Dies ist die erste Phase des Baissemarkts. Der S&P 500 bricht um 20% ein.
          3. 3. Seit Januar 2023: Die Zentralbanken signalisieren das Ende ihres Straffungszyklus. Infolgedessen stabilisieren sich die Bewertungen. Da die verschärften Bedingungen noch nicht in vollem Umfang auf die Realwirtschaft durchgeschlagen haben, bleiben die Unternehmensgewinne solide. Aktien sind volatil, doch es bildet sich kein klarer Trend aus. Dies ist die schwierigste Phase des Baissemarkts, denn es kann zu drastischen Eindeckungskäufen von Shortpositionen kommen, weil die Investoren die Hausse nach einem schwierigen Jahr auf keinen Fall verpassen dürfen. In dieser Phase befinden wir uns derzeit. Angesichts der Disinflation und des robusten Arbeitsmarktes nutzen Anleger Kursrücksetzer für Käufe. Allerdings sind angesichts des Rezessionsgespensts, dem die restriktive US-Notenbank die Tür öffnet, auch Verkäufe bei Höchstständen nicht auszuschliessen.
          4. 4. Kommt die Rezession, dann brechen die Gewinne ein und die Aktienkurse stürzen erneut auf Tiefststände ab, bis Zinssenkungen der Federal Reserve gegensteuern und höhere Bewertungsmultiples –und damit letztendlich auch eine Erholung der Gewinne – ermöglichen, wenn das Wirtschaftswachstum wieder anzieht.

          Im Falle einer sanften Landung müssen die Gewinne nicht einbrechen und die Aktienkurse bleiben stabil. Doch in einem Szenario, das letztlich auf eine Rezession hinausläuft, mit der wir zwischen Ende 2023 und Mitte 2024 rechnen, ist eine vorsichtige Allokation oberstes Gebot.

          Deshalb sind wir überzeugt, dass die richtige Strategie zur Erzielung von Wertsteigerungen im derzeitigen Umfeld auf eine sehr selektive Positionierung in bestimmten Sektoren und eine geschickte Einzeltitelauswahl setzen muss. In dieser Hinsicht besteht eine Diskrepanz zwischen der jüngsten Super-Rallye zyklischer Titel in Europa gegenüber defensiven Werten und den makroökonomischen Fundamentaldaten. Durch die Unterbewertung defensiver Aktien entsteht unserer Ansicht nach ein sehr attraktiver Einstiegspunkt in das besonders defensive Marktsegment, das zyklische Werte übertreffen dürfte.

           

          Stéphanie de Torquat

          SILEX

          Stéphanie de Torquat ist seit letztem Herbst Chief Investment Officer von Silex. Davor war sie Senior-Volkswirtin und Mitglied des Anlageausschusses von Lombard Odier. Von 2006 bis 2010 war sie als Mitglied des Investmentstrategieteams bei Goldman Sachs Asset Management in London hauptsächlich für institutionelle Kunden zuständig. Stéphanie de Torquat ist Absolventin der Pariser École Nationale de la Statistique et de l’Administration Économique (ENSAE) und verfügt über einen Master of Science in Financial Engineering der Columbia University, New York.

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