Fülle
Jürg Furrer
Aquila
«Wir haben uns von einem klassischen Dienstleister zu einer vollständig integrierten Plattform entwickelt.»
Rund 250 bis 300 Single Family Offices verwalten in der Schweiz gegen 600 Milliarden Franken und sind damit ein bedeutender Teil der Vermögensverwaltungsindustrie. Dies zeigt der Bericht der SFOA, der gemeinsam mit der Universität St. Gallen und der UBS erstmals publiziert wurde. Kurt Moosmann und Felix Oeschger nehmen zu den Ergebnissen und den Branchenentwicklung Stellung.
Wie würden Sie die Schweizer Single-Family-Office-Landschaft beschreiben?
Kurt Moosmann. Die Schweizer Single Family-Offices agierten in der Vergangenheit sehr zurückhaltend. Sie traten nur selten in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Dies ist vor allem der hiesigen Kultur der Diskretion geschuldet. Eine Mehrheit der Family Offices verwaltet aber auch Anteile von Familienunternehmen, die von der Gesellschaft deutlich mehr wahrgenommen werden. Die Branche ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Dies liegt auch daran, dass ausländische Unternehmer und vermögende Privatpersonen in die Schweiz zogen. Massgebend dafür sind nicht zuletzt die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der starke Finanzplatz. Heute spielen Single Family Offices eine gewichtige volkswirtschaftliche Rolle in der Schweiz.
Wie unterstützt die neu gegründete Swiss Family Office Association ihre Mitglieder?
Felix Oeschger. Die SFOA wurde aus dem Bedürfnis heraus gegründet, eine einheitliche Stimme für Family Offices in der Schweiz zu schaffen. UUnsere Ambition ist es, dass der Verband die koordinierte und wirkungsvolle Interessensvertretung der in der Schweiz ansässigen Single Family Offices ermöglicht. Dazu zählt nicht zuletzt auch die Festlegung neuer Governance- und Industriestandards, die Förderung von Fachwissen und die Kontaktpflege zu Behörden und Parlamentarier. Diese Kontakte sind gerade im Hinblick auf die sich anbahnenden regulatorischen Anforderungen für uns wichtig.
Wir erachten aber auch die weitere Professionalisierung der Family Offices als eine unserer Kernaufgaben. Wir sind daher in Partnerschaften mit akademischen Institutionen wie dem International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne eingegangen, um auf Family-Office-Experten zugeschnittene Programme und Zertifizierungen anzubieten.
Ein Schwerpunkt ist die Regulierung. Was sind hier die Herausforderungen?
Kurt Moosmann. Die globale Zunahme von Privatvermögen hat zu einem raschen Anstieg der Anzahl von Single Family Offices geführt. Zunehmend sind auch Unternehmerfamilien daran interessiert, ihre vielfältigen Bedürfnisse durch ein vom Unternehmen getrenntes Family Office zu verwalten, denn oft gehen diese Interessen weit über das operative Unternehmen hinaus. Die digitale Transformation, die steuerlichen und geopolitischen Entwicklungen sowie die Wünsche der nächsten Generation, neue Technologien und entsprechende Anlagemöglichkeiten zu erkunden, sind massgebend für die Entwicklung der Bedürfnisse, Visionen und Wünsche von Familien. An dieser Dynamik müssen sich die Family Offices ausrichten.
Es versteht sich von selbst, dass deshalb für uns der Austausch mit Behördenvertretern ein wichtiger Teil unserer Arbeit darstellt. Wir wollen sicherstellen, dass das wirtschaftliche und regulatorische Umfeld für das Wachstum und die Nachhaltigkeit von Family Offices in der Schweiz förderlich bleibt. Grosse Sorge bereitet uns aktuell die Erbschaftsinitiative der Jungsozialisten.
Welche Aussagen im Bereich der Regulierung hat Sie aufhorchen lassen?
Kurt Moosmann. Zu den wichtigsten Herausforderungen der SFO gehört die Sicherstellung attraktiver Rahmenbedingungen. Um die Standortattraktivität für SFOs zu erhöhen, prüfen wir mittelfristig die Idee eines auf Selbstregulierung basierenden Zulassungssystems zum Schutz der Branche. Diese Idee findet unter unseren Mitgliedern klare Unterstützung. Als ersten Schritt haben wir nun die Erarbeitung von gemeinsamen Best Practices begonnen, die sodann zum führenden Industriestandard führen sollen.
Welche sind die wichtigsten Ergebnisse des Berichts „Swiss Single Family Office Landscape“, der diesen Frühling publiziert wurde?
Felix Oeschger. Letztlich ist es die Summe der Informationen, die ein genaueres Bild über die Branche schaffen. Persönlich überrascht war ich, davon wie gross die Family Office Branche ist. Das Nettovermögen, das von Family Offices verwaltet wird, wird auf konservativ CHF 600 Milliarden geschätzt, wobei ein erheblicher Teil auf Familienunternehmen und strategische Beteiligungen entfällt. Ungefähr 70 Prozent der SFOs haben ein Familienunternehmen und 82 Prozent halten strategische Investitionen, vor allem in den Bereichen Immobilien, Industrie und Finanzwesen. Ein sehr wichtiger Punkt ist auch die geographische Orientierung der Single Family Offices, da rund ein Drittel des gesamten Vermögens in der Schweiz investiert wird. Die wirtschaftliche Bedeutung ist somit signifikant und trägt bedeutend zum Wohlstand des Landes bei.
Welche Trends werden die Zukunft der Schweizer SFOs prägen und wie gehen diese mit der Frage der Nachfolgeplanung um?
Kurt Moosmann. Wir sehen einen anhaltenden Trend zur Professionalisierung und Spezialisierung. Entscheidend scheint mir die Tatsache, dass die SFOs an der Schnittstelle zwischen Family und Corporate Governance stehen, und die Unternehmensnachfolge massgeblich prägen. Diese fiduziarische Verantwortung zu Gunsten der nächsten Generation(en) gilt es hervorzuheben und neue Wege anzustossen, welche es uns erlauben wird, die Familienvermögen strukturiert, geordnet und erhaltend zu übertragen.
Hierzu gilt es, die notwendige Rechtsgrundlage sicherzustellen. Es kann nicht im Interesse der Schweiz sein, dass heute eine Schweizer Familie mit grösseren Betriebsvermögen ins Ausland gehen muss, um den Nachlass ordentlich und nicht konfiskatorisch auf die Nachkommen zu transferieren. Mit einem geordneten Übergang wird nicht nur sichergestellt, dass das Finanz- und Humankapital werterhaltend weitergegeben wird. Vielmehr erhöht man dadurch auch die Chancen, dass die Wertschöpfung weiterhin in der Schweiz stattfindet.
Was sind Ihre wichtigsten Prioritäten für den SFOA in den kommenden Jahren?
Kurt Moosmann. Ich bin von der Bedeutung der weiteren Professionalisierung unserer Branche überzeugt. Dazu müssen wir das Bildungsangebot weiter stärken. Nur so sind wir in der Lage, Familien in der nachhaltigen und generationenübergreifenden Planung zu unterstützen. Wichtig sind aber auch die Rahmenbedingungen. Die zunehmend unternehmenskritische Atmosphäre in der Schweiz bereitet uns grosse Sorgen. Wir brauchen Rahmenbedingungen, welche die nachhaltige Entwicklung des Unternehmertums garantieren. Es gilt wieder vermehrt darauf zu achten, dass die Familienunternehmen als Wirbelsäule unsere Volkswirtschaft wahrgenommen werden, die es zum Wohle einer breiten Gemeinschaft zu schützen und zu fördern gilt.
Felix Oeschger. Ich kann dem nur zustimmen. Als Standesorganisation wollen wir unseren Mitgliedern ermöglichen, gegenseitig voneinander zu lernen. Wir müssen aber unserer Anliegen auch verstärkt gegen aussen vermitteln. Hinter Family Offices stecken oft Familienunternehmen, die einen massgebenden Beitrag an den Wohlstand in der Schweiz leisten. Viele Family Offices investieren gerne in innovative Start-ups und Wachstumsunternehmen, oder tragen mit ihren Stiftungen massgeblich dazu bei, dass Kultur, Kunst, Sport und andere öffentliche Interessen alimentiert werden.
Das bringt nicht nur finanzielle Erträge, sondern hilft auch dabei, ein dauerhaftes Vermächtnis zu schaffen, das mit den Werten der Familie übereinstimmt. So hat beispielsweise ein Family Office vor kurzem einen nahtlosen Übergang der Führung an die nächste Generation ermöglicht und gleichzeitig eine bedeutende Bildungsstiftung ins Leben gerufen. Diese Geschichten verdeutlichen die vielfältigen und sinnvollen Beiträge, die Family Offices über die Vermögensverwaltung hinaus leisten.
Kurt Moosmann & Felix Oeschger
Swiss Single Family Office Association
Dr. Kurt Moosmann ist Präsident der SFOA und Executive Vice-Chairman der Elsa Peretti Holding. Daneben agiert er als Verwaltungsrat in Familienunternehmen und ist als Stiftungsrat tätig. Davor verantwortete er in leitender Funktion Family Offices im In-und Ausland.
Felix Oeschger ist heute Strategie-Chef der Gaydoul-Group und Vorstandsmitglied der SFOA. Davor war er in verschiedenen leitenden Funktionen in der Vermögensverwaltung tätig.
Dr. Tatiana Agnesens
Prof. Dr. Manfred Stüttgen
« Eine präzise Bestandsaufnahme des KI-Einsatzes bei unabhängigen Vermögensverwaltern. »
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Die Erhaltung der Biodiversität ist zu einem grundlegenden Element im Kampf gegen die globale Erwärmung geworden. Sie ist zu einem der wichtigsten Themen für Investoren avanciert, die sich für einen Impact-Ansatz entscheiden, zumal sie drei der siebzehn Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen abdeckt.
Wie lässt sich Biodiversität definieren, zum Beispiel im Hinblick auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen?
Biodiversität steht für den Reichtum und die Vielfalt des Lebens auf der Erde – von den einfachsten genetischen Strukturen bis hin zu komplexen Organismen wie dem Menschen. Am häufigsten wird Biodiversität mit der Natur in Verbindung gebracht. Sie umfasst nicht nur die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, sondern auch Mikroorganismen und die Ökosysteme, von denen sie unterstützt wird. Die Grundzüge dieser Definition wurden unter anderem im Jahr 1992 im Übereinkommen über die biologische Vielfalt umrissen. Diese Definition wird häufig in Bezug auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen herangezogen. Sie betrifft drei davon im Besonderen: 1. das Ziel 14 – Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Ozeane, 2. das Ziel 15 – Schutz und Wiederherstellung der nachhaltigen Nutzung von Landökosystemen, und ich würde 3. auch noch das Ziel 12 hinzufügen, das auf die Einführung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster abzielt.
Was sind für Sie die grossen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Biodiversität?
Neben dem Kampf gegen die globale Erwärmung stellt die Erhaltung der Biodiversität heute eine gewaltige Herausforderung dar. Viele verschiedene Faktoren sind für die Schädigung unserer Ökosysteme verantwortlich: Veränderungen in der Nutzung von Land und Meeren, direkte Ausbeutung von Arten, Klimawandel, Umweltverschmutzung und invasive Arten, um nur die wichtigsten zu nennen.
Darüber hinaus hat sich der Verlust der biologischen Artenvielfalt beschleunigt, und zwar auf der ganzen Welt. Viele Tier- und Pflanzenarten verschwinden in einem alarmierenden Tempo. Die Krisen der Biodiversität und des Klimas greifen insofern ineinander, als unsere Ökosysteme eine zentrale Rolle bei der Aufnahme von Kohlenstoff spielen. Die Zerstörung der Natur hat gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Folgen.
Glücklicherweise macht der Rechtsrahmen Fortschritte und ermutigt die Investoren zum Handeln. 196 Länder trafen sich auf der COP15 zum Thema Biodiversität und erzielten ein historisches Abkommen mit einem klaren Kurs und festen Zielen, um den Verlust der Biodiversität drastisch zu verringern.
Wie ist dieses Thema in Bezug auf Investitionen einzuordnen?
Dem World Economic Forum zufolge stellen Investitionen in die Biodiversität einen potenziellen Markt dar, der auf 10 Billionen US-Dollar pro Jahr geschätzt wird, zu denen bis 2030 noch 395 Millionen Arbeitsplätze hinzukommen. Sie bildet daher ein grosses Chancenspektrum, in dem unter anderem neue Lösungen und neue Technologien entstehen.
Warum ist dieses Thema für Sie so wichtig, dass Sie beschliessen, ihm einen Fonds zu widmen?
Bei Swiss Life Asset Managers ist die Biodiversität eine hochrelevante Thematik. Wir sind überzeugt, dass die Achtung der biologischen Artenvielfalt das neue Schwerpunktthema für engagierte Anleger ist. Wir waren daher einer der ersten Akteure auf dem Markt, der dieses Thema mit einem Fonds besetzt hat. Auf diese Weise können Chancen für nachhaltiges Wachstum durch Unternehmen genutzt werden, die sich gegen den Verlust der biologischen Vielfalt engagieren.
Wie gross ist das Anlageuniversum, in dem Sie sich bewegen?
Wie gross ist das Anlageuniversum, in dem Sie sich bewegen?
Ein Unternehmen muss eine wesentliche Intentionalität nachweisen, damit es in unserem Anlageuniversum berücksichtigt wird. Dies setzt eine klare Vision des Managements und ein fortgeschrittenes Entwicklungsstadium im Anschluss an die Forschung und Entwicklung voraus. Es entstand ein dynamisches Universum, das den Pool an Chancen widerspiegelt, in dem die neuen Lösungen und Technologien entwickelt werden, die ich Ihnen eingangs erläutert habe. Es umfasst derzeit fast 350 Werte.
Auf welches Unternehmensprofil legen Sie den Schwerpunkt?
Der Fonds weist starke Verzerrungen bei Sektoren, Faktoren und geografischen Anlagezonen auf. Unser Portfolio setzt auf Small und Mid Caps. Sie zeichnen sich durch eine signifikante Impact-Materialität und ein hohes Wachstums- und Innovationspotenzial aus. Wir haben eine ausgeprägte Präferenz für den japanischen und den europäischen Markt und bevorzugen bestimmte Schlüsselsektoren wie Cleantech, nachhaltige Materialien und Basiskonsumgüter. Der Faktoransatz ist strategisch auf künftiges Wachstum ausgerichtet mit einer leichten Übergewichtung sogenannter Value-Aktien. Diese Positionierung spiegelt unser Engagement für innovative und nachhaltige Lösungen wider, die zur Erhaltung der Biodiversität beitragen. Wir passen diese Schwerpunkte regelmässig an, um der Marktentwicklung Rechnung zu tragen. Diese Strategie hat sich im Zusammenhang mit den Markt- und ökologischen Veränderungen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, als erfolgreich erwiesen.
Welche Kriterien bzw. Schlüsselindikatoren werden für Ihre Analysen und Bewertungen verwendet?
Die Kriterien und Indikatoren basieren auf wissenschaftlichen Indikatoren. Unsere Aufgabe ist es, für jedes einzelne Unternehmen zu bewerten, wie diese Kriterien zur Wahrung der Biodiversität tatsächlich integriert werden. Im ersten Schritt werden Unternehmen mit negativen Auswirkungen ausgeschlossen, deren Tätigkeit direkt zur Schädigung unserer Ökosysteme beiträgt. Es sei daran erinnert, dass wir in Unternehmen investieren, die Lösungen zum Schutz und/oder zur Wiederherstellung unserer Ökosysteme anbieten.
Wir stützen unsere Analyse auch die Vorgaben der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals), das heisst. die SDGs 14 und 15, die ich bereits erwähnt habe, sowie das SDG 12, das mehr mit der Kreislaufwirtschaft zu tun hat.
Die eigentliche Verwaltung beruht auf einem Quantamentalansatz, das heisst. einer Kombination aus Top-down- und Bottom-up-Daten. Das quantitative Screening ermöglicht den Aufbau eines soliden Portfolios, bei dem die regulatorischen und die risikospezifischen Anlagebeschränkungen überwacht werden. Der fundamentale Ansatz ist bei der Auswahl der Unternehmen unter Berücksichtigung ihrer Aktivitäten und ihrer Sensibilität in puncto Biodiversität von entscheidender Bedeutung.
Wo erkennen Sie heute die besten Chancen?
Wir sehen viele Chancen in recht unterschiedlichen Bereichen. Zu nennen wären hier Unternehmen, die sich auf Wasseraufbereitung, Abfallentsorgung oder das Recycling von Metall spezialisiert haben, um die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft zu fördern. Es gibt auch eine Reihe von Technologien, wie zum Beispiel Geräte zur Kartierung des Meeresbodens, oder den Bereich Agrartechnik und regenerative Aktivitäten.
In geografischen Hinsicht bietet das dem Ozean verbundene Japan mehrere Unternehmen, die sich auf den Schutz des maritimen Ökosystems spezialisiert haben und die wir sehr interessant finden. Australien zeichnet sich aufgrund seiner bedrohten Tier- und Pflanzenwelt ebenfalls durch Akteure aus, die sich der Kreislaufwirtschaft widmen. In Europa und den USA dagegen sind mehr Unternehmen zu finden, die sich auf die Bekämpfung der Umweltverschmutzung konzentrieren, zum Beispiel durch die Erhaltung von Ökosystemen, an Land oder im Süsswasser.
Emmanuelle Sée
Swiss Life Asset Managers
Emmanuelle Sée ist seit 2022 Leiterin des Bereichs Aktien und Impact Investing bei Swiss Life Asset Managers France. Sie begann ihre Laufbahn im Investment Banking bei ICBC und der Bank of China als Analystin und wechselte dann zur Amundi-Gruppe, wo sie in Tokio und Paris tätig war. Dort bekleidete sie von 2014 bis 2021 verschiedene Führungspositionen, und war mit ESG/Impact-Lösungen befasst. Sée war zunächst Multi-Asset-Managerin und spezialisierte sich später als Fondsmanagerin für globale Aktien auf das Thema Impact, das insbesondere Klima-, Umwelt- und soziale Lösungen besetzt. Für Swiss Life Asset Managers verwaltet sie unter anderem den Equity Environment Biodiversity Impact Fund. Emmanuelle Sée besitzt einen Master in Finanzwissenschaften des Institut National des Langues Orientales. Darüber hinaus verfügt sie über drei Bachelor-Titel für Chinesisch, Japanisch und internationalen Handel.
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Bei der digitalen Transformation ist das Wissen, was zu tun ist, nicht gleichbedeutend mit dem Wissen, wie es zu tun ist. Das „Wie“ ist die Spezialität von Synpulse 8. Dieses in Zürich ansässige Beratungsbüro hat sich zum Ziel gesetzt, für ihre Kunden in der gesamten Wertschöpfungskette des Wealth Management tätig zu werden.
Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei der technologischen Transformation?
Manche Kunden, die ihre betriebliche Effizienz und die Qualität ihrer eigenen Dienstleistungen steigern möchten, kommen zu uns, damit wir ihnen helfen, ein Programm oder eine Anwendung zu installieren, die sie von Anbietern wie Avaloq, Temenos oder ESI erhalten haben. Wir arbeiten auch mit unserem Partner Asset Max/Infront zusammen, wenn es um Software für die Datenverwaltung, die Kundenbeziehungen oder das Berichtswesen für unabhängige Vermögensverwalter, Family Offices und Banken geht.
Insgesamt besteht unsere Aufgabe nicht darin, Lösungen nachzubauen, die bereits auf dem Markt existieren, sondern innovative Komponenten mit einer bestehenden Plattform oder Infrastruktur zu verflechten. Synpulse 8 wird auch im konzeptionellen Stadium eines Projekts tätig, z. B. bei der Schaffung einer technologischen Infrastruktur für eine Neobank.
Hat Synpulse 8 eine direkte Verbindung zu den unabhängigen Vermögensverwaltern oder ziehen Sie es vor, über Partner zu gehen, die diese Vermögensverwalter als Kunden haben?
In der Vergangenheit haben wir eher direkt mit Partnern wie Wealthtechs und Depotbanken zusammengearbeitet, die sich direkt an die Vermögensverwalter wenden. Dies hat sich jedoch in den letzten drei oder vier Jahren geändert, d. h. seit der Gründung der OpenWealth Association, in der ich ebenfalls Mitglied bin und die verschiedene Akteure, darunter auch unabhängige Vermögensverwalter, zusammenbringt.
Dies ist ein zunehmend interessantes Segment für uns, da die meisten dieser Vermögensverwalter sehr klein sind. Sie haben jedoch einen wachsenden Bedarf an effizienten digitalen Lösungen zu erschwinglichen Kosten, wenn sie den technologischen Wandel überleben wollen. Vor allem der Bedarf an standardisierten Lösungen treibt die Nachfrage der unabhängigen Vermögensverwalter an, ein Segment, in dem wir allmählich stärker werden.
Was sind Ihre wichtigsten Entwicklungsschwerpunkte?
Wir haben zum Beispiel im Rahmen der OpenWealth Association den OpenWealth-Adapter für die Avaloq-Gemeinschaft entwickelt. Dieses Tool dient als Standard für die Integration von verschiedenen Anwendungen für Vermögensverwalter, Wealthtech, Depotbanken und andere Finanzintermediäre. Ziel ist es, die Konnektivität zwischen allen Akteuren der Finanzdienstleistungsbranche zu verbessern. Erwähnenswert sind auch unsere Lösungen, die auf der robotergestützten Automatisierung von Prozessen basieren, darunter ein Robot Advisor. Wir investieren auch in künstliche Intelligenz, um Probleme im Bereich Legal Compliance zu lösens.
Bedeutet das, dass Ihre Mitarbeiter sowohl Finanzfachleute als auch Mitarbeiter aus dem Bereich der neuen Technologien sind?
Auf jeden Fall! Banken und Vermögensverwalter sind unsere wichtigsten Märkte. Daher müssen unsere Mitarbeiter mit den Tätigkeiten dieser Branche vertraut sein, aber auch mit den Technologien, die in die verschiedenen Finanzinstitute integriert werden müssen. Das bedeutet nicht, dass ein IT-Spezialist das gleiche Wissen haben muss wie ein Banker oder umgekehrt, aber jeder muss eine gewisse Affinität zu Finanzdienstleistungen und neuen Technologien haben.
Raphaël Bianchi
SynPulse8
Raphaël Bianchi ist Senior Partner bei Synpulse Management Consulting und CEO von Synpulse 8, wo er seit 2008 tätig ist. Er nutzt seine über zwanzigjährige Erfahrung in der Bankenindustrie, um sich auf Innovationen im Rahmen eines offenen und eingebetteten Finanzumfelds zu konzentrieren. Neben seiner Funktion als CEO von Synpulse ist Raphaël Bianchi auch Mitglied des Vorstands von Tenity und Billte und dient als Vorsitzender der OpenWealth Association.
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Kim-Andrée Potvin
Bank Bonhôte
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Von Levi-Sergio Mutemba
Die Zürcher CAT Financial Products heisst seit diesem Sommer Maverix Securities und hat ein komplettes Rebranding vollzogen, um den Willen zum Wachstum als Fortsetzung der bisherigen Entwicklung klar zu unterstreichen.
Was bedeuten unabhängige Vermögensverwalter für Maverix?
Unabhängige Vermögensverwalter sind wichtige Partner für uns bei Maverix. Wir haben ein langfristiges Verständnis für ihre Bedürfnisse, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland, und bieten eine hochentwickelte und leicht anpassbare Plattform, die es ihnen ermöglicht, bessere Anlageentscheidungen zu treffen. In dem heutigen komplexen Finanzumfeld sind unsere robuste Technologieinfrastruktur und unsere hochmodernen Tools darauf ausgelegt, ihnen dabei zu helfen, immer einen Schritt voraus zu sein. Alle unsere Kunden wollen Renditen für ihre Kunden erwirtschaften oder die Risiken in ihren Portfolios reduzieren. Sie sind daher auf der Suche nach den nächsten Trends und den nächsten Anlagethemen.
Gibt es in diesem Sektor einen Trend, der Ihre Aufmerksamkeit besonders erregt?
Mit den kürzlich erteilten FIDLEG-Lizenzen stehen die ersten aufsichtsrechtlichen Prüfungen an. Die Vermögensverwalter passen sich an, streben nach Wachstum und bewältigen gleichzeitig die Herausforderungen der Nachfolgeplanung. In der Tat ist es interessant, die verschiedenen Ansätze für Wachstumsstrategien zu beobachten. Wir stellen fest, dass das größte Wachstum immer noch von Privatbankiers ausgeht, die ihre Bank verlassen und sich selbstständig machen. Dies unterstreicht, dass Unabhängigkeit und der Zugang zum gesamten Markt zu den wichtigsten Faktoren gehören. Es scheint einen klaren Wunsch nach Zugang zu einer unbegrenzten Auswahl an Dienstleistungen zu geben, während man gleichzeitig ein gewisses Mass an Flexibilität und Autonomie geniesst.
Wie passt künstliche Intelligenz in ein Wertpapierhaus wie Maverix?
Über unser Produktangebot hinaus nutzen wir Anwendungen der künstlichen Intelligenz vor allem in den Bereichen Verkauf, Kommunikation, Marketing und in unserer IT-Abteilung und erforschen ständig neue Möglichkeiten, um KI in unsere Betriebsabläufe zu integrieren. Wir haben ein KI-Schulungsprogramm für alle Mitarbeiter ins Leben gerufen, dass sie dazu ermutigt, KI-Tools zu erforschen, die die Effizienz und Kreativität steigern.
Und was ist mit Distributed Ledgers?
Einerseits ist das Potenzial der Blockchain zur Beschleunigung von Abwicklungen, grenzüberschreitenden Zahlungen, der Tokenisierung von Vermögenswerten und der Verwaltung der digitalen Identität enorm. Maverix ist bereit für die breite Einführung dieser Technologien und stellt sicher, dass unsere Kunden jetzt und in Zukunft von sicheren und innovativen Lösungen profitieren.
Was andererseits die Angebote betrifft, so sind diese vielseitig, ob wir nun Produkte mit traditionellen Wertrechten oder in Form von Token auf einer Blockchain ausgeben. Wir engagieren uns stark für Kryptowährungen und bieten eine der umfassendsten AMC-Plattformen an, die Spot-Trading, Staking und Derivate auf alle Arten von Kryptoanlagen umfasst.
Wie wirkt sich Fintech auf Ihr Geschäft aus, abgesehen von DLT und KI?
Bei Maverix waren wir schon immer Vorreiter bei der technologischen Entwicklung strukturierter Produkte. Wir haben 2009 das erste Reporting-Tool für strukturierte Produkte auf den Markt gebracht und 2014 White-Label-Lösungen für Banken und Vermögensverwalter eingeführt. Unsere Technologie ist so konzipiert, dass sie sich nahtlos in traditionelle und digitale Vermögensumgebungen integrieren lässt und unseren Kunden eine sichere Navigation durch die Zukunft der Finanzen ermöglicht.
Giuliano Glocker
Maverix
Giuliano Glocker ist CEO und Mitbegründer von Maverix (ehemals CAT Financial Products), einem von der FINMA regulierten Wertpapierhaus. Im Jahr 2008 verliess Giuliano Glocker die Credit Suisse, um innerhalb einer Finanzgruppe eine Abteilung für strukturierte Produkte aufzubauen, die Handels- und Market-Making-Dienstleistungen für strukturierte Produkte von Drittanbietern anbot. Diese Gruppe kaufte er später auf. Während seiner Tätigkeit bei der Credit Suisse erwarb er sein Bankdiplom und anschliessend eine Handelslizenz der SIX Swiss Exchange.
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Stablecoins haben sich trotz eines oft unklaren Regulierungsrahmens durchgesetzt. Indem sie eine Brücke zwischen der traditionellen Welt und der dezentralisierten Welt der Krypto-Assets schlagen, haben Stablecoins die Finanzpraktiken auf den Kopf gestellt. Dennoch wirft ihre rasante Entwicklung eine entscheidende Frage auf: Verbreiten sich diese Innovationen schneller als die Fähigkeit der Regierungen, sie zu regulieren?
Stablecoins sind eine Art Kryptowährung, die versucht, ihren Wert stabil zu halten, indem sie ihren Marktwert an eine externe Referenzwährung wie den US-Dollar oder Rohstoffe wie Gold bindet. Indem sie auf diese Weise andocken, wollen sie das Beste aus beiden Welten bieten: die Liquidität und Zugänglichkeit von Kryptowährungen mit der Stabilität traditioneller Währungen.
Im Jahr 2014 begannen Unternehmen wie Tether und Circle mit der Ausgabe von Stablecoins, die mit realen Vermögenswerten wie Bankeinlagen und kurzfristigen Banknoten hinterlegt sind. Diese Coins haben dazu beigetragen, Vertrauen in einen aufstrebenden digitalen Markt aufzubauen. Allerdings sind nicht alle Stablecoins gleich Einige sind vollständig mit Sachwerten unterlegt, während andere, wie algorithmische Stablecoins, sich auf den Code und die Dynamik des Marktes verlassen, um ihren Peg aufrechtzuerhalten.
Die Bedeutung der Aufrechterhaltung der Parität
La véritable valeur d’un stablecoin réside dans sa capacité à maintenir sa paritié même pendant les périodes de volatilité du marché. L’effondrement tristement célèbre de Luna et de TerraUSD en 2022, est un exemple édifiant de ce qui se passe lorsque cette stabilité est compromise. Lorsque TerraUSD a perdu son peg , la panique générale déclenchée sur le marché a entraîné des milliards de dollars de pertes et l’effondrement du marché crytpo.
Lily Liu, eine prominente Unternehmerin im Bereich der Kryptowährungen, beschreibt die Rolle der Stablecoins im dezentralisierten Finanzwesen treffend: „Stablecoins sind für das ‚on-chain‘-Finanzwesen absolut entscheidend. Sie geben Ihnen digitale und wirtschaftliche Souveränität durch „self-custody“„“. Dieser Punkt unterstreicht, wie Stablecoins es Einzelpersonen ermöglichen, ihre eigenen finanziellen Vermögenswerte zu verwalten, ohne von Mittelsmännern abhängig zu sein.
Das Wachstum der Stablecoins im Jahr 2024
Stablecoins sind trotz der regulatorischen Unsicherheit und der Marktkorrekturen weitergewachsen. Laut dem CoinGecko-Bericht 2024 sprangen die durch Fiat besicherten Stablecoins auf eine Marktkapitalisierung von 161,2 Mrd. US-Dollar im Jahr 2024 an, auch wenn sie damit immer noch unter dem Höchststand von 181,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2021 lag. Tether, der Marktführer, macht 70,3 % davon aus.
Auch rohstoffbesicherte Stablecoins verzeichneten ein deutliches Wachstum und stiegen um 18,1 % auf 1,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2024. Sie machen jedoch nur 0,8 % des Marktes für mit Fiat besicherte Stablecoins aus.
Insgesamt machen Stablecoins heute 8,2 % der Kapitalisierung des globalen Marktes für Kryptowährungen aus, und ihre Dominanz nimmt in Zeiten instabiler Märkte zu.
Diese Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass Stablecoins eine ernstzunehmende parallele Finanzinfrastruktur darstellen, die erst vor fünf Jahren auf einem Niveau nahe Null begonnen hat.
Tether und die implizite Zustimmung
Tether, der grösste Stablecoin der Welt, steht kurz vor seinem zehnjährigen Jubiläum. Mit einem verwalteten Vermögen von rekordverdächtigen 119 Mrd. US-Dollar und einem Betriebsgewinn von 1,3 Mrd. US-Dollar im zweiten Quartal 2024 hat Tether viel Grund zur Freude. Allein seine Bestände an US-Schulden belaufen sich auf 97,6 Mrd. US-Dollar, womit er an 18. Stelle der Halter stünde und die von Deutschland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Australien gehaltenen Schulden übertreffen würde.
Besonders interessant ist, dass Tether offenbar die implizite Zustimmung der US-Regulierungsbehörden erhalten hat. Indem Tether den Aufforderungen Adressen, die von Strafverfolgungsbehörden gemeldet werden, auf eine schwarze Liste zu setzten, scheint es eine Position der stillschweigenden Akzeptanz innerhalb des US-Finanzsystems erlangt zu haben.
Akzeptanz dank zunehmender Nützlichkeit
Die Nützlichkeit von Stablecoins nimmt weiter zu, da internationale Unternehmen und Finanzinstitute sie in ihre Dienstleistungen integrieren. Die BBVA hat den USDC in ihre Dienstleistungen für Krypto-Assets in der Schweiz aufgenommen. Die Bank erklärte: „Die institutionellen und privaten Kunden von BBVA in der Schweiz sowie diejenigen, die ein NewGen-Konto besitzen, können nun ihre USDC-Gelder auf derselben Plattform verwalten, auf der sie auch ihre herkömmlichen Investitionen verwalten“.
In Japan bereitet die Sony Bank die Einführung eines an den Yen gebundenen Stablecoins vor, während die drei größten Banken des Landes – MUFG, SMBC und Mizuho – Stablecoin-basierte Systeme für grenzüberschreitende Zahlungen prüfen.
Jeremy Allaire, CEO von Circle, deutete kürzlich an, dass das neueste NFC-Update (Near-field communication) von Apple den Weg für sofortige Zahlungen unter Verwendung des USDC ebnen könnte. Diese Art der Annahme durch die breite Öffentlichkeit könnte Stablecoins weiter in den Alltag von Verbrauchern und Unternehmen bringen.
Die Zukunft: Ein Weg zur universellen Akzeptanz.
Während Regierungen auf der ganzen Welt mit den Implikationen der Verwendung von Stablecoins ringen, ist eines klar: Stablecoins hatten genug Zeit, sich im Finanzökosystem zu verankern, sodass Regierungen eher bereit sind, sich mit ihnen zu arrangieren, als sie einfach zu verbieten. In einer Welt, in der sich Stablecoins bereits bewährt haben, scheint Akzeptanz statt Erlaubnis also der richtige Ansatz zu sein!
Géraldine Monchau
SPHERE
Géraldine Monchau leitet die Entwicklungen von Sphere. Sie begann ihre berufliche Laufbahn in der traditionellen Finanzbranche, wo sie leitende Positionen im Zusammenhang mit diskretionärem Portfoliomanagement und Advisory innehatte. Danach wechselte sie in die Branche der Blockchain-Technologie und der digitalen Vermögenswerte. Géraldine ist Absolventin von IUHEI, AZEK und CAIA. Sie ist Mitbegründerin von Women in Web3 Switzerland und Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses des CAS Blockchain HSG.
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