Thriller

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Das Risiko eines kurzfristigen Zahlungsausfalls der USA besteht weiterhin – mit weitreichenden Folgen

Die am Wochenende erzielte Einigung zwischen Präsident Joe Biden und dem Sprecher des Repräsentantenhauses Kevin McCarthy hat die Zuversicht gestärkt, dass die Lösung des Problems der US-Schuldenobergrenze in greifbare Nähe rückt und die Zahlungsunfähigkeit der grössten Volkswirtschaft der Welt abgewendet werden kann. Dennoch gibt es noch eine grosse Hürde, die überwunden werden muss, da die Mitglieder der republikanischen Partei diese Woche in beiden Kammern gegen die Vereinbarung kämpfen wollen.

 

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Obwohl McCarthy davon ausgeht, dass die Mehrheit seiner Parteimitglieder das Abkommen letztendlich akzeptieren wird, ist die Möglichkeit, dass das Abkommen abgelehnt wird, nicht unwahrscheinlich. Dann bleiben nur noch wenige Tage, um die Zahlungsunfähigkeit der USA abzuwenden, die nach dem derzeitigen Stand der Dinge am 5. Juni eintreten könnte.

Im Falle eines Zahlungsausfalls würden die Finanzmärkte heftig reagieren, aber die Heftigkeit ihrer Reaktion würde letztlich zu entschlossenen politischen Massnahmen führen, wie wir es während der globalen Finanzkrise erlebt haben. Damals wurden die Konjunkturprogramme und die Massnahmen der US-Regierung zunächst abgelehnt, aber die negative Marktreaktion schreckte die Politiker auf und führte dazu, dass die Massnahmen schliesslich verabschiedet wurden. Auch wenn die Möglichkeit eines Zahlungsausfalls besteht, ist es unwahrscheinlich, dass die US-Regierung ihre Schulden für längere Zeit nicht bedienen kann.

Das grösste Problem, auf das sich die Anleger konzentrieren sollten, ist der dauerhafte Schaden, den ein technischer Ausfall für die wirtschaftliche Stabilität und vor allem für das Vertrauen bedeuten würde. Wie die Wirtschaftsdaten zeigen, ist die US-Wirtschaft mit einer fortschreitenden und anhaltenden Verschlechterung konfrontiert, wobei sich die Auswirkungen der höheren Zinssätze allmählich bemerkbar machen – die Bankenkrise im ersten Quartal und die anschliessende Kreditverknappung sind die deutlichsten Beispiele. In diesem Umfeld besteht das eigentliche Risiko darin, dass ein exogenes Ereignis eintritt, das das Vertrauen in die Wirtschaft erschüttert und den „animal spirits“, die die Wirtschaft antreiben, einen Riegel vorschiebt.

Wenn diese, aus welchen Gründen auch immer, gebrochen werden, wird es schwieriger, eine Wirtschaft wieder in Gang zu bringen und das Vertrauen wiederherzustellen. In diesem Fall würde die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA gegen Jahresende oder zu Beginn des nächsten Jahres steigen. Dies würde sich wahrscheinlich auf die Weltwirtschaft auswirken, da die USA traditionell den Rest der Welt, einschliesslich Asien, nach unten ziehen. Europa hat jedoch im Vergleich zu den USA mehr Rückenwind beim Wachstum, ebenso wie Asien, das sich immer noch von der Pandemie erholt, was beiden Regionen helfen könnte, den Sturm zu überstehen und jegliche Marktvolatilität zu bewältigen. Es bleibt auch abzuwarten, ob China bereit wäre, eine aggressivere Stimulierungspolitik gegenüber der heimischen Wirtschaft zu verfolgen, was letztendlich dazu beitragen könnte, den Auswirkungen einer US-Rezession auf die Weltwirtschaft entgegenzuwirken.

Eine Zahlungsunfähigkeit der USA würde sich wahrscheinlich auch auf den US-Aktienmarkt auswirken, der nicht so gesund ist, wie er zu sein scheint. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um einen engen Markt handelt, dessen Entwicklung nur von einem Dutzend Unternehmen getragen wurde. Insgesamt hat der Wert der US-Aktien zugenommen, aber die meisten Aktien stagnieren oder sind gesunken. Die Kurse wurden nicht zuletzt von den positiven Aussichten für die Zinssätze im späteren Verlauf des Jahres angetrieben. Die Märkte gehen im Allgemeinen immer noch davon aus, dass die Zinssätze in der zweiten Jahreshälfte gesenkt werden, was angesichts der derzeitigen Inflationslage eine unrealistische Annahme ist.

Die derzeitige Euphorie über die Künstliche Intelligenz (KI) überdeckt diesen ungesunden Zustand. Zwar wird die KI mit der Zeit einen tiefgreifenden Wandel der Volkswirtschaften bewirken, indem sie vielen Unternehmen und Verbrauchern hilft, doch ist es unwahrscheinlich, dass sie die Auswirkungen haben wird, die sich der Markt derzeit erhofft.

Wie wir bei anderen technologischen Innovationen gesehen haben, werden sich die Auswirkungen nicht über Nacht einstellen, sondern schrittweise erfolgen. Die KI-Story würde nicht ausreichen, um die negativen Auswirkungen eines möglichen Zahlungsausfalls in den USA auf das Vertrauen und die Stimmung in der Wirtschaft und die daraus resultierenden Folgen für die Aktienmärkte zu überwinden. Anleger, die in den USA engagiert sind, sollten vorsichtig sein und sich in widerstandsfähigeren und weniger konjunkturanfälligen Unternehmen positionieren. Eine Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, Unternehmen in Sektoren wie Basiskonsumgüter und Gesundheitswesen in Betracht zu ziehen. Anleger sollten weiterhin Unternehmen meiden, die zu zyklisch sind, hohe Bewertungen haben oder deren Gewinnentwicklung nicht vorhersehbar ist.

Mathew Benkendorf

Vontobel Asset Management

Matthew Benkendorf ist seit März 2016 Chief Investment Officer der Quality Growth Boutique. Er trat 1999 bei Vontobel Asset Management in der Trading-Unterstützung ein und wurde 2000 zum Trader befördert. Im Jahr 2002 wurde er dann zum Research Analyst ernannt und wechselte 2006 in das Portfoliomanagement im Rahmen der European Equity-Strategie. Er war massgeblich an der Entwicklung des Anlageansatzes beteiligt, der auf die gesamte Quality Growth Boutique von Vontobel angewendet wurde. Matthew Benkendorf hat einen Bachelor of Science in Business Administration (Finance) von der University of Denver, Colorado.

US-Aktien

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USA: Unternehmensgewinne unter Druck

Im Hinblick auf das Chance-Risiko-Verhältnis erscheint der US-Aktienmarkt teuer, was bedeutet, dass die Performance in den kommenden Monaten wahrscheinlich von der Auswahl einzelner Aktien abhängt.

Die Inflation in den USA sollte – sofern es nicht zu einer Rezession kommt – sehr viel länger brauchen, um auf das Zielniveau zu sinken, als der Konsens derzeit erwartet. Die Geschichte zeigt, dass eine stark invertierte Renditekurve eine Rezession nur schwer vermeiden lässt. Je länger jedoch eine wirtschaftliche Landung hinausgezögert wird, in der Hoffnung sie gänzlich vermeiden zu können, desto härter wird sie letztlich ausfallen.

Auswirkungen des Drucks auf den Bankensektor

In jüngster Zeit ist der Bankensektor unter extremen Druck geraten, wobei sich eine potenzielle Krise im regionalen Bankensektor der USA abzeichnet. Aus der Vergangenheit, die Fed neigt dazu ihre Politik zu straffen, bis etwas „bricht“; die Eindämmung der Inflation ist ihre Aufgabe. Und in diesem Fall waren die Silicon Valley Bank und die Signature Bank die ersten, die zerbrachen, und in Europa erlitt die Credit Suisse das gleiche Schicksal. Zwar ist es wahrscheinlich, dass die akute Phase der Krise abklingt, doch in Wirklichkeit wird dieser Schock für das System zu einer Verschärfung der finanziellen Bedingungen führen. Regionalbanken sind eine wichtige Liquiditätsquelle für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), und der Selbsterhaltungstrieb bedeutet, dass diese Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltender sein werden. Die Auswirkungen werden nicht sofort spürbar sein, aber mit der Zeit.

Wenn es für KMU schwieriger wird, Kredite zu erhalten, wird dies mit der Zeit Folgen für das Wirtschaftswachstum in den USA haben. Eine grössere Bankenkrise ist unwahrscheinlich, aber die Auswirkungen der von der Fed orchestrierten Zinserhöhung zeichnen sich immer deutlicher ab.

Ein weiteres interessantes Merkmal des US-Aktienmarktes ist, dass die Unternehmen, die seit Jahresbeginn die höchsten Renditen erzielt haben, ihre Gewinnziele verfehlt haben. Diejenigen, die ihre Gewinnerwartungen erfüllt haben und deren Fundamentaldaten robust zu sein scheinen, haben dagegen im Allgemeinen eine unterdurchschnittliche Performance erzielt. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich die Märkte letztlich rational verhalten und dass die führenden Aktien des vergangenen Zyklus nicht immer dieselben sind, die auch in Zukunft führend sein werden.

Schwieriges Umfeld für Unternehmen

Aus der Ertragsperspektive sieht das Jahr 2023 für die US-Unternehmen schwierig aus. Nachdem die Konjunktur nach der Pandemie im Jahr 2021 durch die rekordverdächtigen geld- und fiskalpolitischen Impulse gestützt wurde, erwies sich das vergangene Jahr als ein schwierigeres Ertragsumfeld. Dieser Trend dürfte sich 2023 fortsetzen, und die Unternehmensgewinne dürften weiter unter Druck geraten.

Die Aussicht auf eine wirtschaftliche Rezession ist gross, und auch die Auswirkungen der höheren Inputkosten müssen noch nicht voll zum Tragen kommen. Der angespannte Arbeitsmarkt bedeutet auch, dass der Wettbewerb um Arbeitskräfte hoch bleiben wird, was die Gewinnspannen in einer Reihe von Branchen, insbesondere aber im Dienstleistungssektor, unter Druck setzt. Dies alles führt zu einem wesentlich schwierigeren Umfeld für die Rentabilität der Unternehmen. Viele US-Unternehmen haben Anfang 2023 entweder bereits rückläufige Gewinne gemeldet oder sind von solchen bedroht.

Ein hervorzuhebender Bewertungsmassstab ist die Aktienrisikoprämie (ERP). Sie misst die zusätzliche Rendite, die Aktienanleger im Vergleich zu risikofreien US-Staatsanleihen erwarten können. Die Analyse zeigt, dass die ERP für den S&P 500 Index heute auf einem historischen Tiefstand liegt. Die jüngsten Zinserhöhungen bedeuten, dass Anleger nun Renditen von nahezu 5 % aus US-Schatzpapieren erzielen können, ohne ein Risiko einzugehen. Die derzeitige Risikoprämie von etwa 200 bis 250 Basispunkten für Investitionen in den US-Aktienmarkt erscheint in diesem Zusammenhang jedoch völlig unattraktiv.

 

Justin White

T. Rowe Price

Justin White ist der Portfoliomanager des All-Cap Opportunities Fund von T. Rowe Price. Er arbeitet seit 2008 für das Unternehmen und begann als Investmentanalyst für Internet-Infrastrukturunternehmen, Kabel-/Satelliten- und US-Telekommunikationsunternehmen. Zuvor war er bei der Analysis Group in Washington, D.C., als Senior Analyst tätig.

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    Crash test

    • Von Gaëlle Boucher
    • Head of Research
    • bridport & cie

    European Additional Tier 1: Rückkehr zur Ruhe.

    Die nachrangigen Schuldtitel, die besser auch unter der Bezeichnung AT1 bekannt sind, erlebten ein turbulentes Frühjahr mit dem Zusammenbruch der Credit Suisse und der Auflösung eines milliardenschweren Portfolios. Dieser Unfall stellt ihre Berechtigung und die wichtige Rolle, die sie im europäischen Bankensystem spielen, jedoch nicht in Frage.

     

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    Vertrauen verliert man nur einmal, schrieb Gaël Aymon. Die Gläubiger von Junior-Anleihen bekamen das nach der Rettung der Crédit Suisse, die den 275 Milliarden Dollar schweren Markt für Additional-Tier-1-Anleihen (AT1) erschüttert hat, schmerzlich zu spüren. Anleihen im Wert von 17 Milliarden Euro müssen abgeschrieben werden –

    das ist ein schwerer Schlag für die Anlageklasse und das Anlegervertrauen. Ein paar spärliche Zeilen inmitten eines schwer verdaulichen Emissionsprospekts konnten eine derartig Massnahme im Falle einer Rettung durch den Staat nur erahnen lassen. Die Angst vor einer Krise im Bankensystem hat jedoch nachgelassen, da viele Aufsichtsbehörden die Einhaltung der Gläubigerhierarchie für die Verlustübernahme bei einem Konkurs bekräftigt haben.

    Doch worum geht es eigentlich? AT1s sind ein wesentliches Element für die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems: stark nachrangige Anleihen, die nach der Finanzkrise von 2008 entstanden, damit die Steuerzahler bei Bankpleiten nicht zur Kasse gebeten werden müssen. Die häufig als „CoCos“ oder „Contingent Convertibles“ bezeichneten Anleihen bilden die zweite Frontlinie nach Aktien. Der Gesetzgeber, der Banken einen Mindestbetrag von AT1-Anleihen vorschreibt – 1,5% der risikogewichteten Aktivena in Europa – kann diese im Falle einer Abwicklung in Aktien umwandeln oder einfach nur teilweise oder sogar ganz abschreiben. Die Banco Popular in Spanien war 2017 ein ähnlicher Fall, deren ausstehende AT1 in Höhe von 1,35 Milliarden Euro nach einem massiven Bank Run auf null abgeschrieben wurden.

    AT1-CoCos sind für Banken notwendig

    Die Emissionskosten sind stark gestiegen, obwohl die Risikoprämien seit ihrem Höchststand im März wieder gesunken sind. Doch die Primärmarktaktivität bleibt schwach. Die japanische Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) hat das Interesse der Investoren mit zwei Tranchen über insgesamt 1 Milliarde US-Dollar getestet, doch es gab kaum Nachfrage. Dabei gibt es derzeit keine Alternative für diese Assetklasse, denn ausschliesslich aus Aktien bestehendes Kapital wäre sehr teuer. Besonders solide Emittenten werden weiterhin AT1-Anleihen begeben, doch dies wird mit höheren Renditen verbunden sein als bisher. Kleinere Banken werden von diesem Markt ausgeschlossen und müssen auf teurere Alternativen ausweichen – dies könnte ihre Fähigkeit zur Ausreichung von Krediten an die Wirtschaft beeinträchtigen.

    Das europäische Bankensystem ist solide

    Grosse systemrelevante Banken weisen mit einer Kernkapitalquote von durchschnittlich 14% eine solide Kapitalausstattung auf, sind mit einer Mindestliquiditätsquote von durchschnittlich 150% sehr liquide und stark reguliert. Die Europäische Union hat vor Kurzem neue Regeln für die Rettung angeschlagener Banken vorgelegt, die von den Mitgliedsstaaten noch ausgehandelt werden müssen. Zur Reduzierung der Ansteckungsgefahr für mittelgrosse Banken würde die EU vorschlagen, die Konten einer in Schieflage geratenen Bank auf ein gesundes Institut zu übertragen, wobei die Absorption von Verlusten durch Eigenkapital als Hauptverteidigungslinie intakt bleiben soll. Diese Reform ist Teil einer umfassenden Neugestaltung der Aufsicht über den europäischen Bankensektor, der bereits einen Abwicklungsfonds von rund 80 Milliarden Euro eingerichtet hat. Und so würden die Gefahr einer Einlagenflucht und damit das Solvenzrisiko verringert.

    Infolgedessen könnte sich die Struktur der AT1 ändern. Das grösste Risiko besteht heute nicht darin, dass der Schwellenwert für die Solvabilität (5,125 bis 7% des harten Kernkapitals) ausgelöst, sondern dass eine Bank von der Aufsichtsbehörde für nicht lebensfähig erklärt wird. Die Europäische Kommission hatte im März 2022 ein Beratungsersuchen bezüglich der Überprüfung des makroprudenziellen Rahmens für Banken herausgegeben, das auch einige Vorschläge für AT1 enthielt und zu einer mit US Preferred Shares vergleichbaren Struktur ohne Auslöseschwellenwert führen könnte.

    Übertriebenes Laufzeitrisiko

    Am Markt sind die Bewertungen dieser ewigen Anleihen inzwischen völlig willkürlich. Viele Anleger fragen sich, was im Falle einer Ausübung ihrer Calls 2023 passiert – ohne Refinanzierung würde dies zu einem hohen Vertrauensverlust bei den Anlegern führen. Die Ausübung erfolgt nicht automatisch, sie muss von der Aufsichtsbehörde genehmigt werden und hängt weitgehend von der finanziellen Stabilität des Emittenten und den Marktbedingungen ab. Die systemrelevanten Banken sind gesund. Wahrscheinlich werden einige Schuldner ihre Anleihen zum ersten Fälligkeitstermin nicht zurückzahlen, wie die Deutsche Pfandbriefbank im März. Doch das dürfte nur bei einer Minderheit der schwächsten Emittenten der Fall sein.

    Attraktive Risikovergütung

    In der Finanzwelt gibt es ein unzertrennliches Paar, das immer Hand in Hand geht: Risiko und Rendite. Eine hohe Rendite kann immer nur mit einem hohen Risiko erzielt werden. Mittel- bis langfristig bieten AT1 nationaler Champions eine attraktive Überrendite bei überschaubarem Risiko. Ein anderes Argument ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen: Die durchschnittliche Aktienrendite (7%) ist derzeit deutlich niedriger als die Rendite von AT1 mit einem BBB-Rating (8,7%).

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    Gaëlle Boucher
    bridport & cie
    Gaëlle Boucher leitet seit 2020 die Research-Abteilung von bridport. Davor bekleidete sie mehrere Positionen als Rentenfondsmanagerin bei CCBP, CCR Gestion, AXA und Pictet Asset Management. Bei Lombard Odier war sie für das Fixed Income Advisory zuständig. Gaëlle Boucher verfügt über einen Master II in Finanzwesen der Universität Paris-Dauphine, die Zertifizierung als Wealth Management Advisor (CWMA), das Zertifikat des CFA Institute für ESG-Investments und zwei Executive Certificates in Corporate Finance der HEC Paris.

    Entschlüsselung

    • Olivier de Berranger
    • La Financière de l’Echiquier

    Man muss genau hinhören, was uns das Gold zu sagen hat

    Dieses Frühjahr flirtet der Goldpreis mit der Marke von 2.000 Dollar pro Unze. Abgesehen von diesen Rekordbewertungen ist es interessant, den Rahmen zu erweitern und diese Bewegungen zu analysieren, um die Ausrichtung der Geldpolitik antizipieren zu können.

     

     

    Gold nähert sich seinen historischen Höchstständen. Nachdem es am 13. April über 2.040 US-Dollar geklettert war, liebäugelt es jetzt mit seinem Rekordwert von 2.063 US-Dollar vom 6. August 2020. Eine Marke, die es auch im März 2022 schon fast erreicht hatte. In „realen“, also um die Inflation bereinigten Preisen ist der Rekord gewiss noch weit entfernt, denn die über drei Jahre kumulierte Inflation ist erheblich. Doch der jüngste Aufwertungstrend ist unverkennbar, vor allem wenn man einen Vergleich mit seinem Niveau von Anfang 2019 anstellt, als es unter 1.300 US-Dollar lag. Das ist ein Anstieg um über 50 %.

    Nun ist das Metall nicht einfach nur edel, sondern auch intelligent. Es reagiert – über die von den Finanzmarktakteuren eingegangenen taktischen oder spekulativen Positionen – auf geldpolitische Bedingungen, und zwar feinfühlig und vorausschauend. Im Nachhinein stellt man oft fest, dass es ein Vorbote von Krisen oder bedeutenden geldpolitischen Entwicklungen war. 2008 hatte es beispielsweise vor der grossen Finanzkrise deutlich zugelegt, während die Zentralbanken ihre Zinsen anhoben. 2011 übernahm es mit seinen damaligen Rekordwerten von über 1.800 US-Dollar (was beim heutigen Dollar wesentlich mehr wäre) die Funktion einer effizienten Absicherung gegen die Herabstufung des Ratings der USA und gegen die Eurokrise.

    Was kündigt also sein derzeitiger Höhenflug an? Versuchen wir, es zum Reden zu bringen.

    „Ich sehe einen Rückgang der Realzinsen“. Gold reagiert positiv auf negative Realzinsen, das heisst, wenn die Inflation das Zinsniveau übersteigt. Das ist natürlich eine wenig präzise Botschaft, denn es gibt verschieden Messlatten für die Inflation, in verschiedenen Ländern und mit Bezugnahme auf unterschiedliche Zinsen (kurzfristig, langfristig, aktuell, erwartet usw.). Doch in ihrer Gesamtheit betrachtet, sind die relevanten Faktoren klar. Das für die nächsten Monate erwartete allgemeine Inflationsniveau in den USA dürfte – so Gold Recht hat – den Durchschnittszins weiter übertreffen. Das kann bedeuten, dass entweder die Inflation bei unverändertem Zinsniveau hoch bleibt oder gar weiter steigt oder dass die Zinsen deutlich zurückgehen und vor allem schneller als die Inflation. Derzeit bevorzugt der Markt die letztgenannte Hypothese. Seit dem Zusammenbruch einiger Banken in den USA im März rechnet der Markt mit einer kräftigen Leitzinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) in der zweiten Jahreshälfte 2023. Das bedeutet indirekt höhere Rezessionsängste, was übrigens vom jüngsten Sitzungsprotokoll der Fed bestätigt wurde, in dem diese Hypothese eine zentrale Bedeutung hatte.

    Eine andere mögliche Botschaft des Goldes lautet: „Ich sehe den Dollar fallen“. In Dollar kann der Goldpreis zu einem Anstieg neigen, um seinen realen Wert zu erhalten, wenn der Dollarkurs fällt. Genau das geschieht im Moment. Gegenüber einem Korb weltweiter Währungen verliert der Dollar seit dem letzten Quartal 2022 an Boden. Der Grund für diese Schwäche hängt mit den Markterwartungen bezüglich des Leitzinsniveaus zusammen; hier wird in den USA mit einem früheren und stärkeren Rückgang als in den meisten anderen Regionen gerechnet. Dem Konsens zufolge wird es beispielsweise 2023 keine Zinssenkung in der Eurozone geben, aber mehrere in den USA. Dasselbe gilt für Grossbritannien und Japan, wo der Markt sogar von einer Zinsanhebung ausgeht. Dass China die Zinsen senkt, ist eher unwahrscheinlich, da die Wirtschaft gerade durchstartet.

    Die letzte denkbare Botschaft lautet: „Ich sehe eine US-Schuldenkrise“. Sei es aufgrund der Instabilität der Regionalbanken oder des Gewerbeimmobiliensektors, die beide aufgrund der Zinsanhebungen unter Druck stehen, oder im schlimmeren Fall aufgrund der politischen Blockade bei der Obergrenze der US-Staatsschulden – es besteht durchaus die Möglichkeit, dass das Rating der USA infrage gestellt wird. Man denke an die Herabstufung des Ratings der USA am 5. August 2011, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel einschlug. Sie kam exakt in dem Moment, als der Goldpreis nach einem starken Anstieg seinen Höhepunkt erreicht hatte. Tatsächlich ist seit 2022 ein ununterbrochener Anstieg der Absicherungskosten gegen einen Ausfall der USA zu beobachten. Auch wenn ein realer Ausfall undenkbar erscheint, weil er einem wirtschaftlichen Selbstmord gleichkäme, könnten die Spannungen in Bezug auf die Abstimmung über die Anhebung der Schuldenobergrenze in den kommenden Monaten noch zunehmen. 2011 hatte die Ratingagentur S&P ihre Herabstufung mit folgender Erklärung begründet: „Die Herabstufung des Ratings spiegelt unsere Ansicht wider, dass die Effektivität, die Stabilität und die Vorhersagbarkeit der Politik und der politischen Institutionen geschwächt wurden“. Gibt es da Ähnlichkeiten mit der derzeitigen Lage?Unser guter alter Freund das Gold warnt uns – und wir sollten zuhören. Glücklicherweise mangelt es nicht an hochwertigen Anlagen; man muss sie nur finden und bereit sein, einen gewissen Preis zu zahlen.

     

    Olivier de Berranger

    La Financière de l’Echiquier

    Seit 1990 war Olivier de Berranger als Trader und dann als Leiter des Trading Desk für Cash-Zinsprodukte und Derivate bei Crédit Lyonnais und später bei Calyon tätig. Anschliessend war er Leiter des Bereichs Capital Markets bei First Finance, einem Beratungs- und Schulungsunternehmen. Im März 2007 stiess er zu La Financière de l’Échiquier als Manager im Bereich Obligationen. Er ist insbesondere für die in Zinsprodukte investierten Bereiche des Fonds Echiquier Patrimoine verantwortlich und verwaltet Echiquier Arty sowie Echiquier Credit Europe. 2017 wurde er zum Leiter der Vermögensverwaltung und Vorstandsmitglied ernannt. Im April 2019 wurde er schliesslich zum stellvertretenden Generaldirektor ernannt. Olivier de Berranger ist Absolvent der HEC.

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      Tag der Erde

      Die zu hohen Kosten des ökologischen Wandels

      • Pascal Dudle und Matthias Fawer
      • Vontobel Asset Management

      Anlässlich des Internationalen Tags der Erde, der 1970 zum ersten Mal begangen wurde, sprechen Pascal Dudle und Matthias Fawer über die entscheidende Bedeutung von starken Investitionen in eine Wirtschaft, die in der Lage ist, mit den grossen Umweltherausforderungen der Gegenwart umzugehen.

      Die Welt steht vor einer Umweltkrise ungekannten Ausmasses. Die Menschheit sollte dem Kampf gegen den Klimawandel oberste Priorität einräumen, da er eng mit vielen anderen Umweltproblemen verbunden ist. Um zu verhindern, dass die Temperaturen um mehr als 1,5 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau ansteigen, müssten die weltweiten CO2-Emissionen nach Angaben des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) bis 2030 um etwa 45 Prozent gegenüber dem Niveau von 2010 sinken und bis zum Jahr 2050 Netto-Null erreichen.

      Klimaschutzinvestitionen sind notwendig und wirtschaftlich sinnvoll
      Dazu sind enorme Investitionen notwendig. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) sind allein in den Schwellen- und Entwicklungsländern bis 2030 zusätzliche Investitionen von einer Billion US-Dollar pro Jahr in saubere Energien notwendig, um bis 2050 CO2-Neutralität erreichen zu können. Das ist das Siebenfache der heutigen Investitionen und berücksichtigt dabei noch nicht einmal den Kapitalbedarf für Klimamassnahmen in anderen Ländern und Sektoren wie der Landwirtschaft, dem verarbeitenden Gewerbe oder auch für die notwendige Anpassung an die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels. Angesichts dieser Summen darf man aber nicht vergessen, dass die Kosten eines ungebremsten Temperaturanstiegs über die 1,5-Grad-Marke hinaus kaum zu beziffern wären. Zu ihnen zählen auch die wirtschaftlichen und sozialen Kosten der Folgen des Klimawandels wie den Anstieg des Meeresspiegels, extremer Wetterereignisse sowie Nahrungsmittel- und Wasserknappheit. Investitionen in Klimaschutzmassnahmen sind daher nicht nur notwendig, sondern auch langfristig wirtschaftlich sinnvoll.

      Institutionelle Anleger und private Geldgeber leisten wichtigen Beitrag
      Dem privaten Sektor kommt eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der globalen Umweltprobleme zu. Zum einen kann der Privatsektor mit Massnahmen zur Verringerung seines ökologischen Fussabdrucks und über Nachhaltigkeitsinitiativen zu einer nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Zukunft für alle beitragen. Vor allem aber übernehmen institutionelle Anleger sowie private Geldgeber eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung der Transformation. Die Mittelbereitstellung für Unternehmen und Projekte, die zum Kampf gegen die globale Erwärmung und andere Umweltprobleme beitragen, stellt eine potenziell lohnende und wirkungsvolle Anlagestrategie dar. Allerdings kann diese auch mit höheren Risiken verbunden sein und sorgfältige Analyse sowie professionelle Unterstützung sind daher wichtig. Das Anlagespektrum ist breit und reicht von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz über Lösungen für eine grüne Infrastruktur einschliesslich des öffentlichen Nahverkehrs, Bike-Sharing oder „grüner“ Gebäude. Auch Bereiche wie nachhaltige Landwirtschaft sowie Unternehmen, die nachhaltige Anbaumethoden oder Produkte zur Reduzierung der Umweltbelastung entwickeln sind unter langfristigen Anlageperspektiven attraktiv. Innovative Lösungen für die Abfallbewirtschaftung können dazu beitragen, die Abfallmenge auf Deponien zu verringern und die Kreislaufwirtschaft zu fördern.
      Private und institutionelle Investoren tragen schon heute zu einer nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Zukunft für alle bei und ihr Beitrag wird noch wichtiger werden. Der Tag der Erde erinnert zugleich daran, dass sich Übergang zu einer klimaneutralen Ökonomie nur gemeinsam bewältigen lässt.

      Pascal Dudle

      Head of Listed Impact

      Pascal Dudle ist seit 2007 bei Vontobel Asset Management tätig und betreut die sozial- und umweltorientierten Impact-Strategien. Als Head of Listed Impact ist er Portfoliomanager der Clean Technology Portfolios. Zuvor war war er 10 Jahre bei Swiss Re tätig. In seiner letzten Position, von 2001 bis 2007, investierte er als Portfoliomanager sowohl in öffentliche als auch private Märkte und konzentrierte sich auf Umweltbereiche wie alternative Energien, Energieeffizienz und nachhaltige Forstwirtschaft.

      Pascal besitzt einen Master-Abschluss in Betriebswirtschaft der Universität Zürich und ausserdem eine CEFA-Qualifikation.

      Matthias Fawer

      Senior Analyst, ESG & Impact

      Matthias Fawer ist seit Herbst 2016 bei Vontobel Asset Management tätig, als ESG & Impact Analyst. Bevor er zu Vontobel kam, war er seit 2013 in ähnlichen Funktionen bei der Vescore AG und der Notenstein Privatbank AG tätig (die 2016 von Vontobel übernommen wurde). Von 2000 bis 2013 war er Nachhaltigkeitsanalyst bei der Bank J. Safra Sarasin. Seit 2002 ist er Autor von Studien über Solarenergie und erneuerbare Energien und hält Vorträge an verschiedenen Kongressen.

      Matthias besitzt einen Master-Abschluss in Naturwissenschaften und einen Doktortitel des Instituts für Biotechnologie der ETH Zürich.

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